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Frühjahr 2016 | Die Macht des Göttlichen

Die Macht des Göttlichen

Frühjahr 2016 Generalkonferenz

Jeder Tempel ist ein heiliges, ein geheiligtes Gotteshaus, und jeder von uns kann darin etwas über die Macht des Göttlichen erfahren und sie erleben.

Nur wenige Monate vor seinem Tod kam der Prophet Joseph Smith mit den Zwölf Aposteln zusammen. Sie sprachen darüber, was die Kirche in jener schwierigen Zeit am meisten brauche. Der Prophet sagte zu ihnen: „Wir brauchen den Tempel mehr als alles andere.“1 Gewiss braucht jeder von uns samt seiner Familie in diesen schwierigen Zeiten den Tempel mehr als alles andere.

Unlängst nahm ich an einer Tempelweihung teil. Es war ein zu Herzen gehendes Ereignis. Die Tage der offenen Tür waren einfach herrlich. Ich sprach mit vielen Besuchern, die den Tempel besichtigten. Es gab ein hervorragendes Kulturprogramm, das von begeisterten Jugendlichen voller Lebensfreude dargeboten wurde. Darauf folgten die wunderbaren Weihungsversammlungen. Es herrschte ein besonderer Geist. Vielen Menschen war dies ein Segen. Am nächsten Vormittag stiegen meine Frau und ich ins Taufbecken und führten für einige unserer Vorfahren die Taufe durch. Als ich den Arm hob, um diese heilige Handlung zu vollziehen, war ich von der Macht des Geistes nahezu überwältigt. Mir wurde wieder einmal bewusst, dass die wahre Kraft des Tempels in den Verordnungen liegt.

Der Herr hat kundgetan, dass die Fülle des Melchisedekischen Priestertums im Tempel und seinen Verordnungen zu finden ist, „denn darin werden die Schlüssel des heiligen Priestertums ordiniert, damit ihr Ehre und Herrlichkeit empfangen könnt“2. „Darum wird in seinen Verordnungen die Macht des Göttlichen kundgetan.“3 Diese Verheißung gilt für Sie und für Ihre Familie.

Es liegt an uns, das anzunehmen, was der Vater uns gibt.4 „Denn dem, der empfängt, wird reichlicher gegeben werden, nämlich Macht“5: Macht, alles zu empfangen, was Gott geben kann und wird – jetzt und in Ewigkeit6, Macht, Söhne und Töchter Gottes zu werden7, die Mächte des Himmels zu erleben8, in seinem Namen zu sprechen9 und „die Macht [seines] Geistes“10 zu empfangen. Diese Mächte stehen einem jeden von uns persönlich durch die Verordnungen und Bündnisse des Tempels offen.

In einer großartigen Vision sah Nephi unsere Zeit: „Ich, Nephi, sah die Macht des Lammes Gottes, dass sie auf die Heiligen der Kirche des Lammes herabkam und auf das Bundesvolk des Herrn, das über das ganze Antlitz der Erde zerstreut war; und sie waren mit Rechtschaffenheit und mit der Macht Gottes in großer Herrlichkeit ausgerüstet.“11

Vor kurzem war es mir vergönnt, mit Präsident Russell M. Nelson und seiner Familie anlässlich der Tage der offenen Tür in einem Tempel zu sein. Die Familie stand um den Siegelungsaltar herum. Er erklärte ihr, dass alles, was wir in der Kirche tun – jede Versammlung, jede Aktivität, jeder Unterricht und jedes Dienstprojekt –, dazu dient, uns darauf vorzubereiten, zum Tempel zu kommen und am Altar zu knien, um all die verheißenen Segnungen des Vaters für die Ewigkeit zu empfangen.12

Wenn uns die Segnungen des Tempels bewusst werden, wendet sich unser Herz unseren Angehörigen zu – den lebenden wie auch den verstorbenen.

Neulich erst wurde ich Zeuge, wie drei Generationen gemeinsam Taufen für ihre Vorfahren durchführten. Selbst die Großmutter machte mit, auch wenn ihr etwas mulmig zumute war bei dem Gedanken, nun untergetaucht zu werden. Doch als sie aus dem Wasser kam und ihren Mann umarmte, weinte sie vor Freude. Der Großvater und der Vater tauften sich dann gegenseitig, und sie tauften auch viele Enkelkinder. Kann eine Familie gemeinsam eine noch größere Freude erleben? Jeder Tempel hat für die Arbeit im Taufbereich Zeiten festgesetzt, die vorrangig die Familien für sich in Anspruch nehmen können.

Kurz vor seinem Tod hatte Präsident Joseph F. Smith die Vision von der Erlösung der Toten. Er erklärte, dass die Bewohner der Geisterwelt voll und ganz auf die Verordnungen angewiesen sind, die wir stellvertretend für sie auf uns nehmen. In der Schrift heißt es: „Die Toten, die umkehren, werden erlöst werden, indem sie den Verordnungen des Hauses Gottes gehorsam sind.“13 Zwar vollziehen wir die Verordnungen zu ihren Gunsten, doch sie gehen jedes Bündnis einer jeden Verordnung selbst ein und werden dafür auch zur Rechenschaft gezogen. Im Tempel ist der Schleier wahrlich dünn für uns, und für sie teilt er sich dort zur Gänze.

Was ist denn nun unsere ureigenste Aufgabe im Rahmen dieser Arbeit – als Tempelbesucher ebenso wie als Tempelarbeiter? Der Prophet Joseph Smith hat den Heiligen im Jahr 1840 gesagt: „Beträchtliche Anstrengungen [müssen] unternommen werden und es werden Mittel gebraucht – und da das Werk [Tempel zu bauen] in Rechtschaffenheit beschleunigt werden muss, kommt es den Heiligen zu, in ihrem Sinn die Wichtigkeit all dessen … abzuwägen und dann geeignete Schritte zu unternehmen, um sie in die Tat umzusetzen; sie sollen sich mit Mut wappnen und sich entschließen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun und sich mit so großem Interesse einzusetzen, als ob die ganze Arbeit nur von ihnen abhänge.“14

Im Buch Offenbarung lesen wir:

„Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? …

Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.

Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen.“15

Können Sie sich vor Ihrem geistigen Auge diejenigen vorstellen, die heutzutage im Tempel dienen?

In den 150 Tempeln, die derzeit weltweit in Betrieb sind, gibt es mehr als 120.000 Verordnungsarbeiter. Und doch könnten sogar noch mehr diesen Vorzug genießen. Als Präsident Gordon B. Hinckley ankündigte, dass es in aller Welt viele kleinere Tempel geben solle, sagte er: „Alle Tempelarbeiter wären Einheimische, die in ihrer Gemeinde und ihrem Pfahl auch noch in anderen Ämtern tätig wären.“16 Normalerweise werden Tempelarbeiter für zwei bis drei Jahre berufen und können diese Zeit noch verlängern. Es soll aber nicht so sein, dass man die Berufung so lange ausübt, bis man nicht mehr kann. Viele altgediente Tempelarbeiter tragen nach ihrer Entlassung die Liebe zum Tempel weiterhin in sich und geben neuen Arbeitern die Chance zu dienen.

Vor fast hundert Jahren sagte Apostel John A. Widtsoe: „Wir brauchen mehr Arbeiter, die dieses wunderbare Werk verrichten. … Für die Tempelarbeit brauchen wir mehr Bekehrte jedweden Alters. … Die Zeit ist gekommen, da sich Menschen jeder Altersgruppe aktiv an diesem neuen Tempelwerk beteiligen sollen. … Die Tempelarbeit ist … für die Jungen und die Aktiven ebenso nutzbringend wie für die Älteren, die schon viele Lasten des Lebens hinter sich gelassen haben. Ein junger Mann braucht seinen Platz im Tempel sogar noch mehr als sein Vater oder Großvater, die durch ihre Lebenserfahrung gefestigt sind; und ein junges Mädchen, das gerade seinen Lebensweg beginnt, braucht den Geist, den Einfluss und die Vorgaben, die einem zuteilwerden, wenn man sich an den heiligen Handlungen des Tempels beteiligt.“17

In vielen Tempeln stützt sich der Tempelpräsident auch auf neu berufene Missionare, die bereits das Endowment haben – junge Männer und Frauen, die nur kurz als Verordnungsarbeiter tätig sind, bevor sie zur Missionarsschule gehen. Diese jungen Leute werden nicht nur selbst durch das Dienen gesegnet, sondern „sie tragen dadurch zur Schönheit und zur geistigen Gesinnung für alle bei, die dort im Tempel dienen“.18

Ich habe ein paar junge Männer und Frauen, die vor oder nach ihrer Mission Verordnungsarbeiter gewesen sind, gebeten, uns ihre Gedanken mitzuteilen. Sie beschreiben ihre Empfindungen mit diesen Worten:

Wenn ich im Tempel diene:

  • spüre ich, dass ich meinem Vater und dem Erretter noch näher bin

  • verspüre ich rundum Frieden und Glück

  • habe ich das Gefühl, zu Hause zu sein

  • werde ich geheiligt und erlange Kraft und Stärke

  • spüre ich, wie wichtig meine heiligen Bündnisse sind

  • wird der Tempel ein Teil von mir

  • sind uns diejenigen, denen wir bei den heiligen Handlungen dienen, nahe

  • erhalte ich Kraft, Versuchungen zu widerstehen; und:

  • „Der Tempel hat mein Leben für immer verändert.“19

Im Tempel zu dienen ist ein erfüllendes, beeindruckendes Erlebnis für Menschen jedweden Alters. Sogar einige frisch verheiratete Ehepaare dienen gemeinsam im Tempel. Präsident Nelson hat gesagt: „Der gemeinsame Dienst im Tempel ist für die … Familie etwas sehr Erhebendes.“20 Als Verordnungsarbeiter können Sie für Ihre Vorfahren heilige Handlungen nicht nur empfangen, sondern auch dabei amtieren.

Präsident Wilford Woodruff hat gesagt:

„Was für eine größere Berufung könnte ein Mensch auf Erden innehaben, als in seinen Händen die Macht zu halten, sich aufzumachen und in den errettenden heiligen Handlungen zu amtieren? …

Sie werden in Gottes Hand ein Werkzeug zur Errettung jener Seelen. Den Menschenkindern ist sonst nichts Vergleichbares gegeben.“21

Weiter sagte er:

„Sie empfangen die süßen Einflüsterungen des Heiligen Geistes und von Zeit zu Zeit empfangen [Sie] die Schätze des Himmels und den Dienst von Engeln.“22

„Das ist alles wert, was ihr oder ich in den wenigen Jahren, die wir hier im Fleisch verbringen, opfern können.“23

Präsident Thomas S. Monson hat uns unlängst erst daran erinnert, dass „die Segnungen des Tempels … von unschätzbarem Wert [sind]“24. „Kein Opfer [ist] zu groß.“25

Kommen Sie zum Tempel! Kommen Sie oft! Kommen Sie mit Ihrer Familie und um Ihrer Familie willen! Kommen Sie und helfen Sie auch anderen dabei!

„Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen?“ Meine Brüder und Schwestern, Sie sind es – Sie, die Sie die heiligen Handlungen des Tempels empfangen haben und Ihre Bündnisse selbst unter Opfern halten; Sie, die Sie Ihrer Familie helfen, die Segnungen des Dienens im Tempel kennenzulernen, und die anderen auf dem Weg dorthin helfen. Vielen Dank dafür, dass Sie dienen! Ich bezeuge, dass jeder Tempel ein heiliges, ein geheiligtes Gotteshaus ist und dass jeder von uns darin etwas über die Macht des Göttlichen erfahren und sie erleben kann. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden

    Anmerkungen

    1. Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 463; Hervorhebung hinzugefügt

    2. Lehre und Bündnisse 124:34

    3. Lehre und Bündnisse 84:20

    4. Siehe Markus 4:20,24,25

    5. Lehre und Bündnisse 71:6

    6. Siehe Lehre und Bündnisse 84:38: „Und wer meinen Vater empfängt, der empfängt meines Vaters Reich; darum wird ihm alles gegeben werden, was mein Vater hat.“ Das sind die Verheißungen, die an die Bündnisse im Rahmen der Tempelverordnungen geknüpft sind; siehe auch Lehre und Bündnisse 132:20-24.

    7. Siehe Lehre und Bündnisse 39:4; siehe auch Lehre und Bündnisse 45:8; Mose 6:65-68

    8. Siehe Lehre und Bündnisse 121:36

    9. Siehe Lehre und Bündnisse 1:20: „Damit jedermann im Namen Gottes, des Herrn, ja, des Erretters der Welt, sprechen könne.“

    10. Lehre und Bündnisse 29:30

    11. 1 Nephi 14:14; Hervorhebung hinzugefügt

    12. Vgl. Russell M. Nelson, „Wie man sich für die Segnungen des Tempels bereitmacht“, Liahona, Juli 2001, Seite 37ff.

    13. Lehre und Bündnisse 138:58; siehe auch Vers 53,54

    14. Lehren: Joseph Smith, Seite 461f.

    15. Offenbarung 7:13-15

    16. Gordon B. Hinckley, „Gedanken zum Tempel, dazu, wie wir es erreichen, dass unsere neuen Mitglieder aktiv bleiben, und zum Missionsdienst“, Der Stern, Januar 1998, Seite 50

    17. John A. Widtsoe, „Temple Worship“, Utah Genealogical and Historical Magazine, April 1921, Seite 51f.

    18. Privatkorrespondenz von Präsident Brent Belliston, Boise-Idaho-Tempel

    19. Privatkorrespondenz

    20. Russell M. Nelson, „Der Geist des Elija“, Der Stern, Januar 1995, Seite 79

    21. „Discourse by President Wilford Woodruff“, Millennial Star, 14. Mai 1896, Seite 307

    22. Lehren der Präsidenten der Kirche: Wilford Woodruff, Seite XXXII

    23. Lehren: Wilford Woodruff, Seite 192

    24. Thomas S. Monson, „Die Segnungen des Tempels“, Liahona, Mai 2015, Seite 93

    25. Thomas S. Monson, „Der heilige Tempel – ein Leuchtfeuer für die Welt“, Liahona, Mai 2011, Seite 92