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Frühjahr 2016 | Der Heilige Geist

Der Heilige Geist

Frühjahr 2016 Generalkonferenz

Ich danke dem Vater im Himmel von Herzen für die Gabe des Heiligen Geistes, durch die er seinen Willen offenbart und uns unterstützt.

Meine lieben Brüder und Schwestern, heute spreche ich als Diener des Herrn und außerdem als Urgroßvater. Ich möchte Ihnen und meinen lieben Nachkommen die außerordentliche Gabe des Heiligen Geistes näherbringen und Zeugnis dafür ablegen.

Zu Beginn möchte ich bestätigen, dass das Licht Christi „jedem Menschen [gegeben ist], der in die Welt kommt“1. Jeder von uns profitiert von diesem heiligen Licht. Es ist „in allem … und durch alles“2, und es ermöglicht uns, Richtig von Falsch zu unterscheiden.3

Der Heilige Geist ist jedoch nicht mit dem Licht Christi gleichzusetzen. Er ist das dritte Mitglied der Gottheit, ein eigenständiges Wesen aus Geist mit heiligen Aufgaben, in seinen Absichten mit dem Vater und dem Sohn eins.4

Als Mitglieder der Kirche dürfen wir den Heiligen Geist beständig als unseren Begleiter haben. Wir lassen uns durch das wiederhergestellte Priestertum Gottes durch Untertauchen zur Vergebung unserer Sünden taufen und werden dann konfirmiert und als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bestätigt. Bei dieser heiligen Handlung wird uns von Priestertumsträgern durch Händeauflegen die Gabe des Heiligen Geistes gespendet.5 Danach können wir den Heiligen Geist als unseren Begleiter empfangen und stets bei uns haben, wenn wir immer an den Erretter denken, seine Gebote halten, von unseren Sünden umkehren und am Sabbat würdig vom Abendmahl nehmen.

Der Heilige Geist lässt uns persönliche Offenbarung zukommen, um uns bei wichtigen Entscheidungen im Leben zu helfen, etwa wenn es um Ausbildung, Mission, Beruf, Ehe, Kinder, Wohnort unserer Familie und dergleichen mehr geht. Bei solchen Fragen erwartet der Vater im Himmel von uns, dass wir von unserer Entscheidungsfreiheit Gebrauch machen, unter Berücksichtigung der Evangeliumsgrundsätze über die jeweilige Situation nachsinnen und ihm im Gebet eine Entscheidung vorlegen.

Persönliche Offenbarung ist äußerst wichtig, aber das ist nur eine der Aufgaben des Heiligen Geistes. Wie uns die heiligen Schriften bestätigen, legt der Heilige Geist zudem Zeugnis für den Erretter und Gottvater ab.6 Er lehrt uns „das Friedfertige des Reiches“7 und bewirkt, dass wir „reich werde[n] an Hoffnung“8. Er „führt [uns dazu], Gutes zu tun [und] gerecht zu handeln“9. Er gibt „jedem Menschen … eine [geistige] Gabe …, damit allen dadurch genutzt sei“10. Er „gibt [uns] Kenntnis“11 und „[erinnert uns] an alles“12. Durch den Heiligen Geist werden wir „geheiligt“13 und empfangen „die Vergebung [unserer] Sünden“14. Er ist der „Tröster“, derselbe, der den „Jüngern [des Erretters] verheißen“15 wurde.

Ich möchte uns allen ins Gedächtnis rufen, dass der Heilige Geist nicht dazu da ist, uns zu überwachen. Einige von uns trachten unklugerweise bei jeder noch so kleinen Entscheidung nach Führung durch den Heiligen Geist. Damit wird seine heilige Aufgabe banalisiert. Der Heilige Geist respektiert den Grundsatz der Entscheidungsfreiheit. Er spricht bei vielen Angelegenheiten, die von Belang sind, sanft zu unserem Verstand und unserem Herzen.16

Jeder von uns nimmt den Einfluss des Heiligen Geistes wahrscheinlich anders wahr. Eingebungen von ihm werden unterschiedlich stark empfunden, je nachdem, wie wir es brauchen und in welcher Lage wir uns befinden.

In diesen Letzten Tagen bekräftigen wir, dass nur der Prophet durch den Heiligen Geist Offenbarung für die gesamte Kirche empfängt. Manche vergessen das, so zum Beispiel Aaron und Mirjam, die versuchten, Mose von ihren Ansichten zu überzeugen. Doch der Herr hat ihnen und uns erklärt:

„Wenn es bei euch einen Propheten gibt, so gebe ich mich ihm … zu erkennen. …

Mit ihm rede ich von Mund zu Mund.“17

Manchmal versucht uns der Widersacher, indem er uns falsche Vorstellungen eingibt, die wir womöglich mit dem Heiligen Geist verwechseln. Ich bezeuge: Wenn wir die Gebote treu befolgen und unsere Bündnisse halten, schützt uns das davor, getäuscht zu werden. Durch den Heiligen Geist sind wir in der Lage, jene falschen Propheten zu erkennen, die Menschengebote als Lehre verkünden.18

Wenn wir durch den Heiligen Geist Inspiration für uns selbst empfangen, sollten wir stets bedenken, dass wir keine Offenbarung für jemand anders erhalten können. Ich habe von einem jungen Mann gehört, der zu einer jungen Frau sagte: „Ich habe geträumt, dass du meine Frau werden sollst.“ Die junge Frau dachte über diese Aussage nach und antwortete dann: „Wenn ich den gleichen Traum habe, gebe ich dir Bescheid.“

Jeder von uns mag versucht sein, seine persönlichen Wünsche über die Führung des Heiligen Geistes zu stellen. Der Prophet Joseph Smith flehte den Vater im Himmel um die Erlaubnis an, die ersten 116 Seiten des Buches Mormon an Martin Harris ausleihen zu dürfen. Joseph hielt das für eine gute Idee. Doch der Heilige Geist gab ihm zunächst kein Gefühl der Bestätigung. Schließlich gestattete der Herr es Joseph Smith, die Seiten aus der Hand zu geben, und Martin Harris verlor sie. Eine Zeit lang entzog der Herr dem Propheten die Gabe zu übersetzen. Joseph lernte eine schmerzliche, doch wertvolle Lektion, die sein Wirken fortan prägte.

Der Heilige Geist spielt bei der Wiederherstellung eine wesentliche Rolle. So berichtet der Prophet Joseph Smith, was geschah, nachdem er als junger Mann die Schriftstelle in Jakobus 1:5 gelesen hatte: „Nie ist einem Menschen eine Schriftstelle mit mehr Macht ins Herz gedrungen als diese damals mir.“19 Die Macht, die Joseph Smith beschreibt, war der Einfluss des Heiligen Geistes. Infolgedessen ging Joseph in ein Wäldchen nahe seines Elternhauses. Dort kniete er nieder, um Gott zu fragen. Die erste Vision, die sich daraufhin ereignete, war wahrhaft bedeutsam und herrlich. Aber der Weg zu dieser persönlichen Erscheinung des Vaters und des Sohnes begann mit der Eingebung des Heiligen Geistes, Joseph solle beten.

Die Wahrheiten des wiederhergestellten Evangeliums wurden nach ebendiesem Muster offenbart: im Gebet fragen und dann die Eingebungen des Heiligen Geistes empfangen und danach handeln. Beispiele dafür sind: die Übersetzung des Buches Mormon, die Wiederherstellung des Priestertums und seiner heiligen Handlungen, beginnend mit der Taufe, sowie die Gründung der Kirche, um nur einige zu nennen. Ich bezeuge, dass Offenbarung vom Herrn an die Erste Präsidentschaft und die Zwölf Apostel heute nach demselben heiligen Muster ergeht. Nach demselben heiligen Muster können wir persönliche Offenbarung empfangen.

Wir zollen all jenen Anerkennung, die auf den Heiligen Geist gehört haben, um das wiederhergestellte Evangelium zu empfangen, angefangen mit Joseph Smiths Angehörigen. Als der junge Joseph seinem Vater erzählte, dass Moroni ihm erschienen war, erhielt dieser für sich selbst ein Zeugnis als Bestätigung. Sofort stellte er Joseph von der Arbeit auf der Farm frei und drängte ihn, den Anweisungen des Engels zu folgen.

Handeln wir als Eltern und Führer doch ebenso! Legen wir unseren Kindern und anderen ans Herz, den Weisungen des Heiligen Geistes zu folgen. Und folgen wir dabei auch selbst dem Beispiel des Heiligen Geistes, indem wir sie durch Milde, Sanftmut, Wohlwollen, Langmut und ungeheuchelte Liebe führen.20

Durch den Heiligen Geist wird Gottes Werk vollbracht, in der Familie wie in der ganzen Kirche. Aus diesem Verständnis heraus möchte ich gerne einige Erlebnisse mit dem Heiligen Geist erzählen, die ich privat und im Zusammenhang mit Aufgaben in der Kirche gehabt habe. Ich erzähle das als mein Zeugnis dafür, dass der Heilige Geist uns allen ein Segen ist.

Vor vielen Jahren hatten meine Frau und ich ein besonderes Essen geplant, zu dem wir meine Arbeitskollegen zu uns nach Hause einluden. Auf meinem Heimweg vom Büro hatte ich das Gefühl, ich solle am Haus einer Witwe anhalten, deren Heimlehrer ich war. Als sie die Tür auf mein Klopfen hin öffnete, sagte sie: „Ich habe darum gebetet, dass Sie kommen.“ Woher war mein Gefühl gekommen? Vom Heiligen Geist.

Ein anderes Mal führte ich kurz nach einer ernsthaften Erkrankung den Vorsitz über eine Pfahlkonferenz. Um meine Kräfte zu schonen, wollte ich die Kapelle unmittelbar nach der Priestertumsführerschaftsversammlung verlassen. Doch nach dem Schlussgebet sprach der Heilige Geist zu mir: „Wo willst du hin?“ Ich wurde dazu inspiriert, jedem beim Hinausgehen die Hand zu geben. Als ein junger Ältester auf mich zukam, erhielt ich die Eingebung, ich solle ihm eine besondere Botschaft mit auf den Weg geben. Er hatte den Blick gesenkt. Ich wartete, bis er mich anschaute, und konnte ihm dann sagen: „Beten Sie zum Vater im Himmel, hören Sie auf den Heiligen Geist, folgen Sie den Eingebungen, die Sie erhalten, und alles wird in Ihrem Leben gut.“ Später erzählte mir der Pfahlpräsident, dass der junge Mann gerade vorzeitig von Mission zurückgekehrt war. Der Pfahlpräsident hatte dem Vater des jungen Mannes aufgrund eines deutlichen Gefühls versprochen, wenn er seinen Sohn zur Priestertumsversammlung mitbringe, werde Elder Hales mit ihm sprechen. Warum bin ich dageblieben, um allen die Hand zu geben? Warum habe ich gerade diesen jungen Mann angesprochen? Aus welcher Quelle kam mein Rat? Ganz einfach: Es war der Heilige Geist.

Anfang 2005 wurde ich inspiriert, eine Generalkonferenzansprache über Missionarsehepaare zu halten. Nach der Konferenz berichtete ein Bruder: „Als wir der Konferenz zuhörten, … drang mir der Geist des Herrn sofort tief in die Seele. … Für mich und meine liebe Frau gab es keinerlei Zweifel an der Botschaft: Wir sollten auf Mission gehen, und zwar sofort. Als ich … meine Frau ansah, merkte ich, dass sie genau dieselbe Eingebung vom Geist erhalten hatte.“21 Wer hatte beiden gleichzeitig diese deutliche Antwort gegeben? Der Heilige Geist.

Meinen Nachkommen und allen, die mich jetzt hören, lege ich Zeugnis ab für persönliche Offenbarung und für den ständigen Zufluss an täglicher Führung, Warnung, Ermutigung, Stärkung und geistiger Reinigung sowie an Trost und Frieden, die unserer Familie durch den Heiligen Geist schon zugekommen sind. Durch den Heiligen Geist erfahren wir die große, liebevolle Barmherzigkeit des Herrn22 und erleben Wundertaten, die nicht aufhören.23

Ich gebe mein besonderes Zeugnis, dass der Erretter lebt. Ich danke dem Vater im Himmel von Herzen für die Gabe des Heiligen Geistes, durch die er seinen Willen offenbart und uns unterstützt. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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