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Herbst 2016 | Gott wird alle Tränen abwischen

Gott wird alle Tränen abwischen

Herbst 2016 Generalkonferenz

Wenn wir Glauben an den Erretter ausüben, wird er uns aufrichten und uns durch all unsere Prüfungen tragen und uns schließlich im celestialen Reich erretten.

Zum Plan des himmlischen Vaters gehört auch, dass er es zulässt, dass wir im Erdenleben Mühsal erleiden.1 Die schmerzlichen Prüfungen scheinen zwar ungleich auf uns verteilt worden zu sein, doch wir können sicher sein, dass wir alle irgendwie leiden und uns plagen. Ich bete darum, dass der Heilige Geist uns ein besseres Verständnis dafür gibt, warum das so sein muss.

Wenn wir die schwierigen Erfahrungen des Lebens mit Glauben an Christus betrachten, können wir sehen, dass Gott mit unserem Leiden etwas beabsichtigt. Wer treu ist, kann selbst erfahren, dass der scheinbar widersprüchliche Ratschlag von Petrus wahr ist. Er schrieb: „Wenn ihr um der Gerechtigkeit willen leiden müsst, seid ihr selig zu preisen.“2 Wenn wir unser Herz darauf verwenden zu verstehen3, kann unsere Fähigkeit, Prüfungen gut zu ertragen, aus ihnen zu lernen und durch sie geläutert zu werden, zunehmen. Dieses Verständnis gibt Antwort auf die zeitlose Frage: „Warum widerfährt guten Menschen Schlechtes?“

Jeder von uns hat zu einem gewissen Maß schon Einsamkeit, Verzweiflung, Trauer, Schmerz oder Kummer erlebt. Ohne Augen des Glaubens4 und ein Verständnis von ewiger Wahrheit trübt oder verfinstert das Elend und Leiden im Leben oftmals die ewige Freude über die Erkenntnis, dass der große Plan unseres himmlischen Vaters wahrhaftig der ewige Plan des Glücklichseins ist. Es gibt keine andere Möglichkeit, eine Fülle der Freude zu erlangen.5

Gott fordert uns auf, unseren individuellen Bedrängnissen mit Glauben zu begegnen, damit wir Segnungen ernten und Wissen erlangen, das wir uns auf keine andere Weise aneignen können. Wir sind aufgefordert, unter allen Bedingungen und Umständen die Gebote zu halten, denn „wer in Drangsal treu ist, dessen Lohn im Himmelreich wird um so größer sein“6. In den heiligen Schriften lesen wir: „Wenn du bekümmert bist, so rufe den Herrn, deinen Gott, in flehentlichem Gebet an, damit eure Seele sich freue.“7

Der Apostel Paulus, dem Bedrängnis nicht fremd war, fand aus eigener Erfahrung tiefgründige und wunderschöne Worte für die ewige Perspektive, die man erlangt, wenn man gut ausharrt und Geduld hat. Er sagte: „Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit.“8 Wir können also inmitten unserer Bedrängnisse wissen, dass Gott einen ewigen Lohn für uns hat, der alles ausgleicht.

Die Fähigkeit des Paulus, von den Prüfungen, Verfolgungen und Sorgen in seinem Leben als „kleine Last“ zu sprechen, täuscht über die Schwere seines Leids hinweg, das für ihn in der ewigen Sichtweise des Evangeliums verschlungen war. Sein Glaube an Jesus Christus machte alles erträglich. Fünfmal wurde er ausgepeitscht, dreimal mit Stangen geschlagen, einmal gesteinigt, dreimal erlitt er Schiffbruch, mehrmals war er nahe daran zu ertrinken, war wegen Räubern und auch unter falschen Brüdern in Lebensgefahr, er erlitt Ermüdung und Schmerz, Hunger und Durst und saß bei Kälte nackt im Gefängnis.9

Viele von uns haben Gott angefleht, den Auslöser für unser Leiden hinwegzunehmen; und wenn die erwünschte Hilfe nicht kam, waren wir versucht zu meinen, dass er uns nicht zuhört. Ich bezeuge, dass er auch in solchen Momenten unsere Gebete hört, aber einen Grund hat, unsere Bedrängnisse weiterhin zuzulassen10, und dass er uns hilft, sie zu ertragen11.

In einer sehr persönlichen, nachdenklichen Passage erzählt Paulus uns von einem gewissen „Stachel“ in seinem Fleisch, der ihm großen Schmerz zugefügt und ihn dreimal auf die Knie gezwungen hat. Er flehte den Herrn an, ihn von ihm zu nehmen. Als Antwort auf sein Gebet nimmt der Herr den Stachel nicht hinweg, spricht Paulus aber Frieden zu und gibt ihm mehr Verständnis. Er sagt: „Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“ Mit diesem neuem Verständnis war Paulus in der Lage, seinen Stachel zu akzeptieren und dankbar dafür zu sein. Er erklärt: „Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.“12

Wenn wir uns diese ewige Perspektive zu eigen machen, nimmt unsere Fähigkeit auszuharren zu, wir lernen, denen beizustehen, die Beistand brauchen13, und wissen die Erfahrungen, die Gott uns zu unserer Weiterentwicklung auf unserem Weg zum ewigen Leben gibt, mehr zu schätzen und danken ihm sogar dafür.

Wenn wir in Bedrängnis sind, kann es schwierig sein, unsere Prüfungen als Wegweiser auf unserem Weg als Jünger anzusehen. Ob wir uns nun manchmal im finsteren Tal der Verzweiflung befinden oder gerade vor Glück überschäumen – es kann ein Segen sein, aus den Leiden anderer zu lernen und Mitgefühl zu haben.

Als ich kürzlich an einer Pfahlkonferenz in den Philippinen teilnahm, wurde mir das Herz schwer, als ich von dem tragischen Erlebnis von Bruder Daniel Apilado erfuhr. Bruder Apilado und seine Frau ließen sich 1974 taufen. Sie nahmen das wiederhergestellte Evangelium an und ließen sich im Tempel aneinander siegeln. Dann bekamen sie fünf wundervolle Kinder. Am 7. Juli 1997 – Bruder Apilado war damals Pfahlpräsident – brach in ihrem kleinen Haus ein Feuer aus. Bruder Apilados ältester Sohn Michael rettete ihm das Leben. Er zog seinen Vater aus dem brennenden Gebäude und lief dann zurück ins Haus, um die anderen zu retten. Es war das letzte Mal, dass Bruder Apilado seinen Sohn lebend sah. Bruder Apilados Frau Dominga und alle fünf Kinder kamen bei dem Feuer ums Leben.

Dass Bruder Apilado ein gottgefälliges Leben geführt hat, als das Unglück geschah, hat das Unglück nicht abgewendet – auch hat es ihn nicht immun gegen die Trauer gemacht, die darauf folgte. Doch weil er seinen Bündnissen treu war und Glauben an Christus ausübte, gab ihm das die Gewissheit, dass er wieder mit seiner Frau und seinen Kindern vereint sein wird, wie es ihm verheißen wurde. Diese Hoffnung wurde zum Anker für seine Seele14.

Bei meinem Besuch stellte mir Bruder Apilado, der jetzt der Pfahlpatriarch ist, seine neue Frau Simonette und die zwei Söhne Raphael und Daniel vor. Jesus Christus kann und wird diejenigen heilen, „deren Herz zerbrochen ist“15.

Wenn ich hier über Bruder Apilado spreche, befürchte ich, dass sein enormer Verlust viele dazu veranlasst zu meinen, ihr eigener Kummer und ihre Leiden seien vergleichsweise unbedeutend. Bitte vergleichen Sie sich nicht, sondern versuchen Sie, ewige Grundsätze zu begreifen und danach zu leben, während Sie durch den Feuerofen Ihrer eigenen Bedrängnisse waten.

Wenn ich zu Ihnen ganz persönlich sprechen darf – Ihnen allen, die Sie sich plagen und schwere Lasten zu tragen haben16, möchte ich sagen: All Ihre Probleme, Ihr Kummer, Ihre Schmerzen, Bedrängnisse und allerart Schwächen sind unserem Vater im Himmel und seinem Sohn bekannt. Fassen Sie Mut! Haben Sie Glauben! Und glauben Sie an die Verheißungen Gottes!

Zur Aufgabe und zur Mission Jesu Christi gehörte auch, „die Schmerzen und die Krankheiten seines Volkes auf sich [zu] nehmen“, „ihre Schwächen auf sich [zu] nehmen“ und „seinem Volk bei[zu]stehen … gemäß dessen Schwächen“17.

Um diese Gaben, die uns der Erretter so freimütig anbietet, vollständig zu empfangen, müssen wir alle lernen, dass Leiden an sich uns nichts lehrt und keinen dauerhaften Wert einbringt, sofern wir uns nicht bewusst darauf einlassen, durch Bedrängnisse zu lernen, indem wir Glauben ausüben.

Elder Neal A. Maxwell hat einmal erklärt, was er aus Leiden, in dem man einen Sinn sieht, gelernt hat:

„Bestimmte Formen des Leidens können uns wirklich erheben, wenn wir sie gut bestehen. …

Um etwas gut zu bestehen, muss man sanftmütig genug sein, dass man trotz allem Leiden aus seinen wichtigen Erfahrungen lernt. Anstatt Prüfungen einfach nur durchzumachen, müssen sie uns durchdringen, und zwar so, dass wir dadurch geheiligt werden.“18

Im Leben und am Beispiel anderer habe ich beobachtet, dass man durch festen und beständigen Glauben an Jesus Christus und seine Verheißungen eine sichere Hoffnung auf bessere Zeiten empfängt. Diese sichere Hoffnung gibt uns Halt und auch die Stärke und Kraft, die wir zum Ausharren brauchen.19 Wenn wir unser Leiden mit der Gewissheit in Verbindung bringen, dass unser Erdenleben einen Sinn hat, und insbesondere auch mit dem Lohn, der uns im Himmel erwartet, nimmt unser Glaube an Christus zu und wir empfangen Trost für unsere Seele.

Dann können wir Licht am Ende des Tunnels sehen. Elder Jeffrey R. Holland hat gesagt: „Es gibt wirklich Licht am Ende des Tunnels, nämlich das Licht der Welt, den strahlenden Morgenstern, das ‚Licht, das endlos ist, das niemals verfinstert werden kann‘ [Mosia 16:9]. Es ist der Sohn Gottes selbst.“20

Wir können Stärke empfangen, weil wir wissen, dass all die schweren Erfahrungen in diesem Leben nur vorübergehend sind, ja, selbst auf die dunkelste Nacht folgt für die Treuen die Morgenröte.

Wenn alles getan ist und wir alles mit Glauben an Jesus Christus ertragen haben, haben wir die Verheißung, dass „Gott … alle Tränen von [unseren] Augen abwischen“21 wird.

Ich bezeuge, dass Gott, unser Vater, und sein Sohn, Jesus Christus, leben und dass sie ihre Verheißungen erfüllen. Ich bezeuge, dass der Erretter uns alle auffordert, zu ihm zu kommen und sein Sühnopfer anzunehmen. Wenn wir Glauben an ihn ausüben, wird er uns aufrichten und uns durch all unsere Prüfungen tragen und uns schließlich im celestialen Reich erretten. Ich möchte Sie auffordern, zu Christus zu kommen, voll Glauben gut auszuharren, durch ihn vollkommen gemacht zu werden und in ihm vollkommene Freude zu erlangen. Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.

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