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Frühjahr 2016 | Der Familienrat

Der Familienrat

Frühjahr 2016 Generalkonferenz

Wenn die Eltern vorbereitet sind und die Kinder zuhören und sich am Gespräch beteiligen, gelingt der Familienrat.

Liebe Brüder und Schwestern, der Witz am Elternsein ist, dass man meist erst dann gut darin wird, wenn die Kinder schon groß sind. Ich möchte Ihnen heute Nachmittag sagen, was ich gerne besser verstanden hätte, als meine Frau und ich mit der Erziehung unserer Kinder begannen.

Als Apostel habe ich häufig darauf hingewiesen, wie viel Kraft in den Ratsgremien der Kirche steckt und welche Bedeutung sie haben – ob in der Mission, im Pfahl, in der Gemeinde oder in einer Hilfsorganisation.

Ich glaube, Rat zu halten ist die wirksamste Art und Weise, zu einem guten Ergebnis zu kommen. Außerdem weiß ich, dass das Rathalten nach der Weise des Herrn ist und dass er alles im Universum mithilfe eines Rates im Himmel geschaffen hat, wie es in den heiligen Schriften steht.1

Bis jetzt habe ich jedoch bei der Generalkonferenz noch nie über den grundlegendsten, fundamentalsten und vielleicht sogar wichtigsten Rat gesprochen: den Familienrat.

Der Familienrat war schon immer notwendig. Er ist in der Tat ewig. Im vorirdischen Dasein gehörten wir einem Familienrat an, als wir als Geistkinder bei unseren himmlischen Eltern lebten.

Wird ein Familienrat liebevoll und mit christlichen Eigenschaften abgehalten, dann wirkt er dem Einfluss moderner Technik entgegen, die uns so oft davon abhält, die Zeit miteinander sinnvoll zu nutzen, und durch die das Böse bei uns Einzug halten kann.

Bitte beachten Sie, dass der Familienrat nicht das Gleiche ist wie der Familienabend am Montag. Beim Familienabend geht es schwerpunktmäßig um Evangeliumsunterricht und Unternehmungen mit der Familie. Der Familienrat hingegen kann an jedem beliebigen Wochentag abgehalten werden. Er ist vor allem eine Zusammenkunft, bei der die Eltern zuhören – einander und ihren Kindern.

Ich glaube, es gibt mindestens vier Arten von Familienrat:

Erstens: den allgemeinen Familienrat mit der ganzen Familie.

Zweitens: den Familienführungsrat bestehend aus Mutter und Vater.

Drittens: den eingeschränkten Familienrat mit den Eltern und einem Kind.

Viertens: den Familienrat unter vier Augen mit Vater oder Mutter und einem Kind.

In jedem dieser Familienräte sind elektronische Geräte auszuschalten, damit alle einander ansehen und zuhören können. Für den Familienrat und auch bei anderen passenden Gelegenheiten können Sie einen Behälter für elektronische Geräte bereitstellen. Wenn die Familie dann zusammenkommt, können alle, auch Mutter und Vater, ihr Telefon, ihr Tablet oder ihren MP3-Player dort hineinlegen. Dann können sie miteinander beraten, ohne versucht zu sein, auf eine Anfrage bei Facebook zu antworten, eine SMS zu schreiben oder etwas bei Instagram oder Snapchat zu posten oder eine E-Mail zu verschicken.

Lassen Sie mich kurz ausführen, wie jeder dieser Familienräte abgehalten werden könnte.

Erstens: der Familienrat mit der ganzen Familie schließt alle Familienmitglieder mit ein.

In der Broschüre Unsere Familie steht: „Diese Ratsversammlung kann … dazu dienen, … Familienprobleme zu erörtern, über Geld zu sprechen, Pläne zu schmieden, einander zu unterstützen und zu stärken und füreinander und für die Familie als solche zu beten.“2

Dieser Rat kommt zu einer vorher bestimmten Zeit zusammen und ist in der Regel formeller als alle anderen Familienräte.

Er sollte mit einem Gebet beginnen, kann aber auch einfach die natürliche Fortsetzung eines Gesprächs sein, das bereits in anderem Rahmen begonnen wurde. Bitte beachten Sie, dass ein Familienrat nicht immer offiziell begonnen und beendet werden muss.

Wenn die Eltern vorbereitet sind und die Kinder zuhören und sich am Gespräch beteiligen, gelingt der Familienrat.

Wie die Verhältnisse in unserer Familie auch im Einzelnen aussehen mögen, entscheidend ist, dass uns die einzigartige Lage eines jeden in der Familie bewusst ist. Auch wenn wir die gleiche DNA haben mögen, kann es Situationen und Umstände bei uns geben, die uns erheblich voneinander unterscheiden und die es erforderlich machen, dass der Familienrat voller Anteilnahme zusammenarbeitet.

Beispielsweise kann man noch so nett miteinander reden und erzählen und dennoch nicht in der Lage sein, gesundheitliche Beschwerden oder seelische Hürden zu beseitigen, die ein Mitglied der Familie plagen. Wird auf der Suche nach Lösungen dann Hilfe von außen einbezogen, wandelt sich der Familienrat in einen Ort, wo man Einigkeit, Loyalität und liebevolle Unterstützung erfährt.

Die Geschwister, vor allem die älteren, können für die jüngeren ein einflussreicher Berater sein, wenn die Eltern sich im Familienrat ihrer Hilfe und Unterstützung in schwierigen und harten Zeiten versichern.

In dieser Hinsicht ist die Familie wie eine Gemeinde. Wenn der Bischof den Gemeinderat einbezieht, kann er Probleme lösen und viel Gutes erreichen, wie er es ohne dessen Hilfe nie vollbringen könnte. Ebenso müssen die Eltern alle Familienmitglieder einbeziehen, um Prüfungen und Widrigkeiten zu begegnen. Auf diese Weise tritt dann auch die Kraft des Familienrats zutage. Wenn die Ratsmitglieder das Gefühl haben, an der Entscheidung beteiligt zu sein, dann unterstützen sie sie und man kann konkrete positive Ergebnisse erzielen.

Nicht jeder Familienrat besteht aus Mutter, Vater und den Kindern. Ihr Familienrat kann ganz anders aussehen als unserer, als wir unsere sieben Kinder großzogen. Heute besteht unser Familienrat nur aus meiner Frau und mir, wenn wir nicht gerade einen großen Familienrat abhalten, zu dem auch unsere erwachsenen Kinder, deren Ehepartner und mitunter auch unsere Enkel und Urenkel gehören.

Alleinstehende oder auch Studenten, die von zu Hause fort sind, können sich an das von Gott vorgegebene Schema halten: Sie kommen mit Freunden oder Mitbewohnern zusammen und halten miteinander Rat.

Überlegen Sie nur, wie sich die Stimmung in einer Wohnung ändern würde, wenn die Mitbewohner regelmäßig zusammen beten, einander zuhören, miteinander reden und Pläne schmieden würden.

Jeder kann den Familienrat so für sich angleichen, dass er aus diesem, von unserem liebevollen Vater im Himmel eingerichteten Schema Nutzen zieht.

Wie bereits erwähnt, kann von Zeit zu Zeit auch ein erweiterter Familienrat hilfreich sein. Ein erweiterter Familienrat kann sich aus Großeltern und erwachsenen Kindern zusammensetzen, die nicht mehr zu Hause wohnen. Selbst wenn die Großeltern oder die erwachsenen Kinder in weiter Ferne wohnen, können sie telefonisch, über Skype oder über FaceTime am Familienrat teilnehmen.

Vielleicht möchten Sie den allgemeinen Familienrat auch am Sonntag abhalten, den vielerorts ersten Tag in der Woche. Als Familie können Sie die vergangene Woche noch einmal aufarbeiten und die nächste planen. Möglicherweise braucht Ihre Familie genau das, um den Sabbat zu einer Wonne zu machen.

Die zweite Art von Familienrat ist ein Führungsrat in der Familie, der nur aus den Eltern besteht. In dieser gemeinsamen Zeit können die Eltern über die körperlichen, seelischen und geistigen Bedürfnisse und Fortschritte eines jeden Kindes sprechen.

Der Familienführungsrat ist auch eine gute Zeit für Mann und Frau, über ihre Beziehung zueinander zu sprechen. Als Elder Harold B. Lee unsere Siegelung vollzog, erläuterte er uns einen Grundsatz, den sicherlich jedes Ehepaar hilfreich findet: „Gehen Sie niemals schlafen, ohne sich niederzuknien, sich an der Hand zu halten und ein Gebet zu sprechen. Solche Gebete erlauben es dem Vater im Himmel, uns durch die Macht des Geistes Rat zu geben.“

Die dritte Art von Familienrat ist der eingeschränkte Familienrat. Hierbei verbringen beide, Vater und Mutter, in einem verbindlichen oder auch unverbindlichen Rahmen Zeit mit einem einzelnen Kind. Bei dieser Gelegenheit kann man sich im Gespräch schon frühzeitig darauf festlegen, was das Kind in Zukunft einmal tut und was nicht. Werden solche Festlegungen getroffen, kann man sie aufschreiben, um bei Bedarf wieder darauf zurückzukommen. Wenn Ihr Kind sieht, dass Sie es tatkräftig unterstützen, können in dieser Ratsversammlung Ziele und Vorhaben für die Zukunft festgelegt werden. Es ist auch eine gute Zeit, sich aufmerksam anzuhören, was für schwerwiegende Sorgen und Schwierigkeiten beispielsweise mangelndes Selbstvertrauen, Misshandlungen, Mobbing oder Ängste dem Kind bereiten mögen.

Die vierte Art von Familienrat ist ein Familienrat unter vier Augen mit Vater oder Mutter und einem Kind. Diese Art von Familienrat ergibt sich normalerweise wie von selbst. Beispielsweise könnten Vater oder Mutter und ein Kind die Gelegenheit nutzen, wenn sie zwanglos zusammen im Auto sitzen oder den Haushalt erledigen. Ein Ausflug von einem Kind nur mit dem Vater oder der Mutter kann eine besonders geistige Zeit sein, in der man sich emotional aneinander bindet. Tragen Sie solche Termine in den Kalender ein, damit die Kinder sich darauf freuen können, mit Mutter oder Vater allein eine besondere Zeit zu verbringen.

Brüder und Schwestern, es gab eine Zeit, als die Mauern unseres Hauses uns allen Schutz boten, den wir gegen äußere Eindringlinge und Einflüsse brauchten. Wir verschlossen die Türen, Fenster und Tore und fühlten uns in unserem kleinen Zufluchtsort vor der Welt sicher, geborgen und behütet.

Diese Zeiten sind nun vorüber. Die Mauern, Türen, Zäune und Tore an unserem Haus können das unsichtbare Eindringen von Internet, WLAN und Mobilfunknetz nicht verhindern. All dies kann mit nur wenigen Mausklicks oder Tastenanschlägen bei uns eindringen.

Glücklicherweise hat der Herr einen Weg bereitet, wie sich gegen das Eindringen negativer Technik, die uns davon abhalten kann, unsere Zeit miteinander sinnvoll zu nutzen, vorgehen lässt. Er hat dafür das System der Ratsversammlungen eingerichtet. Sie sollen unsere kostbarsten Beziehungen stärken, schützen, bewahren und pflegen.

Kinder brauchen unbedingt Eltern, die bereit sind, ihnen zuzuhören. Der Familienrat kann die Zeit schaffen, in der die Familienmitglieder lernen, einander zu verstehen und lieb zu haben.

Alma hat gesagt: „Berate dich mit dem Herrn in allem, was du tust, und er wird dich zum Guten lenken.“3 Wenn wir den Herrn über das Gebet zu unserem Familienrat einladen, werden unsere Beziehungen untereinander besser. Mit der Hilfe des himmlischen Vaters und unseres Erretters können wir geduldiger, rücksichtsvoller, hilfsbereiter, vergebungsbereiter und verständnisvoller werden, wenn wir um Hilfe bitten. Mit ihrer Hilfe kann unser Zuhause ein wenig mehr zu einem Himmel auf Erden werden.

Ein Familienrat, der nach den Ratsgremien im Himmel ausgerichtet, von christlicher Liebe erfüllt ist und vom Geist des Herrn geführt wird, hilft uns, unsere Familie vor Ablenkungen zu bewahren, die uns die kostbare gemeinsame Zeit stehlen, und schützt uns vor dem Bösen auf der Welt.

Ist das Gebet Teil des Familienrats, laden wir die Gegenwart des Heilands ein, wie er es verheißen hat: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“4 Wenn wir den Geist des Herrn in unseren Familienrat einladen, sind die Segnungen unbeschreiblich.

Abschließend denken Sie bitte daran, dass ein regelmäßig durchgeführter Familienrat uns dabei hilft, Probleme in der Familie frühzeitig zu erkennen und im Keim zu ersticken. Er gibt jedem Familienmitglied das Gefühl, wertvoll und wichtig zu sein. Allem voran aber hilft er uns, in den kostbaren Beziehungen innerhalb unserer eigenen vier Wände erfolgreicher und glücklicher zu sein. Möge der himmlische Vater all unsere Familien segnen, wenn wir uns miteinander beraten. Darum bete ich demütig im Namen des Herrn Jesus Christus. Amen.

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    Anmerkungen

    1. Siehe Abraham 4:26; 5:2,3

    2. Our Family: A Practical Guide for Building a Gospel-Centered Home, Broschüre, 1980, Seite 6

    3. Alma 37:37

    4. Matthäus 18:20