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Herbst 2015 | „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“

„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“

Herbst 2015 Generalkonferenz

Gottes Gebote sind Ausdruck seiner Liebe zu uns, und Gehorsam gegenüber seinen Geboten ist Ausdruck unserer Liebe zu ihm.

Als unsere älteste Tochter Jen nach der Geburt ihrer dritten Tochter aus dem Krankenhaus kam, fuhr ich zu ihr nach Hause, um zu helfen. Nachdem ihre älteste Tochter in der Schule war, hielten wir es für das Beste, wenn sich Jen ausruhte. Am sinnvollsten war, dass ich Chloe, die mittlere Tochter, nach Hause mitnahm, damit Jen und das Baby etwas Ruhe finden konnten.

Zuerst setzte ich Chloe in ihren Kindersitz, zog ihren Gurt fest, schnallte danach mich selbst an, und dann fuhren wir aus der Einfahrt. Wir hatten noch nicht einmal das Ende der Straße erreicht, da hatte sich Chloe abgeschnallt, stand aufrecht, schaute mir über die Schulter und plauderte mit mir. Ich hielt am Straßenrand an, stieg aus und schnallte sie wieder an.

Wir fuhren weiter, doch nur wenige Meter weiter war sie erneut nicht mehr im Sitz. Es ging also von vorne los, doch diesmal war Chloe bereits abgeschnallt und aus dem Sitz geklettert, noch bevor ich wieder eingestiegen war und mich angeschnallt hatte.

Da trug ich also in meinem Auto am Straßenrand einen Machtkampf mit einer Dreijährigen aus – und sie gewann ihn!

Ich versuchte, sie auf jede erdenkliche Weise davon zu überzeugen, angeschnallt zu bleiben. Sie ließ sich nicht beirren. Schließlich beschloss ich, es mit einer Belohnung zu probieren.

Ich sagte: „Chloe, wenn du angeschnallt bleibst, spielen wir mit Knete, wenn wir bei Oma angekommen sind.“

Keine Antwort.

„Chloe, wenn du angeschnallt bleibst, backen wir bei Oma gemeinsam Brot.“

Keine Antwort.

Ich versuchte es erneut. „Chloe, wenn du angeschnallt bleibst, kaufe ich dir unterwegs etwas zum Naschen!“

Nach dem dritten Versuch erkannte ich, dass die Mühe vergebens war. Sie war fest entschlossen und keine noch so tolle Belohnung konnte sie umstimmen, angeschnallt zu bleiben.

Wir konnten nicht den ganzen Tag am Straßenrand verbringen, aber ich wollte die Verkehrsregeln einhalten, und es war zu gefährlich, Chloe unangeschnallt zu lassen. Ich sprach ein stilles Gebet, und der Geist flüsterte mir zu: „Sei ihr eine Lehrerin!“

Ich drehte mich zu ihr um und zog meinen Gurt gut sichtbar für sie raus. Ich sagte: „Chloe, ich bin angeschnallt, weil der Gurt mich beschützt. Du aber bist nicht angeschnallt, also bist du nicht geschützt. Ich wäre sehr traurig, wenn dir etwas passiert.“

Sie schaute mich an, und ich konnte förmlich sehen, wie ihr junger Verstand ratterte, als ich gespannt auf ihre Antwort wartete. Schließlich hellten sich ihre großen blauen Augen auf und sie sagte: „Oma, ich soll mich anschnallen, weil du mich lieb hast!“

Ich sagte diesem wunderbaren kleinen Mädchen, wie lieb ich es habe, und im Auto war deutlich der Geist zu spüren. Ich wollte dieses Gefühl zwar nicht verlieren, aber auch die Chance ergreifen, also stieg ich aus und schnallte sie erneut an. Dann fragte ich sie: „Chloe, bleibst du jetzt bitte angeschnallt?“ Das blieb sie tatsächlich – den ganzen Weg zum Supermarkt, wo wir etwas zum Naschen kauften. Und auch von dort bis zu mir nach Hause blieb sie angeschnallt, und dann backten wir Brot und spielten mit Knete, denn das hatte Chloe schließlich nicht vergessen.

Als ich an diesem Tag zurück auf die Straße fuhr, kam mir eine Schriftstelle in den Sinn: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“1 Wir stellen Regeln auf, damit wir unsere Kinder unterweisen, führen und behüten können. Weshalb? Weil wir sie von ganzem Herzen lieben. Solange Chloe jedoch nicht klar war, dass sie angeschnallt bleiben sollte, weil ich sie lieb hatte, empfand sie es als Einschränkung und war nicht dazu bereit. Sie dachte, der Gurt behindere nur ihre Bewegungsfreiheit.

So wie Chloe können auch wir die Gebote als Behinderung ansehen. Mitunter meinen wir, Gottes Gesetze würden unsere Freiheit eingrenzen, uns die Entscheidungsfreiheit nehmen und unser Wachstum beschränken. Aber wenn wir uns um größere Erkenntnis bemühen, wenn wir dem Vater im Himmel gestatten, uns zu belehren, erkennen wir allmählich, dass seine Gesetze Ausdruck seiner Liebe zu uns sind und dass Gehorsam gegenüber seinen Gesetzen Ausdruck unserer Liebe zu ihm ist.

Falls Sie sich im übertragenen Sinn im Auto am Straßenrand wiederfinden, möchte ich ein paar Grundsätze nennen, dank derer Sie sicher auf den Weg des Glaubens und des Gehorsams zurückgelangen, sofern Sie sie befolgen.2

Erstens: Vertrauen Sie Gott. Vertrauen Sie auf seinen ewigen Plan für Sie. Jeder von uns ist „ein geliebter Geistsohn oder eine geliebte Geisttochter himmlischer Eltern“. Ihre Liebe zu uns wird in den Geboten deutlich. Gebote sind eine unerlässliche Anleitung, durch die wir in den „Erfahrungen des irdischen Lebens“3 unterwiesen, geführt und behütet werden.

Im vorirdischen Dasein haben wir die Entscheidungsfreiheit gebraucht und Gottes Plan angenommen,4 und wir haben erfahren, dass dieser Plan nur funktionieren kann, wenn wir Gottes ewiges Gesetz befolgen. In den heiligen Schriften heißt es: „Es gibt ein Gesetz, das im Himmel vor den Grundlegungen dieser Welt unwiderruflich angeordnet wurde und auf dem alle Segnungen beruhen.“5 Wenn wir das Gesetz befolgen, empfangen wir die Segnungen.

Auch wenn das Erdenleben von Fehlern, Widerstand und Lernprozessen begleitet wird, verliert Gott unser ewiges Potenzial nie aus den Augen, selbst wenn wir es tun. Wir können ihm vertrauen, „denn Gott möchte, dass seine Kinder zu ihm zurückkehren“6. Durch das Sühnopfer seines Sohnes Jesus Christus hat er einen Weg bereitet. Das Sühnopfer steht im „Mittelpunkt des Plans der Erlösung“7.

Zweitens: Vertrauen Sie Jesus. Das Sühnopfer Jesu Christi ist der höchste Ausdruck von Gehorsam und Liebe. Jesus hat sich dem Willen des Vaters gefügt und sein Leben für uns gegeben. Er hat gesagt: „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.“8

Jesus hat außerdem gesagt:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.

Das ist das wichtigste und erste Gebot.

Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“9

Jeden Sonntag haben wir die Gelegenheit, über die reine Liebe des Heilands nachzudenken und sie uns vor Augen zu halten, wenn wir von den Symbolen seines unbegrenzten Sühnopfers nehmen. Beim Abendmahl beobachte ich, wie mir eine ausgestreckte Hand Brot und Wasser reicht. Wenn ich den Arm ausstrecke und davon nehme, gelobe ich, dass ich bereit bin, seinen Namen auf mich zu nehmen, immer an ihn zu denken und seine Gebote zu halten. Und er verspricht, dass sein Geist immer mit uns sein wird.10

Drittens: Vertrauen Sie auf die Einflüsterungen des Geistes. Wissen Sie noch? Bei dem Erlebnis mit Chloe gab mir der Geist ja eine Schriftstelle ein, nämlich Johannes 14:15: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Es folgen diese wichtigen Verse:

„Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.

Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.“11

Jedes würdige, konfirmierte Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hat ein Anrecht darauf, vom Heiligen Geist begleitet zu werden. Wir können die Eingebungen des Geistes weitaus besser vernehmen und spüren, wenn wir fasten, beten, in den heiligen Schriften studieren und gehorsam sind.

Wenn Sie von Zweifeln erfüllt und verwirrt sind, senden der Vater und der Sohn den Heiligen Geist. Er warnt Sie und führt Sie in Sicherheit durch die Gefahren des Erdenlebens. Er hilft Ihnen, sich zu erinnern, tröstet Sie und erfüllt Sie mit „Hoffnung und vollkommener Liebe“12.

Viertens: Vertrauen Sie dem Rat der lebenden Propheten. Der Vater hat uns ermöglicht, dass wir durch seine Propheten sein Wort hören und sein Gesetz kennenlernen. Der Herr hat gesagt: „Mein Wort … wird sich gänzlich erfüllen, sei es durch meine eigene Stimme oder durch die Stimme meiner Knechte, das ist dasselbe.“13

In letzter Zeit haben die lebenden Propheten uns ans Herz gelegt, des Sabbats zu gedenken und ihn heiligzuhalten14 und das Gesetz des Fastens zu leben. Wenn wir diesem Rat der Propheten folgen, versetzt uns das in die Lage, Gottes Gebot zu befolgen, ihn und unseren Nächsten zu lieben. Wir vergrößern dann unseren Glauben an Jesus Christus und strecken anderen liebevoll unsere Hand entgegen, um ihnen zu helfen.15

Wir sind in Sicherheit, wenn wir das Wort des Herrn beherzigen, das er durch seine Propheten verkündet. Gott hat Präsident Thomas S. Monson, die Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft und die Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel als Propheten, Seher und Offenbarer berufen. In dieser Welt, in der Angst, Ablenkung, Ungemach und Zorn immer mehr zunehmen, können wir auf sie blicken und sehen, wie von Nächstenliebe erfüllte Jünger Jesu Christi aussehen, klingen und auf Fragen reagieren, die zu Streit führen können. Sie geben Zeugnis für Jesus Christus und zeigen Nächstenliebe, die reine Liebe Jesu Christi, dessen Zeugen sie sind.

Nach meinem Erlebnis mit Chloe durchforstete ich die heiligen Schriften nach Versen, in denen Gebote und Liebe erwähnt sind. Ich fand viele. Jeder dieser Verse erinnert uns daran, dass Gottes Gebote Ausdruck seiner Liebe zu uns sind, und dass Gehorsam gegenüber seinen Geboten Ausdruck unserer Liebe zu ihm ist.

Ich bezeuge: Wenn wir Gott, dem ewigen Vater, vertrauen, wenn wir seinem Sohn, Jesus Christus, vertrauen und an dessen Sühnopfer glauben, wenn wir den Einflüsterungen des Geistes vertrauen und wenn wir dem Rat lebender Propheten vertrauen, finden wir vom Wegesrand zurück auf die Straße und ertragen die sichere Heimreise nicht nur, sondern finden Freude daran. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden

    Anmerkungen

    1. Johannes 14:15

    2. Siehe Neil L. Andersen, „Sie wissen genug“, Liahona, November 2008, Seite 14

    3. „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“, Liahona, November 2010, Umschlagrückseite

    4. Siehe „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“

    5. Lehre und Bündnisse 130:20

    6. Russell M. Nelson, zitiert von R. Scott Lloyd in „God Wants His Children to Return to Him, Elder Nelson Teaches“, Nachrichten der Kirche auf LDS.org, 28. Januar 2014

    7. Russell M. Nelson, „Sich auf die Segnungen des Tempels vorbereiten“, Liahona, Oktober 2010, Seite 49

    8. Johannes 15:10

    9. Matthäus 22:37-39

    10. Siehe Lehre und Bündnisse 20:77,79

    11. Johannes 14:16,17

    12. Moroni 8:26

    13. Lehre und Bündnisse 1:38

    14. Siehe Exodus 20:8

    15. Siehe Handbuch 2: Die Kirche führen und verwalten, 2010, 6.1.2