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Herbst 2016 | Als Zeuge Gottes

Als Zeuge Gottes

Herbst 2016 Generalkonferenz

Ich schlage also vor: Hören Sie auf, sich ein schlechtes Gewissen zu machen, weil Sie anderen nicht oft oder gewandt genug vom Evangelium erzählen. Beten Sie lieber darum, dass Sie als Zeuge Gottes auftreten können. Das motiviert bei weitem mehr als ein schlechtes Gewissen.

Viel vom wichtigen Werk Gottes bleibt von der Welt unbemerkt. Das 6. Jahrhundert vor Christus hat berühmte Denker wie Konfuzius in China oder Buddha in Ostindien hervorgebracht, aber Gottes Macht des Priestertums ruhte auf dem Propheten Daniel, der zur Zeit des babylonischen Königs Nebukadnezzar in Gefangenschaft lebte.

Beunruhigt von einem Traum in der Nacht befiehlt König Nebukadnezzar den Zeichendeutern und Wahrsagern, ihn wissen zu lassen, was er geträumt habe und was der Traum bedeute. Sie können ihm freilich keinerlei Aufschluss über seinen Traum geben und halten ihm entgegen: „Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der sagen könnte, was der König verlangt. Auch hat noch nie ein König [ein solches Ansinnen] gestellt.“1 In seiner Wut über ihr Unvermögen will König Nebukadnezzar alle seine Ratgeber umbringen lassen.

Daniel ist einer jener Weisen im Dienste des Königs, und er fleht „wegen dieses Geheimnisses den Gott des Himmels um Erbarmen“2 an.

Ein Wunder geschieht. Das Geheimnis, nämlich das, wovon der König geträumt hat, wird Daniel enthüllt.

Daniel wird also vor den König gebracht. „Bist du wirklich imstande, mir das Traumgesicht, das ich hatte, und seine Deutung zu sagen?“

Daniel entgegnet:

„Weise und Wahrsager, Zeichendeuter und Astrologen vermögen dem König das Geheimnis [des Traums] nicht zu enthüllen. …

Aber es gibt im Himmel einen Gott, der Geheimnisse offenbart; er ließ … König Nebukadnezzar wissen, was am Ende der Tage geschehen wird. …

Der Gott des Himmels [wird]“, so Daniels Worte, „ein Reich errichten, das in Ewigkeit nicht untergeht. [Es] wird in alle Ewigkeit bestehen. … Ohne Zutun von Menschenhand [löst] sich ein Stein von einem Berg … Der Stein [wird] zu einem großen Berg und [erfüllt] die ganze Erde.“

„Der Traum“, so sagt Daniel, „ist sicher und die Deutung zuverlässig.“3

Da dem König der Traum nun erzählt und gedeutet worden ist, sagt er voller Überzeugung: „Euer Gott ist der Gott der Götter und der Herr der Könige.“4

Aus dieser Begebenheit, in der Gott zugunsten von Daniel mit einem Wunder einschreitet, stammt die Prophezeiung, dass das Evangelium Jesu Christi auf Erden einst wiederhergestellt werde, nämlich ein Reich, das die ganze Erde erfüllt und nie untergeht, sondern in alle Ewigkeit besteht.

Die Zahl der Mitglieder der Kirche in den Letzten Tagen werde, wie Nephi prophezeite, zwar relativ klein sein, und doch würden sie auf dem ganzen Antlitz der Erde verbreitet sein, und die Macht und die heiligen Handlungen des Priestertums sollten all denen offenstehen, die sie sich ersehnen.5 Die Erde werde damit erfüllt, wie von Daniel vorhergesagt.

1831 empfing der Prophet Joseph Smith diese Offenbarung: „Die Schlüssel des Reiches Gottes [und die zur Sammlung Israels von den vier Teilen der Erde] sind dem Menschen auf Erden überantwortet, und von da an wird das Evangelium bis an die Enden der Erde hinrollen; gleichwie der Stein, der sich ohne das Zutun von Händen vom Berg löst, dahinrollen wird, bis er die ganze Erde erfüllt.“6

Die Aufgabe ruht auf uns allen

Die Sammlung Israels ist ein Wunder. Sie gleicht einem riesigen Puzzle, dessen Teilchen vor den herrlichen Ereignissen beim Zweiten Kommen alle richtig zusammengesetzt werden. So wie wir vielleicht kopfschüttelnd vor einem Berg Puzzleteilchen stehen, muss auch den Heiligen in den Anfangstagen der Kirche der Auftrag, das wiederhergestellte Evangelium in alle Welt zu tragen, wie eine beinahe unlösbare Aufgabe erschienen sein. Doch sie machten sich auf, fanden einen Menschen – ein Puzzleteilchen – nach dem anderen, und arbeiteten zuerst an den geraden Rändern, um dieses göttliche Werk richtig zusammenzusetzen. Nach und nach kam der Stein, der sich ohne Zutun von Menschenhand vom Berg löst, ins Rollen: Aus Hunderten wurden Tausende, dann Zehntausende – und nun sind es Millionen einem Bund unterstehender Heiliger der Letzten Tage aus allen Völkern, die die Puzzleteilchen dieses wunderbaren Werks, ja, dieses Wunders, zusammenfügen.

Ein riesiges Puzzle

Jeder von uns ist ein Teilchen in diesem Puzzle, und jeder von uns trägt dazu bei, weitere unerlässliche Teilchen zu platzieren. Sie sind wichtig für diese große Sache! Der Blick nach vorn ist nun ungetrübt. Wir sehen, wie sich das Wunder vollzieht, und die Hand des Herrn leitet uns, während wir noch bestehende Lücken schließen. Dann wird der erhabene Jahwe sagen „Das Werk ist getan“7 und in majestätischer Herrlichkeit zurückkehren.

Jeder von uns ist ein Teil des Puzzles

Präsident Thomas S. Monson hat gesagt: „Es ist jetzt an der Zeit, dass die Mitglieder und die Missionare zusammenkommen, zusammenarbeiten …, um Menschenseelen zu ihm zu bringen. … Er wird uns bei unserer Arbeit helfen, wenn wir im Glauben handeln, um sein Werk zu verrichten.“8

Die von Gott übertragene Aufgabe, die einst vornehmlich auf den Schultern der Vollzeitmissionare gelastet hat, ruht nun auf uns allen. Wir alle möchten gern mit anderen über das wiederhergestellte Evangelium sprechen, und wir sind dankbar, dass sich Woche um Woche Tausende taufen lassen. Doch selbst angesichts dieser wunderbaren Segnung verleihen unsere Sorge um unsere Brüder und Schwestern und der Wunsch, Gott Freude zu bereiten, dem Unterfangen, das Gottesreich in aller Welt zu stärken und zu verbreiten, eine enorme Dringlichkeit.

Mit Schuldgefühlen kommt man nicht weiter

Selbst mit dem großen Wunsch, anderen vom Evangelium zu erzählen, sind Sie mit dem Erfolg Ihrer bisherigen Bemühungen vielleicht doch kaum zufrieden. Vielleicht geht es Ihnen wie einem meiner guten Bekannten, der klagt: „Ich habe mit Freunden und Verwandten über die Kirche gesprochen, aber kaum einer zeigt Interesse, und je mehr ich auf Granit stoße, desto zögerlicher werde ich. Ich weiß schon, ich sollte mehr tun, aber ich weiß irgendwie nicht weiter und habe einfach nur ein furchtbar schlechtes Gewissen.“

Lassen Sie mich etwas dazu sagen.

Schuldgefühlen kommt eine wichtige Aufgabe zu, denn sie rütteln uns wach, sodass wir notwendige Änderungen vornehmen. Aber sie helfen uns nur begrenzt.

Ein schlechtes Gewissen lässt sich mit der Batterie in einem benzinbetriebenen Auto vergleichen. Sie kann dem Fahrzeug Licht geben, den Motor starten und Strom für die Scheinwerfer erzeugen, aber sie versorgt das Auto nicht mit dem Treibstoff, der für die bevorstehende lange Fahrt notwendig ist. Die Batterie alleine genügt also nicht. Ein schlechtes Gewissen ebenso wenig.

Ich schlage also vor: Hören Sie auf, sich ein schlechtes Gewissen zu machen, weil Sie anderen nicht oft oder gewandt genug vom Evangelium erzählen. Beten Sie stattdessen, wie Alma uns auffordert, um Gelegenheiten, „allzeit und in allem und überall [als Zeuge] Gottes aufzutreten, damit [andere] von Gott erlöst und zu denen von der ersten Auferstehung gezählt [werden], damit [sie] ewiges Leben [haben]“9. Das motiviert bei weitem mehr als ein schlechtes Gewissen.

Allzeit und überall als Zeuge Gottes auftreten – das spiegelt sich in unserer Lebensweise und in unserer Ausdrucksweise wider.

Machen Sie kein Geheimnis aus Ihrem Glauben an Christus. Wenn es sich ergibt, dann sprechen Sie über sein Leben, seine Worte und sein unvergleichliches Geschenk an alle Menschen. Sprechen Sie seine machtvollen Lehren aus dem Buch Mormon an. Er verheißt uns ja: „Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde … ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.“10 Ich verspreche Ihnen: Wenn Sie häufig und aufrichtig um Gelegenheiten beten, als Zeuge Gottes aufzutreten, dann ergeben sich solche Gelegenheiten auch, und diejenigen, die nach mehr Licht und Erkenntnis suchen, kreuzen Ihren Weg. Wenn Sie geistigen Eingebungen folgen, trägt der Heilige Geist Ihre Worte Ihrem Gesprächspartner ins Herz, und eines Tages wird sich der Heiland vor seinem Vater auch zu Ihnen bekennen.

Ein gemeinsames Unterfangen

Einem Menschen zu helfen, ins Reich Gottes zu kommen, ist immer ein gemeinsames geistiges Unterfangen. Holen Sie möglichst bald die Missionare mit ins Boot, und beten Sie um die Hilfe des Himmels. Bedenken Sie aber, dass der Zeitplan für die Bekehrung eines anderen nicht allein in Ihren Händen liegt.11

Als ich Kamla Persand aus Mauritius im Februar 1991 kennenlernte, studierte sie gerade in Bordeaux Medizin. Als Familie hatten wir darum gebetet, dass wir jemand finden können, der nach der Wahrheit sucht, und wir machten Kamla bei uns daheim mit dem Evangelium bekannt. Ich durfte sie schließlich taufen. Doch wir waren nicht die wichtigsten Bezugspersonen, die dazu beigetragen hatten, dass sich Kamla der Kirche anschloss. Schon in ihrer Heimat waren Freunde, Missionare und selbst Verwandte als Zeugen Gottes aufgetreten, und dann war in Frankreich eines Tages der richtige Zeitpunkt für Kamla und sie beschloss, sich taufen zu lassen. 25 Jahre später sind nun die Segnungen dieses Entschlusses in Kamlas Leben allgegenwärtig, und ihr Sohn erfüllt gerade auf Madagaskar eine Mission.

Kamla Persand und Angehörige

Bitte betrachten Sie Ihre Bestrebungen, einem anderen die Liebe des Heilands nahezubringen, nicht als eine Art Test, bei dem man durchfallen kann und bei dem die Note davon abhängt, wie freudig Ihr Bekannter auf Ihre Eindrücke reagiert oder der Einladung, sich mit den Missionaren zu treffen, nachkommt.12 Mit unseren sterblichen Augen können wir die Auswirkungen unserer Bemühungen keinesfalls einschätzen, und den Zeitplan können wir auch nicht festlegen. Wenn Sie einem anderen Menschen des Heilands Liebe nahebringen, dann bekommen Sie dafür immer die Note „Sehr gut“!

In manchen Ländern wurde die Tätigkeit der Missionare eingeschränkt. Daher legen sich die treuen Mitglieder unerschrocken noch mehr ins Zeug und stehen allzeit und überall als Zeuge Gottes da.

Nadeschda aus Moskau verschenkt das Buch Mormon oft in einer Geschenkschachtel mit vielen Süßigkeiten. „Ich erkläre meinen Freunden“, so sagt sie, „das sei das süßeste Geschenk, das ich ihnen nur geben kann.“

Kurz nach ihrer Taufe in der Ukraine hatte Swetlana das Gefühl, sie solle mit einem Mann, dem sie immer wieder im Bus begegnete, über das Evangelium sprechen. Als der Mann ausstieg, fragte sie ihn daher: „Möchten Sie mehr über Gott wissen?“ Der Mann bejahte das. Die Missionare unterwiesen Viktor im Evangelium, und er ließ sich taufen. Er und Swetlana wurden später im Freiberg-Tempel aneinander gesiegelt.

Passen Sie also auf: Manche Segnungen stellen sich in ganz unerwarteter Weise ein!

Vor sieben Jahren lernten meine Frau Kathy und ich in Salt Lake City Diego Gomez und seine wunderbare Familie kennen. Sie besuchten im Rahmen der Tage der offenen Tür einen unserer Tempel, doch lehnten sie unsere Einladung, mehr über die Kirche zu erfahren, dankend ab. Vergangenen Mai erhielt ich überraschend einen Anruf von Diego. So manches in seinem Leben hatte dazu geführt, dass er sich auf die Knie begab. Er hatte von sich aus die Missionare ausfindig gemacht, hatte sich die Lektionen angehört und war nun bereit für die Taufe. Am 11. Juni dieses Jahres stieg ich mit meinem Freund und Mitjünger Diego Gomez ins Wasser der Taufe. Seine Bekehrung verlief nach einem eigenen Zeitplan. Mit daran beteiligt gewesen waren viele, die ihm als Zeugen Gottes die Hand entgegengestreckt und ihn unterstützt hatten.

Diego Gomez in einer Gruppe

Eine Aufforderung an die Jugendlichen

Vor allem an unsere großartigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in aller Welt möchte ich die Aufforderung richten: Seid ein Zeuge Gottes! Die Menschen in eurem Umfeld sind aufgeschlossen für geistige Belange. Denkt an das Puzzle. Ihr kommt nicht mit leeren Händen an den Tisch. Ihr kennt euch mit der modernen Technik und den sozialen Medien aus. Wir brauchen euch, und der Herr braucht noch mehr Engagement von euch in dieser großen Sache.

Ein Puzzle auf einem Handy

Der Heiland hat gesagt: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“13

Es ist kein Zufall, dass ihr in Afrika, Asien, Europa, Nord-, Mittel- oder Südamerika, im Pazifikraum oder anderswo in Gottes weiter Welt lebt, denn das Evangelium muss „jeder Nation, jedem Geschlecht, jeder Sprache und jedem Volk verkündet“14 werden.

„Der Gott des Himmels [hat] ein Reich [errichtet], das in Ewigkeit nicht untergeht. [Es] wird in alle Ewigkeit bestehen. … Ohne Zutun von Menschenhand [löste] sich ein Stein von einem Berg … Der Stein … wurde zu einem großen Berg und erfüllte die ganze Erde. …

Der Traum ist sicher und die Deutung zuverlässig.“15

Ich schließe mit Worten aus dem Buch Lehre und Bündnisse: „Ruft den Herrn an, damit sein Reich auf der Erde vorwärtsschreite, damit ihre Bewohner es empfangen mögen und bereit seien für die kommenden Tage, in denen des Menschen Sohn [vom] Himmel herabkommen wird, angetan mit dem hellen Glanz seiner Herrlichkeit, um dem Reich Gottes [auf Erden] zu begegnen.“16 Im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden

    Anmerkungen

    1. Daniel 2:10

    2. Daniel 2:18

    3. Daniel 2:26-28,44,34,35,45

    4. Daniel 2:47

    5. Siehe 1 Nephi 14:12-14

    6. Lehre und Bündnisse 65:2; siehe auch Lehre und Bündnisse 110:11

    7. Siehe Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 156; siehe auch Boyd K. Packer, „Das Banner der Wahrheit ist aufgerichtet“, Liahona, November 2003, Seite 27

    8. Thomas S. Monson, „Willkommen zur Konferenz“, Liahona, November 2013, Seite 4

    9. Mosia 18:9

    10. Matthäus 10:32

    11. Vor einem Monat war ich in Santa Maria in Brasilien. Bruder João Grahl erzählte mir, dass er als Kind zwei Jahre lang in die Kirche gegangen war und sich auch taufen lassen wollte, aber sein Vater erlaubte es nicht. Eines Tages sagte er seinen Schwestern, die ebenfalls den Wunsch hatten, sich taufen zu lassen, sie sollten sich hinknien und darum beten, dass Gott ihrem Vater das Herz erweicht. Sie knieten sich zum Beten nieder und gingen dann in die Schule.

      Als sie heimkamen, war zu ihrer Überraschung ein Onkel, der Bruder ihres Vaters, aus einer weit entfernten Stadt zu Besuch. Er sprach mit ihrem Vater. In Gegenwart des Onkels fragten die Kinder ihren Vater wiederum, ob sie sich nicht taufen lassen dürfen. Ihr Onkel trat hinzu, legte seinem jüngeren Bruder die Hand auf die Schulter und sagte: „Reinaldo, diese Kirche ist wahr. Erlaube ihnen doch, sich taufen zu lassen.“ Ihr Onkel hatte sich, ohne dass sie es wussten, einige Monate zuvor taufen lassen.

      Der Onkel hatte die Eingebung empfangen, seinen Bruder zu besuchen, und weil er an jenem Tag als Zeuge Gottes auftrat, durften sich seine Nichten und sein Neffe taufen lassen. Einige Wochen später ließen sich auch Reinaldo und seine Frau taufen. Gott hat die Gebete dieser Kinder mit einem Wunder erhört, nämlich durch jemanden, der bereit war, als Zeuge Gottes aufzutreten.

    12. „Sie sind dann erfolgreich, wenn Sie jemanden einladen, und zwar ungeachtet dessen, was dabei herauskommt.“ (Clayton M. Christensen, The Power of Everyday Missionaries, 2012, Seite 23; siehe auch everydaymissionaries.org.)

    13. Matthäus 28:19

    14. Mosia 15:28

    15. Daniel 2:44,34,35,45

    16. Lehre und Bündnisse 65:5