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Frühjahr 2015 | Die Segnungen des Tempels

Die Segnungen des Tempels

Frühjahr 2015 Generalkonferenz

Wenn wir in den Tempel gehen, können wir einen bestimmten Grad an Geistigkeit erreichen und Frieden empfinden.

Meine lieben Brüder und Schwestern, ich bin sehr dankbar, heute an diesem schönen Ostermorgen bei Ihnen zu sein, wenn sich unsere Gedanken dem Erretter der Welt zuwenden. Ich habe Sie lieb, grüße Sie alle herzlich und bete dafür, dass der Vater im Himmel mich inspirieren möge.

Bei dieser Konferenz ist es nun sieben Jahre her, dass ich als Präsident der Kirche bestätigt wurde. In diesen Jahren war viel zu tun, und neben vielen Herausforderungen gab es auch unzählige Segnungen. Eine davon, die ich immer besonders genieße und die besonders heilig ist, ist die Gelegenheit, einen Tempel zu weihen oder erneut zu weihen.

Zuletzt habe ich im vergangenen November den schönen, neuen Phoenix-Arizona-Tempel geweiht. Präsident Dieter F. Uchtdorf, Elder Dallin H. Oaks, Elder Richard J. Maynes, Elder Lynn G. Robbins und Elder Kent F. Richards haben mich begleitet. Am Vorabend der Weihung haben mehr als 4000 Jugendliche unserer Kirche aus dem Tempeldistrikt ein wunderbares Kulturprogramm aufgeführt. Am nächsten Tag wurde der Tempel in drei heiligen, inspirierenden Sessionen geweiht.

Am Tempelbau erkennt man sehr deutlich, dass die Kirche wächst. Zur Zeit betreibt die Kirche weltweit 144 Tempel. Fünf Tempel werden im Moment renoviert und 13 weitere befinden sich im Bau. Zusätzlich laufen die Vorbereitungen für den Bau von 13 Tempeln, die bereits angekündigt wurden. Für dieses Jahr ist vorgesehen, zwei Tempel erneut zu weihen und fünf neue Tempel zu weihen, deren Fertigstellung geplant ist.

In den vergangenen zwei Jahren haben wir uns darauf konzentriert, die bisher angekündigten Tempel fertigzustellen. Pläne für weitere Tempel haben wir ruhen lassen. Doch heute habe ich die große Freude, drei neue Tempel anzukündigen, die an den folgenden Standorten errichtet werden sollen: Abidjan in der Elfenbeinküste, Port-au-Prince in Haïti sowie Bangkok in Thailand. Welch herrliche Segnungen warten auf unsere treuen Mitglieder dort und auch überall sonst in der Welt, wo es einen Tempel gibt!

Wir denken weiter darüber nach, wo zusätzliche Tempel benötigt werden, und suchen nach geeigneten Standorten, denn wir möchten, dass so viele Mitglieder wie möglich in den Tempel gehen können, ohne dass ihre Zeit und Mittel zu stark beansprucht werden. Wie auch in der Vergangenheit werden wir Ihnen unsere diesbezüglichen Entscheidungen mitteilen.

Wenn ich an den Tempel denke, kommen mir die vielen Segnungen in den Sinn, die wir dort empfangen. Wenn wir durch die Tür des Tempels eintreten, lassen wir die Ablenkungen und den Trubel der Welt zurück. An dieser heiligen Zufluchtsstätte begegnen uns Schönheit und Ordnung. Unsere Seele kommt zur Ruhe und unsere Sorgen sind für kurze Zeit von uns genommen.

Wenn wir in den Tempel gehen, können wir einen bestimmten Grad an Geistigkeit erreichen und ein Gefühl des Friedens empfinden, das alle anderen Gefühle übersteigt, die dem Menschen ins Herz kommen können. Wir begreifen die wahre Bedeutung der Worte, die der Heiland sprach: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. … Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“1

Jeder Mensch kann von diesem Frieden erfüllt sein – jeder, der sich Sorgen macht; jeder, der trauert; jeder, der verwirrt ist; jeder, der sich nach Hilfe sehnt.

Ich habe vor kurzem aus erster Hand von einem jungen Mann erfahren, der in den Tempel ging, um den Herrn um Hilfe zu bitten. Viele Monate zuvor hatte er eine Missionsberufung nach Südamerika erhalten. Die Ausstellung seines Visums verzögerte sich jedoch so sehr, dass er einer Mission in den USA neu zugewiesen wurde. Obwohl er enttäuscht war, dass er nicht in seinem ursprünglich vorgesehenen Missionsgebiet tätig sein konnte, arbeitete er hart in seinem neuen Gebiet. Er war entschlossen, sein Bestes zu geben. Einige negative Erfahrungen mit Missionaren, die mehr daran interessiert zu sein schienen, Spaß zu haben, als das Evangelium zu verkünden, entmutigten ihn jedoch.

Wenige Monate darauf wurde dieser junge Mann schwer krank. Die Krankheit lähmte Teile seines Körpers, und so wurde er zur Behandlung nach Hause geschickt.

Einige Monate später war der junge Mann vollständig geheilt. Die Lähmung war verschwunden. Ihm wurde mitgeteilt, dass er wieder als Missionar tätig werden könne. Um diesen Segen hatte er täglich gebetet. Das einzig Enttäuschende war, dass er wieder in dieselbe Mission zurückkehren sollte, in der er vorher gewesen war und wo er den Eindruck gehabt hatte, dass manche Missionare sich nicht angemessen verhielten und nicht die richtige Einstellung hatten.

Er war in den Tempel gekommen, um Zuspruch und die Bestätigung zu erhalten, dass seine Mission eine gute Erfahrung werden würde. Auch seine Eltern hatten darum gebetet, dass ihm der Tempelbesuch helfen möge.

Als der junge Mann nach der Session den celestialen Saal betrat, setzte er sich hin und begann, den Vater im Himmel im Gebet um Führung zu bitten.

Kurze Zeit darauf betrat ein weiterer junger Mann namens Landon den celestialen Saal. Als er in den Raum kam, fiel sein Blick sofort auf den jungen Mann, der dort mit geschlossenen Augen saß und offensichtlich betete. Landon bekam die unmissverständliche Eingebung, dass er mit dem jungen Mann sprechen solle. Er wollte ihn jedoch nicht unterbrechen, und so wartete er. Nachdem einige Minuten vergangen waren und der junge Mann immer noch betete, erkannte Landon, dass er nicht länger warten konnte. Er ging auf den jungen Mann zu und berührte ihn leicht an der Schulter. Der junge Mann öffnete die Augen. Er war überrascht, dass er gestört worden war. Landon sagte leise: „Ich hatte das Gefühl, dass ich mit dir reden soll. Allerdings weiß ich nicht, warum.“

Während sie miteinander redeten, schüttete der junge Mann Landon sein Herz aus. Er erzählte ihm von seiner Situation und endete mit dem Wunsch, im Hinblick auf seine Mission Zuspruch und Ermunterung zu erhalten. Landon war erst ein Jahr zuvor von seiner Mission zurückgekehrt, die erfolgreich verlaufen war. Er berichtete von seinen Erlebnissen, von den Herausforderungen und Problemen und davon, wie er den Herrn um Hilfe gebeten hatte und wie er gesegnet worden war. Seine Worte waren tröstlich und beruhigend und seine Begeisterung für seine Mission war ansteckend. Die Ängste des jungen Mannes ebbten schließlich ab, und er empfand Frieden. Tiefe Dankbarkeit erfüllte ihn, als ihm bewusst wurde, dass sein Gebet erhört worden war.

Die beiden jungen Männer beteten noch gemeinsam. Dann machte sich Landon bereit zu gehen. Er war froh, dass er der Eingebung gefolgt war. Als er aufstand, fragte der junge Mann Landon: „Wo warst du eigentlich auf Mission?“ Bis dahin hatte keiner der beiden den Namen der Mission erwähnt, in der er gewesen war. Als Landon den Namen seiner Mission nannte, traten dem jungen Mann Tränen in die Augen. Landon war in genau derselben Mission gewesen, in die der junge Mann zurückkehren sollte!

Landon schrieb mir vor kurzem in einem Brief, was der junge Mann ihm zum Abschied sagte: „Ich habe daran geglaubt, dass der Vater im Himmel mich segnen würde. Aber ich hätte nie gedacht, dass er mir jemanden aus meiner eigenen Mission schicken würde. Jetzt weiß ich, dass alles gut werden wird.“2 Das demütige und aufrichtige Gebet eines jungen Mannes wurde vernommen und erhört.

Meine Brüder und Schwestern, es wird in unserem Leben Versuchungen, Prüfungen und Herausforderungen geben. Wenn wir in den Tempel gehen und an die Bündnisse denken, die wir dort schließen, sind wir besser dazu imstande, diese Versuchungen zu überwinden und unsere Prüfungen zu ertragen. Im Tempel können wir Frieden finden.

Die Segnungen des Tempels sind von unschätzbarem Wert. Eine davon, für die ich jeden Tag meines Lebens dankbar bin, ist, dass meine geliebte Frau Frances und ich an einem heiligen Altar niederknien und Bündnisse eingehen durften, die uns für alle Ewigkeit aneinander binden. Keine Segnung ist mir kostbarer als der Frieden und der Trost, die ich aus dem Wissen beziehe, dass wir wieder zusammen sein werden.

Möge uns der himmlische Vater segnen, dass wir gern im Tempel dienen, dass wir seine Gebote halten und dass wir stets darauf bedacht sind, unserem Herrn und Heiland, Jesus Christus, nachzufolgen. Ich bezeuge, dass er unser Erlöser ist. Er ist der Sohn Gottes. Er stieg an jenem ersten Ostermorgen aus dem Grab und brachte damit allen Kindern Gottes die Gabe des immerwährenden Lebens. Mögen wir im Gebet für sein großes und wunderbares Geschenk an uns danken, während wir heute an diesem schönen Tag dieses bedeutsamen Ereignisses gedenken. Darum bitte ich demütig in seinem heiligen Namen. Amen.

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    Anmerkungen

    1. Johannes 14:27

    2. Korrespondenz im Besitz von Thomas S. Monson