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Frühjahr 2016 | Glaube ich daran?

Glaube ich daran?

Frühjahr 2016 Generalkonferenz

Wenn dies alles wahr ist, besitzen wir die hoffnungsvollste und hilfreichste Botschaft, die die Welt je gekannt hat.

Vor etwa einem Jahr, am 30. März, wurde der zweijährige Ethan Carnesecca aus American Fork in Utah wegen einer Lungenentzündung und einer Flüssigkeitsansammlung um die Lunge ins Krankenhaus eingewiesen. Zwei Tage später war sein Zustand so kritisch, dass er mit dem Hubschrauber zum PV-Kinderkrankenhaus in Salt Lake City geflogen werden musste. Seine besorgte Mutter Michele durfte vorn im Hubschrauber sitzen und ihren Sohn begleiten. Man gab ihr einen Kopfhörersatz, damit sie sich mit den anderen im Hubschrauber verständigen konnte. Michele hörte die Sanitäter, die ihren kranken kleinen Jungen medizinisch betreuten, und da sie selbst Kinderkrankenschwester war, wusste sie genau, dass Ethan in großer Gefahr schwebte.

Ethan Carnesecca, als er krank war

In dieser kritischen Situation bemerkte sie, dass sie gerade direkt über den Draper-Utah-Tempel flogen. Sie blickte über das Tal und konnte auch den Jordan-River-Tempel, den Oquirrh-Mountain-Tempel und in der Ferne sogar den Salt-Lake-Tempel sehen. Da schoss ihr der Gedanke durch den Kopf: Glaubst du daran oder nicht?

Sie sagt über diese Erfahrung:

„Schon in der PV und bei den Jungen Damen hatte man mir von den Segnungen des Tempels erzählt und mir beigebracht, dass die Familie für immer zusammen sein kann. Auf meiner Mission hatte ich den guten Menschen in Mexiko die Botschaft von der Familie verkündet. Ich war im Tempel für Zeit und alle Ewigkeit an meinen Mann gesiegelt worden. Bei den Jungen Damen hatte ich schon oft Unterricht über die Familie gehalten und beim Familienabend meinen Kindern Geschichten darüber erzählt, dass die Familie für immer zusammen sein kann. Ich WUSSTE es, aber GLAUBTE ich es auch? Die Antwort kam ebenso schnell, wie die Frage aufgetaucht war: Der Heilige Geist bestätigte mir klar und deutlich, was ich bereits wusste: JA, ich glaubte daran!

Da schüttete ich dem Vater im Himmel mein Herz aus und dankte ihm für das Wissen und den Glauben, dass die Familie tatsächlich für immer bestehen kann. Ich dankte ihm für seinen Sohn Jesus Christus, der dies erst möglich gemacht hat. Ich dankte ihm für meinen Sohn und ließ den Vater im Himmel wissen, wenn es sein müsse, dass er meinen kleinen Ethan zu sich in seine himmlische Heimat holt, dann sei das in Ordnung. Ich vertraute voll und ganz auf den Vater im Himmel, und ich wusste, dass ich Ethan wiedersehen würde. In diesem kritischen Moment war ich von Herzen dankbar, zu wissen UND zu glauben, dass das Evangelium wahr ist. Das schenkte mir Frieden.“1

Ethan verbrachte viele Wochen im Krankenhaus und wurde dort von Fachärzten betreut. Dank der Gebete, des Fastens und des Glaubens seiner Angehörigen sowie dieser guten Betreuung konnte er schließlich aus dem Krankenhaus entlassen werden und zu seiner Familie zurückkehren. Heute ist er gesund und munter.

Die Familie CarneseccaEthan, als er wieder gesund war

In einem entscheidenden Augenblick wurde Michele bestätigt, dass es nicht nur leere Worte waren, was man ihr ihr Leben lang beigebracht hatte, sondern tatsächlich die Wahrheit.

Nehmen wir die Segnungen, die wir als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage erhalten, manchmal so selbstverständlich hin, dass wir gar nicht mehr begreifen, welch herrliches Wunder es ist, ein Jünger in der wahren Kirche des Herrn zu sein? Wissen wir die größte Gabe, die uns in diesem Leben gewährt werden kann, zuweilen gar nicht mehr zu schätzen? Der Erlöser selbst hat gesagt: „Wenn du meine Gebote hältst und bis ans Ende ausharrst, wirst du ewiges Leben haben, und diese Gabe ist die größte aller Gaben Gottes.“2

Wir glauben, dass diese Kirche mehr ist als nur ein guter Ort, den man am Sonntag aufsuchen und wo man lernen kann, ein guter Mensch zu werden. Sie ist mehr als ein netter christlicher Verein, wo wir mit Menschen Umgang pflegen, die hohe Ideale haben. Sie besteht nicht nur aus einer Reihe guter Ansichten, die Eltern ihren Kindern zu Hause beibringen können, damit sie verantwortungsbewusste, nette Menschen werden. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist unendlich mehr als all dies.

Denken Sie einen Augenblick darüber nach, wie tiefgreifend das ist, was wir als Kirche für uns in Anspruch nehmen. Wir glauben, dass die gleiche Kirche, die Jesus Christus errichtete, als er auf der Erde war, durch einen von Gott berufenen Propheten in unserer Zeit wiederhergestellt wurde und dass die Führer unserer Kirche die gleiche Macht und Vollmacht besitzen, in Gottes Namen zu handeln, wie die ursprünglichen Apostel. Diese Vollmacht wird das Priestertum Gottes genannt. Wir nehmen für uns in Anspruch, dass wir durch diese wiederhergestellte Vollmacht errettende heilige Handlungen wie die Taufe empfangen und die reinigende und läuternde Gabe des Heiligen Geistes immer bei uns haben können. Wir haben Apostel und Propheten, die die Kirche durch Priestertumsschlüssel leiten, und wir glauben, dass Gott durch diese Propheten zu seinen Kindern spricht.

Wir glauben auch, dass mit dieser Priestertumsvollmacht in heiligen Tempeln Bündnisse geschlossen und heilige Handlungen empfangen werden können, durch die wir eines Tages in die Gegenwart Gottes zurückkehren und für immer mit ihm leben können. Wir nehmen auch für uns in Anspruch, dass durch diese Vollmacht die Familie für die Ewigkeit miteinander verbunden wird, wenn ein Ehepaar in einem heiligen Gebäude, das wir buchstäblich als Haus Gottes ansehen, den neuen und immerwährenden Bund der Ehe eingeht. Wir glauben, dass wir diese errettenden heiligen Handlungen nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Vorfahren empfangen können, die während ihres Erdenlebens keine Gelegenheit hatten, an diesen unerlässlichen Handlungen teilzunehmen. Wir glauben, dass wir im heiligen Tempel auch stellvertretend für unsere Vorfahren heilige Handlungen verrichten können.

Wir glauben, dass wir durch einen Propheten und die Macht Gottes weitere heilige Schriften erhalten haben, die das Zeugnis der Bibel bekräftigen, dass Jesus Christus der Erretter der Welt ist.

Wir nehmen für uns in Anspruch, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage das Reich Gottes und die einzige wahre Kirche auf der Erde ist. Sie wird Kirche Jesu Christi genannt, weil er an ihrer Spitze steht. Es ist seine Kirche, und alles, was ich angeführt habe, ist nur dank seines Sühnopfers möglich.

Wir glauben, dass diese entscheidenden Merkmale nirgendwo anders und in keiner anderen Organisation auf dieser Welt zu finden sind. So gut und aufrichtig andere Religionen und Kirchen auch sind, keine von ihnen hat die Vollmacht, die errettenden heiligen Handlungen zu vollziehen, die einem in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zugänglich sind.

Das alles wissen wir, aber glauben wir tatsächlich daran? Wenn dies alles wahr ist, besitzen wir die hoffnungsvollste und hilfreichste Botschaft, die die Welt je gekannt hat. Daran zu glauben ist für uns und unsere Lieben von entscheidender Bedeutung für die Ewigkeit.

Um daran zu glauben, müssen bei uns das Evangelium vom Kopf ins Herz dringen. Es ist durchaus möglich, dass man nur nach außen hin nach dem Evangelium lebt – weil es erwartet wird, weil man damit großgeworden ist oder weil es zur Gewohnheit geworden ist. Vielleicht haben einige nicht erlebt, was das Volk König Benjamins nach dessen beeindruckender Predigt empfand: „Sie alle riefen mit einer Stimme, nämlich: Ja, wir glauben all den Worten, die du zu uns gesprochen hast; und wir wissen auch, dass sie gewiss und wahr sind, durch den Geist des Herrn, des Allmächtigen, der in uns, oder in unserem Herzen, eine mächtige Wandlung bewirkt hat, sodass wir keine Neigung mehr haben, Böses zu tun, sondern, ständig Gutes zu tun.“3

Wir alle müssen danach streben, dass sich unser Herz und unser innerstes Wesen wandeln, damit wir nicht mehr den Wegen der Welt folgen wollen, sondern Gott gefallen wollen. Wahre Bekehrung ist ein Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum hinzieht und erfordert, dass man bereit ist, Glauben auszuüben. Sie tritt ein, wenn wir in den heiligen Schriften forschen und nicht im Internet. Sie tritt ein, wenn wir den Geboten Gottes gehorchen. Bekehrung tritt ein, wenn wir unseren Mitmenschen dienen. Sie tritt ein, wenn wir aufrichtig beten, regelmäßig in den Tempel gehen und treu die Aufgaben erfüllen, die Gott uns übertragen hat. Sie erfordert Beständigkeit und tägliche Anstrengung.

Ich werde oft gefragt: „Was ist heutzutage die größte Herausforderung für unsere Jugendlichen?“ Meine Antwort lautet, dass es meiner Meinung nach der allgegenwärtige Einfluss des großen und geräumigen Gebäudes4 ist. Wenn das Buch Mormon insbesondere für unsere Zeit geschrieben wurde, kann uns gewiss nicht entgehen, dass die Botschaften in Lehis Vision vom Baum des Lebens auf uns zutreffen und welchen Einfluss diejenigen haben, die von dem großen und geräumigen Gebäude aus mit dem Finger auf uns zeigen und spotten.

Am traurigsten macht es mich, wenn ich von denen lese, die sich bereits auf dem engen und schmalen Pfad durch den Nebel der Finsternis hindurchgekämpft haben, die sich an der eisernen Stange festgehalten, ihr Ziel erreicht und von der reinen und köstlichen Frucht des Baumes des Lebens gekostet haben. Doch dann, so heißt es weiter, standen diese fein gekleideten Menschen in dem großen und geräumigen Gebäude „in der Haltung des Spottens [da] und zeigten mit Fingern auf diejenigen, die herzugekommen waren und eben von der Frucht aßen.

Und nachdem diese von der Frucht gekostet hatten, schämten sie sich, weil die anderen sie verspotteten; und sie fielen ab auf verbotene Pfade und gingen verloren.“5

In diesen Versen werden diejenigen unter uns beschrieben, die das Evangelium Jesu Christi bereits in ihrem Leben haben. Ob wir mit dem Evangelium aufgewachsen sind oder ob wir uns durch den Nebel der Finsternis hindurchkämpfen mussten, um es zu finden – wir haben von der Frucht gekostet, die „überaus kostbar und … begehrenswert ist“ und uns das ewige Leben, „die größte aller Gaben Gottes“6, ermöglichen kann. Wir müssen uns nur weiter an der Frucht laben und dürfen denen keine Beachtung schenken, die sich über unseren Glauben lustig machen oder Spaß daran haben, Zweifel zu säen oder Führer und Lehren der Kirche zu kritisieren. Es ist eine Entscheidung, die wir jeden Tag treffen: für den Glauben und gegen den Zweifel. Elder M. Russell Ballard hat uns dringend geraten: „Bleiben Sie im Boot. Tragen Sie Ihre Schwimmweste und halten Sie sich mit beiden Händen fest.“7

Als Mitglieder der wahren Kirche des Herrn sitzen wir bereits im Boot. Wir brauchen nicht die Philosophien der Welt zu durchforschen, um Wahrheit zu finden, die uns Trost, Hilfe und Führung gibt, damit wir die Prüfungen des Lebens sicher bestehen – wir haben sie bereits! Ethans Mutter hat in einer kritischen Situation ihre langjährige Überzeugung geprüft und mit Zuversicht erklärt: „Ich glaube daran!“ Wir können das auch!

Ich gebe Zeugnis, dass unsere Mitgliedschaft im Reich des Herrn ein unschätzbar wertvolles Geschenk ist. Ich bezeuge, dass die Segnungen und der Frieden, die der Herr für die diejenigen bereithält, die gehorsam und treu sind, alles übersteigen, was der menschliche Verstand erfassen kann. Dieses Zeugnis gebe ich Ihnen im Namen Jesu Christi. Amen.

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