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Herbst 2015 | Klare und kostbare Wahrheiten

Klare und kostbare Wahrheiten

Herbst 2015 Generalkonferenz

Zum Ausgleich dafür, dass wir in schweren Zeiten leben, entschädigt uns der Vater im Himmel großzügig dadurch, dass wir gleichzeitig auch in der Fülle der Zeiten leben.

Liebe Brüder und Schwestern, seit Jahrzehnten waren wir es gewohnt, dass Präsident Boyd K. Packer, Elder L. Tom Perry und Elder Richard G. Scott bei der Generalkonferenz gleich hinter dem Podium sitzen und in einer der Versammlungen sprechen. So sehr haben wir sie noch vor Augen, und auch ich möchte meine Wertschätzung für diese drei Brüder ausdrücken, von denen jeder so unverkennbar einzigartig war, und doch waren sie eins in ihrem Zeugnis von Jesus Christus und seinem Sühnopfer.

Genau wie Sie schöpfe auch ich Kraft von Präsident Thomas S. Monson, den wir als Propheten, Seher und Offenbarer bestätigen. Ich bewundere ihn wegen seines treuen und pflichtbewussten apostolischen Dienstes, der nun schon über 50 bemerkenswerte Jahre umspannt.

Am Dienstagmorgen diese Woche geschah es kurz nach 9:00 Uhr, als die Bischofschaft gerade die Sitzung mit der Präsidentschaft des Gebiets Asien, die anlässlich der Konferenz hier ist, beginnen wollte, dass ich gebeten wurde, mit Präsident Monson und seinen Ratgebern zusammenzukommen. Einige Augenblicke später betrat ich das Besprechungszimmer neben Präsident Monsons Büro. Ich muss wohl einen nervösen Eindruck gemacht haben, als ich ihm am Tisch gegenübersaß, denn er sprach beruhigend und freundlich auf mich ein. Er sprach mein Alter an und meinte, dass ich recht jung wirke und noch weit jünger aussehe.

Und gleich darauf legte Präsident Monson dar, dass er mich in Einklang mit dem Willen des Herrn in das Kollegium der Zwölf Apostel berufe. Er fragte mich, ob ich diese Berufung annehme. Nachdem ich in einer Weise, die gewiss peinlich war, gut hörbar tief Luft geholt hatte, bejahte ich völlig schockiert. Und noch bevor ich die Flutwelle unbeschreiblicher Empfindungen, die über mich hinwegfegte – in erster Linie das Gefühl der Unzulänglichkeit –, in Worte fassen konnte, ging Präsident Monson voller Güte auf mich ein. Er schilderte, wie er selbst vor vielen Jahren von Präsident David O. McKay zum Apostel berufen worden war und dass auch er sich damals unzulänglich gefühlt hatte. In aller Ruhe gab er mir mit auf den Weg: „Bischof Stevenson, wen der Herr beruft, den befähigt er.“ Diese tröstenden Worte eines Propheten waren mir ein Quell des Friedens, ein Ruhepol inmitten eines Sturms schmerzlicher Selbstprüfung und tiefer Empfindungen in den qualvollen Stunden, die seither Tag und Nacht verstrichen sind.

Das, was ich Ihnen eben geschildert habe, berichtete ich später am selben Tag auch meiner lieben Frau Lesa. Wir saßen in einer abgeschiedenen Ecke auf dem Tempelplatz mit tröstlichem Blick auf den Tempel und das historische Tabernakel. Wir versuchten, die Ereignisse dieses Tages einzuordnen und zu verarbeiten. Dabei stellten wir fest, dass unser Glaube an Jesus Christus und unsere Erkenntnis vom großen Plan des Glücklichseins unser Anker sind. An dieser Stelle möchte ich zum Ausdruck bringen, wie sehr ich Lesa liebe. Sie ist der Sonnenschein meines Lebens und eine ganz besondere Tochter Gottes. Ihr Leben ist gekennzeichnet von selbstlosem Dienen und bedingungsloser Liebe zu allen Menschen. Ich will mich bemühen, des Segens unserer ewigen Einheit würdig zu bleiben.

Auch unseren vier Söhnen und ihren Familien bringe ich von Herzen meine Liebe zum Ausdruck. Drei meiner Söhne sind heute mit ihren Frauen, den Müttern unserer sechs Enkel, hier; und der vierte Sohn, der gerade auf Mission ist, bleibt mit Sondergenehmigung bis nach dem Zapfenstreich für Missionare auf und verfolgt diese Versammlung gemeinsam mit seinem Missionspräsidenten und dessen Frau live im Missionsheim in Taiwan mit. Ich liebe einen jeden von ihnen und bin sehr froh darüber, wie sie den Erretter und das Evangelium lieben.

Ich bringe jedem Mitglied meiner Familie meine Liebe zum Ausdruck: meiner lieben Mutter und meinem vergangenes Jahr verstorbenen Vater, die mir ein Zeugnis eingeflößt haben, das ich offenbar habe, soweit ich zurückdenken kann. Ebenso danken möchte ich meinem Bruder, meinen Schwestern und deren glaubenstreuen Ehepartnern, und ebenso auch Lesas Familie, von der heute ebenfalls viele hier anwesend sind. Dieses Netz der Dankbarkeit erstreckt sich über Verwandte, Bekannte, Missionare, Führer und Lehrer, die mich ein Stück des Weges begleitet haben.

Ich bin dankbar, dass ich eng mit den Mitgliedern der Ersten Präsidentschaft, den Aposteln, den Siebzigern und den Präsidentschaften der Hilfsorganisationen zusammenarbeiten durfte. Brüder und Schwestern, ich habe Sie sehr gern und schätze Sie hoch. Ich werde mich bemühen, dieser Zusammenarbeit auch weiterhin würdig zu bleiben. Die Präsidierende Bischofschaft genießt eine geradezu himmlische Einigkeit. Das tägliche Zusammensein mit Bischof Gérald Caussé, Bischof Dean M. Davies und allen Mitarbeitern wird mir fehlen.

Dass ich heute vor Ihnen stehe, ist ein Beweis dafür, dass die Worte des Herrn aus dem ersten Abschnitt des Buches Lehre und Bündnisse stimmen: „Damit die Fülle [des] Evangeliums durch die Schwachen und die Einfachen bis an die Enden der [Erde] und vor Königen und Herrschern verkündigt werde.“1 Vor dieser Aussage steht eine Erklärung des Herrn, aus der die Liebe eines Vaters zu seinen Kindern spricht: „Darum habe ich, der Herr, der das Unheil kennt, das über die Bewohner der Erde kommen soll, meinen Knecht Joseph Smith jun. aufgerufen und aus dem Himmel zu ihm gesprochen und ihm Gebote gegeben.“2

Unser liebevoller Vater im Himmel und sein Sohn Jehova, die das Ende von Anfang an wissen,3 haben die Himmel aufgetan und eine neue Evangeliumszeit eingeleitet, um ein Gegengewicht zu dem Unheil zu schaffen, von dem sie wissen, dass es kommt. Der Apostel Paulus beschrieb das bevorstehende Unheil als „schwere Zeiten“4. Ich schließe daraus, dass der Vater im Himmel uns zum Ausgleich dafür, dass wir in schweren Zeiten leben, großzügig dadurch entschädigt, dass wir gleichzeitig auch in der Fülle der Zeiten leben.

Als ich mich diese Woche mit meinen Unzulänglichkeiten marterte, erhielt ich eine deutliche Eingebung, die mir sowohl Mahnung als auch Trost bescherte: Ich solle mich nicht auf das konzentrieren, wozu ich nicht imstande bin, sondern auf das, was ich tun kann. Ich bin imstande, für die klaren und kostbaren Wahrheiten des Evangeliums Zeugnis abzulegen.

Die folgenden Worte habe ich hunderte Male weitergegeben, an Mitglieder ebenso wie auch an Andersgläubige: „Gott ist unser himmlischer Vater[, und er liebt uns]. Wir sind seine Kinder. … Er ist traurig, wenn wir leiden, und er freut sich, wenn wir das Rechte tun. Er möchte zu uns sprechen. Wir können aufrichtig zu ihm beten und dadurch mit ihm in Kontakt treten. …

Der himmlische Vater hat es möglich gemacht, dass wir, seine Kinder, … zu ihm zurückkehren können, um bei ihm zu wohnen. … Im Plan des [himmlischen] Vaters steht das Sühnopfer Jesu Christi im Mittelpunkt.“5

Der Vater im Himmel sandte seinen Sohn zur Erde, damit er für die Sünden aller Menschen sühne. Für diese klaren und kostbaren Wahrheiten lege ich Zeugnis ab. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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