Glaube, Standhaftigkeit, Erfüllung – eine Botschaft an Alleinerziehende

Elder David S. Baxter

von den Siebzigern


Sie bemühen sich, Ihre Kinder in Rechtschaffenheit und Wahrheit aufzuziehen. Ihnen ist bewusst, dass Sie die Vergangenheit zwar nicht ändern, wohl aber die Zukunft gestalten können.

Meine Botschaft richtet sich an alle Alleinerziehenden in der Kirche, die meisten davon alleinerziehende Mütter – tapfere Frauen wie Sie, die aufgrund verschiedenster Lebensumstände bei der Aufgabe, Kinder großzuziehen und den Haushalt zu führen, auf sich selbst gestellt sind. Vielleicht sind Sie verwitwet oder geschieden. Vielleicht befinden Sie sich in der schwierigen Situation, ein Kind allein aufzuziehen, weil Sie einen falschen Weg eingeschlagen und nicht geheiratet haben, stehen jetzt aber fest im Evangelium und haben Ihr Leben geändert. Sie verdienen das größte Lob, weil Sie keine Beziehung eingehen, deren Preis es wäre, Ihre Tugendhaftigkeit aufzugeben und dem Herrn nicht mehr nachzufolgen. Dieser Preis wäre in der Tat zu hoch.

Auch wenn Sie sich mitunter fragen: „Warum gerade ich?“, sind es doch gerade die Schwierigkeiten des Lebens, durch die wir dem Gottsein näherkommen. Unser Charakter wird im Schmelzofen der Anfechtung geformt, und so geschehen zuweilen einfach Dinge, bei denen Gott die Entscheidungsfreiheit des Menschen respektiert. Elder Neal A. Maxwell hat einmal erklärt, dass wir nicht alles zusammenzählen oder nachrechnen können, „weil uns nicht alle Zahlen vorliegen“.1

Doch ganz gleich, in welchen Umständen Sie leben oder was der Grund dafür sein mag: Sie sind großartig! Sie stemmen das Leben tagtäglich und erledigen einen Großteil der Arbeit, die eigentlich zwei Personen zugedacht war, im Alleingang. Sie müssen gleichzeitig Vater und Mutter sein. Sie führen den Haushalt, behüten Ihre Familie, mühen sich mitunter ab, um über die Runden zu kommen, und bringen erstaunlicherweise sogar noch Zeit und Kraft auf, um in der Kirche einen bedeutenden Beitrag zu leisten. Sie umsorgen Ihre Kinder. Sie weinen und beten mit ihnen und ihretwegen. Sie wollen für sie das Allerbeste und machen sich doch jeden Abend Sorgen, dass das Beste, was Sie geben können, vielleicht niemals ausreicht.

Ich spreche gewöhnlich nicht viel über Persönliches, doch auch ich stamme aus einer solchen Familie. Den größten Teil meiner Kindheit und Jugend zog unsere Mutter uns allein in ärmlichen Verhältnissen auf. Geld wurde sorgsam eingeteilt. Sie kämpfte mit innerer Einsamkeit und sehnte sich zuweilen verzweifelt nach Unterstützung und einem Gefährten. Trotz alledem strahlte meine Mutter Würde aus, hatte ein enormes Maß an Entschlossenheit und echten schottischen Schneid.

Glücklicherweise ging es ihr später im Leben besser als in jungen Jahren. Sie heiratete einen Neubekehrten, der verwitwet war, und wurde im London-Tempel an ihn gesiegelt, wo beide später kurz als Verordnungsarbeiter tätig waren. Sie waren fast ein Vierteljahrhundert zusammen und führten bis zu ihrem Tode ein glückliches, zufriedenes und erfülltes Leben.

Rund um die Welt gibt es in der Kirche viele gute Frauen wie Sie, die sich in einer ähnlichen Lage befinden und Jahr für Jahr dieselbe Widerstandsfähigkeit an den Tag legen.

Das ist nicht gerade das, was Sie sich vor Jahren einmal erhofft oder vorgenommen haben, wofür Sie gebetet oder was Sie erwartet haben, als sie noch am Anfang standen. Auf Ihrem Lebensweg gab es Schlaglöcher, Umwege und jede Menge Windungen, hauptsächlich deshalb, weil wir ja in einer gefallenen Welt leben, auf der wir geprüft werden und uns beweisen sollen.

Derweil bemühen Sie sich, Ihre Kinder in Rechtschaffenheit und Wahrheit aufzuziehen. Ihnen ist bewusst, dass Sie die Vergangenheit zwar nicht ändern, wohl aber die Zukunft gestalten können. Sie werden auf Ihrem Weg Segnungen erlangen, die vieles ausgleichen, auch wenn sie nicht sofort zu erkennen sind.

Mit Gottes Hilfe brauchen Sie vor der Zukunft keine Angst zu haben. Ihre Kinder werden heranwachsen und Sie seligpreisen, und ausnahmslos alles, was sie erreichen, wird Ihnen zur Ehre gereichen.

Denken Sie bitte nie, dass Sie unter den Mitgliedern der Kirche irgendwie zweitrangig wären oder ein geringeres Anrecht als andere darauf hätten, vom Herrn gesegnet zu werden. Im Reich Gottes gibt es keine Bürger zweiter Klasse!

Wenn Sie die Versammlungen besuchen und offenbar intakte, glückliche Familien sehen oder hören, wie jemand über Familienideale spricht, freuen Sie sich hoffentlich, dass Sie einer Kirche angehören, die die Familie in den Mittelpunkt stellt und lehrt, dass sie im Plan des Vaters im Himmel eine zentrale Rolle einnimmt. Er möchte ja, dass seine Kinder glücklich sind. Hoffentlich spüren Sie auch, dass wir inmitten von Unheil und sittlichem Verfall die Lehre, die Vollmacht, die Verordnungen und Bündnisse besitzen, die der Welt ihre größte Hoffnung bescheren. Das umfasst auch das künftige Glück Ihrer Kinder und der Familien, die sie einst gründen werden.

In der Allgemeinen FHV-Versammlung im September 2006 berichtete Präsident Gordon B. Hinckley, was eine geschiedene Mutter einmal erlebte, die sieben Kinder im Alter von sieben bis sechzehn Jahren allein großzog. Sie war über die Straße gegangen, um einer Nachbarin etwas zu bringen. Sie erzählte:

„Als ich wieder zu unserem Haus ging, sah ich es hell erleuchtet. Ich hatte noch im Ohr, was meine Kinder vor ein paar Minuten gesagt hatten, als ich aus dem Haus ging. Sie fragten: ,Mutti, was gibt es heute zum Abendessen?‘ ‚Kannst du mich zur Bibliothek fahren?‘ ,Ich brauche heute noch Zeichenpapier!‘ Müde und abgespannt, wie ich war, schaute ich das Haus an und sah Licht in jedem Zimmer. Ich dachte an alle diese Kinder, die darauf warteten, dass ich nach Hause kam und mich um sie kümmerte. Meine Last schien mir viel zu schwer.

Ich weiß noch, dass ich durch Tränen hindurch zum Himmel aufsah und sagte: ,O Vater, ich kann das heute Abend nicht mehr schaffen. Ich bin zu müde. Ich kann es einfach nicht. Ich kann nicht heimgehen und mich allein um diese Kinder kümmern. Kann ich nicht zu dir kommen und nur für eine Nacht bei dir bleiben?‘ …

Ich habe die Antwort nicht wirklich gehört, aber sie ist mir so in den Sinn gekommen: ,Nein, Kleines, du kannst jetzt nicht zu mir kommen. … Aber ich kann zu dir kommen.‘“2

Danke, Schwestern, für alles, was Sie tun, um Ihre Kinder aufzuziehen und ein liebevolles Zuhause zu bewahren, wo Güte, Frieden und Möglichkeiten zur Entfaltung vorhanden sind.

Auch wenn Sie sich oft einsam fühlen, sind Sie in Wahrheit niemals völlig allein. Wenn Sie geduldig und voller Glauben vorwärtsgehen, wird die Hand der Vorsehung an Ihrer Seite sein; der Himmel wird Ihnen die Segnungen, die Sie brauchen, schenken.

Ihre Lebensaussichten und -ansichten ändern sich, wenn Sie die Augen nicht niederschlagen, sondern sie emporheben.

Viele von Ihnen haben bereits die großartige, vieles verändernde Wahrheit erkannt, dass die eigene Last leichter wird, wenn man es sich zur Aufgabe macht, die Last anderer mitzutragen. Die Lebensumstände mögen sich dadurch nicht ändern, aber die Einstellung ist eine andere. Man kann eigene Prüfungen bereitwilliger hinnehmen und ist verständnisvoller und dankbarer für das, was man hat, anstatt sich immer nach dem zu verzehren, was einem fehlt.

Sie haben erkannt, dass der eigene Trostsäckel bis zum Rand gefüllt wird, wenn wir denen, deren Lebenskonto leer zu sein scheint, Kredit gewähren und Hoffnung schenken; unser Becher ist dann wahrhaft reichlich gefüllt (siehe Psalmen 23:5).

Wenn Sie rechtschaffen leben, werden Sie und Ihre Kinder eines Tages in den segensreichen Genuss kommen, zu einer vollständigen, ewigen Familie zu gehören.

Liebe Mitglieder und Führungsbeamte, können Sie die Familien Alleinerziehender noch besser unterstützen, ohne sie zu verurteilen oder abfällig von ihnen zu reden? Könnten Sie sich der Kinder in diesen Familien annehmen und vor allem den jungen Brüdern Beispiel geben, wie sich ein rechtschaffener Mann verhält und sein Leben führt? Dienen Sie Kindern, die ohne Vater aufwachsen, als nachahmenswertes Beispiel?

Natürlich gibt es auch Familien, in denen der Vater alleinerziehend ist. Brüder, wir beten auch für Sie und zollen Ihnen Respekt. Diese Botschaft richtet sich auch an Sie.

Liebe Alleinerziehende, ich gebe Zeugnis, dass der Himmel auf Sie herablächelt, wenn Sie Ihr Allerbestes tun, um die schwierigste Herausforderung, die ein Mensch haben kann, zu meistern. Sie sind wahrlich nicht allein. Lassen Sie zu, dass die erlösende, liebevolle Macht Jesu Christi Ihr jetziges Leben fröhlicher macht und Sie mit Hoffnung auf die Verheißungen für die Ewigkeit erfüllt. Fassen Sie Mut. Haben Sie Glauben und Hoffnung. Begegnen Sie den gegenwärtigen Lebensumständen standhaft und blicken Sie zuversichtlich in die Zukunft. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigen

  1.  

    1. Neal A. Maxwell, Notwithstanding My Weakness, 1981, Seite 68

  2.  

    2. In Gordon B. Hinckley, „Umschlossen von den Armen seiner Liebe“, Liahona, November 2006, Seite 117