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Herbst 2016 | Damit wir uns geistig weiterentwickeln und dazulernen

Damit wir uns geistig weiterentwickeln und dazulernen

Herbst 2016 Generalkonferenz

Die Geheimnisse Gottes werden uns nur gemäß seinem Willen und durch die Macht des Heiligen Geistes entfaltet.

Als ich klein war, bekamen meine Eltern ein Geschenk, das meinen jüngeren Bruder David und mich faszinierte. Es handelte sich um eine kleine Nachbildung der goldenen Platten, die der Prophet Joseph Smith vom Engel Moroni erhalten hatte. Wenn ich mich recht erinnere, bestand diese Nachbildung aus ungefähr zehn Seiten aus Metall, die mit Worten beschrieben waren. Das waren aber nicht die Seiten, die wir so spannend fanden.

Wir waren ja mit den Geschichten der Wiederherstellung aufgewachsen. Wir wussten von den goldenen Platten, die tief in einem Hügel vergraben waren und vom Engel Moroni an Joseph Smith übergeben wurden, und hatten in der PV davon gesungen1. In unseren jungen Gemütern wurde die Neugier geweckt und es gab nur Eines, das wir wirklich sehen wollten: Was stand auf den wenigen Seiten der nachgebildeten Platten, die mit zwei Metallstreifen fest versiegelt waren?

Die Platten lagen einige Tage auf einem Tischchen, bis uns unsere Neugier überwältigte. Obwohl uns völlig klar war, dass dies nicht die echten Platten waren, die Moroni überbracht hatte, wollten wir den versiegelten Teil unbedingt sehen. Mehrmals versuchten mein Bruder und ich mit Brotmessern, alten Löffeln und allem, was uns einfiel, den versiegelten Teil gerade weit genug aufzudrücken, um zu sehen, was darin stand, aber nicht so weit, dass die kleinen Metallstreifen zerbrachen. Wenigstens waren wir schlau genug, keine Spuren unserer spitzbübischen kindlichen Neugier zu hinterlassen. Zu unserer großen Enttäuschung waren all unsere Anstrengungen, einen Blick auf die Platten zu erhaschen, nie von Erfolg gekrönt.

Ich weiß immer noch nicht, was sich in diesem versiegelten Teil versteckte – vielleicht ja gar nichts. Der peinliche Teil dieser Geschichte ist aber, dass ich bis zum heutigen Tag nicht weiß, was auf dem Teil der Platten stand, den man eigentlich lesen sollte. Ich kann mir nur denken, dass auf diesen Seiten die Geschichte der Wiederherstellung und das Zeugnis von Joseph Smith und den acht Zeugen stand, die durch die Hand Moronis die echten Platten sahen.

Seit der Erschaffung der Erde hat unser liebevoller Vater im Himmel seinen Kindern durch Propheten den Weg gewiesen, sie geführt und angeleitet. Seine Worte wurden durch die Propheten weitergegeben und in Form der heiligen Schriften bewahrt, damit wir uns weiterentwickeln und dazulernen können. Nephi beschreibt es so:

„Denn meine Seele erfreut sich an den Schriften, und mein Herz sinnt über sie nach und schreibt sie nieder zur Belehrung und zum Nutzen meiner Kinder.

Siehe, meine Seele erfreut sich an dem, was des Herrn ist; und mein Herz sinnt ständig über das nach, was ich gesehen und gehört habe.“2

Außerdem haben würdige Mitglieder der Kirche des Herrn in vergangenen Evangeliumszeiten wie auch in dieser Evangeliumszeit der Fülle den Heiligen Geist als ständigen Begleiter. Dieser hilft uns dabei, uns geistig weiterzuentwickeln und dazuzulernen.

Mein Bruder hat wahrscheinlich, beflissen wie er ist, alles gelesen, was auf den nachgebildeten Platten im Haus unserer Eltern stand. Ich hingegen habe die klaren und kostbaren Wahrheiten ignoriert und meine Energie stattdessen dafür eingesetzt, nach den Dingen zu forschen, die nicht dazu bestimmt waren, offenbart zu werden.

Leider kann unsere Weiterentwicklung, unser Lernen manchmal durch den törichten Wunsch, „einen Blick auf die Platten zu erhaschen“, verlangsamt werden oder gar zum Stillstand kommen. Wir wollen unbedingt etwas wissen, was wir im Moment vielleicht noch gar nicht verstehen sollen, und gleichzeitig ignorieren wir die wunderbaren Wahrheiten, die für uns und unsere Lebenssituation gedacht sind – Wahrheiten, die laut Nephis Aussage zu unserer Belehrung und zu unserem Nutzen niedergeschrieben wurden.

Nephis Bruder Jakob erklärt: „Siehe, groß und wunderbar sind die Werke des Herrn. Wie unergründlich sind die Tiefen seiner Geheimnisse; und es ist unmöglich, dass der Mensch alle seine Wege herausfinden kann.“3

Jakob zeigt uns, dass wir es nicht erzwingen können, „einen Blick auf die Platten zu erhaschen“ oder die Geheimnisse Gottes offenbart zu bekommen. Stattdessen werden uns die Geheimnisse Gottes nur gemäß seinem Willen und durch die Macht des Heiligen Geistes entfaltet4.

Jakob fährt fort:

„Und kein Mensch kennt seine Wege, außer es werde ihm offenbart; darum, Brüder, verachtet nicht die Offenbarungen Gottes.

Denn siehe, durch die Macht seines Wortes ist der Mensch auf das Antlitz der Erde gekommen. … O warum [sollte er] dann nicht imstande [sein], der Erde oder dem Werk seiner Hände auf ihrem Antlitz zu gebieten, wie er will und wie es ihm gefällt?

Darum, Brüder, trachtet nicht, dem Herrn Rat zu erteilen, sondern, Rat aus seiner Hand anzunehmen.“5

Um die Geheimnisse Gottes zu verstehen oder auch das, was man nur durch Offenbarung verstehen kann, müssen wir dem Beispiel Nephis folgen, der sagt: „Ich … war noch sehr jung, wenn auch groß von Gestalt, und ich hatte auch großes Verlangen, von den Geheimnissen Gottes zu wissen; darum rief ich den Herrn an; und siehe, er besuchte mich und erweichte mir das Herz, sodass ich alle die Worte glaubte, die mein Vater gesprochen hatte.“6 Der Herr selbst erklärt außerdem, dass Nephi Glauben ausgeübt, ihn eifrig und mit demütigem Herzen gesucht und seine Gebote gehalten hat7.

Nephis Beispiel zeigt, was dazugehört, wenn man nach Wissen strebt: 1.) der aufrichtige Wunsch, 2.) Demut, 3.) Gebet, 4.) Vertrauen in den Propheten, 5.) Glauben, 6.) Eifer und 7.) Gehorsam. Auf diese Art und Weise nach Wissen zu streben, steht vollkommen im Gegensatz zu meinem Wunsch, „einen Blick auf die Platten zu erhaschen“, oder dem Versuch, ein Verständnis für etwas zu erzwingen, was dazu bestimmt ist, gemäß dem Zeitplan des Herrn und durch die Macht des Heiligen Geistes offenbart zu werden.

In unserer modernen Zeit erwarten wir, dass Wissen jederzeit greifbar ist und auch sein soll. Wenn Informationen nicht sofort zur Verfügung stehen, verwirft man sie oder misstraut ihnen. Wegen des Überflusses an Informationen vertraut manch einer unbewusst einer verfügbaren Quelle unbekannter Herkunft, statt sich auf das vom Herrn vorgegebene Muster für persönliche Offenbarung zu verlassen. Jakob hätte unsere Zeit mit diesen Worten beschreiben können: „Aber siehe, [sie] sind ein halsstarriges Volk gewesen; und sie haben die Worte der Klarheit verachtet … und nach Dingen getrachtet, die sie nicht haben verstehen können. Darum müssen sie wegen ihrer Blindheit, und diese Blindheit kam, weil sie über das Ziel hinausgeschaut haben, notwendigerweise fallen; denn Gott hat seine Klarheit von ihnen weggenommen und ihnen, weil sie es gewünscht haben, viele Dinge gegeben, die sie nicht verstehen können.“8

Im Gegensatz dazu steht ein Ratschlag von Präsident Dieter F. Uchtdorf. Er sprach von Missionaren, aber seine Worte gelten für alle, die nach geistiger Wahrheit streben: „Wenn … Missionare Glauben an Jesus Christus haben, vertrauen sie dem Herrn so sehr, dass sie seine Gebote befolgen – auch wenn sie den Grund dafür nicht immer ganz verstehen. Ihr Glaube zeigt sich durch ihren Eifer und ihre Werke.“9

Bei der letzten Frühjahrs-Generalkonferenz erklärte Elder Dallin H. Oaks: „Die Kirche unternimmt große Anstrengungen, um alle vorhandenen Aufzeichnungen offenzulegen. Trotz allem, was wir veröffentlichen können, bleiben bei unseren Mitgliedern manchmal grundlegende Fragen zurück, die sich durch Studium allein nicht beantworten lassen. … Manches kann man nur durch Glauben erfahren.“10

Die Propheten vor alters haben den gleichen Grundsatz gelehrt, was zeigt, dass die menschliche Natur sich nicht verändert hat und dass das vom Herrn vorgegebene Muster des Lernens zeitlos ist. Denken Sie nur an dieses Sprichwort aus dem Alten Testament: „Mit ganzem Herzen vertrau auf den Herrn, bau nicht auf eigene Klugheit.“11

Jesaja erklärte, wobei er für den Herrn sprach: „So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.“12

Auch Nephi bezeugt dies. Er verkündet: „O Herr, ich habe auf dich vertraut, und ich werde auf dich vertrauen immerdar.“13

Glaube an den Herrn und Vertrauen in ihn setzen voraus, dass wir anerkennen, dass seine Weisheit die unsere übersteigt. Außerdem müssen wir anerkennen, dass sein Plan die beste Möglichkeit dafür bietet, uns geistig weiterzuentwickeln und dazuzulernen.

Es wurde nie von uns erwartet, dass wir „eine vollkommene Kenntnis von etwas“ haben. Stattdessen wird von uns erwartet, dass wir „auf etwas [hoffen], was man nicht sieht, was aber wahr ist“14.

Trotz seines großen Glaubens gesteht Nephi ein, dass sein Verständnis begrenzt ist, als er dem Engel auf dessen Frage „Kennst du die Herablassung Gottes?“ antwortet: „Ich weiß, dass er seine Kinder liebt; aber die Bedeutung von allem weiß ich nicht.“15

Ähnliches sagt Alma zu seinem Sohn Helaman: „Nun sind diese Geheimnisse mir noch nicht völlig kundgetan worden; darum werde ich davon absehen.“16

Ich bezeuge Ihnen, dass der Vater im Himmel seine Kinder liebt, und trotzdem geht es mir wie Nephi und Alma: Ich weiß nicht die Bedeutung von allem. Ich muss aber nicht alles wissen, auch ich werde davon absehen und geduldig auf den Herrn hoffen, denn ich weiß: „Ich habe alles als ein Zeugnis, dass all dies wahr ist; und auch du hast alles als ein Zeugnis für dich, dass es wahr ist …

Die Schriften liegen vor dir, ja, und alles deutet darauf hin, dass es einen Gott gibt; ja, sogar die Erde und alles, was auf ihrem Antlitz ist, ja, und ihre Bewegung, ja, und auch alle Planeten, die sich in ihrer regelmäßigen Ordnung bewegen, bezeugen, dass es einen Allerhöchsten Schöpfer gibt.“17

Wenn wir anerkennen, dass wir das Werk eines weisen und hingebungsvollen himmlischen Vaters sind, „o warum dann nicht“ zulassen, dass er uns bei unserer geistigen Weiterentwicklung und beim Lernen führt, „wie er will und wie es ihm gefällt“,18 und nicht unbedingt so, wie wir es wollen?

Er lebt. Jesus Christus ist sein einziggezeugter Sohn und der Erlöser der Menschheit. Dank seines unbegrenzten Sühnopfers hat Christus die Weisheit und die Voraussicht, uns in diesen Letzten Tagen zu führen. Joseph Smith ist der Prophet, den er auserwählte, sein Reich auf der Erde in seiner Fülle wiederherzustellen. Thomas S. Monson ist heute sein lebender Prophet und sein Sprachrohr. Dafür lege ich aufrichtig Zeugnis ab. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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