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Herbst 2015 | Die Freude eines auf Christus ausgerichteten Lebens

Die Freude eines auf Christus ausgerichteten Lebens

Herbst 2015 Generalkonferenz

Wir müssen vollkommen auf Christus ausgerichtet sein, wenn wir in diesem Leben wahre Freude und wahren Frieden finden wollen.

Die Welt, in der wir leben, übt großen Druck auf gute Menschen überall aus, ihren Maßstab an Rechtschaffenheit im Leben zu senken oder gar aufzugeben. Dennoch können und werden wir trotz allem Bösen und aller Versuchungen um uns herum wahre Freude finden, wenn wir ein Leben führen, das auf Christus ausgerichtet ist.

Die Ausrichtung auf Jesus Christus und sein Evangelium bringt Beständigkeit und Glück in unser Leben. Dazu ein Beispiel:

Elder Taiichi Aoba von den Siebzigern, der in einem kleinen Bergdorf in Shikoku in Japan lebt, wurde gebeten, bei einer Jugendtagung einen Unterricht abzuhalten. Das Tagungsmotto lautete: „Steht an heiligen Stätten.“ Nachdem Elder Aoba über das Motto nachgedacht und überlegt hatte, worüber er sprechen wolle, entschied er sich, den Jugendlichen etwas anhand seines Berufs zu vermitteln. Er ist Töpfer von Beruf.

Elder Aoba mit Jugendlichen in seiner Töpferwerkstatt

Elder Aoba berichtet, dass die Jugendlichen mit großem Interesse bei der Sache waren, als sie sahen, wie sich der Ton in seinen Händen fast wie von selbst zu Tellern, Schüsseln und Bechern formte. Nach seiner Vorführung fragte er, ob irgendjemand auch einen Versuch wagen wolle. Alle meldeten sich.

Elder Aoba ließ einige Jugendliche nach vorn kommen und ihr Glück versuchen. Sie nahmen an, dass das Töpfern leicht gehe, schließlich hatten sie ihm ja vorher zugesehen. Aber keiner schaffte es, auch nur eine einfache Schüssel zu formen. Sie riefen aus: „Ich kann das nicht!“ „Warum ist das so schwer?“ „Das geht gar nicht!“ Solche Kommentare waren zu hören, während der Ton nur so durch die Gegend flog.

Elder Aoba fragte die Jugendlichen, warum es ihnen so schwer fiel, etwas zu töpfern. Es kamen unterschiedliche Antworten: „Ich habe das noch nie gemacht“, „Es hat mir niemand beigebracht“ oder „Ich habe einfach kein Talent dafür“. Gemessen am Resultat stimmte alles, was sie sagten. Dennoch war der entscheidende Grund, weshalb es nicht klappte, der, dass sich der Klumpen Ton nicht exakt in der Mitte der Töpferscheibe befand. Die Jugendlichen hatten gedacht, sie hätten den Ton in der Mitte platziert, aber aus der Sicht eines gelernten Töpfers befand er sich eben nicht ganz genau im Mittelpunkt. Darum sagte Elder Aoba: „Versuchen wir es noch einmal.“

Elder Aoba beim Töpfern

Dieses Mal platzierte Elder Aoba den Ton genau in der Mitte der Töpferscheibe, setzte sie in Bewegung und machte ein Loch in die Mitte des Tons. Einige Jugendliche versuchten es erneut. Alle fingen an zu klatschen und riefen aus: „Es wackelt nicht mehr“, „Ich kann es“ oder „Ich hab‘s geschafft!“ Natürlich waren die Formen nicht fehlerfrei, aber das Ergebnis fiel ganz anders aus als beim ersten Versuch. Der Grund für ihren Erfolg lag darin, dass der Ton auf der Scheibe vollkommen zentriert ausgerichtet war.

Die Welt, in der wir leben, ist der Töpferscheibe nicht unähnlich – und sie dreht sich immer schneller. Wie der Ton auf der Töpferscheibe, so müssen auch wir gewissermaßen zentriert sein. Unser Innerstes, der Mittelpunkt unseres Lebens, müssen Jesus Christus und sein Evangelium sein. Ein auf Jesus Christus ausgerichtetes Leben bedeutet, dass wir ihn und sein Evangelium immer besser kennenlernen und dann seinem Beispiel nacheifern und seine Gebote genau befolgen.

Vor alters sagte der Prophet Jesaja: „Und doch bist du, Herr, unser Vater. Wir sind der Ton und du bist unser Töpfer, wir alle sind das Werk deiner Hände.“1

Wenn wir auf Jesus Christus ausgerichtet sind, kann er uns so formen, wie es nötig ist, damit wir in das celestiale Reich und somit in seine und des Vaters Gegenwart zurückkehren können. Die Freude, die wir in diesem Leben erfahren, steht in direktem Zusammenhang damit, wie genau wir auf die Lehren, das Beispiel und das Sühnopfer Jesu Christi ausgerichtet sind.

Brüder und Schwestern, ich bin in einer Familie zur Welt gekommen, die schon seit mehreren Generationen der Kirche angehört. Bei uns waren die Segnungen und die Freude des Evangeliums Jesu Christi das Fundament des Familienlebens und fest mit unserem Alltag verwoben. Erst als junger Mann erkannte ich auf meiner Vollzeitmission, welch enorm beglückenden Einfluss die Fülle des Evangeliums Jesu Christi auf jemanden hat, der die damit verbundenen Segnungen bis dahin noch nie erlebt hatte. Dieser Vers in Matthäus gibt wieder, was in jemandem vorgeht, der sich zum Evangelium Jesu Christi bekehrt: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.“2

Dazu möchte ich ein Beispiel aus dem Buch Mormon anführen. Es zeigt, wie viel ein Bekehrter zu geben bereit ist, um die Freude zu erleben, die mit dem Auffinden des Schatzes verbunden ist, von dem Jesus in seinem Gleichnis vom vergrabenen Schatz spricht.

In Alma, Kapitel 20, sind Ammon und Lamoni auf dem Weg nach Middoni. Sie wollen Ammons Bruder Aaron aufsuchen und aus dem Gefängnis befreien. Unterwegs begegnen sie Lamonis Vater, dem König aller Lamaniten.

Der König ist bitterböse, weil sein Sohn Lamoni mit Ammon unterwegs ist, einem Missionar der Nephiten, den er als Feind betrachtet. Er findet, sein Sohn hätte dem großen Fest beiwohnen sollen, das er zu Ehren seiner Söhne und seines Volkes veranstaltet hatte. Der König ist so außer sich, dass er seinem Sohn Lamoni befiehlt, Ammon mit dem Schwert zu erschlagen. Als Lamoni sich weigert, zieht der König selbst das Schwert und will seinen Sohn wegen dessen Ungehorsams erschlagen. Ammon jedoch tritt dazwischen und rettet Lamoni das Leben. Ammon überwältigt schließlich den König und hätte ihn töten können.

Hier sind die Worte, die der König in dieser für ihn so bedrohlichen Lage an Ammon richtet: „Wenn du mich verschonst, will ich dir gewähren, was auch immer du erbittest, ja, bis zur Hälfte des Reiches.“3

Der König ist also bereit, sein halbes Königreich hinzugeben, um sein Leben zu retten. Wie überrascht muss er wohl gewesen sein, als Ammon lediglich darum bittet, dass er seinen Bruder Aaron und dessen Weggefährten aus dem Gefängnis entlassen möge und dass Lamoni, der Sohn des Königs, sein Königreich behalten dürfe.

Infolge dieser Begegnung wird Ammons Bruder Aaron danach aus dem Gefängnis in Middoni freigelassen. Nach seiner Freilassung fühlt er sich gedrängt, in das Land und zum Haus ebenjenes Königs der Lamaniten zu gehen. Aaron wird also dem König vorgestellt und darf ihn die Grundsätze des Evangeliums Jesu Christi und den großen Plan der Erlösung lehren. Der König ist von Aarons Worten zutiefst beeindruckt.

In Alma, Kapitel 22, Vers 15, lesen wir über seine Reaktion: „Und es begab sich: Nachdem Aaron ihm dies erläutert hatte, sprach der König: Was soll ich tun, dass ich dieses ewige Leben habe, von dem du gesprochen hast? Ja, was soll ich tun, dass ich aus Gott geboren werde und dieser schlechte Geist mir aus der Brust gerissen werde und ich seinen Geist empfange, damit ich mit Freude erfüllt werde, damit ich nicht am letzten Tag verstoßen werde? Siehe, sprach er, ich will alles hergeben, was ich besitze, ja, ich will meinem Königreich entsagen, damit ich diese große Freude empfangen kann.“

Wie beeindruckend! Um sein eigenes Leben zu retten, hätte der König der Lamaniten sein halbes Königreich hergegeben, aber nun war er bereit, sein ganzes Königreich herzugeben, um die Freude zu erfahren, die damit verbunden ist, dass man das Evangelium Jesu Christi versteht, annimmt und danach lebt.

Meine Frau Nancy ist nicht in der Kirche aufgewachsen. Immer wieder hat sie mir über die Jahre von der Freude erzählt, die sie verspürt, seit sie das Evangelium Jesu Christi gefunden, angenommen und in ihr Leben aufgenommen hat. Hier nun ein paar Gedanken meiner Frau zu diesem Thema:

„Als junge Frau Anfang 20 war ich an einem Punkt angelangt, wo mir klar wurde, dass ich etwas ändern musste, um glücklicher zu werden. Ich hatte das Gefühl, einfach so dahinzutreiben, ohne Zweck und ohne Ziel, und ich wusste nicht, wo ich nach dem Sinn suchen sollte. Eigentlich hatte ich schon immer gewusst, dass es den Vater im Himmel gibt. Gelegentlich hatte ich auch gebetet und dabei das Gefühl gehabt, dass er zuhört.

Als ich mich nun auf die Suche machte, besuchte ich verschiedene Kirchen, aber ich fiel immer wieder in dieselbe Orientierungslosigkeit und Aussichtslosigkeit zurück. Schließlich wurde mein Gebet um Führung und einen Lebenszweck erhört. Ich lernte die Fülle des Evangeliums Jesu Christi kennen. Wie gesegnet fühlte ich mich! Zum ersten Mal spürte ich, dass mein Leben einen Sinn hat. Der Plan des Glücklichseins brachte mir wahre Freude.“

Ein weiteres Beispiel aus dem Buch Mormon zeigt klar und deutlich, wie uns ein auf Christus ausgerichtetes Leben selbst angesichts unsagbarer Beschwernisse mit großer Freude erfüllen kann.

Nachdem der Prophet Lehi und seine Familie im Jahre 600 v. Chr. Jerusalem verlassen haben, wandern sie ungefähr acht Jahre lang in der Wildnis umher, bis sie endlich in einem Land ankommen, das sie Überfluss nennen und das an der Küste liegt. Nephi beschreibt ihr anstrengendes Leben in der Wildnis so: „Wir [haben] auch viele Bedrängnisse und viel Schweres erlitten[, ja,] so viel, dass wir es nicht alles niederschreiben können.“4

Im Land Überfluss wird Nephi vom Herrn mit der Aufgabe betraut, ein Schiff zu bauen, das sie über das Meer ins verheißene Land tragen soll. Nach ihrer Ankunft im verheißenen Land gibt es immer wieder große Streitigkeiten zwischen denen, die ein auf Christus ausgerichtetes Leben führen, und den Ungläubigen, die dem Beispiel Lamans und Lemuels folgen. Am Ende ist das Risiko gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden Gruppen so groß, dass Nephi und diejenigen, die den Lehren des Herrn folgen, aufbrechen und um ihrer Sicherheit willen in die Wildnis fliehen. Aus dieser Zeit, gut 30 Jahre nachdem Lehi und seine Familie Jerusalem verlassen haben, ist uns diese etwas verwunderliche Äußerung Nephis überliefert, besonders da er ja in den Schriften soeben die vielen Bedrängnisse und Drangsale beschrieben hatte, die sie so lange erdulden mussten. Dies sind seine Worte: „Und es begab sich: Wir lebten nach der Weise der Glückseligkeit.“5 Trotz aller Beschwernisse waren sie imstande, nach der Weise der Glückseligkeit zu leben, weil sie ein auf Christus und sein Evangelium ausgerichtetes Leben führten.

Brüder und Schwestern, wie der Ton auf der Töpferscheibe müssen wir vollkommen auf Christus ausgerichtet sein, wenn wir in diesem Leben wahre Freude und wahren Frieden finden wollen. Die Beispiele vom König der Lamaniten, von meiner Frau Nancy und von den Nephiten veranschaulichen diesen wahren Grundsatz.

Ich bezeuge heute, dass auch wir diesen Frieden, dieses Glück, diese wahre Freude finden können, wenn wir uns entschließen, ein auf Christus ausgerichtetes Leben zu führen. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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