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Herbst 2015 | Es funktioniert ganz wunderbar!

Es funktioniert ganz wunderbar!

Herbst 2015 Generalkonferenz

Ich bete, dass wir uns alle auf das Klare und Einfache am Evangelium besinnen mögen und es Jesu Gnade ermöglichen, uns emporzuheben und zu tragen.

Meine lieben Brüder und Schwestern, liebe Freunde, ich freue mich, heute bei Ihnen zu sein! Es stimmt uns traurig, dass drei Plätze auf dem Podium leer geblieben sind. Wir vermissen Präsident Packer, Elder Perry und Elder Scott, die wir in liebevoller Erinnerung bewahren. Wir beten für das Wohl ihrer Angehörigen.

An diesem Konferenzwochenende werden wir noch die Ehre haben, drei Männer im Amt zu bestätigen, die der Herr berufen hat, ihren Platz im Kollegium der Zwölf Apostel einzunehmen.

Unsere Gebete für sie werden ihnen Kraft geben, wenn sie den heiligen Mantel des Apostelamts tragen.

Funktioniert das Evangelium bei Ihnen?

Vor kurzem habe ich eine Aussage gelesen, die mich stutzig und nachdenklich gemacht hat. Sie lautete: „Erzähl jemandem, dass es im Weltall eine Billion Sterne gibt, und er glaubt dir. Erzähl ihm, dass die Wand frisch gestrichen ist, und er fasst sie an, um sicherzugehen.“

Sind wir nicht alle ein wenig so? Nachdem ich mich neulich einem kleinen medizinischen Eingriff unterziehen musste, erklärten mir meine fähigen Ärzte, was zu tun war, um wieder richtig zu genesen. Zuvor aber musste ich etwas über mich erfahren, was ich schon längst hätte wissen müssen: Ich bin kein sonderlich geduldiger Patient!

Infolgedessen beschloss ich, die Heilung zu beschleunigen, indem ich selbst im Internet Nachforschungen anstellte. Ich dachte wohl, ich stoße da auf eine Wahrheit, die meinen Ärzten unbekannt ist oder vor der sie mich bewahren wollen.

Es dauerte eine Weile, bis ich das Kuriose an meinem Treiben erkannte. Natürlich ist es keine schlechte Idee, selbst Nachforschungen anzustellen. Ich schlug aber eine Wahrheit in den Wind, auf die ich mich verlassen konnte, und ließ mich stattdessen von den oft abenteuerlichen Behauptungen im Internet in den Bann ziehen.

Manchmal erscheint uns die Wahrheit wohl einfach zu unkompliziert, zu platt und zu simpel und wir wissen ihren großen Wert überhaupt nicht zu würdigen. Dann lassen wir außer Acht, was wir erlebt und als wahr erkannt haben, und spüren rätselhafteren oder verwickelteren Informationen nach. Dabei erkennen wir dann hoffentlich, dass uns die Jagd nach Schatten auf eine Fährte führt, die wenig tragfähig und eher wertlos ist.

Wie kann man bei geistigen Wahrheiten wissen, ob man auf der richtigen Spur ist?

Eine Möglichkeit besteht darin, die richtigen Fragen zu stellen – nämlich solche, die uns über unseren Fortschritt nachdenken lassen und uns bei der Beurteilung helfen, ob etwas gut funktioniert. Das sind Fragen wie:

Hat mein Leben einen Sinn?

Glaube ich an Gott?

Glaube ich, dass Gott mich kennt und dass er mich liebt?

Glaube ich, dass Gott meine Gebete hört und erhört?

Bin ich wirklich glücklich?

Führt mich das, was ich mache, zu den geistig höchsten Zielen und Werten im Leben?

Tiefgründige Fragen über den Sinn des Lebens haben überall auf der Welt schon viele Menschen und ganze Familien auf die Suche nach Wahrheit geführt. Diese Suche hat sie dann oft in die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und zum wiederhergestellten Evangelium gebracht.

Ich frage mich, ob es für uns Mitglieder der Kirche nicht auch gut wäre, uns hin und wieder zu fragen: Bauen mich die Erfahrungen, die ich in der Kirche mache, auf? Bringen sie mich Christus näher? Werden ich und meine Familie mit Frieden und Freude gesegnet, wie es das Evangelium verheißt?

Alma stellte den Mitgliedern der Kirche in Zarahemla ähnliche Fragen. Er fragte: „Habt ihr diese mächtige Wandlung in eurem Herzen erlebt? … Ist euch auch jetzt [so] zumute?“1 Betrachtungen wie diese können uns wieder zur Besinnung bringen und uns helfen, unser tägliches Tun mit dem göttlichen Plan der Errettung wieder in Einklang zu bringen.

Viele Mitglieder werden frohgemut verkünden, dass sie ihre Erfahrungen als Mitglied der Kirche als außergewöhnlich aufbauend empfinden. Sie werden bezeugen, dass sie – ob arm oder reich, in guten wie in schlechten Zeiten – ein sehr sinnerfülltes, friedevolles und fröhliches Leben führen, weil sie sich dem Herrn und dem hingebungsvollen Dienen in der Kirche verschrieben haben. Jeden Tag treffe ich Mitglieder der Kirche, die vor Freude nur so strahlen und in Wort und Tat beweisen, dass das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi ihr Leben ungemein bereichert.

Ich weiß aber auch, dass es einige gibt, die ganz andere Empfindungen haben und nun den Eindruck haben, dass ihre Mitgliedschaft in der Kirche manchmal nicht ganz das ist, was sie sich erhofft hatten.

Das betrübt mich, denn ich habe selbst erlebt, wie das Evangelium den Geist beleben und erneuern kann, wie es unser Herz mit Hoffnung und unseren Sinn mit Licht erfüllen kann. Ich weiß aus eigener Beobachtung, wie die Früchte des Evangeliums Jesu Christi ein gewöhnliches und trostloses Leben in ein außergewöhnliches und grandioses verwandeln können.

Warum aber funktioniert das anscheinend bei einigen besser als bei anderen? Was ist der Unterschied zwischen denen, deren Seele durch die Erfahrungen, die sie in der Kirche machen, mit dem Gesang der erlösenden Liebe erfüllt wird,2 und denen, die das Gefühl haben, dass etwas fehlt?

Als ich über diese Fragen nachdachte, kam mir eine ganze Flut von Gedanken in den Sinn. Zwei davon möchte ich heute aufgreifen.

Vereinfachen

Erstens: Gestalten wir unseren Weg als Jünger zu kompliziert?

Das Evangelium ist so schön und einfach, dass ein Kind es erfassen kann, und doch so tiefgründig und vielschichtig, dass man es ein Leben lang, ja, eine Ewigkeit lang, studieren und erforschen kann, um es vollständig zu begreifen.

Bisweilen aber nehmen wir die bezaubernde Lilie der göttlichen Wahrheit und verbrämen sie Schicht um Schicht mit guten Ideen, Programmen und Erwartungen anderer Menschen. All diese mögen für sich genommen zu einer bestimmten Zeit und unter bestimmten Umständen gut und nützlich sein, aber wenn sie sich überlagern, kann ein derart mächtiger und schwerer Berg von Ablagerungen daraus erwachsen, dass wir Gefahr laufen, die kostbare Blume aus den Augen zu verlieren, die wir einst so sehr liebten.

Darum müssen wir als Führungsverantwortliche die Kirche und das Evangelium in ihrer Reinheit und Klarheit sorgsam hüten und bewahren und es vermeiden, unseren Mitgliedern unnötig Lasten aufzubürden.

Und als Mitglieder der Kirche müssen wir alle eine bewusste Anstrengung unternehmen, unsere Energie und Zeit dem zu widmen, worauf es wirklich ankommt, nämlich unsere Mitmenschen aufzurichten und das Reich Gottes aufzubauen.

Eine Schwester, sie war Lehrerin in der Frauenhilfsvereinigung, war für ihren makellosen Unterricht bekannt. Einmal wollte sie einen schönen Quilt anfertigen, der den perfekten Hintergrund für das Thema ihrer Lektion darstellen sollte. Doch dann kam das Leben dazwischen. Sie musste ihre Kinder von der Schule abholen und einem Nachbarn beim Umzug helfen. Ihr Mann bekam Fieber und eine Freundin fühlte sich einsam. Der Tag, an dem sie Unterricht halten sollte, rückte immer näher, und der Quilt war noch nicht fertig. Schließlich machte sie die ganze Nacht vor dem Unterricht kaum ein Auge zu, weil sie die ganze Zeit an dem Quilt nähte.

Am nächsten Tag war sie erschöpft und kaum in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Trotzdem hielt sie tapfer ihren Unterricht ab.

Und der Quilt war wirklich beeindruckend: Die Stiche saßen perfekt, die Farben leuchteten, das Muster war raffiniert. In der Mitte des Quilts stand ein einziges Wort, das glorreich das Thema ihrer Lektion zusammenfasste: „Vereinfache!“

Brüder und Schwestern, es muss nicht kompliziert sein, nach dem Evangelium zu leben.

Es ist wirklich ganz unkompliziert. Man kann es so beschreiben:

  • Wenn wir Gottes Wort mit wirklichem Vorsatz hören, gelangen wir zum Glauben an Gott und vertrauen auf seine Verheißungen.3

  • Je mehr wir Gott vertrauen, desto mehr wird unser Herz mit Liebe zu ihm und zueinander erfüllt.

  • Aufgrund unserer Liebe zu Gott wollen wir ihm folgen und unser Handeln mit seinem Wort in Einklang bringen.

  • Aufgrund unserer Liebe zu Gott wollen wir ihm dienen; wir wollen anderen ein Segen sein und den Armen und Bedürftigen helfen.

  • Je mehr wir auf dem Weg eines Jüngers voranschreiten, desto größer wird unser Verlangen, Gottes Wort zu erfahren.

Und so geht es immer weiter. Ein Schritt führt zum anderen und erfüllt uns mit immer mehr Glauben, Hoffnung und Nächstenliebe.

Es ist wunderbar einfach und funktioniert wunderbar.

Brüder und Schwestern, sollten Sie jemals glauben, dass es mit dem Evangelium bei Ihnen nicht so gut funktioniert, so bitte ich Sie: Gehen Sie einen Schritt zurück, betrachten Sie Ihr Leben von einer höheren Warte aus und gehen Sie Ihren Weg als Jünger einfacher an. Besinnen Sie sich auf den Kern der Lehre und die wesentlichen Grundsätze und Anwendungsbereiche des Evangeliums. Ich verspreche Ihnen, dass Gott Sie auf Ihrem Weg zu einem erfüllten Leben führen und segnen wird, und das Evangelium wird bei Ihnen ganz bestimmt besser funktionieren.

Da ansetzen, wo man gerade ist

Mein zweiter Vorschlag: Setzen Sie da an, wo Sie gerade sind.

Manchmal verlässt uns der Mut, weil wir glauben, wir seien nie „genug“ – nie geistig genug, nie angesehen, intelligent, gesund, reich, freundlich oder fähig genug. Selbstverständlich ist es nicht verkehrt, besser werden zu wollen. Gott hat uns dazu geschaffen, dass wir wachsen und Fortschritt machen. Bedenken wir auch, dass unsere Schwächen uns helfen können, demütig zu werden und uns Christus zuzuwenden, der „Schwaches … stark werden [lässt]“4. Der Satan hingegen nützt unsere Schwächen so weit aus, dass wir noch nicht einmal einen Versuch wagen.

Ich habe in meinem Leben gelernt, dass man nicht immer „genug“ sein muss, um der Mensch zu werden, den Gott haben möchte.

Gott nimmt uns so, wie wir gerade in diesem Augenblick sind, und dann fängt er mit uns zu arbeiten an. Alles, was wir brauchen, ist ein williges Herz, der Wunsch zu glauben und Vertrauen auf den Herrn.

Gideon sah in sich selbst einen armen Bauern, den Geringsten in seines Vaters Haus. Gott aber sah in ihm einen mächtigen und tapferen Mann.5

Als Samuel Saul als König auswählte, wollte dieser es ihm ausreden. Saul stammte aus einem der kleinsten Stämme des Hauses Israel. Wie konnte er da König werden?6 Gott aber hatte ihn bereits dazu ausersehen.7

Selbst der große Prophet Mose war einmal so von seinen Aufgaben überwältigt und entmutigt, dass er aufgeben und sterben wollte.8 Aber Gott gab Mose nicht auf.

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir uns nur mit dem sterblichen Auge betrachten, halten wir uns möglicherweise für nicht gut genug. Der Vater im Himmel aber sieht uns so, wie wir wirklich sind und wie wir werden können. Er sieht uns als seine Söhne und Töchter, als Wesen ewigen Lichts mit unvergänglichem Potenzial und mit einer göttlichen Bestimmung.9

Das Opfer des Erlösers hat uns allen die Tür der Errettung geöffnet, durch die wir zu Gott zurückkehren können. Seine „Gnade ist ausreichend für alle …, die sich vor [Gott] demütigen“10. Seine Gnade ist die helfende Macht, die den Zugang zu den errettenden Reichen Gottes ermöglicht. Wegen seiner Gnade werden wir alle in einem Reich der Herrlichkeit auferstehen und errettet sein.

Selbst das niedrigste Reich der Herrlichkeit, das telestiale, „[übersteigt] alles Verständnis“11, und unzählige Menschen werden dort ihre Errettung finden.12

Die Gnade des Erretters kann uns aber noch viel weiter führen. Als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage streben wir noch etwas unvorstellbar Größeres an, nämlich die Erhöhung im celestialen Reich. Das ist das ewige Leben in der Gegenwart unseres himmlischen Vaters. Das ist die größte Gabe Gottes.13 Im celestialen Reich empfangen wir „von seiner Fülle … und von seiner Herrlichkeit“14. Uns wird tatsächlich alles gegeben, was der Vater hat.15

Die Erhöhung ist unser Ziel, der Weg des Jüngers unser Weg dorthin.

Wenn Sie ein wenig Glauben ausüben und Ihren Weg als friedlicher Anhänger unseres Herrn Jesus Christus einschlagen, wandelt sich Ihr Herz.16 Ihr ganzes Wesen wird mit Licht erfüllt.17

Gott hilft Ihnen, größer zu werden, als Sie es jemals für möglich gehalten hätten. Und Sie werden erkennen, dass das Evangelium Jesu Christi in Ihrem Leben wirklich funktioniert. Es funktioniert.

Es funktioniert!

Brüder und Schwestern, ich bete, dass wir uns alle auf das Klare und Einfache am Evangelium18 besinnen mögen und es Jesu Gnade ermöglichen, uns emporzuheben und uns auf unserem Weg von der Stelle, wo wir jetzt sind, hin zu unserer herrlichen Bestimmung in der Gegenwart unseres Vaters zu tragen.

Wenn uns dann jemand fragt, „Wie funktioniert das so mit Ihrer Mitgliedschaft in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage?“, werden wir in aller Bescheidenheit stolz und mit großer Freude sagen können: „Es funktioniert ganz wunderbar! Danke der Nachfrage! Möchten Sie mehr darüber wissen?“

Dies ist meine Hoffnung, mein Gebet, mein Zeugnis und mein Segen. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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