Hauptnavigation überspringen
Herbst 2014 | Ein Zeugnis von Licht und Wahrheit erlangen

Ein Zeugnis von Licht und Wahrheit erlangen

Herbst 2014 Generalkonferenz

Ihr eigenes Zeugnis von Licht und Wahrheit wird nicht nur für Sie und Ihre Nachkommen hier auf Erden ein Segen sein, sondern Sie auch in alle Ewigkeit begleiten.

Als Flugkapitän bin ich unzählige Stunden im Dunkel der Nacht über Länder und Meere geflogen. Wenn ich aus dem Fenster meines Cockpits den nächtlichen Himmel betrachtete, vor allem die Milchstraße, erfüllten mich die unermessliche Tiefe und Weite von Gottes Schöpfung oder, wie es in den heiligen Schriften heißt, die „Welten ohne Zahl“1 oftmals mit Staunen.

Vor kaum einhundert Jahren dachten die meisten Astronomen noch, dass unsere Milchstraße die einzige Galaxie im Universum sei.2 Sie dachten, dass sich hinter unserer Galaxie nichts weiter als ein gewaltiges Nichts verberge, eine grenzenlose Leere – trist, kalt und ohne Sterne, Licht und Leben.

Doch als es dann ausreichend entwickelte Teleskope gab – und sogar solche, die man ins Weltall schießen konnte –, ging den Astronomen eine atemberaubende, beinahe unfassbare Wahrheit auf: Das Universum ist ungleich größer, als man je zuvor gedacht hätte; das Himmelszelt ist mit zahllosen, unglaublich weit entfernten Galaxien angefüllt, und jede von ihnen umfasst hunderte Milliarden Sterne.3

In ganz kurzer Zeit hat sich unser Wissen über das Universum für immer geändert.

Heute können wir einige dieser entfernten Galaxien sehen.4

Wir wissen, dass es sie gibt.

Sie sind schon sehr lange dort gewesen.

Aber ehe die Menschheit über Instrumente verfügte, die stark genug waren, das Himmelslicht einzufangen und diese Galaxien sichtbar zu machen, haben wir dergleichen nicht für möglich gehalten.

Das gewaltige Ausmaß des Universums hat sich nicht plötzlich geändert, aber unsere Fähigkeit, diese Wahrheit zu erkennen und zu begreifen, hat sich drastisch geändert. Mit diesem größeren Licht eröffneten sich der Menschheit auch herrliche Ausblicke, die wir uns nie zuvor hätten träumen lassen.

Es fällt uns schwer, etwas zu glauben, was wir nicht sehen können

Nehmen wir einmal an, Sie könnten durch die Zeit reisen und sich mit Menschen unterhalten, die vor tausend oder auch nur hundert Jahren gelebt haben. Stellen Sie sich vor, Sie wollten Ihnen die eine oder andere moderne Technik erläutern, die wir heute für selbstverständlich halten. Was glauben Sie wohl, was diese Leute von uns halten würden, wenn wir ihnen von Jumbojets, Mikrowellenherden und tragbaren Geräten mit gewaltigen, digital gespeicherten Archiven erzählen würden, von Videos unserer Enkelkinder, die wir sofort Millionen Menschen auf der Welt zeigen können?

Einige würden uns vielleicht glauben. Die meisten aber würden sich lustig machen, uns widersprechen oder uns gar schaden oder zum Schweigen bringen wollen. Manche würden mithilfe ihres logischen Verstandes und der ihnen bekannten Fakten beweisen wollen, dass wir uns irren und Unsinn reden oder gar gefährlich sind. Sie würden uns dafür verurteilen, dass wir andere in die Irre führen wollen.

Aber selbstverständlich lägen all diese Menschen völlig falsch. Sie hätten sicherlich gute Absichten und wären aufrecht. Sie wären sich ihrer Meinung wohl auch völlig sicher. Aber sie wären einfach außerstande, klar zu sehen, denn ihnen wäre das umfassendere Licht der Wahrheit noch nicht aufgegangen.

Das verheißene Licht

Es scheint ein menschlicher Grundzug zu sein, dass man meint, im Recht zu sein, selbst wenn man sich irrt. Wenn dem so ist – welche Hoffnung kann ein Mensch dann haben? Ist es unser Schicksal, mit einem Floß aus notdürftig zusammengezimmerten Vorurteilen ziellos auf einer Flut widersprüchlicher Informationen umherzutreiben?

Ist es überhaupt möglich, die Wahrheit zu finden?

Mit meinen Worten möchte ich die frohe Botschaft verkünden, dass Gott selbst – der Herr der Heerscharen, der alle Wahrheit kennt – seinen Kindern verheißen hat, dass sie die Wahrheit für sich selbst herausfinden können.

Bedenken Sie nur, wie weitreichend diese Verheißung ist!

Der immerwährende und allmächtige Gott, der Schöpfer des unermesslichen Weltalls, spricht zu denen, die sich ihm aufrichtigen Herzens und mit wirklichem Vorsatz nähern.

Er spricht zu ihnen durch Träume, Visionen, Gedanken und Gefühle.

Er spricht zu ihnen auf eine Weise, die unmissverständlich ist und doch über den normalen Erfahrungshorizont hinausgeht. Er gibt ihnen göttliche Führung und Antworten für ihr Leben.

Freilich gibt es auch Spötter, die dergleichen für unmöglich halten und meinen, wenn es einen Gott gäbe, hätte er Besseres zu tun, als sich das Gebet eines einzelnen Menschen anzuhören und darauf einzugehen.

Ich aber sage Ihnen: Sie sind Gott wichtig. Er hört zu und er gibt Antwort, wenn Sie Fragen haben. Die Antworten auf Ihre Gebete kommen auf seine eigene Weise und zu seiner eigenen Zeit. Daher müssen Sie lernen, wie man seine Stimme vernimmt. Gott will, dass Sie den Weg zurück zu ihm finden, und der Erretter ist dieser Weg.5 Gott will, dass Sie von seinem Sohn, Jesus Christus, erfahren und den tiefen Frieden und die tiefe Freude verspüren, die sich einstellen, wenn man den Weg eines Jüngers beschreitet.

Meine lieben Freunde, es gibt ein recht einfaches Experiment, dessen Ausgang uns Gott garantiert. Es ist in einer antiken heiligen Schrift zu finden, die jeder Mann, jede Frau und jedes Kind auf die Probe stellen können, wenn sie dazu bereit sind.

Erstens müssen Sie das Wort Gottes erforschen. Das bedeutet, dass man die heiligen Schriften studiert und sich mit dem auseinandersetzt, was Propheten aus alter wie aus neuer Zeit über das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi gesagt haben – nicht, um daran zu zweifeln oder es zu kritisieren, sondern aus dem aufrechten Wunsch heraus, die Wahrheit zu entdecken. Denken Sie über das nach, was Sie verspüren, und machen Sie Ihren Sinn für die Wahrheit bereit.6 „Selbst wenn ihr nicht mehr könnt, als dass ihr den Wunsch habt zu glauben, dann lasst diesen Wunsch in euch wirken, … sodass ihr [dem Wort Gottes] Raum geben könnt.“7

Zweitens müssen Sie bedenken, darüber nachsinnen, ohne Furcht bestrebt sein zu glauben8 und dafür dankbar sein, wie barmherzig der Herr war, als er seinen Kindern von den Zeiten Adams an bis in die heutige Zeit Propheten, Seher und Offenbarer gab, die seine Kirche leiten und uns helfen, den Weg zurück zu ihm zu finden.

Drittens müssen Sie Ihren himmlischen Vater im Namen seines Sohnes, Jesus Christus, darum bitten, Ihnen kundzutun, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage die wahre Kirche ist. Bitten Sie mit aufrichtigem Herzen und wirklichem Vorsatz und voller Glauben an Jesus Christus.9

Es gibt noch einen vierten Schritt, den uns der Erretter genannt hat: „Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche.“10 Anders ausgedrückt: Wenn Sie sich von der Wahrheit der Evangeliumsgrundsätze überzeugen wollen, müssen Sie zuerst danach leben. Stellen Sie die Lehre des Evangeliums und die Lehren der Kirche in Ihrem Leben auf die Probe. Tun Sie es mit wirklichem Vorsatz und anhaltendem Glauben an Gott.

Wenn Sie das alles tun, dann ist Ihnen von Gott – der an sein Wort gebunden ist11 – verheißen, dass er Ihnen durch die Macht des Heiligen Geistes die Wahrheit kundtun wird. Er wird Ihnen ein größeres Licht gewähren, das Ihnen ermöglicht, durch die Finsternis hindurchzublicken und unvorstellbar herrliche Ausblicke zu genießen, die für das menschliche Auge unfassbar sind.

Der eine oder andere mag sagen, dass diese Schritte zu schwierig seien oder sich die Mühe nicht lohne. Ich aber meine, dass ein persönliches Zeugnis vom Evangelium und von der Kirche das Wichtigste ist, was man in diesem Leben erlangen kann. Es wird einem nicht nur in diesem Leben ein Segen und eine Richtschnur sein, sondern sich auch unmittelbar, die ganze Ewigkeit hindurch auf das Leben auswirken.

Das, was vom Geist kommt, lässt sich nur durch den Geist verstehen

Die Wissenschaft hatte Mühe, das Ausmaß des Universums zu erfassen, solange ihre Instrumente noch nicht weit genug entwickelt waren, größeres Licht aufzunehmen, das eine umfassendere Erkenntnis der Wahrheit möglich machte.

Der Apostel Paulus erläuterte ein vergleichbares Prinzip, was geistige Erkenntnis betrifft: „Der irdisch gesinnte Mensch aber lässt sich nicht auf das ein, was vom Geist Gottes kommt“, schrieb er den Korinthern. „Torheit ist es für ihn, und er kann es nicht verstehen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann.“12

Mit anderen Worten: Wenn man geistige Wahrheit erkennen will, muss man die richtigen Instrumente benutzen. Man kann eine geistige Wahrheit nicht erkennen, wenn die Instrumente ungeeignet sind.

In jüngerer Vergangenheit hat der Erretter gesagt: „Was von Gott ist, das ist Licht; und wer Licht empfängt und in Gott verbleibt, empfängt mehr Licht; und jenes Licht wird heller und heller bis zum vollkommenen Tag.“13

Je mehr wir uns mit Herz und Sinn Gott zuwenden, desto mehr himmlisches Licht fällt auf unsere Seele. Jedes Mal, wenn wir bereitwillig und aufrichtig nach diesem Licht streben, zeigen wir Gott unsere Bereitschaft an, mehr Licht zu empfangen. Nach und nach erscheint uns dann das, was zuvor verschwommen, dunkel und fern war, klar, hell und vertraut.

Gleichermaßen verblasst unser eigenes Licht, wenn wir uns vom Licht des Evangeliums entfernen; nicht innerhalb eines Tages oder einer Woche, sondern nach und nach, im Laufe der Zeit – bis wir zurückblicken und kaum noch begreifen, warum wir das Evangelium jemals für wahr gehalten haben. Unsere frühere Erkenntnis mag uns sogar töricht vorkommen, weil uns das, was einst so klar war, wieder unklar, verschwommen und fern erscheint.

Darum beharrte Paulus auch so sehr darauf, dass die Botschaft des Evangeliums für diejenigen, die verlorengehen, Torheit ist; für diejenigen „aber, die gerettet werden, ist [sie] Gottes Kraft“14.

Es gibt keinen Lackmustest

In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage kommen Menschen mit unterschiedlichsten Zeugnissen zusammen. Einige Mitglieder der Kirche haben ein sicheres Zeugnis, das hell in ihnen lodert. Andere sind noch darum bemüht, es für sich selbst herauszufinden. Die Kirche ist ein Haus, in dem alle zusammenkommen können – wie tief oder weit ihr Zeugnis auch reichen mag. Ich wüsste von keinem Gemeindehaus, bei dem auf einem Schild an der Tür steht: „Eintritt nur ab einer bestimmten Zeugnisgröße.“

Die Kirche ist nicht für den vollkommenen Menschen gemacht. Ein jeder soll zu Christus kommen und „in ihm vollkommen“15 werden. Die Kirche ist für Menschen wie Sie und ich gemacht. Die Kirche ist ein Ort, wo man willkommen ist und aufgebaut wird, und nicht einer, wo man sich absondert und Kritik übt. Sie ist ein Ort, wo wir aufeinander zugehen, um uns bei unserer individuellen Suche nach göttlicher Wahrheit Mut zu machen und einander aufzurichten und zu stützen.

Schließlich sind wir alle Wanderer, die auf dem Weg eines Jüngers das göttliche Licht anstreben. Wir verurteilen niemanden, weil er viel oder wenig Licht hat, sondern hegen und pflegen vielmehr alles Licht, bis es strahlend hell und wahr geworden ist.

Eine Verheißung an alle

Seien wir uns dessen bewusst, dass man ein Zeugnis meist nicht in einer Minute, einer Stunde oder einem Tag erlangt. Es ist keine Aufgabe, die man einmal erledigt, und dann ist man fertig. Geistiges Licht einzufangen ist ein Vorgang, der ein ganzes Leben beansprucht.

Ihr Zeugnis vom lebendigen Sohn Gottes und seiner wiederhergestellten Kirche, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, mag sich nicht so schnell einstellen, wie Sie es gerne hätten, aber ich verheiße Ihnen: Wenn Sie Ihren Teil tun, werden Sie es erlangen.

Und es wird herrlich sein.

Ich gebe Ihnen mein persönliches Zeugnis, dass geistige Wahrheit Ihr Herz erfüllen und Ihrem Geist Licht bringen wird. Es wird Ihnen reine Intelligenz offenbaren, verbunden mit wunderbarer Freude und himmlischem Frieden. Ich habe dies selbst durch die Macht des Heiligen Geistes erfahren.

Wie es in alten Schriften verheißen wird, wird die unbeschreibliche Gegenwart des göttlichen Geistes Sie veranlassen, das Lied der erlösenden Liebe zu singen,16 die Augen himmelwärts zu richten und Ihre Stimme zum Lobe des allerhöchsten Gottes zu erheben, Ihrer Zuflucht, Ihrem Beschützer, Ihrem Vater. Der Erretter hat verheißen: Wer sucht, wird finden.17

Ich bezeuge, dass das stimmt. Wenn Sie nach der göttlichen Wahrheit suchen, wird das, was Ihnen heute blass, verschwommen und fern erscheint, nach und nach offenbart und deutlich gemacht und wächst Ihnen durch das Licht, das ein gütiger Gott Ihnen schenkt, ans Herz. Herrliche geistige Ausblicke, dem menschlichen Auge unvorstellbar, werden Ihnen offenbart werden.

Ich habe ein Zeugnis davon, dass jedes Kind Gottes dieses geistige Licht erreichen kann. Es wird Ihren Verstand erleuchten, Ihr wundes Herz heilen und Ihre Tage mit Freude erfüllen. Meine lieben Freunde, bitte zögern Sie nicht länger, sich um ein eigenes Zeugnis von Gottes Werk, ja, vom Werk des Lichts und der Wahrheit, zu bemühen und es zu festigen.

Ihr eigenes Zeugnis von Licht und Wahrheit wird nicht nur für Sie und Ihre Nachkommen hier auf Erden ein Segen sein, sondern Sie auch in alle Ewigkeit begleiten, inmitten von Welten ohne Ende. Davon lege ich Zeugnis ab und gebe Ihnen meinen Segen im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden

    Anmerkungen

    1. Mose 1:33

    2. Siehe Marcia Bartusiak, The Day We Found the Universe, 2009, Seite XII. Es überrascht mich immer wieder, wie man sich seiner Schlussfolgerungen so sicher sein kann. Manchmal sind wir dermaßen von uns überzeugt, dass wir glauben, schon alles zu wissen, was es zu wissen gibt. Dazu ein Beispiel: „Simon Newcomb, der führende amerikanische Astronom gegen Ende des 19. Jahrhunderts, merkte 1887 bei der Einweihung einer Sternwarte an, dass wir – jedenfalls, soweit es die Astronomie betrifft – wohl bald die Grenzen unserer Erkenntnis erreicht haben würden. …, Infolgedessen ist die Arbeit, der man als Astronom wirklich die größte Aufmerksamkeit widmet, weniger die Entdeckung von Neuland als die gründliche Erforschung des bereits Bekannten.‘“ (Bartusiak, Seite XV.)

    3. Es ist aufschlussreich, sich einmal Mose 1:33,35 im Lichte dieser „neuen“ Entdeckung durchzulesen. Das Buch Mose in der Köstlichen Perle wurde dem Propheten Joseph Smith im Juni 1830 offenbart, fast hundert Jahre, bevor Edwin Hubble seine Entdeckung ferner Galaxien bekanntgab.

    4. Siehe beispielsweise die Hubble Heritage Image Gallery unter heritage.stsci.edu/gallery/gallery.html

    5. Siehe Johannes 14:6

    6. Siehe 3 Nephi 17:3

    7. Alma 32:27

    8. Siehe Lehre und Bündnisse 67:3

    9. Siehe Moroni 10:3-5

    10. Johannes 7:17; siehe auch Psalm 25:14; Johannes 3:21

    11. Siehe Lehre und Bündnisse 82:10

    12. 1 Korinther 2:14

    13. Lehre und Bündnisse 50:24

    14. 1 Korinther 1:18

    15. Moroni 10:32; siehe auch Lehre und Bündnisse 20:59

    16. Siehe Alma 5:26

    17. Siehe Lehre und Bündnisse 88:63