Hauptnavigation überspringen
Herbst 2016 | Dankbarkeit am Sabbat

Dankbarkeit am Sabbat

Herbst 2016 Generalkonferenz

Für die Heiligen der Letzten Tage ist der Sabbat ein Tag der Dankbarkeit und der Liebe.

Meine lieben Brüder und Schwestern, die Sie in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage über die ganze Welt verstreut sind, ich bin dankbar, dass Präsident Thomas S. Monson mich gebeten hat, an diesem Sabbat bei der Konferenz zu sprechen. Ich bete darum, dass der Heilige Geist meine Worte Ihnen ins Herz trägt.

Ich möchte heute über Gefühle sprechen, die wir im Herzen tragen. Dabei möchte ich mich auf Dankbarkeit konzentrieren – vor allem auf Dankbarkeit am Sabbat.

Wir sind für vieles dankbar: eine nette Geste eines Unbekannten, eine Mahlzeit, wenn wir Hunger haben, ein festes Dach über dem Kopf, wenn ein Sturm aufzieht, einen Knochen, der nach einem Bruch wieder heilt, oder den kräftigen Schrei eines Neugeborenen. Viele von uns wissen bestimmt noch, wie dankbar sie in einem solchen Augenblick waren.

Für die Heiligen der Letzten Tage ist der Sabbat ein solcher Augenblick, ja, ein Tag der Dankbarkeit und der Liebe. Der Herr wies die Heiligen im Kreis Jackson in Missouri 1831 an, dass sie ihre Gebete und ihren Dank gen Himmel richten sollten. Den Mitgliedern in der Anfangszeit wurde offenbart, wie man den Sabbat halten soll und wie man fastet und betet.1

Ihnen und auch uns wurde vom Herrn gesagt, wie man am Sabbat Gott verehrt und Dank bekundet. Wie Sie ja wissen, kommt es vor allem auf die Liebe an, die wir für den Gebenden empfinden. Dies sind die Worte des Herrn darüber, wie man am Sabbat seinen Dank und seine Liebe bekundet:

„[Ich] gebe … ihnen ein Gebot, nämlich so: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit all deiner Macht, ganzem Sinn und aller Kraft; und im Namen Jesu Christi sollst du ihm dienen. …

Du sollst dem Herrn, deinem Gott, in allem danken.

Du sollst dem Herrn, deinem Gott, in Rechtschaffenheit ein Opfer darbringen, nämlich das eines reuigen Herzens und eines zerknirschten Geistes.“2

Und dann fährt der Herr fort und warnt vor Gefahr, sollten wir dem Vater im Himmel und Jesus Christus als Gebenden keine Wertschätzung entgegenbringen: „Und in nichts beleidigt der Mensch Gott, oder gegen niemanden entflammt sein Grimm, ausgenommen diejenigen, die nicht seine Hand in allem anerkennen und nicht seinen Geboten gehorchen.“3

Viele von Ihnen, die jetzt zuhören, genießen bereits den Sabbat als einen Tag, an dem Sie an Gott denken und ihm für seine Segnungen danken. Sie kennen das beliebte Lied:

Wenn du in des Lebens Stürmen bist verzagt,

wenn dein Herz vor Kummer mutlos bangt und klagt,

sieh den großen Segen, den der Herr dir gibt,

und du wirst erkennen, wie er treu dich liebt.

Sieh den Segen,

denke ständig dran,

sieh den Segen,

sieh, was Gott getan! …

Bist du je beladen mit der Sorgen Last,

scheint zu schwer das Kreuz, das du zu tragen hast,

sieh den großen Segen, und der Zweifel flieht,

wenn dein Herz die Liebe deines Gottes sieht.4

Ich bekomme Briefe und Besuche von treuen Heiligen der Letzten Tage, die mit der Last einer ganzen Menge Sorgen beladen sind. Manch einer wird, zumindest was ihn selbst betrifft, ganz mutlos. Ich hoffe und bete, dass das, was ich über Dankbarkeit am Sabbat sage, dazu beiträgt, dass der Zweifel flieht und dass Ihr Herz die Liebe Gottes sieht.

Eine Segnung, für die wir dankbar sein können, besteht darin, dass wir überhaupt an der Abendmahlsversammlung teilnehmen und uns mit mehr als nur ein, zwei Jüngern im Namen des Herrn versammeln können. Manche Menschen sind daheim und können gar nicht ihr Bett verlassen. Manche wären liebend gern da, wo wir sind, doch stattdessen leisten sie Dienst in einem Krankenhaus, sorgen für die öffentliche Sicherheit oder verteidigen uns und setzen dabei irgendwo in einer Wüste oder einem Urwald ihr Leben aufs Spiel. Allein die Tatsache, dass wir in der Lage sind, uns mit auch nur einem einzigen weiteren Heiligen zu versammeln und vom Abendmahl zu nehmen, weckt in uns Dankbarkeit und Liebe für die Güte Gottes.

Dem Propheten Joseph Smith und dem wiederhergestellten Evangelium haben wir eine weitere Segnung zu verdanken, an die wir ständig denken können: Wir haben jede Woche die Gelegenheit, vom Abendmahl zu nehmen, das von bevollmächtigten Dienern Gottes vorbereitet, gesegnet und ausgeteilt wird. Wir können dankbar sein, wenn der Heilige Geist uns bestätigt, dass die Worte der Abendmahlsgebete, die von jenen bevollmächtigten Priestertumsträgern gesprochen werden, von unserem Vater im Himmel angenommen werden.

Von all den Segnungen, die wir sehen können, ist bei weitem die größte das Gefühl von Vergebung, das sich einstellt, wenn wir vom Abendmahl nehmen. Wir empfinden größere Liebe und Wertschätzung für den Erretter, dessen unbegrenztes Opfer es möglich macht, dass wir von Sünde gereinigt werden. Wenn wir vom Brot und Wasser nehmen, denken wir daran, dass er für uns gelitten hat. Und wenn wir dankbar dafür sind, was er für uns getan hat, spüren wir seine Liebe zu uns und unsere Liebe zu ihm.

Dieser Segen, den wir in Form von Liebe empfangen, macht es uns leichter, das Gebot zu halten, „immer an ihn zu denken“5. Sie können – so wie ich – sogar Liebe und Dankbarkeit für den Heiligen Geist empfinden, der laut der Verheißung des Vaters im Himmel immer mit uns ist, sofern wir unseren Bündnissen treu bleiben. Wir können jeden Sonntag alle diese Segnungen sehen und dankbar sein.

Der Sabbat ist auch der ideale Zeitpunkt, an den Bund zu denken, den wir in den Wassern der Taufe eingegangen sind, nämlich die Kinder des Vaters im Himmel zu lieben und ihnen zu dienen. Um dieses Versprechen am Sabbat zu halten, muss man in einer Klasse oder einem Kollegium mit voller Herzensabsicht bei der Sache sein und den Glauben und die Liebe unter unseren mit uns versammelten Brüdern und Schwestern stärken. Zu diesem Versprechen gehört auch, dass wir unsere Berufung freudig erfüllen.

Ich bin dankbar für die vielen Sonntage, an denen ich ein Diakonskollegium in Bountiful in Utah unterrichtet habe oder auch eine Sonntagsschulklasse in Idaho. Ich weiß noch, wie ich Assistent meiner Frau in der Kindergartenklasse war. Meine wichtigste Aufgabe war es, Spielsachen herauszugeben und wieder aufzuheben.

Erst Jahre später erkannte ich durch den Heiligen Geist, dass mein einfacher Dienst für den Herrn etwas im Leben der Kinder des himmlischen Vaters ausgerichtet hat. Zu meiner Überraschung konnten sich einige von ihnen auch Jahre danach noch dankbar an meine unbeholfenen Versuche erinnern, ihnen an jenen Sabbaten im Namen des Herrn zu dienen.

So, wie wir manchmal nicht das Ergebnis unseres eigenen Dienstes sehen können, den wir am Sabbat geleistet haben, können wir vielleicht auch nicht sehen, was die vereinten Anstrengungen anderer Diener des Herrn bewirken. Doch der Herr richtet sein Reich still und ohne viel Aufhebens durch seine treuen und demütigen Diener für seine herrliche Zukunft im Millennium her. Diese zunehmende Größe erkennt man nur mit Hilfe des Heiligen Geistes.

Als Kind besuchte ich die Abendmahlsversammlung in einem winzigen Zweig in New Jersey mit nur ein paar Mitgliedern und nur einer Familie, nämlich meiner. Vor 75 Jahren ließ ich mich in Philadelphia im einzigen von der Kirche errichteten Gemeindehaus taufen, das für uns in Pennsylvania und in New Jersey erreichbar war. Und doch gibt es jetzt dort, wo es damals in Princeton in New Jersey nur einen kleinen Zweig gab, zwei große Gemeinden. Erst vor ein paar Tagen traten tausende junge Leute vor der Weihung des Philadelphia-Pennsylvania-Tempels bei einer Festveranstaltung auf.

Als Jugendlicher wurde ich als Distriktsmissionar berufen. Damals besuchten wir den sonntäglichen Gottesdienst im einzigen Gemeindehaus, das es in Albuquerque in New Mexico gab. Heute gibt es dort einen Tempel und vier Pfähle.

Ich verließ Albuquerque, um in Cambridge in Massachusetts zu studieren. Es gab ein Gemeindehaus und einen Distrikt, der große Teile von Massachusetts und Rhode Island umfasste. Ich fuhr dort durch die schöne hügelige Gegend, um die Versammlungen in winzigen Zweigen zu besuchen. Die meisten trafen sich in gemieteten Räumen oder in umgebauten Wohnhäusern. Jetzt steht ein heiliger Tempel Gottes in Belmont in Massachusetts, und es gibt viele Pfähle in der ganzen Gegend.

Damals konnte ich nicht deutlich erkennen, dass der Herr seinen Geist über die Menschen in diesen spärlich besuchten Abendmahlsversammlungen ausgoss. Ich konnte es spüren, aber ich erkannte nicht das Ausmaß und den Zeitplan des Herrn für seine Absichten, sein Reich aufzubauen und zu verherrlichen. Ein Prophet sah in einer Offenbarung, was wir jetzt selber sehen können, und schrieb es auf. Nephi hat gesagt, dass wir an Zahl nicht sehr groß sein würden, doch dass unser gemeinsames Licht ein beeindruckender Anblick sein würde:

„Und es begab sich: Ich sah die Kirche des Lammes Gottes, und sie war an Zahl nur klein …

Und es begab sich: Ich, Nephi, sah die Macht des Lammes Gottes, dass sie auf die Heiligen der Kirche des Lammes herabkam und auf das Bundesvolk des Herrn, das über das ganze Antlitz der Erde zerstreut war; und sie waren mit Rechtschaffenheit und mit der Macht Gottes in großer Herrlichkeit ausgerüstet.“6

Aus unserer Evangeliumszeit gibt es eine ähnliche prophetische Beschreibung unserer Verhältnisse und künftigen Möglichkeiten. Wir finden dies im Buch Lehre und Bündnisse:

„Ihr habt noch nicht verstanden, welch große Segnungen der Vater in seinen eigenen Händen hält und für euch bereitet hat;

und ihr könnt jetzt noch nicht alles ertragen; doch seid guten Mutes, denn ich werde euch weiter führen. Das Reich ist euer, und seine Segnungen sind euer, und die Reichtümer der Ewigkeit sind euer.

Und wer alles mit Dankbarkeit empfängt, der wird herrlich gemacht werden; und die Dinge dieser Erde werden ihm hinzugefügt werden, selbst hundertfältig, ja, mehr.“7

Ich habe die Wandlung erlebt, wie überall in der Kirche die Dankbarkeit für Segnungen und die Liebe zu Gott zugenommen haben. Besonders schnell nimmt beides anscheinend genau dann und genau dort zu, wo der Glaube der Mitglieder geprüft wird, wo sie Gott sogar dabei um Hilfe anflehen, mit ihrem Leben weitermachen zu können.

Die Zeiten, die vor uns liegen, bringen schwere Prüfungen mit sich, so wie es auch beim Volk Almas zu Zeiten des grausamen Amulon war. Er legte ihnen schwere Lasten auf, die sie nicht tragen konnten:

„Und es begab sich: Die Stimme des Herrn erging an sie in ihren Bedrängnissen, nämlich: Erhebt das Haupt und seid voller Trost, denn ich weiß von dem Bund, den ihr mir gemacht habt; und ich werde mit meinem Volk einen Bund machen und es aus der Knechtschaft befreien.

Und ich werde auch die Lasten, die euch auf die Schultern gelegt sind, leicht machen, sodass ihr sie nicht mehr auf eurem Rücken spüren könnt, selbst nicht während ihr in Knechtschaft seid; und das werde ich tun, damit ihr später als Zeugen für mich auftretet und damit ihr mit Gewissheit wisst, dass ich, der Herr, Gott, mich meines Volkes in seinen Bedrängnissen annehme.

Und nun begab es sich: Die Lasten, die Alma und seinen Brüdern aufgelegt waren, wurden leicht gemacht; ja, der Herr stärkte sie, sodass sie ihre Lasten mühelos tragen konnten, und sie unterwarfen sich frohgemut und mit Geduld in allem dem Willen des Herrn.“8

Wir alle können bezeugen: Immer, wenn wir unsere Bündnisse mit Gott gehalten haben, vor allem, wenn es uns schwerfiel, hat der Herr unsere Dankgebete für alles, was er schon für uns getan hat, vernommen und unser Bitten um die Kraft, treu ausharren zu können, erhört. Mehr als einmal hat er uns aufgemuntert und auch gestärkt.

Sie fragen sich jetzt vielleicht, was Sie tun können, um am heutigen Sabbat so zu leben und Gott so zu verehren, dass Sie Ihre Dankbarkeit zeigen und sich selbst und andere für zukünftige Prüfungen stärken.

Sie könnten heute allein und als Familie mit einem Dankgebet für alles anfangen, was Gott für Sie getan hat. Sie könnten den Herrn im Gebet fragen, was Sie tun sollen, um ihm und anderen zu dienen. Sie könnten ganz konkret darum bitten, der Heilige Geist möge Ihnen sagen, zu wem der Herr Sie schicken möchte, weil der Betreffende einsam ist oder Hilfe braucht.

Ich kann Ihnen verheißen: Ihre Gebete werden erhört werden, und wenn Sie entsprechend der Antworten handeln, die Sie empfangen, werden Sie Freude am Sabbat finden und das Herz wird Ihnen vor Dankbarkeit übergehen.

Ich bezeuge, dass Gottvater Sie kennt und Sie liebt. Der Erretter, der Herr Jesus Christus, hat für Ihre Sünden gesühnt, weil er Sie liebt. Beide, der Vater und der Sohn, kennen Ihren Namen, so wie sie auch den Namen des Propheten Joseph Smith kannten, als sie ihm erschienen. Ich bezeuge, dass dies die Kirche Jesu Christi ist und dass er die Bündnisse ehren wird, die Sie mit Gott schließen und erneuern. Ihr ganzes Wesen wird sich so wandeln, dass Sie dem Erretter ähnlicher werden. Sie werden gegen Versuchung und Zweifel an der Wahrheit gefestigt. Sie werden Freude am Sabbat finden. Dies verheiße ich Ihnen im Namen des Herrn Jesus Christus. Amen.

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden