Die Macht des Aaronischen Priestertums

Keith B. McMullin

Zweiter Ratgeber in der Präsidierenden Bischofschaft


Ihr und das Amt im Aaronischen Priestertum, das ihr tragt, seid unverzichtbar im Werk des himmlischen Vaters mit seinen Kindern und bei der Vorbereitung dieser Erde auf das Zweite Kommen.

In einer Schulungsversammlung für Generalautoritäten hat Präsident Thomas S. Monson kürzlich einmal mehr darauf hingewiesen, welche Pflichten und Gelegenheiten die Träger des Aaronischen Priestertums haben.1 In diesem Sinne möchte auch ich heute zu euch sprechen.

Pflicht, die ordentlich erfüllt wird, bestimmt das Schicksal von Völkern und Nationen. Pflichterfüllung ist von solch grundsätzlicher Bedeutung, dass die Priestertumsträger ermahnt werden: „Darum lasst nun einen jeden seine Pflicht lernen und mit allem Eifer das Amt ausüben lernen, zu dem er bestimmt worden ist.“2

Präsident Monson hat erklärt: „Der Ruf der Pflicht kann still und leise kommen, wenn wir Priestertumsträger uns daran begeben, unseren Auftrag auszuführen.“3 Er hat ferner George Albert Smith zitiert: „Ihre Pflicht besteht vor allem darin, zu erfahren, was der Herr will, und dann Ihre Berufung vor Ihren Mitmenschen mit der Macht und Kraft Ihres heiligen Priestertums so groß zu machen, dass die Leute Ihnen gern folgen.“4

In Bezug auf seine eigene Pflicht hat unser Herr gesagt: „[Es geht] mir nicht um meinen Willen …, sondern um den Willen dessen, der mich gesandt hat.“5 „Ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“6 Weil Jesus Christus seine Pflicht erfüllt hat, können „alle Menschen errettet werden …, indem sie die Gesetze und Verordnungen des Evangeliums befolgen“7. Brüder, dies ist der Maßstab, an dem wir uns ausrichten müssen.

Nach meiner Erfahrung erfüllt ihr Diakone, Lehrer und Priester eure Pflicht genau so willig, zuverlässig und tüchtig, wie wir es von euch erwarten. Wir bewundern euch. Eure Lebensfreude ist ansteckend, eure Fähigkeiten sind erstaunlich, mit euch zusammen zu sein wirkt erfrischend. Ihr und das Amt im Aaronischen Priestertum, das ihr tragt, seid unverzichtbar im Werk des himmlischen Vaters mit seinen Kindern und bei der Vorbereitung dieser Erde auf das Zweite Kommen seines heiligen Sohnes. In unserer Vision von euch und eurer Pflicht blicken wir über euer jetziges Alter hinaus. Paulus sprach von euch, als er sagte: „Niemand soll dich wegen deiner Jugend gering schätzen. Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit.“8

Den Menschen wurde schon vor langer Zeit
ein Priestertum zuteil, das Aarons Namen trug.
Durch Leviten, Priester und Propheten
brachte es Gottes Kindern Segen.
Dann kam der Heiland in die Welt
und begab sich zu Johannes hin,
der dann taufte ihn mit dieser Macht,
wodurch der Tag des Heils brach an.
In neuer Zeit wurde diese Macht
in die Welt zurückgebracht,
damit das wahre Evangelium nun
in aller Herzen dringen kann.
Dies Priestertum voll Wahrheit ist;
daber bereitet es den Weg,
damit die Erlösung kommen kann
durch Gottes heilgen Sohn!
Und wer diese Macht nun tragen kann,
muss mehr als nur ein Knabe sein –
das Priestertum, das er besitzt,
macht ihn zu einem wahren Mann! 9

„Die Macht und Vollmacht des … Aaronischen Priestertums ist es, die Schlüssel des Dienstes von Engeln innezuhaben und die äußerlichen Verordnungen zu vollziehen, den Buchstaben des Evangeliums, die Taufe der Umkehr zur Sündenvergebung, im Einklang mit den Bündnissen und Geboten.“10 Präsident Boyd K. Packer hat bemerkt: „Es ist uns sehr gut gelungen, die Vollmacht des Priestertums weiterzugeben. Die Priestertumsvollmacht ist fast überall vorhanden. … Doch die Verbreitung der Vollmacht des Priestertums ist meiner Meinung nach der Verbreitung der Macht des Priestertums um Längen voraus.“11 In Hinblick auf das Wohlergehen der Kinder Gottes in der Ewigkeit muss dem abgeholfen werden.

Unser Prophet hat uns gesagt, wie das erreicht werden kann. Präsident Monson zitierte George Q. Cannon wie folgt: „Ich möchte die Macht des Priestertums gestärkt sehen. … Ich möchte sehen, wie diese Kraft und Macht sich durch das ganze Priestertum ausbreitet, und zwar von seiner Spitze bis hin zum geringsten und einfachsten Diakon der Kirche. Jeder Mann soll nach der Offenbarung Gottes streben und sich daran erfreuen, wobei das Himmelslicht in seiner Seele leuchtet und ihm Kenntnis gibt von seinen Pflichten, von seinem Teil des Werkes Gottes, der ihm in seinem Priestertum zukommt.“12

Was kann ein Diakon, Lehrer oder Priester tun, um den Geist der Offenbarung zu empfangen und seine Berufung groß zu machen? Er kann so leben, dass er sich der reinigenden, heiligenden und erleuchtenden Macht des Heiligen Geistes erfreuen kann.

Wie wichtig das ist, geht aus diesen Worten Almas hervor: „Nun sage ich euch: Dies ist die Ordnung, wonach ich berufen bin, … der heranwachsenden Generation [zu predigen,] dass sie umkehren und von neuem geboren werden müssen.“13 Wenn jemand von neuem geboren wird, wandelt sich sein Herz. Er hat keinen Drang nach dem, was böse oder unrein ist. Er empfindet tiefe und unverbrüchliche Liebe zu Gott. Er möchte gut sein, anderen dienen und die Gebote halten.14

Präsident Joseph F. Smith hat beschrieben, wie er diese mächtige Wandlung erlebt hat: „Das Gefühl, das mich überkam, war ein Gefühl reinen Friedens, von Liebe und Licht. Ich spürte innerlich, wenn ich gesündigt hatte, … so war mir vergeben worden; ich war tatsächlich von Sünde rein geworden. Ich war tief berührt und spürte, dass ich dem kleinsten Insekt unter meinen Füßen nichts zuleide tun konnte. Mir war, als wolle ich überall allen und jedem Gutes tun. Ich spürte ein neues Leben, ein neues Verlangen, das Rechte zu tun. In mir war nicht das kleinste Verlangen nach Bösem geblieben. Ich war … zwar noch ein kleiner Junge, aber dieser Einfluss kam über mich, und ich weiß, er kam von Gott, und er ist mir seither ein lebendiges Zeugnis dessen, dass der Herr mich angenommen hat.“15

Daher fordern wir euch wunderbare junge Brüder auf, eifrig danach zu streben, „von neuem geboren“16 zu werden. Betet für diese mächtige Wandlung in eurem Leben. Befasst euch mit den heiligen Schriften. Wünscht euch mehr als alles andere, Gott zu erkennen und so wie sein heiliger Sohn zu werden. Genießt eure Jugendzeit, doch legt ab, was Kind an euch ist:17

geht gottlosem und törichtem Geschwätz aus dem Weg

flieht alles Böse

meidet den Streit

kehrt um, wo es nötig ist18

Das wird euch helfen, euch den edlen Charakter anzueignen, der euch als Mann zukommt. Eigenschaften wie Mut, Vertrauenswürdigkeit, Demut, Glaube und Güte werden euch auszeichnen. Eure Freunde werden euch bewundern, eure Eltern werden euch loben, eure Brüder im Priestertum werden sich auf euch verlassen, und die Jungen Damen werden zu euch aufschauen und euretwegen noch besser werden. Gott wird euch ehren und euch Macht aus der Höhe für euren Dienst im Priestertum gewähren.

Die Übrigen von uns werden ihren Teil beitragen. Als Eltern und Großeltern werden wir euch auf weiteren tapferen Dienst im Reich Gottes vorbereiten. Als eure Brüder werden wir euch Vorbilder sein, denen ihr nacheifern könnt. Wir werden eure Kollegien an Stärke zunehmen lassen. Wir werden eure Kollegiumspräsidentschaften darin unterstützen, ihre Schlüssel zum Präsidieren auszuüben. Wir werden euch Gelegenheiten bieten, die Pflichten des Aaronischen Priestertums voll und ganz zu schultern und eure Berufung darin groß zu machen.

Durch euren geistlichen Dienst werden der Kirche große Segnungen zufallen. „Engel reden durch die Macht des Heiligen Geistes“19, und das könnt auch ihr. Wenn ihr durch die Macht des Heiligen Geistes redet und die heiligen Abendmahlssymbole darreicht, werden Männer und Frauen, Jungen und Mädchen bemüht sein umzukehren, mehr Glauben an Christus zu üben und den Heiligen Geist immer bei sich zu haben.

Wenn ihr fastet und das Fastopfer einsammelt, werden die Mitglieder bewogen, sich mit ihren Werken ein Beispiel am Erlöser zu nehmen. Dem Herrn lagen die Armen und Unterdrückten am Herzen, und er hat einen jeden aufgefordert: „Komm und folge mir nach!“20 Wenn ihr euch derer annehmt, die vom Leben weniger begünstigt sind, widmet ihr euch seinem heiligen Werk; dadurch bewahrt ihr euch auch die Vergebung, die ihr für vergangene Sünden bekommen habt.21

Ihr müsst keine Angst haben oder euch genieren, wenn ihr „das Haus eines jeden Mitgliedes“22 besucht. Der Heilige Geist wird euch im richtigen Augenblick eingeben, was ihr sagen, wie ihr Zeugnis geben oder in welcher Weise ihr dienen sollt.

Eure eifrigen Bemühungen, „immer über die Kirche zu wachen“23, werden sich auszahlen. Eure bescheidene Art wird selbst das ungläubigste Herz anrühren und den Griff des Widersachers lösen. Eure Einladung an andere, mit euch in die Kirche zu gehen, mit euch vom Abendmahl zu nehmen und gemeinsam mit euch zu dienen, wird für den, der sich im Schatten befindet, wo das Licht des Evangeliums nur noch schwach erglüht oder gänzlich erloschen ist, zum willkommenen Balsam.

Meine lieben jungen Brüder, vernachlässigt die Gnade nicht, die in euch ist24 und die ihr empfangen habt, als euch das Aaronische Priestertum übertragen wurde und ihr ordiniert wurdet.

„Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen. … Gott gibt dazu die Kraft: …

Mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen, … aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde.“25

Unser geliebter Prophet hat euch „zu den Fahnen gerufen“26. Wir grüßen euch ehrerbietig, beten für euch, genießen es, mit euch zu dienen, und danken Gott für die Macht, mit der ihr andere errettet, wenn ihr geistlich dient.

Ich gebe Zeugnis: Gott ist unser ewiger Vater und wohnt im Himmel droben. Jesus der Messias ist Gottes heiliger Sohn, der Erlöser der Welt. Ihr treuen Träger des Aaronischen Priestertums seid seine Botschafter auf Erden. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigen

  1.  

    1. Thomas S. Monson, Schulung für Generalautoritäten, April 2010

  2.  

    2.  Lehre und Bündnisse 107:99

  3.  

    3. Thomas S. Monson, „Dienen – eine heilige Berufung“, Liahona, Mai 2005, Seite 54

  4.  

    4. George Albert Smith, Frühjahrs-Generalkonferenz 1942; siehe auch Thomas S. Monson, Liahona, Mai 2005, Seite 54

  5.  

    5.  Johannes 5:30

  6.  

    6.  Johannes 6:38

  7.  

    7.  3. Glaubensartikel

  8.  

    8.  1 Timotheus 4:12

  9.  

    9. Gedicht von Keith B. McMullin

  10.  

    10.  Lehre und Bündnisse 107:20

  11.  

    11. Boyd K. Packer, „Die Macht des Priestertums“, Liahona, Mai 2010, Seite 7

  12.  

    12. George Q. Cannon, Deseret Weekly, 2. November 1889, Seite 593; zitiert von Thomas S. Monson bei einer Schulung für Generalautoritäten im April 2010

  13.  

    13.  Alma 5:49; Hervorhebung hinzugefügt

  14.  

    14. Siehe Marion G. Romney, „According to the Covenants“, Ensign, November 1975, Seite 71ff.

  15.  

    15. Joseph F. Smith, Herbst-Generalkonferenz 1898

  16.  

    16. Siehe Johannes 3:3-7; Alma 5:14-21,49

  17.  

    17. Siehe 1 Korinther 13:11

  18.  

    18. Siehe 2 Timotheus 2:16,22-26

  19.  

    19.  2 Nephi 32:3

  20.  

    20.  Lukas 18:22; siehe auch Johannes 14:12-14

  21.  

    21. Siehe Mosia 4:26

  22.  

    22.  Lehre und Bündnisse 20:47

  23.  

    23.  Lehre und Bündnisse 20:53

  24.  

    24. Siehe 1 Timotheus 4:14

  25.  

    25.  2 Timotheus 1:7-9

  26.  

    26. Thomas S. Monson, Schulung für Generalautoritäten, April 2010