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Herbst 2016 | Der große Plan der Erlösung

Der große Plan der Erlösung

Herbst 2016 Generalkonferenz

Ich weiß: Wenn wir aufrichtig von unseren Sünden umkehren, verschwinden sie wahrhaftig, und zwar spurlos!

Ein paar Monate bevor Präsident Boyd K. Packer starb, hatten einige Generalautoritäten und Führungsbeamtinnen der Hilfsorganisationen die kostbare Gelegenheit, ihm noch einmal lauschen zu dürfen. Seitdem gehen mir seine Worte nicht mehr aus dem Kopf. Er erzählte uns, dass er eingehend über sein ganzes Leben nachgedacht und nach Anzeichen von Sünden gesucht habe, die er begangen hatte und von denen er aufrichtig umgekehrt war. Doch er hatte keine Spur von ihnen finden können. Dank des Sühnopfers unseres geliebten Erretters Jesus Christus und durch aufrichtige Umkehr waren seine Sünden vollständig verschwunden, als wären sie nie geschehen. Präsident Packer gab uns Führungsbeamten dann den Auftrag, Zeugnis dafür abzulegen, dass dies für einen jeden gilt, der aufrichtig umkehrt.

Ich weiß von einem Mann, der vor vielen Jahren sittliche Übertretungen begangen hatte. Eine Zeit lang war der Mann zu beschämt und zu bekümmert, als dass er seiner Frau und seinen Priestertumsführern davon erzählen mochte. Er wollte ja vollständig umkehren, brachte so aber eigentlich zum Ausdruck, dass er lieber auf seine eigene Errettung verzichten wollte, als seine Frau und seine Kinder dem Leid, der Scham oder anderen Folgen auszusetzen, die sein Geständnis auslösen könnte.

Wenn wir gesündigt haben, will der Satan uns oft davon überzeugen, wir seien doch bloß selbstlos, wenn wir andere vor dem quälenden Wissen um unsere Sünden bewahren. Deshalb bräuchten wir auch dem Bischof nichts bekennen, der als allgemeiner Richter in Israel seine Priestertumsschlüssel zu unserem Segen ausüben kann. In Wahrheit ist es jedoch selbstlos und christlich, Sünde zu bekennen und davon umzukehren. Das ist der große Plan der Erlösung unseres Vaters im Himmel.

Dieser liebe Mann bekannte schließlich alles seiner treuen Frau und seinen Führungsbeamten und brachte tiefe Reue zum Ausdruck. Es war zwar das Schwierigste, was er je getan hatte, aber Erleichterung, Frieden, Dankbarkeit, Liebe für den Erretter und die Erkenntnis, dass der Herr seine schwere Last leichter machte und ihn trug, brachten ihm unsagbare Freude, und zwar ungeachtet der weiteren Auswirkungen und seiner Zukunft.

Der Erretter tröstet

Er war davon überzeugt gewesen, dass seine Frau und seine Kinder am Boden zerstört sein würden, und so war es. Er wusste, er müsse sich Disziplinarmaßnahmen unterziehen und aus seiner Berufung entlassen werden, und so war es. Er war sich sicher, dass seine Frau untröstlich, verletzt und aufgebracht sein würde, und so war es. Auch hatte er damit gerechnet, sie werde ihn verlassen und die Kinder mitnehmen – doch das tat sie nicht.

Mitunter führen schwere Übertretungen zu Scheidung, und unter Umständen mag das auch erforderlich sein. Aber zur Verwunderung dieses Mannes akzeptierte seine Frau ihn, wie er war. Sie setzte alles daran, ihm auf jede ihr mögliche Weise zu helfen, und mit der Zeit konnte sie ihm vollständig vergeben. Sie hatte selbst die heilende Macht des Sühnopfers Jesu erfahren. Heute, Jahre später, sind dieses Ehepaar und seine drei Kinder starke, treue Mitglieder. Der Mann dient mit seiner Frau im Tempel und sie führen eine sehr gute und liebevolle Ehe. Es ist klar zu erkennen, wie fest das Zeugnis dieses Bruders und wie tief seine Liebe und Dankbarkeit für den Erretter sind.

Amulek bezeugte: „Ich möchte, dass ihr vortretet und euer Herz nicht länger verhärtet[;] wenn ihr umkehrt[,] wird der große Plan der Erlösung sogleich für euch zuwege gebracht werden.“1

Als mein Mann Missionspräsident war, fuhren wir eines Morgens zum Flughafen, um eine große Gruppe Missionare abzuholen. In der Gruppe fiel uns ein junger Mann auf. Er wirkte traurig, belastet, fast verstört. Aufmerksam beobachteten wir ihn am Nachmittag. Abends legte dieser junge Mann ein verspätetes Bekenntnis ab, und seine Führungsbeamten entschieden, dass er nach Hause gehen musste. Obwohl wir sehr betrübt waren, dass er unehrlich gewesen und nicht vor seiner Mission umgekehrt war, lobten wir ihn auf dem Weg zum Flughafen aufrichtig und liebevoll für seinen Mut, reinen Tisch zu machen. Wir versprachen auch, in engem Kontakt mit ihm zu bleiben.

Zum Glück hatte dieser großartige junge Mann wunderbare Eltern und hervorragende Priestertumsführer, und die Mitglieder seiner Gemeinde unterstützten ihn liebevoll. Nachdem er hart an sich gearbeitet hatte, vollständig umgekehrt war und das Sühnopfer Jesu für sich in Anspruch genommen hatte, konnte er nach einem Jahr in unser Missionsgebiet zurückkehren. Ich kann kaum die Freude beschreiben, die wir empfanden, als wir diesen jungen Mann vom Flughafen abholten. Er war vom Geist erfüllt, glücklich, hatte Vertrauen in den Herrn und setzte alles daran, seinen Missionsdienst treu zu verrichten. Er wurde ein ausgezeichneter Missionar, und später durften mein Mann und ich bei seiner Siegelung im Tempel dabei sein.

Im Gegensatz dazu weiß ich von einer Missionarin, die wusste, dass man sie nach Hause schicken würde, wenn sie eine Sünde, die sie vor Mission begangen und noch nicht bekannt hatte, eingestehen würde. Sie legte sich den Plan zurecht, auf ihrer Mission besonders hart zu arbeiten und die Sünde erst kurz vor Ende ihrer Mission dem Missionspräsidenten zu bekennen. Es fehlte ihr an gottgewollter Traurigkeit und sie versuchte, den Plan zu umgehen, den unser liebevoller Erretter einem jeden angeboten hat.

Auf unserer Mission begleitete ich meinen Mann einmal zu einem Taufinterview mit einem Freund der Kirche. Während des Interviews wartete ich draußen mit den Missionarinnen, die diesen Mann unterwiesen hatten. Anschließend informierte mein Mann die Missionarinnen, dass der Freund der Kirche getauft werden konnte. Unter Tränen erklärte uns dieser liebe Mensch, er sei sich so sicher gewesen, dass die schweren Sünden, die er in seinem Leben begangen hatte, ihn daran hindern würden, sich taufen zu lassen. Nur selten habe ich miterlebt, wie jemand so glücklich und vor Freude strahlend aus der Dunkelheit ins Licht tritt, wie es an jenem Tag der Fall war.

Der Erretter schenkt Hoffnung

Elder D. Todd Christofferson hat bezeugt:

„Durch den Glauben an [unseren] barmherzigen Erlöser und seine Macht wird aus möglicher Verzweiflung Hoffnung. Herz und Wünsche wandeln sich, und die einst so verlockende Sünde wird einem zunehmend zuwider. …

Wie viel auch immer die Umkehr kosten mag, es wird in der Freude, die mit der Vergebung einhergeht, mehr als aufgewogen.“2

Diese Erlebnisse erinnern mich an Enos im Buch Mormon. Er „schrie … in machtvollem Gebet“ zum Herrn. Dann hörte er eine Stimme sagen: „Enos, deine Sünden sind dir vergeben. …

Und ich, Enos, wusste, dass Gott nicht lügen kann; darum war meine Schuld weggefegt.

Und ich sprach: Herr, wie geht das zu?

Und er sprach zu mir: Wegen deines Glaubens an Christus. …Wohlan, dein Glaube hat dich geheilt.“3

Beim Vorbereiten dieser Ansprache wollte ich ein Gefühl dafür bekommen, was unsere Enkel unter Umkehr verstehen und was sie für den Erretter empfinden. Daher bat ich unsere Kinder, ihnen folgende Fragen zu stellen, und die Antworten unserer Enkel gingen mir sehr zu Herzen.

Was ist Umkehr? „Wenn man jemanden umgerannt hat, kann man sich bei ihm entschuldigen und ihm wieder aufhelfen.“

Wie fühlst du dich, wenn du umkehrst? „Man kann Gott spüren, man kann seine Wärme spüren, und das schlechte Gefühl geht weg.“

Was empfindest du für Jesus und den Vater im Himmel, wenn du umkehrst? „Ich glaube, dass Jesus spürt, dass sich das Sühnopfer gelohnt hat. Er ist glücklich, dass wir wieder bei ihm leben können.“

Warum wollen Jesus und der Vater im Himmel, dass ich umkehre? Meine Enkelin im Teenageralter antwortete darauf: „Weil sie mich lieben! Ich muss umkehren, damit ich Fortschritt machen und wie sie werden kann. Und wenn ich den Heiligen Geist bei mir haben will, muss ich auch jeden Tag umkehren. Nur dann habe ich diesen himmlischen Begleiter. Ich kann Jesus und dem Vater im Himmel gar nicht genug danken.“

Als die vierjährige Brynlee diese Fragen hörte, sagte sie: „Ich weiß das alles nicht, Papa. Sag du es mir.“

Brynlee und ihr Vater

Bei einer früheren Generalkonferenz erklärte Elder Jeffrey R. Holland: „Für wie spät Sie es auch halten, wie viele Chancen Sie Ihrer Meinung nach bereits vertan haben, wie viele Fehler Sie auch schon begangen zu haben glauben … und wie weit weg von zu Hause, Ihren Lieben und Gott Sie zu sein vermeinen – ich bezeuge, dass Sie nicht so weit weg sind, dass die Liebe Gottes Sie nicht mehr erreichen könnte. Es ist gar nicht möglich, dass ein Mensch so tief sinkt, dass die Lichtstrahlen des unbegrenzten Sühnopfers Christi ihn nicht zu erreichen vermögen.“4

Wie sehr wünsche ich mir für jedes meiner Kinder, Enkel und für jeden von Ihnen, meine Brüder und Schwestern, dass wir die Freude und Nähe zum Vater im Himmel und zu unserem Erretter verspüren, wenn wir nur täglich von unseren Sünden und Schwächen umkehren. Jedes Kind des himmlischen Vaters, das für sein Handeln verantwortlich ist, braucht die Umkehr. Überlegen wir doch: Von welchen Sünden müssen wir umkehren? Was hält uns davon ab? Inwiefern müssen wir uns verbessern?

Ich weiß, wie Präsident Packer es erlebt und bezeugt hat: Wenn wir aufrichtig von unseren Sünden umkehren, verschwinden sie wahrhaftig, und zwar spurlos! Ich selbst habe schon die Liebe, die Freude, die Erleichterung und das Selbstvertrauen vor dem Herrn verspürt, die damit verbunden waren, dass ich aufrichtig umgekehrt bin.

Für mich zählt es nicht zu den größten Wundern im Leben, wenn sich das Rote Meer teilt, Berge versetzt werden oder jemand körperlich ganz geheilt wird. Das größte Wunder geschieht, wenn wir uns dem Vater im Himmel demütig im Gebet zuwenden, innig um Vergebung unserer Sünden flehen und dann von diesen durch das Sühnopfer unseres Erretters gereinigt werden. Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.

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