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Frühjahr 2016 | Was sollen wir tun?

Was sollen wir tun?

Frühjahr 2016 Generalkonferenz

Wir bauen das Reich auf, wenn wir andere nähren. Wir bauen das Reich auch auf, wenn wir den Mund auftun und für die Wahrheit Zeugnis ablegen.

Kurz nach der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu verkündete der Apostel Petrus: „Mit Gewissheit erkenne … das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ Dies traf die Zuhörer ins Herz, und sie fragten Petrus und die übrigen Apostel: „Was sollen wir tun, Brüder?“1 Und fortan befolgten sie freudig, was Petrus sie lehrte.

Morgen ist Ostersonntag. Ich hoffe, auch uns trifft es ins Herz, dass wir den Heiland annehmen, umkehren und freudig gehorsam sein dürfen.

Bei dieser Generalkonferenz werden wir von Führern und Führerinnen der Kirche inspirierte Weisung empfangen. Sicherlich werden ihre Worte unser Herz berühren, und so frage ich heute Abend: „Was sollen wir tun, Schwestern?“

Eliza R. Snow, die vor fast 150 Jahren Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung war, erklärte ihren Mitschwestern damals: „Der Herr [hat] uns eine große Verantwortung auferlegt.“2 Ich bezeuge, dass diese Aussage noch heute gilt.

Die Kirche des Herrn braucht Frauen, die sich vom Geist leiten lassen und ihre einzigartigen Gaben dazu einsetzen, andere zu nähren, den Mund aufzutun und Evangeliumswahrheiten zu verteidigen. Unsere Inspiration und unsere Intuition sind wichtige Elemente beim Aufbau des Gottesreiches. Wir müssen also unseren Teil tun, um Gottes Kindern die Errettung zu bringen.

Das Reich wird aufgebaut, wenn wir andere nähren

Wir bauen das Reich auf, wenn wir andere nähren. Das erste Kind Gottes, das wir im wiederhergestellten Evangelium aufrichten müssen, sind jedoch wir selbst. Emma Smith hat gesagt: „Ich wünsche mir den Geist Gottes, um mich zu erkennen und zu verstehen, damit ich alles – jede Gepflogenheit und jeden Wesenszug – überwinden kann, was nicht zu meiner Erhöhung … beiträgt.“3 Wir müssen einen felsenfesten Glauben an das Evangelium des Erretters aufbringen und, gestärkt durch Tempelbündnisse, auf die Erhöhung zustreben.

Was, wenn einige unserer Gepflogenheiten im wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi keinen Platz haben? Damit wir auf sie verzichten können, ist es vielleicht erforderlich, dass andere uns seelisch unterstützen und nähren. So war es bei mir.

Zu meiner Geburt pflanzten meine Eltern bei uns im Garten einen Magnolienbaum. Die Magnolien sollten als Schmuck dienen, wenn ich einmal in der protestantischen Kirche meiner Vorväter heiraten würde. Doch am Tag meiner Hochzeit waren weder meine Eltern da noch Magnolien. Ich hatte mich der Kirche ein Jahr zuvor angeschlossen und war nach Salt Lake City gereist, um im Tempel das Endowment zu empfangen und an meinen Verlobten David gesiegelt zu werden.

Als ich Louisiana verließ und mich Utah näherte, überkam mich ein Gefühl der Heimatlosigkeit. Vor der Hochzeit sollte ich bei Davids Stiefgroßmutter übernachten, die alle nur liebevoll Tante Carol nannten.

Da war ich nun, fremd in Utah, und sollte bei einer Fremden übernachten, bevor ich für die Ewigkeit an eine Familie gesiegelt werden würde, die ich kaum kannte. (Zum Glück liebte ich meinen Zukünftigen und auch den Herrn und vertraute ihnen!)

Als David und ich vor Tante Carols Haustür standen, wäre ich am liebsten im Erdboden versunken. Die Tür öffnete sich, und ich stand da wie ein verschrecktes Kaninchen. Doch ohne ein Wort streckte Tante Carol die Hände aus und nahm mich in den Arm. Sie hatte selbst keine Kinder und sie, ja, ihr fürsorgliches Herz, wusste, dass ich einen Ort brauchte, wo ich hingehörte. Wie tröstlich und schön war dieser Moment! Meine Angst schmolz dahin, und mir war, als sei ich an einem geistig sicheren Ort verankert worden.

Liebe heißt, Platz für jemanden zu schaffen, so wie Tante Carol es für mich tat.

Eine Mutter schafft in ihrem Körper buchstäblich Platz, um ein ungeborenes Kind zu nähren – und hoffentlich auch in ihrem Herzen, wenn sie es großzieht. Nähren heißt aber nicht nur, Kinder zu gebären. Eva wurde „Mutter“ genannt, noch bevor sie Kinder hatte.4 Ich glaube, Mutter sein heißt Leben geben. Denken Sie nur, auf wie vielfältige Weise Sie Leben geben. Es könnte bedeuten, dass man dem Hoffnungslosen ein seelisch stabiles Leben, dem Zweifler ein geistig erfülltes Leben gibt. Mit der Hilfe des Heiligen Geistes können wir einen Ort schaffen, wo die Diskriminierten, Abgewiesenen und Fremden seelisch Heilung finden. Auf diese liebevolle, doch wirksame Art und Weise bauen wir das Gottesreich auf. Schwestern, wir alle sind mit der Gabe, Leben zu geben, zu nähren und eine Mutter zu sein, auf die Erde gekommen, weil dies Gottes Plan ist.

Um seinem Plan zu folgen und das Reich aufzubauen, muss man selbstlos Opfer bringen. Elder Orson F. Whitney schrieb: „Alles, was wir erleiden und ertragen, vor allem, wenn wir dabei geduldig sind, … macht unser Herz rein … und macht uns liebevoller und wohltätiger. [Durch] Mühe und Trübsal machen wir die Entwicklung durch, … die uns unserem Vater und unserer Mutter im Himmel ähnlicher macht.“5 Diese läuternden Prüfungen bringen uns zu Christus, der uns heilen kann, sodass wir im Erlösungswerk nützlich sind.

Das Reich wird aufgebaut, wenn wir den Mund auftun und Zeugnis geben

Wir bauen das Reich auch auf, wenn wir den Mund auftun und für die Wahrheit Zeugnis ablegen. Das ist die Art, wie der Herr vorgeht. Er spricht und lehrt mit der Macht und Vollmacht Gottes. Schwestern, das können wir auch. Frauen reden im Allgemeinen gern und sind gern zusammen! Wenn wir mit der uns überlassenen Priestertumsvollmacht arbeiten, entwickelt sich aus unserem Reden und Zusammensein, dass wir das Evangelium verkünden und andere führen.

Schwester Julie B. Beck, eine ehemalige Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung, hat erklärt: „Die Fähigkeit, für persönliche Offenbarung bereit zu sein, sie zu empfangen und danach zu handeln, ist das Wichtigste, was man in diesem Leben erlernen kann. [Dies erfordert eine] bewusste Anstrengung.“6

Persönliche Offenbarung vom Heiligen Geist bewegt uns immer dazu, ewige Wahrheit – die Wahrheit des Erlösers – zu verinnerlichen, auszusprechen und danach zu handeln. Je mehr wir Christus folgen, desto mehr spüren wir, wie er uns liebt und leitet. Je mehr wir spüren, wie er uns liebt und leitet, desto mehr wollen wir über die Wahrheit sprechen und sie verkünden, wie er es getan hat, selbst wenn wir auf Widerstand stoßen.

Vor einigen Jahren betete ich um die richtigen Worte, als ich gegenüber einer anonymen Anruferin die Mutterschaft verteidigen musste.

Sie fragte: „Sind Sie die Neil Marriott, die so viele Kinder hat?“

Freudig antwortete ich: „Ja!“ und dachte, sie würde jetzt so etwas sagen wie: „Ach, wie schön!“

Doch weit gefehlt! Nie werde ich vergessen, wie die Stimme in der knisternden Leitung sagte: „Ich finde es unmöglich, dass Sie auf diesem überfüllten Planeten auch noch Kinder zur Welt bringen!“

„Oh“, stotterte ich, „ich weiß, wie Sie sich fühlen.“

Sie blaffte: „Das wissen Sie gar nicht!“

Kleinlaut sagte ich: „Na ja, vielleicht nicht.“

Sie begann daraufhin, sich über meine törichte Entscheidung auszulassen, Kinder zu bekommen. Während ihrer Schimpftirade fing ich an, um Hilfe zu beten. Da kam mir die sanfte Eingebung: „Was würde der Herr ihr sagen?“ Ich spürte, dass ich auf festem Boden stand, und fasste bei dem Gedanken an Jesus Christus Mut.

Ich antwortete: „Ich bin froh, Mutter zu sein, und ich verspreche Ihnen, dass ich nichts unversucht lassen werde, meine Kinder so zu erziehen, dass sie die Welt zu einem besseren Ort machen.“

Sie erwiderte: „Na, hoffentlich!“ und legte auf.

Es war keine große Sache – schließlich befand ich mich ja sicher in meiner Küche! Doch auf meine eigene, bescheidene Weise konnte ich alle Familien und Mütter verteidigen, alle, die nähren, und zwar aus zwei Gründen: 1. verstand ich die Lehre Gottes von der Familie und glaubte daran, und 2. betete ich um die richtigen Worte, diese Wahrheit vermitteln zu können.

Wenn wir anders als die Welt denken und handeln, schlägt uns Kritik entgegen. Wir aber müssen uns an ewigen Grundsätzen verankern und für sie Zeugnis ablegen, ganz gleich, wie die Welt darauf reagiert.

Wenn wir uns fragen: Was sollen wir tun?, so denken wir doch über die Frage nach: Was tut der Heiland denn immerzu? Er nährt uns. Er ist Schöpfer. Er spornt zu Wachstum und Güte an. Schwestern, das können wir auch! Ihr Mädchen in der Primarvereinigung: Gibt es in eurer Familie jemanden, der es nötig hat, dass ihr lieb und nett zu ihm seid? Auch ihr könnt das Reich aufbauen, indem ihr andere nährt.

Als der Erretter auf Weisung seines Vaters die Erde schuf, war dies ein großer Akt des Nährens. Er schuf nämlich einen Ort, wo wir wachsen und Glauben an seine sühnende Macht entwickeln konnten. Glaube an Jesus Christus und an sein Sühnopfer: Das ist der beste Ort, wo wir Heilung und Hoffnung, Wachstum und unsere Bestimmung finden. Jeder Mensch muss sich geistig wie körperlich irgendwo zugehörig fühlen. Wir Schwestern jeden Alters können diesen Ort bieten, ja, einen heiligen Ort.

Wir haben die große Verantwortung, Frauen zu werden, die dem Erretter folgen, die inspiriert nähren und die furchtlos nach der Wahrheit leben. Wenn wir den Vater im Himmel darum bitten, uns zu Erbauern seines Reiches zu machen, fließt uns seine Macht zu und wir erkennen, wie wir nähren und schließlich wie unsere Eltern im Himmel werden können. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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    Anmerkungen

    1. Apostelgeschichte 2:36,37

    2. Eliza R. Snow, zitiert in Die Töchter in meinem Reich: Die Geschichte und das Werk der Frauenhilfsvereinigung, Seite 48

    3. Emma Smith, zitiert in Die Töchter in meinem Reich, Seite 14

    4. Siehe Genesis 3:20

    5. Orson F. Whitney, zitiert in Spencer W. Kimball, Faith Precedes the Miracle, 1972, Seite 98

    6. Julie B. Beck, „Über die Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen“, Liahona, Mai 2010, Seite 11