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Herbst 2015 | Wir müssen das Göttliche in uns entdecken

Wir müssen das Göttliche in uns entdecken

Herbst 2015 Generalkonferenz

Wir kommen auf diese Erde, um den göttlichen Samen, der in uns ist, zu nähren und zu entdecken.

Schwestern, wir haben Sie lieb! Ich bezeuge, dass das Leben ein Geschenk ist. Gott hat für jeden von uns einen Plan. Lange bevor wir auf diese Erde kamen, fing unsere individuelle Bestimmung an.

Vor kurzem ist mir deutlich geworden, welch ein Wunder die Geburt eines Babys ins sterbliche Leben als Teil von Gottes Plan ist. Jeder von uns hat sich körperlich im Leib der Mutter entwickelt und war dabei viele Monate lang auf die Unterstützung durch ihren Körper angewiesen. Schließlich trennte uns jedoch die Geburt – ein dramatischer Vorgang für Mutter und Kind.

Ein Neugeborenes

Wenn ein Baby in diese Welt kommt, bringen der Wechsel der Temperatur und der Helligkeit sowie die plötzliche Druckentlastung am Brustkorb das Baby dazu, keuchend seinen ersten Atemzug zu tun. Die kleinen Lungen füllen sich plötzlich zum ersten Mal mit Luft, die Organe fangen an zu arbeiten, und das Baby beginnt zu atmen. Wenn die Nabelschnur abgeklemmt wird, ist damit diese Lebensschnur zwischen Mutter und Kind für immer getrennt, und das Leben des Babys auf der Erde fängt an.

Ijob hat gesagt: „Gottes Geist hat mich erschaffen, der Atem des Allmächtigen mir das Leben gegeben.“1

Wir kommen in diese Welt und ziehen dabei „Wolken der Herrlichkeit“2 hinter uns her. Aus der Proklamation zur Familie erfahren wir, dass jeder von uns „ein geliebter Geistsohn oder eine geliebte Geisttochter himmlischer Eltern“ ist und jeder „ein göttliches Wesen und eine göttliche Bestimmung“3 hat. Der Vater im Himmel gibt in uns großzügig einen Teil seiner Göttlichkeit weiter. Dieses göttliche Wesen ist ein Geschenk von ihm, weil er uns so liebt, wie nur Eltern es empfinden können.

Wir kommen auf diese Erde, um den göttlichen Samen, der in uns ist, zu nähren und zu entdecken.

Wir wissen, warum

Elaine Cannon, eine frühere Präsidentin der Jungen Damen, hat gesagt: „Es gibt zwei wichtige Tage im Leben einer Frau: Der Tag, an dem sie geboren wird, und der Tag, an dem sie herausfindet, warum.“4

Wir wissen, warum. Wir sind auf diese Erde gekommen, um dabei zu helfen, das Reich Gottes aufzubauen, und um uns auf das Zweite Kommen seines Sohnes Jesus Christus vorzubereiten. Mit jedem Atemzug, den wir machen, bemühen wir uns, ihm zu folgen. Das göttliche Wesen in jedem von uns wird durch die Anstrengungen, die wir unternehmen, um unseren Vater und seinem Sohn näherzukommen, veredelt und größer.

Unser göttliches Wesen hat nichts mit unseren persönlichen Leistungen, mit dem Status, den wir erreichen, mit der Anzahl der Marathonläufe, die wir bestreiten, oder mit unserem Beliebtheitsgrad oder Selbstwertgefühl zu tun. Unser göttliches Wesen kommt von Gott. Es wurde in einem Dasein geschaffen, das unserer Geburt vorausging, und wird in Ewigkeit weiterbestehen.

Wir werden geliebt

Wir identifizieren uns mit unserem göttlichen Wesen, wenn wir die Liebe des himmlischen Vaters verspüren und weitergeben. Wir können uns dafür entscheiden, es zu nähren, es gedeihen zu lassen und dafür zu sorgen, dass es wächst. Petrus sagte, dass uns „kostbare Verheißungen“ geschenkt wurden, damit wir „Anteil an der göttlichen Natur erhalten“5. Wenn wir verstehen, wer wir sind – nämlich Töchter Gottes –, beginnen wir diese Verheißungen zu spüren.

Wenn wir aus dem Fenster schauen und andere betrachten, und nicht nur uns selbst im Spiegel, fällt es uns leichter, uns als Tochter Gottes zu sehen. Wir wenden uns ganz selbstverständlich im Gebet an ihn, und wir sind eifrig bemüht, sein Wort zu lesen und seinen Willen zu tun. Unser Selbstwertgefühl wird durch ihn, der da oben ist, besser gestärkt als von den Menschen, die uns hier unten auf der Welt umgeben oder auf Facebook oder Instagram.

Wenn Sie jemals an dem Funken Göttlichkeit in sich zweifeln, knien Sie sich zum Gebet nieder und fragen Sie den himmlischen Vater: „Bin ich wirklich deine Tochter? Hast du mich lieb?“ Elder M. Russell Ballard hat gesagt: „Der Geist sagt Ihnen, wie der Herr zu Ihnen steht. Das ist mit die schönste Botschaft, die er überhaupt vermittelt.“6

Wir sind sein. Paulus hat gesagt: „So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“7 Häufig ist das Lied „Ich bin ein Kind von Gott“8 das erste PV-Lied, das wir lernen. Jetzt ist es an der Zeit, diesen geliebten Satz „Ich bin ein Kind von Gott“ mit den Worten „Was nun?“ zu ergänzen. Vielleicht stellen wir auch noch Fragen wie: Was will ich tun, um mein Leben wie ein Kind Gottes zu leben? Wie kann ich das göttliche Wesen in mir entfalten?

Präsident Dieter F. Uchtdorf hat gesagt: „Gott hat Sie hierher gesandt, um Sie auf eine großartigere Zukunft vorzubereiten, als Sie sich je vorstellen könnten.“9 Diese Zukunft wird Tag für Tag wahr, wenn Sie mehr tun, als nur zu existieren. Sie wird wahr, wenn Sie durch Ihr Leben gehen, um das Maß Ihrer Erschaffung zu erfüllen. Das lädt den Herrn in Ihr Leben ein und Sie fangen an, seinen Willen zu dem Ihren zu machen.

Aufgrund unseres göttlichen Wesens lernen wir

Unser göttliches Wesen haucht uns den Wunsch ein, selbst herauszufinden, ob diese ewigen Wahrheiten stimmen.

Ein Mädchen namens Amy machte mir das neulich klar, als es mir schrieb: „Es ist schwer, heutzutage ein Teenager zu sein. Der Weg wird immer schmaler. Der Satan versucht wirklich alles. Es gibt aber nur richtig oder falsch; dazwischen gibt es nichts.“

Sie schrieb weiter: „Manchmal ist es schwer, gute Freunde zu finden. Sogar wenn man glaubt, dass man gute Freunde hat, die einen nie im Stich lassen, kann sich das aus irgendeinem Grund ändern. Deshalb bin ich so froh, dass ich eine Familie habe, den himmlischen Vater, Jesus Christus und den Heiligen Geist. Sie können bei mir sein, wenn mit meinen Freunden etwas schiefläuft.“

Amy schrieb auch: „Eines Abends machte ich mir Sorgen, und ich sagte meiner Schwester, dass ich nicht weiß, was ich machen soll.“

Später an dem Abend schickte ihre Schwester ihr eine SMS und zitierte Elder Jeffrey R. Holland: „Gib nicht auf … Verzweifle nicht. Geh weiter! Streng dich an! Es wird Hilfe kommen, es wird Glück geben … Alles wird am Ende gut. Vertraue Gott und glaub an die künftigen Güter.“10

Amy berichtete: „Ich weiß noch, wie ich das las und darum betete, dass ich die Liebe Gottes verspüren möge, wenn er wirklich für mich da ist.“

Sie schrieb weiter: „Sobald ich betete und daran glaubte, dass er da ist, hatte ich ein ganz tolles, glückliches und warmes Gefühl. Dafür gibt es keine Worte. Ich wusste, dass er da ist und mich liebt.“

Weil Sie sein Kind sind, weiß er, wer Sie werden können. Er kennt Ihre Ängste und Träume. Er hat großen Gefallen an Ihrem Potenzial. Er wartet darauf, dass Sie im Gebet zu ihm kommen. Weil Sie sein Kind sind, brauchen Sie nicht nur ihn, sondern er braucht auch Sie. Diejenigen, die in dieser Versammlung in Ihrer Nähe sitzen, brauchen Sie. Die Welt braucht Sie, und wegen Ihres göttlichen Wesens können Sie für alle seine Kinder die Jüngerinnen seines Vertrauens sein. Wenn wir erst einmal anfangen, die Göttlichkeit in uns zu sehen, können wir sie auch in anderen sehen.

Aufgrund unseres göttlichen Wesens dienen wir

Unser göttliches Wesen haucht uns den Wunsch ein, anderen Gutes zu tun.

Eine Mutter und ihr Kind während der Hungersnot in Äthiopien

Vor kurzem erzählte Sharon Eubank, die Direktorin des Humanitären Dienstes und der LDS Charities, ein Erlebnis, von dem Elder Glenn L. Pace einmal berichtete. Mitte der Achtzigerjahre herrschte in vielen Teilen Äthiopiens Dürre und eine extreme Hungersnot. Als Hilfsmaßnahme wurden Versorgungsstationen mit Wasser und Nahrung für diejenigen eingerichtet, die sie erreichen konnten. Ein alter, ausgemergelter Mann ging eine lange Strecke zu Fuß zu so einer Station. Er kam an einem Dorf vorbei. Dort hörte er den Schrei eines Babys. Er suchte das Baby. Schließlich fand er es. Es saß auf dem Boden neben seiner toten Mutter. Der Mann hob das Baby auf seinen Arm und ging weitere 40 Kilometer zu Fuß zur Versorgungsstation. Als er dort ankam, waren seine ersten Worte nicht: „Ich habe Hunger“ oder „Helft mir“. Er fragte nur: „Was könnt ihr für dieses Baby tun?“11

Das göttliche Wesen in uns entfacht in uns den Wunsch, uns anderen zuzuwenden. Es veranlasst uns zum Handeln. Der Vater im Himmel und Jesus Christus können uns helfen, die Kraft dazu zu finden. Könnte der Herr uns fragen: „Was kann für diese Tochter, diesen Bruder, diesen Vater oder diesen Freund getan werden?“

Es sind die Einflüsterungen des Geistes, die das göttliche Wesen eines Zweiflers, nachdem er tief Luft geholt hat, den Frieden finden lassen, einen neuen Atemzug zu tun.

Wenn der Prophet spricht, hallen seine Worte in unserem göttlichen Wesen nach und geben uns die Kraft, ihm zu folgen.

Wenn wir jede Woche vom Abendmahl nehmen, haucht das dem Göttlichen in uns Hoffnung ein und wir denken an unseren Erretter, Jesus Christus.

Ich verheiße Ihnen: Wenn Sie danach streben, die Tiefe des göttlichen Wesens, das in Ihnen liegt, zu ergründen, werden Sie Ihre kostbare Gabe noch vergrößern. Mögen Sie sich davon leiten lassen, sodass Sie seine Tochter werden und den Weg zurück zu ihm gehen – dorthin, wo wir „dem Gott wiedergegeben“ werden, der „[uns] Atem verliehen hat“12. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden

    Anmerkungen

    1. Ijob 33:4

    2. „Ode: Intimations of Immortality from Recollections of Early Childhood“, The Complete Poetical Works of William Wordsworth, 1924, Seite 359

    3. „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“, Liahona, November 2010, Umschlagrückseite

    4. Elaine Cannon, in „‚Let Me Soar‘, Women Counseled“, Church News, 17. Oktober 1981, Seite 3

    5. 2 Petrus 1:4

    6. M. Russell Ballard, „Eine rechtschaffene Frau“, Liahona, Dezember 2002, Seite 42

    7. Römer 8:16

    8. Siehe „Ich bin ein Kind von Gott“, Gesangbuch, Nr. 202

    9. Dieter F. Uchtdorf, „Mit Freude das Evangelium leben“, Liahona, November 2014, Seite 121

    10. Jeffrey R. Holland, „Ein Hoherpriester der künftigen Güter“, Liahona, Januar 2000, Seite 45

    11. Siehe Glenn L. Pace, „Unendliche Not, aber nur begrenzte Mittel“, Der Stern, März 1995, Seite 18f.

    12. Siehe 2 Nephi 9:26