Kommt, all ihr Söhne Gottes

Präsident Thomas S. Monson


Möge ein jeder von uns eifrig in den Schriften forschen, sein Leben zielbewusst planen, die Wahrheit durch sein Zeugnis bekräftigen und dem Herrn mit Liebe dienen.

Zweimal im Jahr gehen von diesem großartigen Konferenzzentrum die eindringlichen Worte aus: „Ihr Söhne Gottes, die zum Priestertum erwählet, kommt alle!“1 Es herrscht immer ein besonderer Geist bei der Allgemeinen Priestertumsversammlung der Kirche.

Heute Abend gibt es in aller Welt Tausende von uns, die dem Herrn als Missionar dienen. Wie ich bereits heute Morgen erwähnt habe, sind derzeit über 65.000 Missionare im Einsatz. Es gibt Tausende weitere, die ihrer Ankunft in der Missionarsschule entgegensehen oder deren Anträge derzeit bearbeitet werden. Wir sind allen, die bereitwillig und gerne dienen, liebevoll zugetan und möchten sie loben.

In den heiligen Schriften gibt es keine wichtigere Bekanntmachung, keine verbindlichere Aufgabe und keine eindeutigere Anweisung als das, was der auferstandene Herr anordnete, als er in Galiläa den elf Jüngern erschien. Er sagte:

„Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,

und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“2

Dieses göttliche Gebot und die damit verbundene herrliche Verheißung sind heute wie auch damals zur Mitte der Zeiten unsere Losung. Die Missionsarbeit ist ein charakteristisches Merkmal der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. So war es schon immer, so wird es immer sein. Wie der Prophet Joseph Smith einst verkündete: „Nach allem, was gesagt worden ist, bleibt als größte und wichtigste Aufgabe, das Evangelium zu predigen.“3

Innerhalb von zwei kurzen Jahren werden alle Vollzeitmissionare, die derzeit in dieser königlichen Armee Gottes dienen, ihre Arbeit beendet haben und in ihre Heimat und zu ihren Lieben zurückgekehrt sein. An ihre Stelle treten dann diejenigen, die heute Abend in den Reihen des Aaronischen Priestertums der Kirche zu finden sind. Ihr Jungen Männer, seid ihr bereit, dem Ruf zu folgen? Seid ihr willens zu arbeiten? Seid ihr bereit zu dienen?

Im günstigsten Fall muss man bei der Missionsarbeit seine Lebensweise drastisch ändern. Man muss stundenlang mit großer Hingabe arbeiten, selbstlos Opfer bringen und innig beten. Als Ergebnis erhält ein eifriger Missionar Zinsen in Form von ewiger Freude, die sein Leben lang und bis in die Ewigkeit hinein anhält.

Jetzt gilt es, ein noch nützlicherer Diener im Weinberg des Herrn zu werden. Das trifft auf uns alle zu, wie alt wir auch sein mögen, und nicht nur auf diejenigen, die sich auf eine Vollzeitmission vorbereiten; denn ein jeder von uns hat den Auftrag, das Evangelium Christi zu verbreiten.

Ich möchte ein unfehlbares Erfolgsrezept vorschlagen: 1.) Forschen Sie eifrig in den Schriften, 2.) planen Sie Ihr Leben zielbewusst (und ich möchte hinzufügen: ohne Rücksicht auf Ihr Alter), 3.) bekräftigen Sie die Wahrheit durch Ihr Zeugnis, und 4.) dienen Sie dem Herrn mit Liebe.

Schauen wir uns jeden der vier Punkte einmal genauer an.

Erstens: Forschen Sie eifrig in den Schriften.

Die Schriften geben Zeugnis von Gott und enthalten die Worte des ewigen Lebens. Sie werden zur Grundlage unserer Botschaft.

Die heiligen Schriften bilden den Schwerpunkt im Lehrplan der Kirche, der sorgfältig ausgearbeitet und abgestimmt wurde. Wir sind außerdem angehalten, jeden Tag sowohl alleine als auch mit der Familie in den Schriften zu forschen.

Ich möchte da nur eine Schriftstelle anführen, die jeder unmittelbar auf sich beziehen kann. Im Buch Mormon lesen wir in Kapitel 17 des Buches Alma, wie sehr sich dieser freut, als er die Söhne Mosias wiedersieht und feststellt, dass sie an der Wahrheit standhaft festgehalten haben. Wir lesen, dass sie „in der Erkenntnis der Wahrheit stark geworden [waren]; denn sie waren Männer mit gesundem Verständnis, und sie hatten eifrig in den Schriften geforscht, um das Wort Gottes zu kennen.

Aber das ist nicht alles; sie hatten sich vielem Beten und Fasten hingegeben; darum hatten sie den Geist der Prophezeiung und den Geist der Offenbarung, und wenn sie lehrten, so lehrten sie mit Macht und Vollmacht von Gott.“4

Brüder, forschen Sie eifrig in den Schriften.

Der zweite Punkt in unserem Erfolgsrezept lautet: Planen Sie Ihr Leben zielbewusst.

Wohl in keiner anderen Generation mussten die Jugendlichen so weitreichende Entscheidungen treffen wie heutzutage. Sie müssen Vorkehrungen für Ausbildung, Mission und Ehe treffen. Für manche kommt noch der Militärdienst hinzu.

Die Vorbereitung auf eine Mission beginnt schon früh. Zusätzlich zur geistigen Vorbereitung können kluge Eltern dafür sorgen, dass ihr Sohn schon früh damit beginnt, für seine Mission zu sparen. Sie können ihn auch ermuntern, im Laufe der Jahre eine Fremdsprache zu erlernen, damit er diese Sprachkenntnisse gegebenenfalls nutzen kann. Schließlich kommt der herrliche Tag, an dem der Bischof und der Pfahlpräsident den jungen Mann zu sich bitten. Sie vergewissern sich, dass er würdig ist, und füllen einen Missionarsvorschlag aus.

Zu keinem anderen Zeitpunkt wartet die ganze Familie so sehnsüchtig auf den Postboten und den Brief mit dem Absender 47 East South Temple, Salt Lake City, Utah. Der Brief trifft ein, die Spannung ist unerträglich, und die Berufung wird vorgelesen. Oftmals befindet sich das Missionsgebiet weit weg von zu Hause, doch ungeachtet des Einsatzgebietes ist die Antwort eines vorbereiteten und gehorsamen Missionars immer dieselbe: „Ich werde gehen!“

Dann beginnen die Vorbereitungen für die Abreise. Ihr jungen Männer, ich hoffe, ihr wisst die Opfer zu schätzen, die eure Eltern so bereitwillig für eure Mission auf sich nehmen. Dank Ihrer Mühen ist für euch gesorgt, ihr Glaube macht euch Mut, ihre Gebete sind euch eine Stütze. Eine Mission ist Familiensache. Auch wenn man durch Länder und Meere voneinander getrennt ist – im Herzen ist man vereint.

Brüder, wenn Sie Ihr Leben zielbewusst planen, denken Sie daran, dass sich Gelegenheiten zur Missionsarbeit nicht auf den Zeitraum beschränken, wenn man offiziell dazu berufen ist. Auch diejenigen unter Ihnen, die Militärdienst leisten, können und sollen diese Zeit sinnvoll nutzen. Jedes Jahr führen unsere jungen Soldaten viele Seelen ins Reich Gottes, indem sie ihr Priestertum ehren, nach Gottes Geboten leben und anderen das herrliche Wort Gottes verkünden.

Verlieren Sie während Ihrer beruflichen Ausbildung nicht aus den Augen, was für ein Vorzug es ist, ein Missionar zu sein. Ihr Beispiel als Heiliger der Letzten Tage wird von anderen gesehen, beurteilt und oft nachgeahmt.

Brüder, ungeachtet Ihres Alters oder Ihrer Umstände rufe ich Sie auf: Planen Sie Ihr Leben zielbewusst.

Nun zum dritten Punkt in unserem Erfolgrezept: Bekräftigen Sie die Wahrheit durch Ihr Zeugnis.

Befolgen Sie den eindringlichen Rat des Apostels Petrus: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“5 Erheben Sie Ihre Stimme und geben Sie Zeugnis vom wahren Wesen der Gottheit. Geben Sie Zeugnis vom Buch Mormon. Legen Sie die herrlichen und schönen Wahrheiten des Erlösungsplans dar.

Als ich vor über 50 Jahren Missionspräsident in Kanada war, staunte ein junger Missionar, der aus einer kleinen Landgemeinde kam, über die schiere Größe Torontos. Er war nicht groß gewachsen, hatte aber ein großes Zeugnis. Kurz nach seiner Ankunft kam er zusammen mit seinem Mitarbeiter an das Haus von Elmer Pollard in Oshawa in Ontario. Mr. Pollard hatte Mitleid mit den jungen Männern, die mitten in einem heftigen Schneesturm von Haus zu Haus zogen, und so bat er die Missionare zu sich herein. Sie verkündeten ihm ihre Botschaft. Er aber verspürte den Geist nicht. Nach einiger Zeit forderte er sie auf, zu gehen und nicht wiederzukommen. Als die Missionare die Veranda verließen, gab er ihnen spöttisch mit auf den Weg: „Ihr könnt mir sowieso nicht weismachen, dass ihr wirklich daran glaubt, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes war!“

Dann schlug er die Tür zu. Als die Missionare ihres Weges gingen, sagte unser Junge vom Land zu seinem Mitarbeiter: „Elder, wir haben Mr. Pollard gar nicht geantwortet. Er hat gesagt, wir würden nicht daran glauben, dass Joseph Smith ein wahrer Prophet war. Gehen wir zurück und geben wir ihm Zeugnis!“ Zuerst zögerte der erfahrenere Missionar, dann aber ließ er sich darauf ein, seinen Mitarbeiter zu begleiten. Angst befiel sie, als sie auf die Tür zugingen, von der sie gerade erst zurückgewiesen worden waren. Sie klopften an, traten vor Mr. Pollard, und nach einem qualvollen Augenblick sagte der unerfahrene Missionar mit der Macht des Geistes: „Mr. Pollard, Sie haben gesagt, wir glaubten selbst nicht daran, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes war. Ich bezeuge Ihnen, dass Joseph ein Prophet war. Er hat das Buch Mormon übersetzt. Er hat Gottvater und seinen Sohn Jesus gesehen. Das weiß ich!“

Einige Zeit später stand dieser Mann – mittlerweile Bruder Pollard – in einer Priestertumsversammlung auf und erklärte: „In dieser Nacht fand ich keinen Schlaf. Immer wieder hörte ich in Gedanken diese Worte: ‚Joseph Smith war ein Prophet Gottes. Das weiß ich! Das weiß ich! Das weiß ich!‘ Am nächsten Tag rief ich die Missionare an und bat sie, wiederzukommen. Ihre Botschaft, bekräftigt durch ihr Zeugnis, änderte mein Leben und das meiner Familie.“ Brüder, bekräftigen Sie die Wahrheit durch Ihr Zeugnis.

Der letzte Punkt in unserem Rezept lautet: Dienen Sie dem Herrn mit Liebe. Es gibt keinen Ersatz für Liebe. Ein guter Missionar schließt seinen Mitarbeiter, seine Missionsführer und die wertvollen Menschen, die er besucht, ins Herz. Im vierten Abschnitt des Buches Lehre und Bündnisse legt der Herr die Voraussetzungen für den geistlichen Dienst fest. Lesen wir doch ein paar Verse:

„O ihr, die ihr euch in den Dienst Gottes begebt, seht zu, dass ihr ihm mit eurem ganzen Herzen, aller Macht, ganzem Sinn und aller Kraft dient, damit ihr am letzten Tag ohne Tadel vor Gott stehen mögt. …

Und Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe und Liebe, das Auge nur auf die Herrlichkeit Gottes gerichtet, befähigen ihn für das Werk.

Denkt immer an Glauben, Tugend, Erkenntnis, Mäßigung, Geduld, brüderliches Wohlwollen, Gottesfurcht, Nächstenliebe, Demut, Eifer.“6

Mögen sich nun alle, die mich hören können, diese Frage stellen: „Habe ich heute mehr Glauben, Tugend, Erkenntnis, Gottesfurcht und Liebe erlangt?“

Wenn Sie daheim oder in der Fremde mit ganzem Herzen bei der Sache sind, werden diejenigen, zu deren Errettung Sie beitragen, Ihnen vielleicht am meisten am Herzen liegen.

Vor vielen Jahren kamen gute Freunde von mir, Craig Sudbury und seine Mutter Pearl, in mein Büro. Es war kurz vor Craigs Abreise in die Australien-Mission Melbourne. Mir fiel auf, dass Fred Sudbury, Craigs Vater, nicht dabei war. 25 Jahre zuvor hatte Craigs Mutter Fred geheiratet, der ihre Begeisterung für die Kirche nicht teilte und auch kein Mitglied war.

Craig vertraute mir an, dass er seine Eltern sehr lieb hatte und hoffte, sein Vater werde irgendwie durch den Geist berührt werden und sich dem Evangelium Jesu Christi schon noch öffnen. Ich betete um Inspiration, wie ein solcher Wunsch in Erfüllung gehen könnte. Ich wurde tatsächlich inspiriert und sagte zu Craig: „Diene dem Herrn von ganzem Herzen. Sei deiner heiligen Berufung treu. Schreib deinen Eltern jede Woche einen Brief und gelegentlich auch einen an deinen Vater persönlich, in dem du ihn wissen lässt, wie sehr du ihn lieb hast und warum du dankbar bist, sein Sohn zu sein.“ Er dankte mir und verließ mit seiner Mutter das Büro.

Ich sah Craigs Mutter dann etwa anderthalb Jahre lang nicht mehr, bis sie in mein Büro kam und mir mit tränenerstickter Stimme erzählte: „Es ist jetzt fast zwei Jahre her, seit Craig auf Mission gegangen ist. Er hat es keine Woche versäumt, uns einen Brief zu schreiben. Vor kurzem ist mein Mann Fred zum ersten Mal in einer Zeugnisversammlung aufgestanden und überraschte mich und alle Anwesenden mit der Erklärung, er wolle sich der Kirche anschließen. Er kündigte an, dass er und ich Craig am Ende seiner Mission in Australien aufsuchen würden, damit er dessen letzter Täufling während seiner Vollzeitmission sein könnte.“

Nie stand ein Missionar so kerzengerade aufrecht wie Craig Sudbury, als er im fernen Australien seinem Vater in das hüfttiefe Wasser half, den rechten Arm rechtwinklig hob und die heiligen Worte sprach: „Frederick Charles Sudbury, beauftragt von Jesus Christus taufe ich dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Die Liebe hatte obsiegt. Dienen Sie dem Herrn mit Liebe.

Brüder, möge ein jeder von uns eifrig in den Schriften forschen, sein Leben zielbewusst planen, die Wahrheit durch sein Zeugnis bekräftigen und dem Herrn mit Liebe dienen.

Der vollkommene Hirte unserer Seele, der Missionar, der die Menschheit erlöste, hat uns die göttliche Zusicherung gegeben:

„Wenn es so ist, dass ihr alle eure Tage arbeitet, um dieses Volk zur Umkehr zu rufen, und auch nur eine einzige Seele zu mir führt, wie groß wird eure Freude mit ihr im Reich meines Vaters sein!

Und nun, wenn eure Freude schon groß sein wird mit einer Seele, die ihr zu mir ins Reich meines Vaters geführt habt, wie groß wird eure Freude sein, wenn ihr viele Seelen zu mir führt!“7

Von ihm, der diese Worte gesprochen hat, gebe ich mein Zeugnis: Er ist der Sohn Gottes, unser Erlöser und unser Erretter.

Ich bete darum, dass wir seine sanfte Einladung, ihm nachzufolgen8, stets annehmen. In seinem heiligen Namen, ja, im Namen Jesu Christi, des Herrn. Amen.

Show References

  1.  

    1. „Das Volk des Herrn“, Gesangbuch, Nr. 208

  2.  

    2. Matthäus 28:19,20

  3.  

    3. Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 363

  4.  

    4. Alma 17:2,3

  5.  

    5. 1 Petrus 3:15

  6.  

    6. Lehre und Bündnisse 4:2,5,6

  7.  

    7. Lehre und Bündnisse 18:15,16

  8.  

    8. Siehe Johannes 21:22