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Frühjahr 2016 | Wir sind in der Lage, andere zu retten

Wir sind in der Lage, andere zu retten

Frühjahr 2016 Generalkonferenz

Der Herr hat uns alles an die Hand gegeben, was wir brauchen, um Freunden und Bekannten, die weniger aktiv sind oder nicht der Kirche angehören, zur Rettung zu eilen.

Der Erretter war sich seines Auftrags, die Kinder unseres Vaters im Himmel zu retten, genau bewusst. Er verkündete:

„Der Menschensohn ist gekommen, um … zu retten, was verloren ist.

[Denn] euer himmlischer Vater [will] nicht, dass [auch nur] einer von diesen Kleinen verlorengeht.“1

Meine herzensgute Mutter, Jasmine Bennion Arnold, war sich ihrer Aufgabe genau bewusst, dass sie den verletzten und verlorenen Schafen unseres Vaters im Himmel, darunter auch ihren eigenen Kindern und Enkeln, zur Rettung eilen musste. Großeltern können im Leben ihrer Enkel eine immens wichtige Rolle spielen.

Meiner Mutter wurden meist als Besuchslehrerin Schwestern zugeteilt, die im Glauben wankten, die weniger aktiv waren oder in deren Familie nicht alle der Kirche angehörten. Zu ihrer Herde gehörten jedoch noch etliche weitere, die sie von sich aus besuchte. Sie besuchte sie meist nicht nur einmal im Monat. Sie hörte ihnen still zu, kümmerte sich um die Kranken und machte ihnen liebevoll Mut. Die letzten Monate ihres Lebens war sie ans Haus gefesselt. So verbrachte sie dann Stunden damit, ihnen Briefe zu schreiben, in denen sie ihre Liebe zum Ausdruck brachte und Zeugnis gab, und sie richtete alle auf, die sie besuchen kamen.

Wenn wir anderen zur Rettung eilen, schenkt Gott uns Kraft, macht uns Mut und segnet uns. Als er Mose gebot, die Kinder Israel zu retten, war dieser voller Ängste. Dieses Gefühl kennen wohl viele von uns. Moses Einwand war: „Ich bin keiner, der gut reden kann … Mein Mund und meine Zunge sind … schwerfällig.“2

Doch der Herr machte ihm Mut:

„Wer hat dem Menschen den Mund gegeben …? Doch wohl ich, der Herr!

Geh also! Ich bin mit deinem Mund und weise dich an, was du reden sollst.“3

Im Prinzip sagte ihm der Herr: „Du bist dazu in der Lage!“ Und wissen Sie was? Auch wir sind dazu in der Lage!

Ich möchte mit Ihnen über vier Grundsätze sprechen, die uns helfen, anderen zur Rettung zu eilen.

1. Grundsatz: Wir dürfen die Rettung nicht hinausschieben

Elder Alejandro Patanía, ein ehemaliger Gebietssiebziger, erzählte einmal von seinem jüngeren Bruder Daniel. Dieser war mit seiner Besatzung zum Fischen aufs Meer hinausgefahren. Nach einer Weile erhielt Daniel eine Sturmwarnung: Ein schweres Unwetter näherte sich mit hoher Geschwindigkeit. Daniel und seine Mannschaft steuerten umgehend in Richtung Hafen.

Hinaus aufs Meer

Der Sturm wurde immer stärker. Bei einem Fischerboot, das sich in der Nähe befand, versagte der Motor. Daniels Besatzung machte ein Tau an dem fahruntüchtigen Boot fest und versuchte, es in Sicherheit zu bringen. Über Funk forderten sie Hilfe an. Ihnen war klar, dass sie wegen des immer stärker werdenden Sturms auf sofortige Hilfe angewiesen waren.

Der Sturm wird stärker

Während die Angehörigen angespannt warteten, kamen Vertreter der Küstenwache, des Fischereiverbandes und der Marine zusammen und berieten über die beste Rettungsstrategie. Einige wollten sich sofort auf den Weg machen, doch sie wurden angewiesen zu warten, bis ein Plan erarbeitet war. Während die Fischer im Sturm immer wieder Hilferufe sendeten, waren die beauftragten Helfer die ganze Zeit damit beschäftigt, sich auf die richtige Vorgehensweise zu einigen.

Angehörige warten angespannt

Als endlich ein Rettungstrupp zusammengestellt war, ging ein letzter verzweifelter Hilferuf ein. Durch den tosenden Sturm war das Tau zwischen den beiden Booten gerissen. Daniels Mannschaft wendete das Boot, um die anderen Fischer wenn möglich zu retten. Schließlich sanken beide Boote. Alle Besatzungsmitglieder, darunter auch Elder Patanías Bruder Daniel, ertranken.

Beide Boote gingen verloren

Elder Patanía verglich dieses Unglück mit der Ermahnung des Herrn: „Die [Schwachen] stärkt ihr nicht, … die [Verscheuchten] holt ihr nicht zurück, die [Verirrten] sucht ihr nicht. [Ich] fordere meine Schafe von [euch] zurück.“4

Elder Patanía erklärte, dass wir uns in unseren Ratsgremien, Kollegien, Hilfsorganisationen und auch persönlich untereinander zwar absprechen müssen, doch dürfen wir die Rettung nicht aufschieben. Manchmal besprechen wir wochenlang, wie wir auf die besonderen Bedürfnisse einer Familie oder eines Einzelnen eingehen können. Wir beratschlagen miteinander, wer sie besuchen und wie man vorgehen sollte. Unterdessen sind unsere verlorengegangenen Brüder und Schwestern weiterhin in Not und flehen womöglich gar um Hilfe. Wir dürfen die Rettung nicht aufschieben.

2. Grundsatz: Wir dürfen niemals aufgeben

Präsident Thomas S. Monson, der uns ja dazu aufgerufen hat, anderen zur Rettung zu eilen, stellte fest: „Unsere Mitglieder müssen daran erinnert werden, dass es niemals zu spät ist, was unsere … weniger aktiven Mitglieder anbelangt, … die wir vielleicht als hoffnungslosen Fall betrachten.“5

Wie so viele von Ihnen habe auch ich schon mit manchen über das Evangelium gesprochen, die sich dann sehr bald taufen ließen oder wieder aktiv wurden. Bei anderen, wie meinem Freund Tim, der kein Mitglied war, und seiner Frau Charlene, die weniger aktiv war, dauerte es viel länger.

Über 25 Jahre lang führte ich mit Tim Gespräche über das Evangelium und nahm ihn und Charlene mit, wenn bei einem Tempel Tage der offenen Tür stattffanden. Auch andere schlossen sich den Rettungsversuchen an, aber Tim lehnte jede Aufforderung ab, sich mit den Missionaren zu treffen.

Dann erhielt ich den Auftrag, an einem Wochenende bei einer Pfahlkonferenz den Vorsitz zu führen. Zuvor hatte ich den Pfahlpräsidenten gebeten, darüber zu beten und zu fasten, wen wir besuchen gehen sollten. Ich war verblüfft, als er mir einen Zettel mit dem Namen meines Freundes Tim reichte. Als Tims Bischof, der Pfahlpräsident und ich an seine Tür klopften, machte er auf, schaute mich an, schaute den Bischof an und sagte dann: „Bischof, hatten Sie mir nicht gesagt, Sie würden einen besonderen Gast mitbringen?“

Dann lachte Tim und sagte: „Komm rein, Mervyn.“ An diesem Tag geschah ein Wunder. Mittlerweile hat Tim sich taufen lassen, und er und Charlene sind im Tempel aneinander gesiegelt worden. Wir dürfen niemals aufgeben.

Tim und Charlene am Tempel

3. Grundsatz: Wie groß wird unsere Freude sein, wenn wir auch nur eine einzige Seele zu Christus führen

Vor einigen Jahren habe ich bei einer Generalkonferenz erzählt, wie José de Souza Marques die folgenden Worte des Erretters auffasste: „Wenn einer unter euch stark im Geist ist, so soll er den mit sich nehmen, der schwach ist, … damit auch er stark werde.“6

Bruder Marques kannte jeden in seinem Priesterkollegium beim Namen und stellte fest, dass Fernando nicht da war. Er suchte überall nach ihm – zu Hause, bei einem Freund und sogar am Strand.

Fernando wird gerettet

Schließlich fand er Fernando im Meer beim Surfen. Er wartete nicht so lange, bis das Boot untergegangen war, wie in Daniels Fall. Er rannte sofort ins Wasser, um sein verlorenes Schaf zu retten, und brachte es voll Freude heim.7

Fernando sollte die Herde nie wieder verlassen

Er kümmerte sich unablässig weiter um seinen Freund und sorgte so dafür, dass Fernando nie wieder die Herde verließ.8

Lassen Sie mich berichten, was seitdem geschehen ist. Ich muss einfach erzählen, wie viel Freude daraus entstanden ist, dass auch nur ein verlorenes Schaf gerettet wurde. Fernando und seine liebe Frau Maria haben im Tempel geheiratet. Sie haben jetzt fünf Kinder und 13 Enkel, die alle in der Kirche aktiv sind. Viele weitere Verwandte und deren Familien haben sich ebenfalls der Kirche angeschlossen. Gemeinsam haben sie Tausende Namen von Vorfahren für die heiligen Handlungen des Tempels eingereicht, und die Segnungen nehmen kein Ende.

Fernandos Familie

Fernando ist nun zum dritten Mal Bischof und rettet weiterhin andere, so wie er selbst einst gerettet wurde. Vor kurzem erzählte er: „In unserer Gemeinde gibt es jetzt 32 aktive Junge Männer im Aaronischen Priestertum, von denen 21 innerhalb der letzten 18 Monate gerettet wurden.“ Ob allein oder als Familie, Kollegium, Hilfsorganisation, Klasse, Heimlehrer oder Besuchslehrerin: Auch wir sind dazu in der Lage!

Fernandos Junge Männer

4. Grundsatz: Wie alt wir auch sind – uns allen gilt der Aufruf zur Rettung

Präsident Henry B. Eyring hat gesagt: „Wie alt wir auch sind, welche Fähigkeiten oder Berufung in der Kirche wir auch haben und wo wir uns auch befinden – gemeinsam sind wir zu dem Werk berufen, [dem Erretter] bei der Seelenernte zu helfen, bis er wiederkehrt.“9

Jeden Tag nehmen sich immer mehr unserer Kinder, unserer Jugendlichen, unserer jungen Alleinstehenden, ja, unserer Mitglieder jeden Alters den Aufruf des Erretters zu Herzen und eilen zur Rettung. Danke für Ihre Mühen! Ich möchte hier einige Beispiele anführen:

Die siebenjährige Amy lud ihre Freundin Arianna und deren Familie zur jährlichen PV-Darbietung in der Abendmahlsversammlung ein. Einige Monate später ließen sie sich taufen.

Allan, ein junger Alleinstehender, fühlte sich inspiriert, über die sozialen Medien Videos der Kirche, Mormon Messages und Schriftstellen an alle seine Freunde weiterzuleiten.

Schwester Reeves begann, allen Verkäufern, die sich telefonisch bei ihr meldeten, vom Evangelium zu erzählen.

James lud Shane, einen Bekannten, der nicht Mitglied der Kirche ist, zur Taufe seiner Tochter ein.

Spencer schickte seiner weniger aktiven Schwester einen Link zu Präsident Russell M. Nelsons Konferenzansprache und berichtete: „Sie hat die Ansprache gelesen und sich ein Stück weit geöffnet.“

Der Herr hat uns alles an die Hand gegeben, was wir brauchen, um Freunden und Bekannten, die weniger aktiv sind oder nicht der Kirche angehören, zur Rettung zu eilen. Wir alle sind dazu in der Lage!

Ich bitte einen jeden von Ihnen, dem Aufruf des Heilands nachzukommen und andere zu retten. Wir sind dazu in der Lage!

Ich bezeuge feierlich, dass Jesus der gute Hirte ist, dass er uns liebt und dass er uns segnet, wenn wir anderen zur Rettung eilen. Ich weiß, dass er lebt. Das weiß ich! Im Namen Jesu Christi. Amen.

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