Trachtet nach Wissen! Ihr habt ein Werk zu verrichten

Erste Ratgeberin in der Präsidentschaft der Jungen Damen


Tut euren Kindern und eurer künftigen Familie etwas Gutes, indem ihr jetzt so viel lernt, wie ihr nur könnt.

Meine lieben Jungen Damen, ihr alle liegt uns sehr am Herzen. Wir sehen, wie ihr mutig aufsteht und euer Licht leuchten lasst – in einer Welt, wo große Möglichkeiten von großen Herausforderungen begleitet werden. Das veranlasst euch vielleicht zu fragen: „Was hält die Zukunft für mich bereit?“ Ich versichere euch, dass ihr als tugendhafte Töchter Gottes eine strahlende Zukunft habt. Ihr lebt in einer Zeit, in der die Wahrheiten des Evangeliums wiederhergestellt sind, und diese Wahrheiten findet ihr in den heiligen Schriften. Ihr habt bei eurer Taufe die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, und der Heilige Geist wird euch die Wahrheit lehren und euch auf die Herausforderungen des Lebens vorbereiten.

Gott hat euch sittliche Entscheidungsfreiheit und die Gelegenheit gegeben, hier auf Erden zu lernen, und er hat ein Werk für euch. Damit ihr dieses Werk verrichten könnt, hat jede von euch die Pflicht, nach Wissen zu trachten. Ihr könnt den Schlüssel zu eurer Zukunft – euren „herrlichen Hoffnungsstrahl“1 – in der neuen Broschüre Für eine starke Jugend unter dem Grundsatz „Bildung“ und im JD-Ideal Wissenserwerb finden.

„Bildung [verschafft] euch Gelegenheiten.“2 Wenn ihr der Ermahnung des Herrn folgt, „nach Wissen [zu trachten], ja, durch Studium und auch durch Glauben“,3 erlangt ihr nicht nur durch euer Studium Wissen, sondern noch zusätzliches Licht, wenn ihr durch Glauben lernt.

Trachtet nach Wissen, indem ihr eifrig lernt. Ihr werdet kaum jemals wieder so viel Zeit zum Lernen haben wie jetzt. Präsident Gordon B. Hinckley gab den Jugendlichen in der Kirche den klugen Rat: „Die Lerngewohnheiten, die ihr euch während der Schulzeit aneignet, werden sich euer Leben lang in großem Maße auf euren Wissensdurst auswirken.“4 „Ihr müsst euch so viel Bildung aneignen, wie ihr nur könnt. … Bringt jedes erdenkliche und erforderliche Opfer, damit ihr euch für Aufgaben in [dieser] Welt qualifizieren könnt. … Schult euren Verstand und eure Hände, damit ihr im Laufe eures Lebens guten Einfluss ausüben könnt.“5

Präsident Thomas S. Monson hat speziell zu den Frauen gesagt: „Die Zukunft ist ungewiss, deshalb müssen wir uns auf alle Eventualitäten vorbereiten. … Ich fordere Sie auf, Ihre Ausbildung weiterzuführen und sich Kenntnisse anzueignen, die gefragt sind, damit Sie in einer solchen Situation für den Lebensunterhalt sorgen können.“6

Ihr Jungen Damen, folgt dem Rat dieser weisen und inspirierten Propheten! Seid gute Schülerinnen! Erhebt euch und lasst in der Schule euer Licht leuchten durch Fleiß, Ehrlichkeit und Redlichkeit. Wenn ihr in der Schule Schwierigkeiten habt oder wegen eurer Leistungen entmutigt seid, bittet eure Eltern, Lehrer und hilfsbereite Mitglieder der Kirche um Hilfe. Gebt niemals auf!

Schreibt alles auf, was ihr lernen wollt, und „berichtet eurer Familie, euren Freunden und den Führungsbeamten, die euch betreuen, welche Ziele ihr euch im Bereich Bildung gesetzt habt, damit sie euch unterstützen und euch Zuspruch geben können“.7 Das ist das Muster für euren Fortschritt.

Dank der Technik erlebt ihr eine wahre Explosion an Wissen. Ihr werdet ständig bombardiert mit Tönen, Videos und Nachrichten in sozialen Netzwerken. Seid wählerisch und lasst nicht zu, dass diese Informationsflut euch ablenkt oder euren Fortschritt verlangsamt. Erhebt euch, Junge Damen! Ihr legt eure Ziele fest. Ihr entscheidet, was euch in Herz und Sinn dringt.

Manches, was besonders wichtig ist, werdet ihr nicht in einem Klassenzimmer lernen. Sucht die Gesellschaft von beispielhaften Frauen, die euch Fertigkeiten in Bereichen wie Haushaltsführung, Kunst, Musik, Genealogie, Sport, Schreiben oder Sprechen vermitteln können. Lernt sie näher kennen und bittet sie, euch zu beraten. Wenn ihr etwas Neues gelernt habt, zeigt es den anderen bei euren Aktivitäten oder bringt es anderen Mädchen bei. Das ist ja auch eine Anforderung für die Auszeichnung „Fleißige Biene“.

Ich habe neben meiner wunderbaren Mutter viele Beraterinnen gehabt. Ich erlebte zum ersten Mal so eine Beraterin, als ich gerade einmal neun Jahre alt war. Meine PV-Lehrerin brachte mir bei, mit Kreuzstichen „Ich will das Licht des Evangeliums in mein Zuhause bringen“ zu sticken. Dieser Spruch hing in meinem Zimmer, als ich Teenager war. Sie leitete mich an, korrigierte mich und machte mir immer wieder Mut. Andere Beraterinnen folgten. Zwei ausgezeichnete Schneiderinnen in meiner Gemeinde brachten mir das Nähen bei. Dank ihrer Anleitung, ihrer Geduld und Ermutigung reichte ich mit 14 Jahren ein Kleid bei einem Nähwettbewerb ein, und ich gewann tatsächlich einen Preis. Dadurch stieg auch mein Verlangen nach Wissen und guten Leistungen auf anderen Gebieten.

Was ihr jetzt an Wissen erwerbt, wird euch einmal sehr von Nutzen sein, wenn ihr Mutter seid. „Das Bildungsniveau einer Mutter hat großen Einfluss darauf, welchen Bildungsweg ihre [Kinder] einschlagen.“8 Wenn die Mutter gut gebildet ist, kann das den „Teufelskreis der Armut beenden“,9 denn gebildete Frauen „bekommen häufiger gesündere Babys, haben gesündere Kinder, sind selbstbewusster und belastbarer und können besser denken und urteilen“.10

Wir lesen in der Proklamation zur Familie: „Die Mutter ist in erster Linie für das Umsorgen und die Erziehung der Kinder zuständig.“11 Es gehört zur Erziehung, für die Ausbildung der Kinder zu sorgen, und das ist eure heilige Aufgabe. Von den jungen Kriegern heißt es, „ihre Mütter hatten sie gelehrt“,12 und so werdet auch ihr die wichtigste Lehrerin sein, die eure Kinder jemals haben; also wählt sorgfältig aus, was ihr lernen wollt. Tut euren Kindern und eurer künftigen Familie etwas Gutes, indem ihr jetzt so viel lernt, wie ihr nur könnt.

Trachtet nach Wissen durch Glauben. Wir lernen durch Glauben, wenn wir uns eifrig geistiges Wissen aneignen, indem wir beten, die heiligen Schriften studieren und gehorchen und uns darum bemühen, dass der Heilige Geist, der alle Wahrheit bezeugt, uns führt. Wenn ihr euren Teil tut, um Wissen zu erwerben, kann der Heilige Geist euch den Verstand erleuchten. Wenn ihr euch bemüht, würdig zu bleiben, wird der Heilige Geist euch beim Lernen anleiten und euch zusätzliches Licht geben.

Als ich eine Junge Dame war, borgte ich mir Skier, die viel zu lang waren, und Stiefel, die viel zu groß waren. Dann zeigte mir eine Freundin, wie man Ski fährt! Wir begannen an einem herrlichen Frühlingstag mit strahlendem Sonnenschein, perfektem Schnee und einem wolkenlosen, blauen Himmel. Die Angst vor den steilen Hängen wich der Begeisterung, als ich es langsam lernte. Und obwohl ich mehrmals auf diesen zu langen Skiern hinfiel, stand ich immer wieder auf und übte weiter. Am Ende liebte ich diesen Sport!

Allerdings stellte ich bald fest, dass das Wetter nicht immer so ideal zum Skifahren war. Wenn der Himmel bedeckt war, liefen wir bei diffusem Licht Ski. Diffuses Licht entsteht, wenn das Sonnenlicht durch die Wolkendecke zerstreut wird. Wenn man dann den Blick über die weiße Schneedecke schweifen lässt, verflüchtigt sich die Tiefenwahrnehmung und man kann nicht mehr richtig einschätzen, wie steil die Abfahrt ist und wo die Buckel und Unebenheiten auf der Piste liegen.

Ihr Jungen Damen schaut vielleicht so auf eure Zukunft, wie ich auf diese steile Piste geschaut habe. Vielleicht habt ihr manchmal das Gefühl, dass ihr in diffusem Licht lebt und nicht erkennen könnt, was vor euch liegt. Wenn ihr durch Glauben lernt, gibt euch das Zuversicht und hilft euch, in Zeiten der Ungewissheit euren Weg zu finden.

Aus dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen in Matthäus 25 lernen wir, dass geistige Vorbereitung immens wichtig ist und jedem selbst obliegt. Ihr wisst sicher, dass alle zehn Jungfrauen eingeladen waren, den Bräutigam zum Hochzeitsfest zu begleiten. Aber als der Bräutigam kam, waren nur die fünf klugen Jungfrauen mit Öl in ihren Lampen vorbereitet.

„Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus.

Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht.

Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Tür wurde zugeschlossen.“13

Ihr findet es vielleicht selbstsüchtig, dass die klugen Jungfrauen nichts von ihrem Öl abgaben, aber es ging nicht. Geistige Vorbereitung muss man selbst treffen, Tropfen um Tropfen, und man kann nichts davon abgeben.

Jetzt ist für euch die Zeit, euch eifrig darum zu bemühen, euer geistiges Wissen zu vergrößern – Tropfen um Tropfen, durch Beten, Schriftstudium und Gehorsam. Jetzt ist die Zeit, euch Bildung anzueignen – Tropfen um Tropfen. Jeder tugendhafte Gedanke und jede tugendhafte Tat ist Öl für eure Lampe und versetzt euch in die Lage, vom Heiligen Geist geführt zu werden, unserem göttlichen Lehrer.

Der Heilige Geist wird euch auf eurem Lebensweg führen, selbst wenn ihr das Gefühl habt, in diffusem Licht zu sein, und euch unsicher seid, was vor euch liegt. Ihr braucht keine Angst zu haben. Wenn ihr auf dem Weg bleibt, der zum ewigen Leben führt, wird der Heilige Geist euch bei euren Entscheidungen und beim Lernen leiten.

Ich bezeuge aus eigener Erfahrung: Wenn ihr nach Wissen nicht nur durch Studium, sondern auch durch Glauben trachtet, werdet ihr geführt bei dem, was „ihr für den Herrn tun sollt und was ihr dazu wissen müsst“.14

Ich habe als junges Mädchen meinen Patriarchalischen Segen bekommen und erhielt den Rat, mich mit einer guten Ausbildung vorzubereiten und schon früh im Leben die Tugenden zu lernen, die man braucht, um einen Haushalt zu führen und Kinder großzuziehen. Ich habe mir so sehr gewünscht, eine Familie zu haben, aber diese Segnung erhielt ich erst, als ich mit 37 Jahren endlich heiratete. Mein Mann war Witwer, und so hatte ich an dem Tag, als wir uns im Tempel siegeln ließen, auf einmal nicht nur einen Ehemann, sondern auch gleich vier Kinder!

Lange vorher gab es viele Tage, an denen ich mich so fühlte, als ob ich in diffusem Licht Ski fuhr, und mich fragte, was die Zukunft wohl für mich bereithielt. Ich bemühte mich, die Ermahnungen aus meinem Patriarchalischen Segen zu beherzigen. Ich studierte fleißig, um Lehrerin zu werden, und bildete mich dann weiter, um Rektorin einer Grundschule zu werden. Ich betete zum Vater im Himmel und bemühte mich um Führung durch den Heiligen Geist. Ich klammerte mich fest an die Verheißung der Propheten, die mir versicherten, wenn ich „treu und gläubig bleibe, [meine] Bündnisse halte, Gott diene, den Vater im Himmel und den Herrn Jesus Christus liebe, [wird mir] keine der ewigen Segnungen vorenthalten, die der Vater im Himmel für seine glaubenstreuen Kinder bereithält“.15

Ich weiß, dass die Bildung, die ich mir angeeignet habe, mich auf ein Leben vorbereitet hat, das ganz anders verlief, als ich es mir als Mädchen vorgestellt hatte. Ich dachte, dass ich Lehrerin werde, um Schulkinder und meine zukünftigen eigenen Kinder zu unterrichten, aber ich wusste nicht, dass der Herr mich auch darauf vorbereitete, auf einer Mission mit meinem Mann in der Mongolei Englisch zu unterrichten, die Jungen Damen der Kirche in aller Welt anzuleiten und meinen Enkeln den Wert von Bildung zu vermitteln – herrliche Segnungen, an die ich niemals gedacht hätte.

Ich bezeuge, dass der Vater im Himmel euch kennt und euch wirklich liebt. Er setzt großes Vertrauen in euch und hat ein Werk, das nur ihr tun könnt. Ich möchte euch versichern, dass ihr auf dieses große Werk vorbereitet sein werdet, wenn ihr durch Studium und auch durch Glauben nach Wissen trachtet. Davon gebe ich Zeugnis im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigen

  1.  

    1. Gordon B. Hinckley, „Sich herabbeugen, um andere aufzurichten“, Liahona, Januar 2002, Seite 67

  2.  

    2.  Für eine starke Jugend, 2011, Seite 9

  3.  

    3.  Lehre und Bündnisse 88:118

  4.  

    4. Gordon B. Hinckley, Way to Be! Nine Ways to Be Happy and Make Something of Your Life, 2002, Seite 28

  5.  

    5. Gordon B. Hinckley, „Seek Learning“, New Era, September 2007, Seite 2, 4

  6.  

    6. Thomas S. Monson, „Wenn ihr bereit seid, werdet ihr euch nicht fürchten“, Liahona, November 2004, Seite 116

  7.  

    7.  Für eine starke Jugend, Seite 9f.

  8.  

    8. Cheryl Hanewicz und Susan R. Madsen, „The Influence of a Mother on a Daughter’s College Decision“, Utah Women and Education Project Research Snapshots, Nr. 3, Januar 2011, Seite 1

  9.  

    9. Marjorie Cortez, „Momʼs Education Key to Halt Poverty Cycle“, Deseret News, 23. September 2011, Seite A1

  10.  

    10. Olene Walker, „More Utah Women Need to Finish College“, Salt Lake Tribune, 30. Oktober 2011, Seite O4

  11.  

    11. „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“, Liahona, November 2010, Umschlagrückseite

  12.  

    12.  Alma 56:47

  13.  

    13.  Matthäus 25:8-10

  14.  

    14. Henry B. Eyring, „Education for Real Life“, Ensign, Oktober 2002, Seite 18

  15.  

    15. M. Russell Ballard, „Preparing for the Future“, Ensign, September 2011, Seite 27