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Frühjahr 2015 | Darum brachten sie ihre Furcht zum Schweigen

Darum brachten sie ihre Furcht zum Schweigen

Frühjahr 2015 Generalkonferenz

Im Gegensatz zu weltlicher Furcht, die Unruhe und Besorgnis auslöst, ist die Gottesfurcht eine Quelle des Friedens, der Zuversicht und des Vertrauens.

Ich erinnere mich noch lebhaft an ein Erlebnis, das ich als kleiner Junge hatte. Beim Spielen mit meinen Freunden machte ich versehentlich das Schaufenster eines Geschäfts in der Nähe meines Elternhauses kaputt. Als das Glas zersplitterte und der Alarm losheulte, ergriff mich von Kopf bis Fuß eine lähmende Furcht. Mir war sofort klar, dass ich jetzt den Rest meines Lebens im Gefängnis verbringen musste. Meine Eltern überredeten mich schließlich, aus meinem Versteck unter dem Bett hervorzukommen, und halfen mir, die Sache mit dem Ladenbesitzer zu bereinigen. Zu meinem Glück wurde die Gefängnisstrafe ausgesetzt.

Die Furcht, die ich damals empfand, war beklemmend und sehr real. Zweifellos hatten Sie schon viel schrecklichere Gefühle – vielleicht als Sie erfahren haben, dass Sie krank sind, als sich herausstellte, dass ein Angehöriger in Schwierigkeiten oder in Gefahr ist, oder aufgrund beunruhigender Geschehnisse auf der Welt. In solchen Momenten steigt quälende Angst in uns auf. Da drohen Gefahr, Ungewissheit oder Schmerzen, da tritt ein unerwartetes Ereignis ein, manchmal urplötzlich, und die Folgen sind höchstwahrscheinlich negativ.

Tag für Tag hört man endlose Berichte über kriminelle Gewalt, Hungersnot, Krieg, Korruption, Terrorismus, Werteverfall, Krankheiten und zerstörerische Naturgewalten. All das kann Angst und Sorge auslösen. Gewiss leben wir in der Zeit, die der Herr vorhergesagt hat: „Und an jenem Tag wird … die ganze Erde … in Aufruhr sein, und den Menschen wird das Herz aussetzen.“ (LuB 45:26.)

Ich möchte darauf eingehen, wie die richtige Erkenntnis des Herrn Jesus Christus und der Glaube an ihn jede Furcht zerstreuen. Ich bete aufrichtig dafür, dass der Heilige Geist bei uns sein möge, wenn wir uns nun mit diesem wichtigen Thema befassen.

Irdische Furcht

Als Adam und Eva die Stimme Gottes hörten, nachdem sie von der verbotenen Frucht gegessen hatten, versteckten sie sich im Garten von Eden. Gott rief Adam zu und sprach: „Wo bist du? [Adam] antwortete: Ich habe dich … kommen hören; da geriet ich in Furcht.“ (Genesis 3:9,10.) Interessanterweise war eine der ersten Folgen des Falls, dass Adam und Eva Furcht empfanden. Furcht ist ein starkes Gefühl und ein wichtiges Element unseres irdischen Daseins.

Ein Beispiel aus dem Buch Mormon macht deutlich, dass die Erkenntnis des Herrn (siehe 2 Petrus 1:2-8; Alma 23:5,6) Furcht zu vertreiben und Frieden zu schenken vermag, selbst in großer Not.

Im Land Helam fürchtete sich Almas Volk vor einem heranrückenden lamanitischen Heer.

„Aber Alma ging hin und trat unter sie und ermahnte sie, sich nicht zu fürchten, sondern sich des Herrn, ihres Gottes, zu erinnern, und er werde sie befreien.

Darum brachten sie ihre Furcht zum Schweigen.“ (Mosia 23:27,28.)

Beachten Sie, dass nicht Alma die Furcht der Menschen zum Schweigen brachte. Vielmehr hielt Alma die Gläubigen dazu an, sich des Herrn zu erinnern und an die Befreiung zu denken, die nur durch ihn möglich war (siehe 2 Nephi 2:8). Die Erkenntnis, dass der Heiland seine schützende Hand über sie hielt, versetzte die Menschen in die Lage, ihre Furcht zum Schweigen zu bringen.

Die richtige Erkenntnis des Herrn und der Glaube an ihn befähigen uns, unsere Furcht zum Schweigen zu bringen, da anhaltender Friede einzig und allein durch Jesus Christus kommt. Er hat gesagt: „Lerne von mir und höre auf meine Worte; wandle in der Sanftmut meines Geistes, dann wirst du Frieden haben in mir.“ (LuB 19:23.)

Der Meister hat auch erklärt: „Derjenige, der die Werke der Rechtschaffenheit tut, [wird] seinen Lohn empfangen …, nämlich Frieden in dieser Welt und ewiges Leben in der künftigen Welt.“ (LuB 59:23.)

Aus dem festen Vertrauen in Christus und der Bereitschaft, sich auf sein Verdienst, seine Barmherzigkeit und seine Gnade zu verlassen, entsteht Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben durch sein Sühnopfer (siehe Moroni 7:41). Dieser Glaube und diese Hoffnung führen zu dem ruhigen Gewissen, dem Seelenfrieden, den wir alle ersehnen. Die Macht des Sühnopfers ermöglicht die Umkehr und bezwingt die von Sünde verursachte Verzweiflung. Zudem gibt sie uns Kraft, auf eine Weise Gutes zu sehen, Gutes zu tun und gut zu werden, wie es mit unseren begrenzten irdischen Fähigkeiten gar nicht möglich wäre. Tatsächlich ist „der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt“ (Philipper 4:7), eine der großen Segnungen der treuen Nachfolge Christi.

Der Friede, den Christus gibt, lässt uns das Erdenleben aus der unschätzbaren Perspektive der Ewigkeit betrachten. Er bewirkt geistige Unerschütterlichkeit (siehe Kolosser 1:23), die dazu beiträgt, dass wir das Auge fortwährend auf unseren himmlischen Bestimmungsort richten. Wir können also unsere Furcht mit Christi Hilfe zum Schweigen bringen, weil seine Lehre allen Bereichen unseres Lebens Sinn und Richtung verleiht. Seine heiligen Handlungen und Bündnisse stärken und trösten uns in guten wie in schlechten Zeiten. Durch seine Priestertumsvollmacht haben wir die Gewissheit, dass das, was am wichtigsten ist, in Zeit und Ewigkeit Bestand haben kann.

Lässt sich aber auch die Furcht zum Schweigen bringen, die uns in der heutigen Welt so leicht und häufig befällt? Die Antwort auf diese Frage ist ein klares Ja. Wir empfangen diese Segnung, wenn wir drei wesentliche Grundsätze beachten: 1.) Wir müssen auf Christus blicken, 2.) wir müssen auf Christus als Fundament bauen und 3.) wir müssen mit Glauben an Christus vorwärtsstreben.

Auf Christus blicken

Der Rat Almas an seinen Sohn Helaman trifft auch auf einen jeden von uns heute zu: „Ja, sieh zu, dass du auf Gott blickst und lebst.“ (Alma 37:47.) Wir sollen unseren Blick jederzeit und überall fest auf den Erlöser richten.

Denken Sie daran, wie die Apostel des Herrn in ihrem Boot mitten auf dem See hin und her geworfen wurden. Jesus kam zu ihnen. Er ging über das Wasser, aber sie erkannten ihn nicht und schrien vor Angst.

„Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!

Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.

Jesus sagte: Komm!“ (Matthäus 14:27-29.)

Daraufhin ging Petrus über das Wasser auf Jesus zu.

„Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich!

Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“ (Matthäus 14:30,31.)

Ich stelle mir vor, dass Petrus eifrig und unverzüglich auf den Ruf des Heilands reagierte. Die Augen auf Jesus gerichtet, stieg er aus dem Boot und ging auf wundersame Weise über das Wasser. Erst als sein Blick vom Wind und von den Wellen abgelenkt wurde, bekam er Angst und begann unterzugehen.

Wir können unsere Furcht bezwingen und unseren Glauben vertiefen, wenn wir diese Anweisung des Herrn befolgen: „Blickt in jedem Gedanken auf mich; zweifelt nicht, fürchtet euch nicht.“ (LuB 6:36.)

Auf Christus als Fundament bauen

Helaman ermahnte seine Söhne Nephi und Lehi: „Denkt daran, denkt daran, dass es auf dem Fels unseres Erlösers ist, und das ist Christus, der Sohn Gottes, dass ihr eure Grundlage bauen müsst; damit, wenn der Teufel seine mächtigen Winde aussenden wird, ja, seine Pfeile im Wirbelsturm, ja, wenn all sein Hagel und sein mächtiger Sturm an euch rütteln, dies keine Macht über euch haben wird, euch in den Abgrund des Elends und des endlosen Wehs hinabzuziehen, und zwar wegen des Felsens, auf den ihr gebaut seid, der eine sichere Grundlage ist, und wenn die Menschen auf dieser Grundlage bauen, können sie nicht fallen.“ (Helaman 5:12.)

Heilige Handlungen und Bündnisse sind die Bausteine, mit denen wir unser Leben auf das Fundament bauen, nämlich Christus und sein Sühnopfer. Wir sind fest an den Erlöser gebunden und mit ihm verbunden, wenn wir würdig heilige Handlungen empfangen und Bündnisse schließen, unsere heiligen Versprechen treu einhalten und uns nach besten Kräften an die Verpflichtungen halten, die wir eingegangen sind. Diese Verbindung ist die Quelle unserer geistigen Kraft und Standfestigkeit in allen Lebenslagen.

Wir können unsere Furcht zum Schweigen bringen, wenn unsere Wünsche und Taten in Christus als sicherem Fundament fest verankert sind, und zwar durch heilige Handlungen und Bündnisse.

Mit Glauben an Christus vorwärtsstreben

Nephi verkündete: „Darum müsst ihr mit Beständigkeit in Christus vorwärtsstreben, erfüllt vom vollkommenen Glanz der Hoffnung und von Liebe zu Gott und zu allen Menschen. Wenn ihr darum vorwärtsstrebt und euch am Wort von Christus weidet und bis ans Ende ausharrt, siehe, so spricht der Vater: Ihr werdet ewiges Leben haben.“ (2 Nephi 31:20.)

Die in diesem Vers beschriebene disziplinierte Ausdauer entsteht durch geistige Erkenntnis und Weitsicht, Beharrlichkeit, Geduld und Gottes Gnade. Wer an den heiligen Namen Jesu Christi glaubt und auf ihn vertraut, sich sanftmütig seinem Willen und seinem Zeitplan fügt und demütig seine Hand in allem anerkennt, erlangt das Friedfertige des Reiches Gottes, das, was Freude und ewiges Leben bringt (siehe LuB 42:61). Selbst wenn wir auf Schwierigkeiten stoßen und einer ungewissen Zukunft entgegensehen, können wir frohgemut ausharren und „in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben“ (1 Timotheus 2:2).

Wir können unsere Furcht zum Schweigen bringen, wenn wir die innere Kraft erlangen, die daraus entsteht, dass wir die Evangeliumsgrundsätze lernen und leben und entschlossen auf dem Weg des Bundes vorwärtsstreben.

Die Furcht vor dem Herrn

Eine Furcht, die sich von den Ängsten, die wir oft erleben, unterscheidet, aber doch auch damit zusammenhängt, wird in den Schriften als „ehrfürchtige Scheu“ (Hebräer 12:28) bezeichnet, als „Furcht vor dem Herrn“ (Ijob 28:28) oder „Gottesfurcht“ (Sprichwörter 16:6; Jesaja 11:2,3). Im Gegensatz zu weltlicher Furcht, die Unruhe und Besorgnis auslöst, ist die Gottesfurcht eine Quelle des Friedens, der Zuversicht und des Vertrauens.

Aber wie soll etwas, was mit Furcht zu tun hat, aufbauend sein und uns geistig weiterbringen?

Die rechtschaffene Furcht, die ich hier beschreiben will, umfasst tiefe Ehrfurcht und Achtung vor dem Herrn Jesus Christus (siehe Psalm 33:8; 96:4), Gehorsam gegenüber seinen Geboten (siehe Deuteronomium 5:29; 8:6; 10:12; 13:4; Psalm 112:1) und die Erwartung des Jüngsten Gerichts und der Gerechtigkeit Gottes. Gottesfurcht entsteht also, wenn wir das göttliche Wesen und die Mission des Herrn Jesus Christus richtig verstehen, bereit sind, unseren Willen dem seinen zu unterwerfen, und erkennen, dass jeder Mensch am Tag des Gerichts für seine Sünden selbst verantwortlich ist (siehe LuB 101:78; 2. Glaubensartikel).

Wie die heiligen Schriften bestätigen, ist Gottesfurcht der „Anfang der Erkenntnis“ (Sprichwörter 1:7), sie „erzieht zur Weisheit“ (Sprichwörter 15:33), schenkt „feste Zuversicht“ (Sprichwörter 14:26) und „ist ein Lebensquell“ (Sprichwörter 14:27).

Bitte beachten Sie, dass Gottesfurcht untrennbar mit der Erkenntnis verbunden ist, dass es ein Jüngstes Gericht gibt und jeder für seine Wünsche, Gedanken, Worte und Taten selbst verantwortlich ist (siehe Mosia 4:30). Die Furcht vor dem Herrn ist aber keine ängstliche Besorgnis, einst in seiner Gegenwart stehen zu müssen, um gerichtet zu werden. Ich glaube nicht, dass wir in irgendeiner Weise vor ihm Angst haben werden. Vielmehr ist die Furcht vor dem Herrn die Vorstellung, dass wir in seiner Gegenwart alles an uns so sehen werden, wie es wirklich ist. Wir werden „eine vollkommene Erkenntnis“ (2 Nephi 9:14; siehe Alma 11:43) all unserer Ausflüchte, Vorwände und Selbsttäuschungen haben. Letzten Endes werden wir keine Entschuldigung mehr haben.

Jeder Mensch, der auf der Erde gelebt hat oder noch leben wird, „wird dazu gebracht werden, vor dem Gericht Gottes zu stehen, um von ihm gemäß [seinen] Werken gerichtet zu werden, ob sie gut seien oder ob sie böse seien“ (Mosia 16:10). Wenn wir uns Rechtschaffenheit gewünscht haben und unsere Werke gut waren, wird das Gericht angenehm sein (siehe Jakob 6:13; Enos 1:27; Moroni 10:34). Am letzten Tag werden wir „zu Rechtschaffenheit belohnt werden“ (Alma 41:6).

Wenn wir uns hingegen Böses gewünscht haben und unsere Werke schlecht waren, werden wir uns vor dem Gericht fürchten. „Wir [werden] nicht wagen, zu unserem Gott aufzuschauen; und wir würden gar froh sein, könnten wir den Felsen und den Bergen gebieten, über uns zu fallen, um uns vor seiner Gegenwart zu verbergen.“ (Alma 12:14.) Am letzten Tag werden wir unseren „Lohn an Bösem“ (Alma 41:5) erhalten.

In Kohelet wird dies so zusammengefasst:

„Fürchte Gott und achte auf seine Gebote! Das allein hat jeder Mensch nötig.

Denn Gott wird jedes Tun vor das Gericht bringen, das über alles Verborgene urteilt, es sei gut oder böse.“ (Kohelet 12:13,14.)

Meine lieben Brüder und Schwestern, die Gottesfurcht vertreibt die irdische Furcht. Sie besiegt selbst die quälende Sorge, wir könnten in geistigen Belangen nie gut genug sein und den Anforderungen und Erwartungen des Herrn niemals gerecht werden. Wahr ist, dass wir niemals gut genug sein oder allem gerecht werden können, wenn wir nur auf unsere eigenen Fähigkeiten und unsere eigene Leistung bauen. Unsere Werke und unsere Wünsche allein können und werden uns nicht retten. „Nach allem, was wir tun können“ (2 Nephi 25:23), werden wir nur durch die Barmherzigkeit und Gnade geheilt, die uns durch das unbegrenzte und ewige Sühnopfer des Erlösers zugänglich sind (siehe Alma 34:10,14). Zweifellos „glauben [wir], dass durch das Sühnopfer Christi alle Menschen errettet werden können, indem sie die Gesetze und Verordnungen des Evangeliums befolgen“ (3. Glaubensartikel).

Gott zu fürchten bedeutet, ihn zu lieben und auf ihn zu vertrauen. Je vollkommener unsere Gottesfurcht, desto vollkommener ist unsere Liebe zu ihm. Und „vollkommene Liebe vertreibt alle Furcht“ (Moroni 8:16). Ich verheiße, dass das helle Licht der Gottesfurcht die finsteren Schatten irdischer Ängste vertreibt (siehe LuB 50:25), wenn wir auf den Erlöser blicken, auf ihn als Fundament bauen und mit treuer Entschlossenheit auf dem Weg des Bundes vorwärtsstreben.

Zeugnis und Verheißung

Ich liebe und verehre den Herrn. Seine Macht und sein Frieden sind real. Er ist unser Erlöser, und ich bezeuge, dass er lebt. Dank ihm muss sich unser Herz nicht beunruhigen und nicht verzagen (siehe Johannes 14:27) und wir können unsere Furcht zum Schweigen bringen. Dies bezeuge ich im hochheiligen Namen des Herrn Jesus Christus. Amen.