Wie wichtig ein Name ist

M. Russell Ballard

vom Kollegium der Zwölf Apostel


Gewöhnen wir uns doch an, klar hervorzuheben, dass der Name, unter dem wir bekannt sein sollen und den der Herr selbst bestimmt hat, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage lautet.

Elder Hales, im Namen von uns allen sage ich Ihnen, wie sehr wir Sie schätzen und wie dankbar wir sind, dass Sie heute Morgen hier bei uns sind.

Seit der letzten Frühjahrs-Generalkonferenz habe ich wiederholt darüber nachgedacht, wie wichtig ein Name ist. In den vergangenen Monaten wurden mehrere Großenkel in unsere Familie geboren. Auch wenn sie so schnell hintereinander kommen, dass ich kaum auf dem Laufenden bleiben kann, ist jedes Kind ein willkommener Zuwachs zur Familie. Jedes Kind hat von seinen Eltern einen besonderen Namen erhalten. Man wird es sein Leben lang unter diesem Namen kennen. Er unterscheidet es von allen anderen Menschen. Das ist in jeder Familie so, und das trifft auch auf die verschiedenen Religionen der Welt zu.

Der Herr Jesus Christus wusste, wie wichtig es war, seine Kirche in diesen Letzten Tagen eindeutig zu benennen. Im Abschnitt 115 des Buches Lehre und Bündnisse gab er selbst der Kirche ihren Namen: „Denn so soll meine Kirche in den Letzten Tagen genannt werden, nämlich: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.“ (Vers 4.)

König Benjamin sagte seinem Volk zur Zeit des Buches Mormon:

„Ich [möchte], dass ihr den Namen Christi auf euch nehmt, ihr alle, die ihr mit Gott den Bund eingegangen seid, dass ihr bis zum Ende eures Lebens gehorsam sein wollt. …

Und ich möchte, dass ihr auch daran denkt, dass dies der Name ist, von dem ich gesagt habe, ich würde ihn euch geben, der niemals ausgelöscht würde, außer durch Übertretung; darum gebt acht, dass ihr nicht übertretet, damit der Name nicht aus eurem Herzen ausgelöscht wird.“ (Mosia 5:8,11.)

Wir nehmen den Namen Christi auf uns, wenn wir uns taufen lassen. Wir erneuern die Wirkung dieser Taufe jede Woche, indem wir vom Abendmahl nehmen und so zeigen, dass wir willens sind, seinen Namen auf uns zu nehmen, und versprechen, immer an ihn zu denken (siehe LuB 20:77,79).

Ist uns bewusst, wie gesegnet wir sind, dass wir den Namen von Gottes geliebtem und einziggezeugtem Sohn auf uns nehmen können? Begreifen wir, wie bedeutend das ist? Der Name des Erlösers ist der einzige Name unter dem Himmel, durch den der Mensch errettet werden kann (siehe 2 Nephi 31:21).

Sie erinnern sich sicher, dass Präsident Boyd K. Packer bei der letzten Frühjahrs-Generalkonferenz darüber gesprochen hat, wie wichtig der Name der Kirche ist. Er erklärte, dass wir uns, „wie es uns offenbart worden ist, … Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und nicht Mormonenkirche [nennen]“ („Vom Heiligen Geist geführt“, Liahona, Mai 2011, Seite 30).

Weil der vollständige Name der Kirche so wichtig ist, bekräftige ich die Offenbarungen aus den Schriften, die Anweisungen der Ersten Präsidentschaft in Schreiben aus den Jahren 1982 und 2001 sowie die Worte weiterer Apostel, die die Mitglieder der Kirche dazu aufgefordert haben, dafür einzutreten und der Welt zu vermitteln, dass die Kirche beim Namen des Herrn Jesus Christus genannt wird. Dies ist der Name, mit dem der Herr uns am letzten Tag rufen wird. Es ist der Name, durch den seine Kirche sich von allen anderen unterscheidet.

Ich habe viel darüber nachgedacht, warum der Herr seiner wiederhergestellten Kirche einen acht Wörter langen Namen gegeben hat. Er mag lang erscheinen, aber wenn wir ihn als Beschreibung dessen sehen, wofür die Kirche steht, erscheint er plötzlich wunderbar kurz, klar und deutlich. Wie könnte eine Beschreibung direkter und eindeutiger und doch in so wenige Wörter gefasst sein?

Jedes Wort dient der Erklärung und ist unentbehrlich. Die wiederhergestellte Kirche hat eine einzigartige Stellung unter allen Religionen, worauf im Englischen der Artikel The hinweist.

Die Worte Kirche Jesu Christi heben hervor, dass es sich um die Kirche des Herrn handelt. Im Buch Mormon sagt Jesus: „Und wie soll es meine Kirche sein, wenn sie nicht nach meinem Namen genannt wird? Denn wenn eine Kirche nach dem Namen des Mose genannt wird, dann ist sie die Kirche des Mose, oder wenn sie nach dem Namen eines Menschen genannt wird [beispielsweise Mormon], dann ist sie die Kirche eines Menschen; wenn sie aber nach meinem Namen genannt wird, dann ist sie meine Kirche, wenn es so ist, dass sie auf mein Evangelium gebaut [ist].“ (3 Nephi 27:8.)

Der Letzten Tage erklärt, dass es sich um die gleiche Kirche handelt, die Jesus Christus während seines irdischen Wirkens aufgerichtet und nun in den Letzten Tagen wiederhergestellt hat. Wir wissen, dass es einen Abfall vom Glauben gab, der die Wiederherstellung von Gottes wahrer und vollständiger Kirche in unserer Zeit notwendig machte.

Heilige bedeutet, dass die Mitglieder der Kirche Jesus Christus nachfolgen und sich bemühen, seinen Willen zu tun, seine Gebote zu halten und sich darauf vorzubereiten, dereinst wieder bei ihm und beim Vater im Himmel zu leben. Ein Heiliger ist einfach jemand, der sich bemüht, ein geheiligtes Leben zu führen, indem er gelobt, Christus nachzufolgen.

Der Name, den der Erlöser seiner Kirche gegeben hat, besagt genau, wer wir sind und woran wir glauben. Wir glauben, dass Jesus Christus der Erlöser und Erretter der Welt ist. Er hat für alle gesühnt, die von ihren Sünden umkehren, und er hat die Bande des Todes zerrissen und dadurch die Auferstehung von den Toten möglich gemacht. Wir folgen Jesus Christus nach. Wie König Benjamin einst sein Volk aufforderte, sage auch ich heute uns allen: „[Denkt daran], dass ihr euch [seinen] Namen immer ins Herz geschrieben bewahrt.“ (Mosia 5:12.)

Wir sind aufgefordert, „allzeit und in allem und überall“ als seine Zeugen aufzutreten (siehe Mosia 18:9). Das bedeutet, dass wir bereit sein müssen, anderen zu berichten, wem wir nachfolgen und zu wessen Kirche wir gehören, nämlich zur Kirche Jesu Christi. Dabei sollen wir aber stets liebevoll sein und Zeugnis geben. Wir wollen dem Erlöser nachfolgen, indem wir einfach und deutlich, aber dennoch voller Demut erklären, dass wir seiner Kirche angehören. Wir folgen ihm nach, indem wir Heilige der Letzten Tage sind – seine Jünger in der heutigen Zeit.

Oft bekommen Menschen und Organisationen von anderen Spitznamen verpasst. Ein Spitzname kann die Kurzform eines Namens sein oder wird von einem Ereignis oder einem körperlichen oder sonstigen Merkmal abgeleitet. Ein Spitzname hat zwar nicht denselben Status oder dieselbe Bedeutung wie der richtige Name, man kann ihn aber durchaus sinnvoll verwenden.

Die Kirche des Herrn hatte in alter Zeit Spitznamen und hat auch heute welche. Die Heiligen im Neuen Testament wurden als Christen bezeichnet, weil sie sich zum Glauben an Jesus Christus bekannten. Ursprünglich wurde dieser Name von Gegnern abwertend verwendet, hat aber heutzutage einen guten Ruf, und wir fühlen uns geehrt, als christliche Kirche bezeichnet zu werden.

Unsere Mitglieder werden als Mormonen bezeichnet, weil wir an das Buch Mormon glauben, einen weiteren Zeugen für Jesus Christus. Das Wort Mormonen wird auch im erweiterten Sinne verwendet und auf diejenigen bezogen, die die Kirche verlassen und eine Splittergruppe gegründet haben. Das führt nur zu Verwirrung. Wir sind dankbar, dass die Medien sich bemühen, auf das Wort Mormonen zu verzichten, damit die Öffentlichkeit die Kirche nicht mit polygamistischen oder sonstigen fundamentalistischen Gruppierungen verwechseln kann. Ich möchte ganz deutlich sagen, dass keine polygamistische Gruppierung, auch die sogenannten fundamentalistischen Mormonen oder andere, deren Name sich von unserem ableitet, irgendetwas mit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu tun haben.

Mormonen ist nicht der vollständige und richtige Name der Kirche. Er wurde uns in der Anfangszeit der Kirche, als wir verfolgt wurden, von unseren Gegnern gegeben, ist inzwischen jedoch ein akzeptabler Spitzname, wenn er sich auf die Mitglieder bezieht und nicht auf die Kirche als solche. Wir brauchen auch gar nicht aufhören, den Namen Mormonen zu verwenden, wenn er angebracht ist; dennoch sollen wir weiterhin Wert auf den vollständigen und richtigen Namen der Kirche legen. Anders ausgedrückt: Wir meiden die Bezeichnung „Mormonenkirche“ und raten davon ab.

Bei meinen Aufträgen in aller Welt wurde ich im Laufe der Jahre oft gefragt, ob ich der Mormonenkirche angehöre. Meine Antwort war stets: „Ich bin Mitglied der Kirche Jesu Christi. Wir glauben an das Buch Mormon, einen weiteren Zeugen für Jesus Christus, das nach einem Propheten und Führer im alten Amerika benannt wurde – daher werden wir manchmal als Mormonen bezeichnet.“ Diese Antwort kam jedes Mal gut an, und ich hatte dadurch sogar die Gelegenheit, näher auf die Wiederherstellung der Fülle des Evangeliums in den Letzten Tagen einzugehen.

Brüder und Schwestern, überlegen Sie doch einmal, wie sich das auswirken kann, wenn wir einfach den vollständigen Namen der Kirche verwenden, wie der Herr es uns geboten hat. Wenn es nicht gleich möglich ist, den vollständigen Namen zu nennen, sagen Sie wenigstens „Kirche Jesu Christi“ und erläutern Sie „der Heiligen der Letzten Tage“ zu einem späteren Zeitpunkt.

Vielleicht fragen sich nun einige, warum die Kirche Internetseiten wie Mormon.org hat und diesen Namen auch bei Medienkampagnen verwendet. Wie gesagt, manchmal ist es sinnvoll, die Mitglieder als Mormonen zu bezeichnen. Es ist zudem praktisch, weil diejenigen, die der Kirche nicht angehören, uns unter diesem Namen suchen. Wenn man aber Mormon.org öffnet, wird der richtige Name der Kirche auf der Startseite erklärt, und er erscheint auf jeder weiteren Seite der Website. Es wäre unvernünftig, zu erwarten, dass jemand den vollen Namen der Kirche eingibt, wenn er nach uns sucht oder unsere Internetseite aufruft.

Diese praktischen Gründe wird es auch weiterhin geben, aber das soll die Mitglieder nicht davon abhalten, nach Möglichkeit den vollständigen Namen der Kirche zu nennen. Gewöhnen wir uns doch an, in der Familie, in der Kirche und im täglichen Leben klar hervorzuheben, dass der Name, unter dem wir bekannt sein sollen und den der Herr selbst bestimmt hat, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage lautet.

Vor kurzem hat eine Umfrage ergeben, dass viel zu viele Leute noch immer nicht richtig verstehen, dass sich der Begriff Mormonen auf die Mitglieder der Kirche bezieht. Viele sind sich nach wie vor nicht sicher, ob Mormonen Christen sind. Sogar wenn sie lesen, was die „Mormon Helping Hands“ in aller Welt nach schweren Stürmen, Erdbeben, Überschwemmungen und Hungersnöten geleistet haben, beziehen sie diese humanitären Einsätze nicht auf uns als christliche Organisation. Mit Sicherheit könnten sie leichter nachvollziehen, dass wir an den Erlöser glauben und ihm nachfolgen, wenn wir uns als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bezeichnen würden. So bezieht jemand, der den Namen Mormonen hört, diesen Begriff auf den offenbarten Namen und auf Menschen, die Jesus Christus nachfolgen.

In einem Schreiben vom 23. Februar 2001 hat die Erste Präsidentschaft uns nahegelegt: „Es [gewinnt immer mehr] an Bedeutung, [den] offenbarten Namen – Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage … –, zu verwenden, wenn wir unserer Aufgabe nachkommen, den Namen des Erretters in aller Welt zu verkünden. Wir bitten Sie deshalb, möglichst stets den vollen Namen der Kirche zu nennen, wenn Sie von ihr sprechen.“

Bei der Herbst-Generalkonferenz 1948 sagte Präsident George Albert Smith: „Brüder und Schwestern, wenn Sie nach Hause gehen, werden Sie mit verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu tun haben, aber denken Sie daran, dass es in der ganzen Welt nur eine Kirche gibt, die den Namen des Herrn Jesus Christus trägt, weil Gott es so geboten hat.“

Brüder und Schwestern, denken auch wir daran, wenn wir heute diese Konferenz verlassen. Mögen wir unser Zeugnis vom Herrn erklingen lassen und unsere Liebe zu ihm immer im Herzen tragen, das erbitte ich demütig in seinem Namen, im Namen Jesu Christi. Amen.