Vom Herrn angenommen werden

Elder Erich W. Kopischke

von den Siebzigern


Nach der Annahme des Herrn zu streben und sie zu empfangen, führt zu der Erkenntnis, dass wir von ihm erwählt und gesegnet sind.

Ich weiß noch, dass mein Vater mich als Junge manchmal mitnahm, um ihm bei bestimmten Arbeiten zu helfen. Wir hatten ein paar Kilometer weit von uns zuhause entfernt einen Schrebergarten, und es gab dort immer viel zu tun, um den Garten in jeder Jahreszeit herzurichten. Wir arbeiteten am Gartenhäuschen, errichteten Zäune oder reparierten sie. Mir ist, als sei diese Arbeit immer dann angefallen, wenn es klirrend kalt war, stark schneite oder aus allen Wolken schüttete. Aber ich fand es toll. Mein Vater führte mir immer vor, wie man etwas mit Geduld und bereitwillig erledigt.

Einmal forderte er mich auf, eine Schraube anzuziehen, und mahnte: „Denk dran: Wenn du sie zu fest anziehst, bricht sie.“ Ich wollte ihm ganz stolz beweisen, dass ich das schon konnte. So drehte ich mit aller Kraft, und natürlich brach die Schraube entzwei. Er machte einen kleinen Witz und wir fingen von vorn an. Selbst wenn ich mal etwas vermasselte, spürte ich seine Liebe und das Vertrauen, das er in mich setzte. Er ist vor über zehn Jahren gestorben, doch ich höre noch immer seine Stimme, erfreue mich seines Zuspruchs und spüre seine Liebe und Annahme.

Das Gefühl, von jemandem, den wir lieben, angenommen zu werden, ist ein menschliches Grundbedürfnis. Von guten Menschen angenommen zu werden, motiviert uns. Unser Selbstwertgefühl und unser Selbstvertrauen wachsen dadurch. Wer von denjenigen, von denen er es sich wünscht, keine Annahme erfährt, sucht oft woanders danach. Er richtet seinen Blick vielleicht auf Leute, die an seinem Wohl nicht interessiert sind. Er gibt sich womöglich mit falschen Freunden ab und macht etwas wider besseres Wissen, um die Anerkennung, die er sucht, zu erhalten. Er sucht vielleicht dadurch nach Akzeptanz, dass er Kleidung einer bestimmten Marke trägt, die ihm ein Zugehörigkeitsgefühl oder einen Status verschafft. Manche streben eine wichtige Rolle oder Funktion an und bemühen sich so darum, angenommen zu werden. Vielleicht bestimmen sie ihren Wert durch einen Posten, den sie innehaben, oder einen Status, den sie erlangen.

Sogar in der Kirche verfallen wir hin und wieder in dieses Denkmuster. Von den falschen Leuten oder aus falschen Gründen angenommen werden zu wollen, führt uns auf einen gefährlichen Pfad – einen Pfad, der uns wahrscheinlich in die Irre und sogar zur Vernichtung führt. Statt geschätzt und selbstbewusst fühlen wir uns letzten Endes verlassen und minderwertig.

Alma riet seinem Sohn Helaman: „Sieh zu, dass du auf Gott blickst und lebst.“1 Die höchste Quelle, aus der wir Kraft und dauerhafte Annahme erfahren, ist unser Vater im Himmel und sein Sohn Jesus Christus. Sie kennen uns. Sie lieben uns. Sie nehmen uns nicht wegen unseres Titels oder unserer Stellung an. Sie kümmern sich nicht um unseren Status. Sie schauen uns ins Herz. Sie akzeptieren uns als die, die wir sind und die wir werden wollen. Wenn wir uns darum bemühen, dass sie uns annehmen, und wir dies erfahren, wird uns das immer aufrichten und anspornen.

Ich möchte Ihnen ein einfaches Muster vorstellen, das, wenn angewandt, jedem von uns helfen kann, vollkommen angenommen zu werden. Dieses Muster hat der Herr durch den Propheten Joseph Smith gegeben: „Wahrlich, ich sage euch: Alle unter ihnen, die wissen, dass ihr Herz ehrlich und reuig ist und ihr Geist zerknirscht, und die willens sind, ihre Bündnisse durch Opfer zu beachten – ja, jedes Opfer, das ich, der Herr, gebieten werde –, die werden von mir angenommen.“2

Dieses Muster besteht aus drei einfachen Schritten:

  1. 1.

    wissen, dass unser Herz ehrlich und reuig ist,

  2. 2.

    wissen, dass unser Geist zerknirscht ist, und

  3. 3.

    willens sein, unsere Bündnisse durch Opfer zu beachten, wie der Herr es gebietet.

Zuerst müssen wir wissen, dass unser Herz ehrlich und reuig ist. Woher wissen wir das? Wir fangen an, uns ernsthaft über uns selbst Gedanken zu machen. Das Herz ist der Sammelpunkt unserer Gefühle. Indem wir in unser Herz blicken, prüfen wir uns. Was niemand um uns herum weiß, das wissen wir ganz gewiss. Wir kennen unsere Beweggründe und Wünsche. Wenn wir uns ernsthaft und ehrlich selbst betrachten, rechtfertigen und täuschen wir uns nicht.

Wir können auch feststellen, ob unser Herz reuig ist. Ein reuiges Herz ist ein weiches, offenes und aufnahmebereites Herz. Wenn ich höre, wie der Heiland sagt: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an“3, dann höre ich, wie er an die Tür meines Herzens klopft. Wenn ich ihm die Tür öffne, bin ich den Aufforderungen des Geistes gegenüber empfänglicher, und ich nehme den Willen Gottes bereitwilliger an.

Wenn wir ehrlich und gebeterfüllt darüber nachdenken, in welchem Maße unser Herz ehrlich und reuig ist, dann belehrt uns der Heilige Geist. Wir empfangen dann eine beglückende Bestätigung oder eine sanfte Korrektur, die uns zum Handeln ermuntert.

Zweitens müssen wir wissen, dass unser Geist zerknirscht ist. Das Wort zerknirscht wird im Oxford-Wörterbuch definiert als ein „Gefühl oder Ausdruck der Reue, die der Erkenntnis folgt, dass man etwas falsch gemacht hat“4. Wenn wir einen zerknirschten Geist haben, erkennen wir an, dass wir Sünder sind und Schwächen haben. Wir sind belehrbar, „was [alle Fragen der] Rechtschaffenheit betrifft“5. Wir empfinden gottgewollte Traurigkeit und sind umkehrbereit. Ein zerknirschter Geist ist willens, „den Einflüsterungen des Heiligen Geistes“6 zuzuhören.

Ein zerknirschter Geist zeigt sich in unserer Bereitschaft und Entschlossenheit, zu handeln. Wir sind willens, uns vor Gott zu demütigen, umzukehren, zu lernen und uns zu ändern. Wir sind willens, zu beten: „Nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.“7

Der dritte Schritt, um vom Herrn angenommen zu werden, ist die bewusste Entscheidung, unsere Bündnisse durch Opfer zu beachten, „ja, jedes Opfer, das ich, der Herr, gebieten werde“8. Zu häufig meinen wir, das Wort Opfer weise auf etwas Großes oder Schweres hin, was wir tun müssten. Das mag in einigen Situationen zutreffen, doch meistens bedeutet es, jeden Tag als ein wahrer Jünger Christi zu leben.

Beispielsweise beachten wir unsere Bündnisse durch Opfer, wenn wir jede Woche würdig vom Abendmahl nehmen. Wir bereiten uns bewusst auf diese heilige Handlung vor. Wir erneuern und bestätigen unsere heiligen Versprechen dem Herrn gegenüber. Auf diese Weise spüren wir, dass er uns annimmt, und erhalten von ihm die Zusicherung, dass unsere Anstrengungen anerkannt werden und unsere Sünden durch das Sühnopfer Jesu Christi vergeben sind. Bei dieser heiligen Handlung verspricht der Herr uns, dass sein Geist immer mit uns sein wird, wenn wir willens sind, den Namen seines Sohnes auf uns zu nehmen und immer an ihn zu denken und seine Gebote zu halten. Es ist das größte Zeichen dafür, von Gott angenommen zu sein, wenn wir den Heiligen Geist als ständigen Begleiter bei uns haben.

Eine andere Möglichkeit, wie wir unsere Bündnisse durch Opfer beachten können, besteht schlicht darin, eine Berufung in der Kirche anzunehmen und glaubenstreu darin zu dienen oder der Aufforderung unseres Propheten Thomas S. Monson zu folgen und sich denen zuzuwenden, die am Wegesrand stehen und in geistiger Hinsicht gerettet werden müssen. Wir beachten unsere Bündnisse durch Opfer, indem wir in unserer Nachbarschaft oder im Gemeinwesen ohne viel Aufhebens dienen oder indem wir die Namen unserer Vorfahren suchen und die Tempelarbeit für sie erledigen. Wir beachten unsere Bündnisse durch Opfer, indem wir einfach nach Rechtschaffenheit streben, offen sind und auf die Eingebungen des Geistes in unserem täglichen Leben achten. Manchmal bedeutet das Beachten unserer Bündnisse nichts weiter, als fest und treu dazustehen, wenn die Lebensstürme um uns herum wüten.

Nachdem er das Muster erklärt hat, wie man von ihm angenommen wird, verwendet der Herr ein wunderbares Bild, um zu zeigen, wie wir als Einzelne und Familie daraus Nutzen ziehen, wenn wir von ihm angenommen werden möchten. Er sagt: „Denn ich, der Herr, werde sie hervorbringen lassen wie ein sehr fruchtbarer Baum, der in gutes Land an einem reinen Strom gepflanzt ist und viel köstliche Frucht bringt.“9

Wenn wir für den Geist des Herrn offen sind und seine Annahme spüren, werden wir über unser Verständnis hinaus gesegnet und bringen viele Früchte der Rechtschaffenheit hervor. Wir werden zu denjenigen gehören, zu denen der Heiland sagte: „Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“10

Nach der Annahme des Herrn zu streben und sie zu empfangen, führt zu der Erkenntnis, dass wir von ihm erwählt und gesegnet sind. Wir erlangen größere Zuversicht, dass er uns führen und zum Guten leiten wird. Seine liebevolle, große Barmherzigkeit zeigt sich in unserem Herzen, unserem Leben und unserer Familie.

Ich lade Sie von ganzem Herzen ein, sich darum zu bemühen, vom Herrn angenommen zu werden, und sich der von ihm verheißenen Segnungen zu erfreuen. Wenn wir dem einfachen Muster folgen, das der Herr uns dargelegt hat, werden wir erkennen, dass er uns annimmt, welche Stellung, welchen Status oder welche Einschränkungen im Leben wir auch haben mögen. Seine liebevolle Annahme wird uns motivieren, unseren Glauben stärken und uns helfen, mit allem im Leben fertig zu werden. Trotz unserer Herausforderungen werden wir erfolgreich sein, es wird uns wohl ergehen11 und wir werden Frieden verspüren12. Wir werden zu denjenigen gehören, zu denen der Herr sagte:

„Fürchtet euch nicht, kleine Kinder, denn ihr seid mein, und ich habe die Welt überwunden, und ihr seid von denen, die mein Vater mir gegeben hat,

und keiner von denen, die mein Vater mir gegeben hat, wird verloren gehen.“13

Im Namen Jesu Christi. Amen.