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Frühjahr 2016 | Die Gabe, die ein Kind leitet

Die Gabe, die ein Kind leitet

Frühjahr 2016 Generalkonferenz

Wie bringen wir unseren Kindern bei, weltliche Einflüsse abzuschütteln und auf den Geist zu vertrauen?

Ein junger Vater war buchstäblich im Begriff, unterzugehen. Mit seinen zwei Kindern und seinem Schwiegervater hatte er einen Spaziergang um einen See gemacht. Sie waren umgeben von herrlichen, mit Kiefern bedeckten Bergen, und der blaue, mit flauschigen weißen Wolken gefüllte Himmel strahlte Schönheit und Ruhe aus. Als die Kinder in der Hitze müde wurden, beschlossen die beiden Männer, sie huckepack zu nehmen und die kurze Strecke ans andere Ufer des Sees zu schwimmen.

Das schien keine Mühe zu kosten – bis zu dem Augenblick, als der Vater merkte, dass ihn etwas nach unten zog und alles auf einmal sehr schwer war. Das Wasser drückte ihn hinunter zum Grund des Sees und ihm wurde angst und bange. Wie in aller Welt sollte er sich und die geliebte kleine Tochter auf seinem Rücken nur über Wasser halten?

Seine Stimme verhallte in der Ferne. Sein Schwiegervater war schon zu weit weg, um die verzweifelten Hilferufe zu hören und darauf zu reagieren. Er fühlte sich allein und hilflos.

Können Sie sich vorstellen, wie verlassen er sich vorkam? Da war nichts, woran er sich festhalten konnte. In einer ausweglosen Situation kämpfte er um sein Überleben und um das seines Kindes. Leider erleben wir alle in gewissem Maß dieses Gefühl, wenn wir in eine Situation geraten, in der wir dringend Hilfe brauchen, um zu überleben und unsere Lieben zu retten.

Der Panik nahe erkannte er, dass es seine vom Wasser durchtränkten Schuhe waren, die ihn nach unten zogen. Obwohl er sich nur mit Mühe über Wasser halten konnte, machte er sich daran, die schweren Schuhe loszuwerden. Doch es war, als hätten sie sich festgesaugt. Die Schnürsenkel waren vom Wasser aufgequollen, wodurch die Schuhe noch fester saßen.

In vielleicht letzter Verzweiflung gelang es ihm schließlich, sie abzustreifen. Endlich lockerten sie sich und sanken rasch auf den Grund hinab. Befreit von dem schweren Gewicht, das ihn nach unten gezogen hatte, schoss er sofort mit seiner Tochter nach oben. Jetzt konnte er vorwärtsschwimmen und sicher das andere Ufer des Sees erreichen.

Manchmal kommt es vielleicht auch uns so vor, als würden wir ertrinken. Das Leben kann schwer auf uns lasten. „Wir leben in einer lauten und geschäftigen Welt. … Wenn wir nicht Acht geben, können die weltlichen Belange die Belange des Geistes verdrängen.“1

Wie können wir dem Beispiel dieses Vaters folgen und von dem weltlichen Ballast, den wir mit uns herumschleppen, ein wenig abstoßen, sodass auch wir den Kopf unserer Kinder und unser eigenes sorgenschweres Gemüt über Wasser halten können? Wie können wir, wie Paulus uns rät, „alle Last … abwerfen“?2 Wie können wir unsere Kinder auf die Zeit vorbereiten, da sie sich nicht mehr an uns und unserem Zeugnis festhalten können und selbst schwimmen müssen?

Eine Antwort liegt in einer besonderen Quelle göttlicher Kraft. Sie wird oft unterschätzt, und doch kann sie uns täglich die Last leichter machen und unsere geliebten Kinder leiten. Ich spreche von der Gabe des Heiligen Geistes, die sie leitet.

Mit acht Jahren kann sich ein Kind taufen lassen. Es geht einen Bund mit Gott ein, auf den es vorbereitet wurde. Es ist von allen umringt, die es lieb hat, wenn es untergetaucht wird und dann mit großer Freude aus dem Taufbecken kommt. Danach empfängt es die unaussprechliche Gabe des Heiligen Geistes, eine Gabe, die es immerzu leiten kann, solange es entsprechend lebt.

Elder David A. Bednar hat gesagt: „Wegen der Schlichtheit der [Konfirmierung] übersehen wir vielleicht deren Bedeutung. Diese vier Wörter –, empfange den Heiligen Geist‘ – sind keine passive Äußerung, sondern eine Aufforderung durch das Priestertum – eine mit Vollmacht ausgesprochene Ermahnung, zu handeln und nicht auf sich einwirken zu lassen.“3

Kinder haben von Natur aus den Wunsch, Gutes zu tun und gut zu sein. Man spürt ihre Unschuld und Reinheit. Sie sind auch sehr empfänglich für die leise, sanfte Stimme.

Jesus dient den Kindern der Nephiten

In 3 Nephi 26 zeigt uns der Erretter die geistige Aufnahmefähigkeit von Kindern:

„Er löste ihnen die Zunge, und sie sprachen zu ihren Vätern Großes und Wunderbares, ja, sogar Größeres, als er dem Volk offenbart hatte …

Sie sahen und hörten diese Kinder; ja, selbst Säuglinge öffneten den Mund und redeten Wunderbares.“4

Wie können wir als Eltern bei unseren Kleinen diese geistige Aufnahmefähigkeit fördern? Wie bringen wir ihnen bei, weltliche Einflüsse auch dann abzuschütteln und auf den Geist zu vertrauen, wenn wir nicht bei ihnen sind und sie im tiefen Wasser des Lebens auf sich allein gestellt sind?

Ich habe da einige Anregungen.

Erstens können wir unsere Kinder darauf aufmerksam machen, wenn sie den Geist vernehmen und spüren. Reisen wir doch einmal gedanklich in der Zeit zurück bis ins Alte Testament und schauen, wie Eli das bei Samuel gemacht hat.

Samuel vernahm als Junge zwei Mal eine Stimme, lief zu Eli und sagte: „Hier bin ich.“

„Ich habe dich nicht gerufen“, erwiderte Eli.

Samuel aber „kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden“.

Beim dritten Mal wurde Eli klar, dass Samuel vom Herrn gerufen worden war, und so trug er Samuel auf, zu antworten: „Rede, Herr; denn dein Diener hört.“5

Allmählich spürte und erkannte Samuel die Stimme des Herrn und hörte auf sie. Der Junge verstand dies aber erst, nachdem Eli ihn darauf gestoßen hatte. Nachdem Samuel dann belehrt worden war, konnte er sich mit der leisen, sanften Stimme besser vertraut machen.

Zweitens können wir unser Zuhause und unsere Kinder auf die leise, sanfte Stimme vorbereiten. „Viele Fremdsprachenlehrer sind der Ansicht, dass ein Kind eine Fremdsprache am besten durch Immersion lernt. Dabei ist es von Menschen umgeben, die diese Sprache sprechen, und wird auch selbst zum Sprechen aufgefordert. Es lernt nicht nur einzelne Wörter, sondern fließend sprechen und sogar in der neuen Sprache denken. In der geistigen Erziehung findet die Immersion [am besten] zu Hause statt, wo geistige Grundlagen die Basis des täglichen Lebens bilden können.“6

„Du sollst [die Worte des Herrn] deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.“7 Wenn wir unsere Kinder mit dem Geist umgeben, bleibt ihr Herz offen für seinen Einfluss.

Drittens können wir unseren Kindern erklären, wie der Geist zu ihnen spricht. Joseph Smith hat gesagt: „Wenn er zu einem kleinen Kind kommt, passt er sich der Sprache und Aufnahmefähigkeit des kleinen Kindes an.“8 Eine Mutter, die wusste, dass Kinder auf unterschiedliche Weise lernen (visuell, auditiv, taktil oder kinästhetisch) stellte bei längerer Beobachtung ihrer Kinder fest, dass der Heilige Geist ein jedes von ihnen immer auf die Weise lehrte, wie es am besten lernte.9

Eine andere Mutter hat erzählt, wie sie ihren Kindern hilft, den Heiligen Geist zu erkennen: „Mitunter ist [Kindern] nicht klar, dass es viele Arten gibt, wie der Heilige Geist [zu ihnen] spricht – mal kommt ihnen ein Gedanke immer wieder in den Sinn, mal fühlen sie sich getröstet, wenn sie geweint haben, mal fällt ihnen gerade im richtigen Augenblick etwas ein. Ich halte meine [Kinder] dazu an, auf ihre Empfindungen zu achten [und dann entsprechend zu handeln],“ schreibt sie.10

Wenn unsere Kinder den Geist spüren und erkennen, wächst ihre geistige Aufnahmefähigkeit. Die Stimme, die sie da kennenlernen, wird dann immer klarer und klarer. Elder Richard G. Scott hat das so beschrieben: „Wenn Sie mit der Führung des Geistes Erfahrungen und Erfolge sammeln, kann Ihr Vertrauen auf die Eindrücke, die Sie spüren, stärker sein als Ihr Verlass auf das, was Sie sehen und hören.“11

Wir brauchen keine Angst haben, wenn wir unseren Kindern beim Einstieg ins Wasser des Lebens zusehen, denn wir haben ihnen geholfen, weltlichen Ballast loszuwerden. Wir haben ihnen beigebracht, so zu leben, dass die Gabe des Heiligen Geistes sie leitet. Diese Gabe wird ihnen, sofern sie ihrer würdig leben und ihren Eingebungen folgen, die Last, die sie tragen, weiterhin leichter machen und sie in ihre himmlische Heimat zurückführen. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden

    Notes

    1. Joseph B. Wirthlin, „Die unaussprechliche Gabe“, Liahona, Mai 2003, Seite 27

    2. Hebräer 12:1

    3. David A. Bednar, „Empfange den Heiligen Geist“, Liahona, November 2010, Seite 95

    4. 3 Nephi 26:14,16

    5. 1 Samuel 3:4-10

    6. C. Terry and Susan L. Warner, „Helping Children Hear the Still, Small Voice“, Tambuli, August 1994, Seite 27

    7. Deuteronomium 6:7

    8. Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 164

    9. Siehe Merrilee Browne Boyack, „Wie man Kindern hilft, den Heiligen Geist zu erkennen“, Liahona, Dezember 2013, Seite 10ff.

    10. Irinna Danielson, „How to Answer the Toughest ‚Whys‘ of Life“, 30. Oktober 2015, lds.org/blog

    11. Richard G. Scott, „Wie wir geistige Führung erhalten“, Liahona, November 2009, Seite 7