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Herbst 2016 | Die Segnungen der Gottesverehrung

Die Segnungen der Gottesverehrung

Herbst 2016 Generalkonferenz

Die Gottesverehrung ist grundlegend und unerlässlich für unser geistiges Leben. Sie ist eine Erfahrung, nach der wir uns sehnen und die wir bewusst suchen sollen.

Sein Erscheinen

Eines der bemerkenswertesten und schönsten Ereignisse, die in den heiligen Schriften aufgezeichnet sind, ist das Erscheinen des Erretters bei einem Volk auf dem amerikanischen Kontinent nach seinem Tod und seiner Auferstehung. Das Volk hatte gerade eine Verwüstung erlebt, die so gewaltig war, dass die „[ganze] Erde … verunstaltet“1 war. In dem Bericht über diese Ereignisse lesen wir, dass das ganze Volk nach dieser Katastrophe ohne Unterlass weinte,2 und in ihrem tiefen Kummer hungerten die Menschen nach Heilung, Frieden und Befreiung.

Als der Erretter vom Himmel herabstieg, fiel ihm das Volk zweimal zu Füßen. Das erste Mal taten die Menschen es, nachdem er mit göttlicher Vollmacht verkündet hatte:

„Siehe, ich bin Jesus Christus, von dem die Propheten bezeugt haben, er werde in die Welt kommen.

Und siehe, ich bin das Licht und das Leben der Welt.“3

Dann forderte er die Anwesenden auf: „Erhebt euch, und kommt her zu mir, dass ihr eure Hände in meine Seite legen und auch, dass ihr die Nägelmale in meinen Händen und in meinen Füßen fühlen könnt, damit ihr wisst, dass ich der Gott Israels und der Gott der ganzen Erde bin und für die Sünden der Welt getötet worden bin. …

Und als sie alle hingegangen waren und sich selbst überzeugt hatten, riefen sie einmütig aus, nämlich:

Hosanna! Gesegnet sei der Name des Allerhöchsten Gottes!“4

Und zum zweiten Mal „fielen [sie] nieder zu Jesu Füßen“. Doch dieses Mal taten sie es mit einer bestimmten Absicht, denn wir erfahren, dass sie ihn anbeteten.5

Die heutige Zeit

Vor ein paar Monaten besuchte ich im Rahmen eines Auftrags einen Pfahl im Westen der Vereinigten Staaten. Es war ein normaler Sonntag, eine normale Versammlung mit normalen Mitgliedern der Kirche. Ich beobachtete die Menschen, die die Kapelle betraten und sich andächtig auf einen freien Platz setzten. Gedämpfte Unterhaltungen klangen noch bis zum Beginn der Versammlung durch den Saal. Mütter und Väter versuchten, zum Teil vergebens, ihre lebhaften Kinder zu beruhigen. Ganz normal.

Doch dann, gerade bevor die Versammlung begann, kamen mir vom Heiligen Geist inspirierte Worte in den Sinn.

Diese Mitglieder waren nicht erschienen, um einfach eine Pflicht zu erfüllen oder den Sprechern zuzuhören.

Sie hatten einen viel tieferen und weitaus wichtigeren Beweggrund.

Sie waren gekommen, um Gott zu verehren.

Im Laufe der Versammlung beobachtete ich verschiedene Mitglieder in der Menge. Sie hatten einen beinahe himmlischen Gesichtsausdruck, eine andächtige und friedevolle Haltung. Etwas an ihnen wärmte mir das Herz. Das, was sie an diesem Sonntag erlebten, war etwas ganz Außergewöhnliches.

Sie verehrten Gott.

Sie erlebten den Himmel.

Ich konnte es in ihren Gesichtern sehen.

Es erfüllte mich mit Freude, und ich betete mit ihnen gemeinsam Gott an. Der Heilige Geist drang mir ins Herz und sprach zu mir. An diesem Tag lernte ich etwas über mich selbst, über Gott und darüber, welche Rolle die wahre Gottesverehrung in unserem Leben spielt.

Die Gottesverehrung im täglichen Leben

Die Mitglieder der Kirche sind herausragend, wenn es um Berufungen in der Kirche geht. Doch manchmal verrichten wir diesen Dienst routinemäßig, als müssten wir lediglich etwas abarbeiten. Bei unserem Versammlungsbesuch und unserem Dienst im Reich Gottes fehlt mitunter ein heiligendes Element, nämlich die Gottesverehrung. Ohne dieses Element lassen wir uns eine unvergleichliche geistige Begegnung mit dem Unendlichen entgehen, die uns als Kindern eines liebevollen Vaters im Himmel zusteht.

Die Gottesverehrung ist alles andere als ein unerwartetes, erfreuliches Nebenprodukt. Sie ist grundlegend und unerlässlich für unser geistiges Leben. Sie ist eine Erfahrung, nach der wir uns sehnen und die wir bewusst suchen sollen.

Was ist Gottesverehrung?

Gott zu verehren bedeutet, uns ihm mit ehrfürchtiger Liebe und Demut zu nahen. Wir erkennen ihn als unseren König, den Schöpfer des Universums und unseren geliebten, unendlich liebevollen Vater an.

Wir achten und ehren ihn.

Wir fügen uns ihm.

Wir rufen ihn in mächtigem Gebet an, schätzen sein Wort, freuen uns an seiner Gnade und verpflichten uns, ihm in beständiger Treue zu folgen.

Die Gottesverehrung ist ein derart wichtiger Bestandteil des Lebens eines Jüngers Jesu Christi, dass wir den Herrn in unseren Räten, Kirchen und Tempeln vergebens suchen werden, wenn wir ihn nicht in unserem Herzen empfangen.

Einen wahren Jünger verlangt es danach, „ihn [anzubeten], der Himmel und Erde gemacht hat und das Meer und die Wasserquellen – und … den Namen des Herrn [anzurufen] bei Tag und bei Nacht“6.

Wir können viel über wahre Gottesverehrung lernen, wenn wir untersuchen, wie andere – Menschen, die sich vielleicht gar nicht so sehr von uns unterscheiden – sich in der Gegenwart des Göttlichen verhalten und Gott verehrt haben.

Erstaunen, Dankbarkeit und Hoffnung

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte die christliche Welt den Gedanken, dass Gott noch immer zu den Menschen spricht, so gut wie aufgegeben. Doch im Frühjahr des Jahres 1820 änderte sich dies für immer, als ein einfacher Bauernjunge in einem Wäldchen auf die Knie ging und betete. Auf diesen Tag folgte eine Fülle von erstaunlichen Visionen, Offenbarungen und himmlischen Erscheinungen, die die Bewohner der Erde mit kostbarer Erkenntnis über das Wesen und die Absichten Gottes und seine Beziehung zu den Menschen ausgestattet haben.

Oliver Cowdery schrieb über diese Zeit: „Das waren unvergessliche Tage. … Welche Freude! Welches Erstaunen! Welche Verwunderung!“7

Oliver Cowderys Worte bringen die ersten Elemente zum Ausdruck, die mit wahrer Gottesverehrung einhergehen: große Ehrfurcht und tiefe Dankbarkeit.

Wir haben jeden Tag, vor allem jedoch am Sabbat, die unvergleichliche Gelegenheit, das Erstaunen und die Ehrfurcht zu erleben, die der Himmel hervorruft, und Gott für seine große Güte und überwältigende Barmherzigkeit zu preisen.

Das führt uns zu Hoffnung. Dies sind die ersten Elemente der Gottesverehrung.

Licht, Erkenntnis und Glaube

Am gesegneten Pfingsttag drang der Heilige Geist den Jüngern Christi in Herz und Sinn und erfüllte sie mit Licht und Erkenntnis.

Bis zu diesem Tag waren sie sich manchmal nicht so ganz sicher, was sie jetzt machen sollten. Jerusalem war für einen Anhänger des Erretters zu einem gefährlichen Ort geworden, und sie müssen sich gefragt haben, was aus ihnen werden soll.

Doch als ihr Herz vom Heiligen Geist erfüllt wurde, schwanden ihre Zweifel und ihre Zurückhaltung. Durch diese überirdische Erfahrung wahrer Gottesverehrung empfingen die Heiligen Gottes himmlisches Licht, Erkenntnis und ein stärkeres Zeugnis. Und das führte zu Glauben.

Von diesem Augenblick an gingen die Apostel und Heiligen entschlossen ihren Weg. Mutig verkündeten sie aller Welt Jesus Christus.

Wenn wir im Geiste anbeten, öffnen wir unsere Seele dem Licht und der Wahrheit, wodurch unser Glaube gestärkt wird. Auch dies sind notwendige Elemente wahrer Gottesverehrung.

Nachfolge und Nächstenliebe

Im Buch Mormon erfahren wir, dass Alma der Jüngere von dem Augenblick an, als er von den Konsequenzen seiner Aufsässigkeit erlöst wurde, nicht mehr der Gleiche war. Mutig „[zog er] durch das ganze Land … und unter alles Volk … und [bemühte] sich eifrig, all das Unrecht gutzumachen, das [er] der Kirche angetan [hatte]“8.

Seine beständige Verehrung des allmächtigen Gottes machte ihn zu einem tatkräftigen Jünger.

Durch wahre Gottesverehrung werden wir zu aufrichtigen, ernsthaften Jüngern unseres geliebten Meisters und Erretters Jesus Christus. Wir ändern uns und werden ihm ähnlicher.

Wir werden verständnisvoller und fürsorglicher. Wir vergeben schneller und werden liebevoller.

Wir verstehen, dass es unmöglich ist zu sagen, dass wir Gott lieben, während wir gleichzeitig unsere Mitmenschen hassen, ablehnen oder einfach nicht beachten.9

Wahre Gottesverehrung führt zur festen Entschlossenheit, den Weg eines Jüngers zu gehen. Und dieser führt unweigerlich zu Nächstenliebe. Auch dies sind notwendige Elemente wahrer Gottesverehrung.

Wir treten mit Dank durch die Tore des Herrn ein

Wenn ich an den Sonntag zurückdenke, der wie ein völlig normaler Sonntagmorgen begann, in einem normalen Gemeindehaus in einem normalen Pfahl, bewegt mich auch heute noch dieses außergewöhnliche geistige Erlebnis, das mein Leben für immer bereichern wird.

Denn mir ist bewusst geworden: Selbst wenn wir unsere Zeit, unsere Berufungen und Aufgaben außergewöhnlich gut im Griff haben – selbst wenn wir auf unserer Liste für den „vollkommenen“ Menschen oder Führungsbeamten oder die „vollkommene“ Familie alles abhaken –, dabei aber versäumen, unseren barmherzigen Befreier, unseren himmlischen König und wunderbaren Gott zu verehren, lassen wir uns einen Großteil der Freude und des Friedens des Evangeliums entgehen.

Wenn wir Gott verehren, erkennen wir ihn an und empfangen ihn mit der gleichen Ehrfurcht wie die Menschen damals auf dem amerikanischen Kontinent. Wir nahen uns ihm mit ehrfürchtigem Erstaunen. Voll Dankbarkeit staunen wir über die Güte Gottes. Und so erlangen wir Hoffnung.

Wir sinnen über das Wort Gottes nach, wodurch unsere Seele mit Licht und Wahrheit erfüllt wird. Wir entdecken geistige Perspektiven, die nur durch das Licht des Heiligen Geistes sichtbar werden.10 Und so erlangen wir Glauben.

Wenn wir Gott verehren, wird unsere Seele geläutert und wir verpflichten uns, unserem geliebten Erretter Jesus Christus nachzufolgen. Und durch diesen Entschluss erlangen wir Nächstenliebe.

Wenn wir Gott verehren, ist unser Herz zu ihm hingezogen, und wir preisen unseren seligen Gott morgens, mittags und abends.

Wir rühmen und ehren ihn ohne Unterlass – im Gemeindehaus, zu Hause, im Tempel und bei all unserem Tun.

Wenn wir Gott verehren, öffnen wir unser Herz der heilenden Macht des Sühnopfers Jesu Christi.

Unser Leben wird zum Ausdruck und Beweis unserer Gottesverehrung.

Meine Brüder und Schwestern, geistige Erlebnisse haben wenig mit dem zu tun, was um uns herum geschieht, vielmehr geht es darum, was in unserem Herzen vor sich geht. Ich bezeuge, dass wahre Gottesverehrung eine gewöhnliche Versammlung der Kirche zu einem außergewöhnlichen geistigen Festmahl macht. Sie bereichert unser Leben, erweitert unser Verständnis und stärkt unser Zeugnis. Denn wenn wir unser Herz Gott zuwenden, treten wir, wie es der Psalmist gesagt hat, „mit Dank durch seine Tore ein! [Wir kommen] mit Lobgesang in die Vorhöfe seines Tempels! [Wir danken] ihm [und preisen] seinen Namen!

Denn der Herr ist gütig, ewig währt seine Huld, von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.“11

Durch aufrichtige, von Herzen kommende Gottesverehrung blühen wir auf und werden in unserer Hoffnung, unserem Glauben und unserer Nächstenliebe reifer. Und dadurch sammeln wir himmlisches Licht in der Seele, das unserem Leben einen göttlichen Zweck, bleibenden Frieden und immerwährende Freude verleiht.

Das ist der Segen, den wir durch Gottesverehrung erlangen. Das bezeuge ich demütig im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.

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