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Frühjahr 2016 | Ewige Familien

Ewige Familien

Frühjahr 2016 Generalkonferenz

Es ist unsere Priestertumspflicht, unsere Familie und die Familien derer, die um uns sind, in den Mittelpunkt unseres Interesses zu rücken.

Ich freue mich, heute Abend gemeinsam mit Ihnen an der Allgemeinen Priestertumsversammlung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage teilzunehmen. Dies ist ein großer Moment in der Geschichte der Kirche. Vor 182 Jahren, im Jahr 1834, wurden in Kirtland in Ohio alle Priestertumsträger zusammengerufen, sich in einem Schulhaus, einer knapp 18 Quadratmeter großen Blockhütte, zu versammeln. Es wird berichtet, dass der Prophet Joseph Smith in dieser Versammlung sagte: „Ihr wisst über die Bestimmung dieser Kirche und dieses Reiches nicht mehr als ein Kleinkind auf dem Schoß der Mutter. Ihr begreift es nicht. … Es ist nur eine kleine Handvoll Priestertumsträger, die ihr hier seht, aber diese Kirche wird Nord- und Südamerika erfüllen – sie wird die Welt erfüllen.“1

Millionen Priestertumsträger in über 110 Ländern haben sich heute versammelt. Vielleicht hat der Prophet Joseph Smith unsere Zeit vorhergesehen und auch die herrliche Zukunft, die noch vor uns liegt.

Ich möchte heute Abend versuchen, diese Zukunft zu beschreiben, und erklären, was wir tun müssen, um Teil des Plans des Glücklichseins zu sein, den der Vater im Himmel für uns bereitet hat. Vor unserer Geburt haben wir in einer Familie bei unserem erhöhten und ewigen Vater im Himmel gelebt. Er hat einen Plan aufgestellt, der es uns ermöglicht, uns weiterzuentwickeln und Fortschritt zu machen, um wie er zu werden. Sein Beweggrund dafür ist seine Liebe zu uns. Der Zweck des Plans besteht darin, dass es uns einst gewährt werden kann, für immer so zu leben wie der Vater im Himmel. Der Evangeliumsplan sieht vor, dass wir das irdische Leben durchlaufen, in dem wir geprüft werden. Uns wurde verheißen, dass wir, sofern wir die Gesetze und die Priestertumsverordnungen des Evangeliums befolgen, durch das Sühnopfer Jesu Christi ewiges Leben erlangen, die größte aller Gaben Gottes.

Ewiges Leben ist das Leben, das Gott, unser ewiger Vater, führt. Gott hat erklärt, dass es seine Absicht ist, „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen“ (Mose 1:39). Daher besteht die große Aufgabe eines jeden Priestertumsträgers darin, dieses Werk zu unterstützen und Menschen zu helfen, sich zum ewigen Leben zu erheben.

Jede Anstrengung und jede Verordnung im Priestertum soll den Kindern des Vaters im Himmel dabei helfen, durch das Sühnopfer Jesu Christi eine Wandlung zu erfahren und Mitglied einer vervollkommneten Familie zu werden. Daraus folgt, dass es „die große Aufgabe eines jeden Menschen ist, an das Evangelium zu glauben, die Gebote zu halten und eine ewige Familie zu gründen und zu vervollkommnen“2 sowie anderen dabei zu helfen, dies ebenfalls zu tun.

Da dem so ist, soll die celestiale Ehe Ziel und Zweck all unseres Handelns sein. Das bedeutet, dass wir danach streben müssen, im Tempel Gottes an eine Partnerin für die Ewigkeit gesiegelt zu werden. Außerdem müssen wir andere anspornen, die Bündnisse zu schließen und zu halten, die Mann und Frau, mit ihren Kindern, in diesem Leben und in der zukünftigen Welt aneinander binden.

Weshalb ist das für uns alle – Jung und Alt, Diakon oder Hoher Priester, Sohn oder Vater – von so großer Bedeutung? Weil es unsere Priestertumspflicht ist, unsere Familie und die Familien derer, die um uns sind, in den Mittelpunkt unseres Interesses zu rücken. Für jede wichtige Entscheidung soll ausschlaggebend sein, welche Auswirkung sie darauf hat, dass sich die Familie für das Leben mit dem Vater im Himmel und Jesus Christus bereitmacht. Es gibt nichts Wichtigeres in unserem Priestertumsdienst.

Ich möchte erläutern, was dies für einen Diakon bedeuten kann, der heute Abend als Teil seiner Familie und als Mitglied seines Kollegiums zuhört.

Vielleicht wird in seiner Familie das Familiengebet gepflegt und oft der Familienabend abgehalten, vielleicht auch nicht. Wenn sein Vater seine Pflichten kennt und die Familie zum Gebet oder zum Schriftstudium zusammenruft, kann der Diakon dem Ruf rasch folgen und mit einem Lächeln daran mitwirken. Er kann seine Geschwister ermuntern, mitzumachen, und sie loben, wenn sie es tun. Er kann seinen Vater um einen Segen bitten, wenn ein neues Schuljahr beginnt oder wenn er Hilfe braucht.

Vielleicht hat er aber keinen gläubigen Vater. Dann ruft allein aufgrund seines Glaubens der innige Wunsch, dies mit der Familie zu erleben, die Mächte des Himmels auf seine Lieben herab. Sie werden das Familienleben anstreben, das sich der Diakon von ganzem Herzen wünscht.

Der Lehrer im Aaronischen Priestertum kann seinen Heimlehrauftrag als Gelegenheit sehen, dem Herrn dabei zu helfen, das Leben einer Familie zu ändern. Darauf hat der Herr im Buch Lehre und Bündnisse hingewiesen:

„Die Pflicht des Lehrers ist es, immer über die Kirche zu wachen und bei ihnen zu sein und sie zu stärken

und zu sehen, dass es in der Kirche kein Übeltun gibt, auch keine Härte gegeneinander, weder Lügen noch Verleumden, noch üble Nachrede.“ (LuB 20:53,54.)

Ebenso erhält der Priester im Aaronischen Priestertum diesen Auftrag:

„Die Pflicht des Priesters ist es, zu predigen, zu lehren, zu erläutern, zu ermahnen und zu taufen und das Abendmahl zu segnen

und das Haus eines jeden Mitgliedes zu besuchen, um sie zu ermahnen, dass sie sowohl laut als auch im Verborgenen beten und allen Pflichten in der Familie nachkommen.“ (LuB 20:46,47.)

Ihr fragt euch vielleicht, wie auch ich mich als junger Lehrer und Priester gefragt habe, wie man diesen Anforderungen denn bloß gerecht werden kann. Ich wusste nie so recht, wie ich eine Familie auf eine Weise ermahnen sollte, die sie dem ewigen Leben näherbrachte, ohne den Eindruck zu erwecken, ich wolle jemanden kränken oder kritisieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Ermahnung nur dann eine Herzenswandlung bewirkt, wenn sie vom Heiligen Geist kommt. Dies geschieht vor allem dann, wenn wir für den Erlöser Zeugnis geben, der ja das vollkommene Familienmitglied war und ist. Wenn wir unsere Liebe zu ihm in den Mittelpunkt stellen, führt dies in den Familien, die wir besuchen, zu mehr Harmonie und Frieden. Der Heilige Geist steht uns bei unserem Dienst in den Familien bei.

Ein junger Priestertumsträger kann durch die Art und Weise, wie er betet, wie er spricht und wie er der besuchten Familie Mut macht, jedem ihrer Mitglieder den Einfluss und das Beispiel des Heilands in Herz und Sinn tragen.

Ein weiser Priestertumsführer hat mir gezeigt, dass er das verstanden hat. Er bat meinen jungen Sohn, bei einem Heimlehrbesuch das Gespräch zu leiten. Er sagte, die Familie werde seine Ermahnungen vielleicht in den Wind schlagen, war aber der Meinung, die einfachen Worte und das Zeugnis eines Jungen würden ihr verhärtetes Herz wohl eher erreichen.

Wie kann ein junger Ältester mithelfen, dass ewige Familien geschaffen werden? Vielleicht geht er demnächst auf Mission. Er kann von ganzem Herzen darum beten, dass er Familien findet, die er unterweisen kann und die sich taufen lassen. Ich erinnere mich gut an einen gutaussehenden jungen Mann mit seiner hübschen Frau und ihren zwei goldigen kleinen Mädchen, die mit mir und meinem Mitarbeiter zusammensaßen. Der Heilige Geist war zu spüren. Er bezeugte ihnen, dass das Evangelium Jesu Christi wiederhergestellt worden war. Ihr Glaube reichte so weit, dass sie uns sogar baten, den beiden kleinen Mädchen einen Segen zu geben, wie sie es zuvor in einer unserer Abendmahlsversammlungen gesehen hatten. Sie hatten also bereits den Wunsch, ihre Kinder mögen gesegnet werden. Aber sie verstanden noch nicht, dass die höheren Segnungen erst im Tempel Gottes möglich werden, nachdem sie Bündnisse geschlossen haben.

Es tut mir immer noch weh, an dieses Ehepaar und die beiden kleinen Mädchen zu denken, die wohl inzwischen schon alt sind und nicht die Verheißung einer ewigen Familie haben. Die Eltern konnten die Segnungen, die sie hätten erlangen können, zumindest erahnen. Ich hoffe sehr, dass sie irgendwie, irgendwo noch die Chance erhalten, eine ewige Familie zu werden.

Andere Missionare machen vielleicht eine positivere Erfahrung, wie beispielsweise mein Sohn Matthew. Er und sein Mitarbeiter lernten eine Witwe mit elf Kindern kennen, die in bescheidenen Verhältnissen lebte. Er wünschte sich für sie, was Sie sich wünschen – eine ewige Familie. Meinem Sohn erschien das damals unmöglich oder zumindest sehr unwahrscheinlich.

Jahre nachdem sich die Witwe von meinem Sohn hatte taufen lassen, besuchte ich ihr Städtchen. Sie wollte mir ihre Familie gern in der Kirche vorstellen. Ich musste eine Weile warten, da die meisten ihrer Kinder und ihrer vielen Enkel erst aus anderen Gemeindehäusern in der Umgebung zu ihr kommen mussten. Ein Sohn gehörte einer Bischofschaft an, viele ihrer Kinder hatten die Tempelbündnisse geschlossen, und sie war als Teil einer ewigen Familie gesiegelt. Als ich mich von dieser lieben Schwester verabschiedete, schlang sie die Arme um meine Hüfte (sie war nämlich sehr klein und konnte meine Hüfte gerade so eben erreichen). Dann sagte sie: „Bitte richten Sie Mateo aus, er soll noch einmal nach Chile kommen, ehe ich sterbe.“ Dank der treuen Missionare kannte sie die Vorfreude auf die größte aller Gaben Gottes.

Es gibt manches, was ein Missionar nach seiner Mission tun muss, um der Verpflichtung, für sich selbst und für die Menschen, die er liebt, das ewige Leben anzustreben, treu zu bleiben. Es gibt in Zeit und Ewigkeit keine wichtigere Verpflichtung als die Ehe. Sie kennen den klugen Rat, in den ersten Plänen, die man nach der Mission macht, der Ehe Priorität einzuräumen. Ein treuer Diener im Priestertum geht dabei weise vor.

Wenn er über eine Ehe nachdenkt, ist ihm bewusst, dass er die Eltern seiner Kinder auswählt und entscheidet, welches Vermächtnis sie weitergeben. Er trifft diese Entscheidung nicht, ohne ernsthaft zu suchen und im Gebet darüber nachzudenken. Er achtet darauf, dass die Frau, die er heiratet, seine Ideale in Bezug auf die Familie und seine Überzeugung vom göttlichen Zweck der Ehe teilt und dass sie jemand ist, dem er das Glück seiner Kinder gerne anvertraut.

Präsident N. Eldon Tanner hat einen klugen Rat gegeben: „Die Eltern, die Sie mehr als alle anderen ehren sollten, sind die Eltern Ihrer zukünftigen Kinder. Diese Kinder haben das Recht, die besten Eltern zu bekommen, die Sie ihnen geben können – reine Eltern.“3 Reinheit wird Ihr Schutz und der Schutz Ihrer Kinder sein. Sie schulden Ihnen diese Segnung.

Heute Abend hören auch einige Ehemänner und Väter zu. Was können Sie tun? Ich hoffe sehr, dass Sie jetzt noch mehr den Wunsch haben, die notwendigen Änderungen vorzunehmen, die Ihnen und Ihrer Familie erlauben, eines Tages im celestialen Reich zu leben. Als Vater, der das Priestertum trägt, können Sie, mit Ihrer Frau an Ihrer Seite, das Herz eines jeden in Ihrer Familie berühren und ihn darin bestärken, sich auf jenen Tag zu freuen. Sie besuchen mit Ihrer Familie die Abendmahlsversammlung, Sie halten Familienzusammenkünfte ab, bei denen der Heilige Geist zu spüren ist. Sie beten mit Ihrer Frau und Ihren Kindern, und Sie bereiten sich darauf vor, mit Ihrer Familie in den Tempel zu gehen. Gemeinsam mit ihr gehen Sie auf dem Weg, der zu einem ewigen Zuhause für die Familie führt, vorwärts.

Sie behandeln Ihre Frau und Ihre Kinder so, wie der Vater im Himmel Sie behandelt. Sie folgen dem Beispiel und der Weisung des Erretters, um Ihre Familie auf seine Weise zu führen.

„Kraft des Priestertums kann und soll keine Macht und kein Einfluss anders geltend gemacht werden als nur mit überzeugender Rede, mit Langmut, mit Milde und Sanftmut und mit ungeheuchelter Liebe,

mit Wohlwollen und mit reiner Erkenntnis, wodurch sich die Seele sehr erweitert, ohne Heuchelei und ohne Falschheit –

alsbald mit aller Deutlichkeit zurechtweisend, wenn vom Heiligen Geist dazu bewegt; und danach demjenigen, den du zurechtgewiesen hast, vermehrte Liebe erweisend, damit er nicht meint, du seiest sein Feind.“ (LuB 121:41-43.)

Der Herr hat den Vätern, die das Priestertum tragen, erklärt, was für Ehemänner sie sein sollen. Er sagt: „Du sollst deine Frau mit deinem ganzem Herzen lieben und sollst an ihr festhalten und an niemandem und nichts sonst.“ (LuB 42:22.) Beiden – Mann und Frau – gebietet der Herr: „Du sollst nicht … Ehebruch begehen, … noch irgendetwas Derartiges tun.“ (LuB 59:6.)

Für die Jugendlichen setzt er diesen Maßstab: „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem; denn so ist es gut und recht im Herrn“ (Kolosser 3:20) und „ehre deinen Vater und deine Mutter“ (Exodus 20:12).

Der ganzen Familie gibt der Herr den Rat, dass alle einander lieben und unterstützen sollen.

Er bittet uns, danach zu „streben, das Leben eines jeden [in der Familie] zu vervollkommnen“ und „die Schwachen zu stärken, die Abgeirrten zurückzugewinnen und uns an ihrer neugewonnenen geistigen Kraft zu freuen“4.

Außerdem bittet uns der Herr, alles zu tun, was wir können, um unseren verstorbenen Verwandten zu helfen, in unserem ewigen Zuhause bei uns zu sein.

Der Hohepriestergruppenleiter, der anderen eifrig hilft, ihre Vorfahren ausfindig zu machen und die Namen in den Tempel mitzunehmen, rettet jene, die uns vorausgegangen sind. Man wird sich in der zukünftigen Welt bei diesen Hohen Priestern und bei all denen bedanken, die die heiligen Handlungen ermöglichen, weil sie ihre Angehörigen, die in der Geisterwelt warten, nicht vergessen haben.

Propheten haben gesagt: „Das Wichtigste, was man im Werk des Herrn tun kann, geschieht in den eigenen vier Wänden. Das Heimlehren, die Arbeit der Bischofschaft und sonstige kirchliche Aufgaben sind alle wichtig, aber die wichtigste Arbeit geschieht bei Ihnen zu Hause.“5

In der Familie und in unserem Dienst im Priestertum sind die kleinen Werke, die uns und unseren Lieben dabei helfen, auf das ewige Leben hinzuarbeiten, von größtem Wert. Solche Werke mögen uns in diesem Leben gering vorkommen, doch führen sie zu immerwährenden Segnungen in der Ewigkeit.

Wenn wir in unserem Dienst treu sind und den Kindern des Vaters im Himmel helfen, zu ihm heimzukehren, sind wir, wenn wir unser irdisches Wirken beendet haben, der Begrüßung würdig, die wir alle ersehnen: „Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“ (Matthäus 25:21.)

Zu der „großen Aufgabe“ gehört die Verheißung nie endender Nachkommenschaft. Ich bete darum, dass wir uns alle dafür bereitmachen und anderen helfen, sich dafür bereitzumachen, diese himmlische Segnung im Zuhause unseres Vaters und seines geliebten Sohnes Jesus Christus zu empfangen. Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.

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    Anmerkungen

    1. Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 151

    2. Bruce R. McConkie, Frühjahrs-Generalkonferenz 1970

    3. N. Eldon Tanner, Church News, 19. April 1969, Seite 2

    4. Bruce R. McConkie, Frühjahrs-Generalkonferenz 1970

    5. Harold B. Lee, Decisions for Successful Living, 1973, Seite 248f.