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Herbst 2016 | O wie groß der Plan unseres Gottes!

O wie groß der Plan unseres Gottes!

Herbst 2016 Generalkonferenz

Wir sind umgeben von solch einer erstaunlichen Fülle an Licht und Wahrheit, dass ich mich frage, ob wir wirklich zu schätzen wissen, was wir haben.

Wie glücklich wir uns doch schätzen können, uns wieder unter der Leitung und Führung unseres lieben Propheten und Präsidenten, Thomas S. Monson, zu dieser weltweiten Konferenz zu versammeln. Präsident, wir haben Sie lieb und wir unterstützen Sie von ganzem Herzen!

Während meiner Laufbahn als Pilot baute ich sehr auf die Präzision und Zuverlässigkeit von Computersystemen. Meinen eigenen PC nutzte ich jedoch nicht so oft. Bei meinen Büroaufgaben als leitender Angestellter hatte ich Assistenten und Sekretärinnen, die mir freundlich zur Seite standen.

Doch all das änderte sich 1994 mit meiner Berufung als Generalautorität. Meine Berufung umfasste viele wunderbare Gelegenheiten, geistlich zu dienen, allerdings auch eine Menge kirchlicher Büroarbeit – mehr, als ich es jemals für möglich gehalten hätte.

Zu meinem Schrecken war das wichtigste Hilfsmittel, um mit der Arbeit hinterherkommen zu können, ein PC.

Zum ersten Mal in meinem Leben war ich gezwungen, in diese fremde, rätselhafte und unbegreifliche Welt einzutauchen.

Von Anfang an hatten der Computer und ich kein sonderlich gutes Verhältnis zueinander.

Technisch versierte Leute mühten sich, mir den Computer nahezubringen. Sie standen buchstäblich hinter mir, griffen mir über die Schulter und ließen ihre Finger in Windeseile rhythmisch gegen die Tasten hämmern.

„Sehen Sie“, hieß es dann immer stolz. „So macht man das.“

Doch ich sah gar nichts. Es war ein holpriger Übergang.

Meine Lernkurve entsprach wohl eher einer Mauer.

Es erforderte enorm viel Zeit, Wiederholung und Geduld, nicht wenig Hoffnung und Glaube, eine Menge gutes Zureden von meiner Frau und viele Liter einer Diät-Limo, deren Namen ich nicht nennen möchte.

Heute – 22 Jahre später – bin ich von Computertechnik umgeben. Ich habe eine E-Mail-Adresse, ein Twitter-Konto und eine Facebook-Seite. Ich besitze ein Smartphone, ein Tablet, einen Laptop und eine Digitalkamera. Mein technisches Können reicht zwar nicht ganz an das eines typischen Siebenjährigen heran, aber für jemanden über 70 ist es gar nicht schlecht.

Jedoch ist mir etwas Interessantes aufgefallen. Je geschickter ich im Umgang mit der Technik werde, desto mehr halte ich sie für selbstverständlich.

Für den Großteil der Menschheitsgeschichte war die Kommunikation nur so schnell wie ein Pferd. Wenn man eine Nachricht verschickte, konnte es Tage oder gar Monate dauern, bis man eine Antwort erhielt. Heute legen unsere Nachrichten tausende Kilometer in den Himmel oder tausende Meter unter dem Meer zurück, bis sie zu jemandem auf der anderen Seite der Welt gelangen. Und gibt es auch nur eine Verzögerung von wenigen Sekunden, ärgert uns das und wir verlieren die Geduld.

Es scheint in der menschlichen Natur zu liegen: Sobald wir mit etwas vertraut sind – auch wenn es einem Wunder gleichkommt oder ehrfurchtgebietend ist –, verlieren wir die Hochachtung davor und betrachten es als gewöhnlich.

Halten wir geistige Wahrheiten für selbstverständlich?

Dass wir die Technik und die Annehmlichkeiten der heutigen Zeit für selbstverständlich halten, mag nicht weiter tragisch sein. Doch leider nehmen wir manchmal eine ähnliche Haltung zur ewigen, die Seele erweiternde Lehre des Evangeliums Jesu Christi ein. In der Kirche Jesu Christi ist uns viel gegeben. Wir sind umgeben von solch einer erstaunlichen Fülle an Licht und Wahrheit, dass ich mich frage, ob wir wirklich zu schätzen wissen, was wir haben.

Denken wir nur an jene ersten Jünger, die den Erretter während seines irdischen Wirkens begleitet und mit ihm gesprochen haben. Stellen wir uns vor, welch Dankbarkeit und Ehrfurcht ihnen ins Herz geströmt sein und ihren Verstand gefüllt haben müssen, als sie sahen, dass er sich aus dem Grab erhoben hatte, als sie die Wunden in seinen Händen fühlten. Ihr Leben sollte nie mehr so sein wie früher!

Denken wir doch an die ersten Heiligen in dieser Evangeliumszeit, die den Propheten Joseph Smith kannten und hörten, wie er das wiederhergestellte Evangelium verkündete. Stellen wir uns vor, was sie empfunden haben müssen, weil sie wussten, dass der Schleier zwischen Himmel und Erde wieder gelüftet worden war und Licht und Erkenntnis von oben aus unserer celestialen Heimat auf die Welt herabkamen.

Vor allem aber denken wir daran, wie wir empfunden haben, als wir das erste Mal glaubten und begriffen, dass wir wahrhaftig ein Kind Gottes sind, dass Jesus Christus bereitwillig für unsere Sünden gelitten hat, damit wir wieder rein werden können, dass es die Macht des Priestertums wirklich gibt und uns für Zeit und alle Ewigkeit an unsere Lieben binden kann, dass es heute einen lebenden Propheten auf der Erde gibt. Ist das nicht herrlich und erstaunlich?

Wenn man sich all dies vor Augen hält, wie kann es da möglich sein, dass ausgerechnet wir keine Lust haben, am Sonntag den Gottesdienst zu besuchen? Oder es leid sind, die heiligen Schriften zu lesen? Ich nehme an, das ist nur möglich, wenn wir im Herzen kein Gefühl mehr haben und daher für die heiligen und unvergleichlichen Gaben, die Gott uns gewährt hat, keine Dankbarkeit und keine Ehrfurcht empfinden. Lebensverändernde Wahrheiten sind uns beständig vor Augen und nur einen Tastenschlag entfernt, doch manchmal sind wir auf dem Weg eines Jüngers wie ein Schlafwandler unterwegs. Zu oft lassen wir uns von den Unvollkommenheiten der anderen Mitglieder ablenken, statt dem Beispiel des Herrn zu folgen. Der Weg, den wir beschreiten, ist mit Diamanten übersät, aber wir vermögen sie kaum von gewöhnlichen Kieselsteinen zu unterscheiden.

Eine vertraute Botschaft

Als ich noch jung war, fragten mich meine Freunde über die Kirche aus. Oftmals begann ich bei den Unterschieden, etwa dem Wort der Weisheit. Andere Male hob ich die Gemeinsamkeiten mit anderen christlichen Gemeinschaften hervor. Nichts davon beeindruckte sie sonderlich. Doch sobald ich über den großen Plan des Glücklichseins, den der Vater im Himmel für uns als seine Kinder hat, sprach, hatte ich ihre volle Aufmerksamkeit.

Ich weiß noch, wie ich in einem Klassenraum unseres Gemeindehauses in Frankfurt am Main den Erlösungsplan an der Tafel aufzeichnete. Ich malte Kreise, die für das vorirdische Leben, das Erdenleben und die Rückkehr zu unseren himmlischen Eltern nach diesem Leben standen.

Als Jugendlicher habe ich diese begeisternde Botschaft sehr gern weitergegeben. Wenn ich diese Grundsätze in meinen eigenen schlichten Worten erläuterte, ging mir vor Dankbarkeit für einen Gott, der seine Kinder liebt, und einen Erretter, der uns alle von Tod und Hölle erlöst hat, das Herz über. Ich war sehr stolz auf diese Botschaft von Liebe, Freude und Hoffnung.

Einige meiner Freunde sagten, dass ihnen diese Botschaft bekannt vorkam, auch wenn derlei in ihrer religiösen Erziehung nie erwähnt worden war. Es war so, als hätten sie schon immer gewusst, dass dies alles wahr ist, und als ob ich einfach nur Licht auf etwas warf, was bei ihnen schon immer im Herzen tief verwurzelt war.

Wir haben Antworten!

Ich glaube, dass jeder Mensch in irgendeiner Form grundlegende Fragen über das Leben an sich im Herzen trägt. Woher komme ich? Warum bin ich hier? Was geschieht mit mir nach dem Tod?

Derartige Fragen sind vom Menschen seit Anbeginn der Zeit aufgeworfen worden. Philosophen, Gelehrte und Koryphäen haben für die Suche nach den Antworten ihr Leben und ihr ganzes Vermögen gegeben.

Ich bin dankbar, dass das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi Antworten auf die vielschichtigsten Fragen des Lebens liefert. Diese Antworten werden in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage aufgezeigt. Sie sind wahr, klar, unumwunden und leicht zu verstehen. Sie sind inspiriert und wir bringen sie schon den Dreijährigen in der Sonnenstrahlenklasse nahe.

Brüder und Schwestern, wir sind ewige Wesen ohne Anfang und ohne Ende. Uns hat es schon immer gegeben.1 Wir sind buchstäblich Geistkinder göttlicher, unsterblicher, allmächtiger Eltern im Himmel!

Wir entstammen der himmlischen Familie des Herrn, unseres Gottes. Wir sind vom königlichen Hause Elohims, des allerhöchsten Gottes. In unserem vorirdischen Leben sind wir mit ihm gewandelt. Wir haben ihn sprechen gehört, seine Erhabenheit erblickt, seine Wege erkannt.

Wir alle haben an einer großen Ratsversammlung teilgenommen, in der unser geliebter Vater seinen Plan für uns vorgelegt hat – dass wir auf die Erde kommen, einen sterblichen Körper erhalten, Gut von Böse unterscheiden lernen und in einer Weise Fortschritt machen sollten, die anders nicht möglich wäre.

Als wir durch den Schleier ins Erdenleben traten, wussten wir, dass wir uns nicht mehr an das Leben zuvor erinnern würden. Es würde Widerstand, Ungemach und Versuchung geben. Wir wussten jedoch auch, dass es für uns von höchster Wichtigkeit war, einen physischen Körper zu erlangen. Oh wie sehr wir doch hofften, dass wir rasch lernen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, den Versuchungen des Satans zu widerstehen und letztlich zu unseren lieben Eltern im Himmel zurückzukehren.

Wir wussten, dass wir sündigen und Fehler begehen würden – vielleicht sogar schwerwiegende. Aber wir wussten auch, dass unser Erretter, Jesus Christus, gelobt hatte, auf die Erde zu kommen, ein Leben ohne Sünde zu führen und als ewiggültiges Opfer freiwillig sein Leben niederzulegen. Wir wussten, dass wir reingewaschen werden und wieder in die Gegenwart unseres geliebten Vaters im Himmel zurückkehren können, wenn wir dem Erretter das Herz weihen, ihm vertrauen und uns mit der ganzen Kraft unserer Seele bemühen, den Weg eines Jüngers zu beschreiten.

Voll Glauben an das Opfer Jesu Christi haben wir also alle aus freiem Willen den Plan des Vaters im Himmel angenommen.

Deswegen sind wir hier auf diesem schönen Planeten Erde – weil Gott uns die Gelegenheit geboten hat und weil wir beschlossen haben, sie zu nutzen. Unser Erdenleben ist allerdings zeitlich begrenzt und endet mit dem Tod des physischen Körpers. Doch das, was uns ausmacht, wird nicht vergehen. Unser Geist wird weiterleben und die Auferstehung erwarten – ein nicht an Bedingungen geknüpftes Geschenk des liebevollen Vaters im Himmel und seines Sohnes Jesus Christus an alle Menschen.2 Bei der Auferstehung werden Geist und Körper wiedervereint, frei von Schmerz und körperlichen Unvollkommenheiten.

Nach der Auferstehung wird es einen Tag des Gerichts geben. Letztlich wird jeder Mensch errettet und ererbt ein Reich der Herrlichkeit, wer jedoch auf Gott vertraut und bestrebt ist, seine Gesetze und Verordnungen zu befolgen, ererbt in der Ewigkeit ein Leben von unvorstellbarer Herrlichkeit und überwältigender Erhabenheit.

Dieser Tag des Gerichts wird von Barmherzigkeit und Liebe geprägt sein, an ihm werden gebrochene Herzen geheilt, treten Tränen der Dankbarkeit an die Stelle von Tränen der Trauer und alles wird wiedergutgemacht.3

Ja, es wird tiefe Trauer aufgrund von Sünde geben. Ja, es wird Reue und sogar Qual geben für unsere Fehler, unsere Torheit und unsere Sturheit, aufgrund derer wir Gelegenheiten versäumt haben, die uns eine noch viel herrlichere Zukunft ermöglicht hätten.

Ich bin jedoch zuversichtlich, dass wir mit dem Richterspruch Gottes nicht nur zufrieden sein werden; seine grenzenlose Gnade, Barmherzigkeit, Großzügigkeit und Liebe gegenüber uns, seinen Kindern, werden uns auch staunen lassen und überwältigen. Sofern unsere Wünsche und Werke gut sind, sofern wir Glauben an einen lebendigen Gott haben, können wir uns auf das freuen, was Moroni das angenehme Gericht des großen Jehova, des ewigen Richters,4 nennt.

Pro Tanto Quid Retribuamus

Meine lieben Brüder und Schwestern, meine lieben Freunde, füllen sich uns Herz und Verstand nicht mit Staunen und Ehrfurcht, wenn wir über den großen Plan des Glücklichseins nachdenken, den der Vater im Himmel für uns bereitet hat? Sind wir nicht von unaussprechlicher Freude erfüllt, weil wir von der herrlichen Zukunft wissen, die auf alle wartet, die auf den Herrn hoffen?

Falls Sie ein solches Staunen und eine solche Freude noch nie empfunden haben, lege ich Ihnen ans Herz, die einfachen, aber tiefen Wahrheiten des wiederhergestellten Evangeliums zu suchen, zu studieren und zu durchdenken. „Lass[en Sie] das Feierliche der Ewigkeit in [Ihrem] Sinn verweilen.“5 Möge es Ihnen Zeugnis von Gottes Erlösungsplan geben.

Falls Sie all dies schon einmal empfunden haben, frage ich Sie heute: Können Sie es auch jetzt im Herzen spüren?6

Vor kurzem konnte ich nach Belfast reisen. Dort fiel mir das Stadtwappen auf, in dem der Spruch prangt: „Pro tanto quid retribuamus“, also: „Was sollen wir zurückgeben, wo wir doch so viel bekommen haben?“7

Denken wir alle einmal über diese Frage nach. Was geben wir zurück, wo Gott doch eine wahre Flut an Licht und Wahrheit über uns ausgegossen hat?

Unser geliebter Vater bittet schlicht darum, dass wir nach der Wahrheit leben, die wir empfangen haben, und dass wir dem Pfad folgen, den er abgesteckt hat. Fassen wir daher also Mut und vertrauen wir auf die Führung durch den Geist. Geben wir in Wort und Tat die erstaunliche und ehrfurchtgebietende Botschaft von Gottes Plan des Glücklichseins an unsere Mitmenschen weiter. Tun wir dies aus Liebe zu Gott und zu seinen Kindern, denn diese sind unsere Brüder und Schwestern. Das ist das Erste, was wir zurückgeben können, wo wir doch so viel bekommen haben.

Eines Tages wird „jedes Knie [sich beugen] und jede Zunge bekennen“8, dass Gottes Wege gerecht sind und sein Plan vollkommen ist. Möge für einen jeden von uns dieser Tag heute sein. Mögen wir wie Jakob vor alters ausrufen: „O wie groß der Plan unseres Gottes!“9

Das bezeuge ich in tiefer Dankbarkeit dem Vater im Himmel gegenüber, und ich segne Sie im Namen Jesu Christi. Amen.

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