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Herbst 2016 | In diesem Buch steckt eine Macht

In diesem Buch steckt eine Macht

Herbst 2016 Generalkonferenz

Die größte Macht, die dem Buch Mormon innewohnt, besteht darin, dass es uns Jesus Christus näherbringt.

Am 14. Juni 1989 verbot die ghanaische Regierung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage landesweit sämtliche Aktivitäten. Auslöser waren Fehlinformationen über die Kirche. Die Regierung beschlagnahmte sämtliches Eigentum der Kirche, und alle missionarischen Tätigkeiten wurden eingestellt. Die Mitglieder der Kirche, die diesen Zeitabschnitt als „Eiszeit“ bezeichnen, gaben ihr Bestes, das Evangelium auch ohne Versammlungen in den Zweigen oder die Unterstützung durch Missionare zu leben. Es gibt viele inspirierende Geschichten darüber, wie die Mitglieder das Licht des Evangeliums dennoch weiter leuchten ließen. So hielten sie den Gottesdienst zu Hause ab und kümmerten sich durch das Heim- und das Besuchslehren umeinander.

Letztendlich konnten die Missverständnisse geklärt werden. Am 30. November 1990 ging die Eiszeit zu Ende und die Kirche durfte ihre normalen Aktivitäten wieder aufnehmen.1 Seitdem hat die Kirche eine hervorragende Beziehung zur ghanaischen Regierung.

Die Mitglieder, die die Eiszeit miterlebt haben, weisen immer wieder darauf hin, wie viele Segnungen mit diesem ungewöhnlichen Zeitabschnitt einhergingen. Der Glaube vieler wurde aufgrund der Widrigkeiten, denen sie sich gegenübersahen, gestärkt. Doch ein segensreiches Ereignis in der Eiszeit trug sich auf ungewöhnliche Weise zu.

Nicholas Ofosu-Hene war ein junger Polizist, der während der Eiszeit ein Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi bewachen sollte, und zwar nachts. Beim ersten Betreten des Gemeindehauses fand Nicholas ein heilloses Durcheinander vor. Papiere, Bücher und Möbel lagen überall verstreut. Inmitten dieser Unordnung entdeckte er ein Buch Mormon. Er versuchte das Buch zu ignorieren, da ihm erzählt worden war, es sei etwas Schlechtes. Doch er fühlte sich auf seltsame Weise zu dem Buch hingezogen. Schließlich konnte Nicholas das Buch nicht länger ignorieren und hob es auf. Er fühlte sich gedrängt, darin zu lesen. Er las die ganze Nacht hindurch, und beim Lesen liefen ihm Tränen über die Wangen.

Als er das Buch zum ersten Mal zur Hand nahm, las er das gesamte erste Buch Nephi. Als er es zum zweiten Mal zur Hand nahm, las er das gesamte zweite Buch Nephi. Schließlich las er im 25. Kapitel des zweiten Buches Nephi: „Und wir reden von Christus, wir freuen uns über Christus, wir predigen von Christus, wir prophezeien von Christus, und wir schreiben gemäß unseren Prophezeiungen, damit unsere Kinder wissen mögen, von welcher Quelle sie Vergebung ihrer Sünden erhoffen können.“2

In dem Moment spürte Nicholas den Heiligen Geist so stark, dass er anfing zu schluchzen. Er bemerkte, dass er beim Lesen viele geistige Eingebungen empfangen hatte, die ihm bezeugten, dass dieses Buch heilige Schrift und obendrein das richtigste Buch war, das er je gelesen hatte. Ungeachtet dessen, was er gehört hatte, erkannte er, dass die Heiligen der Letzten Tage wahrhaftig an Jesus Christus glauben. Nach dem Ende der Eiszeit und der Rückkehr der Missionare nach Ghana schlossen sich Nicholas, seine Frau und seine Kinder der Kirche an. Als ich ihn letztes Jahr traf, war er Polizeichef; für die Kirche war er als Präsident des Distrikts Tamale tätig. Er berichtet: „Die Kirche hat mein Leben verändert. … Ich danke dem allmächtigen Gott, dass er mich zu diesem Evangelium geführt hat.“3

Ein anderer Ghanaer, Alibert Davies, begleitete einen Freund zu einem Gemeindehaus der Kirche, wo dieser an einer Leitungssitzung teilnahm. Während Alibert auf seinen Freund wartete, las er in einem Buch, das im Gemeindehaus lag. Als die Sitzung zu Ende war, fragte Alibert, ob er das Buch nach Hause mitnehmen dürfe. Er durfte nicht nur das gewünschte Buch mitnehmen, sondern obendrein ein Exemplar des Buches Mormon. Zu Hause begann er, das Buch Mormon zu lesen. Er konnte es nicht aus der Hand legen. Bei Kerzenschein las er bis 3 Uhr in der Früh. Dies tat er mehrere Nächte lang hintereinander. Er war ganz überwältigt von dem, was er las und empfand. Heute ist Alibert Mitglied der Kirche.

Im Alter von zehn Jahren begann Angelo Scarpulla in seinem Heimatland Italien, sich intensiv mit Religion zu beschäftigen. Schließlich wurde er Priester und übte dieses Amt in seiner Kirche voller Hingabe aus. An einem bestimmten Punkt seines Lebens begann sein Glaube zu wanken. Er suchte und nutzte jede Gelegenheit, seine Studien zu vertiefen. Doch je mehr er sich in die Materie vertiefte, desto besorgter wurde er. Was er las und fühlte, brachte ihn zu der Überzeugung, dass es einen allgemeinen Abfall von der wahren Lehre, die Jesus und die ersten Apostel verkündet hatten, gegeben haben musste. Angelo suchte in verschiedenen Glaubensgemeinschaften nach der wahren Religion Gottes, doch viele Jahre lang wurden seine Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet.

Eines Tages begegnete er zwei Mitgliedern der Kirche. Sie halfen den Missionaren gerade dabei, mehr Menschen zu finden, die vom Evangelium hören wollten. Angelo fühlte sich zu ihnen hingezogen und hörte ihrer Botschaft freudig zu. Er nahm auch gerne ein Buch Mormon entgegen.

Noch am selben Abend begann Angelo, darin zu lesen. Er war vor Freude ganz überwältigt. Der Herr versicherte Angelo durch den Heiligen Geist, dass er im Buch Mormon die Wahrheit finden werde, nach der er so viele Jahre lang gesucht hatte. Ein Gefühl der Wonne durchströmte seinen Körper. Was er las und was die Missionare ihm darlegten, untermauerte seine Schlussfolgerung, dass es tatsächlich einen allgemeinen Abfall vom Glauben gegeben hatte. Er erfuhr jedoch auch, dass die wahre Kirche Gottes auf Erden wiederhergestellt worden war. Wenig später ließ Angelo sich taufen und wurde Mitglied der Kirche.4 Als ich ihn zum ersten Mal traf, war er Präsident des Zweiges Rimini.

Was Nicholas, Alibert und Angelo mit dem Buch Mormon erlebten, erinnert an die Erfahrung von Parley P. Pratt:

„Gespannt öffnete ich [das Buch] … Ich las den ganzen Tag. Das Essen war mir eine Last, ich hatte gar kein Verlangen nach Essen. Der Schlaf war mir lästig, als es Nacht wurde, denn ich wollte lieber lesen als schlafen.

Beim Lesen war der Geist des Herrn bei mir, und ich wusste und verstand, dass das Buch wahr ist, und zwar so klar und deutlich, wie man weiß und versteht, dass man lebt. Meine Freude war gleichsam vollkommen, und ich frohlockte so sehr, dass ich für alle Sorgen, Opfer und Mühen meines Lebens reichlich entschädigt war.“5

Manch einer hat ein derart eindrucksvolles Erlebnis, wenn er das Buch Mormon zum ersten Mal öffnet, manch anderer hingegen erlangt eher Schritt für Schritt ein Zeugnis von der Wahrheit des Buches, während er darin liest und darüber betet. So war es bei mir. Als ich das Buch Mormon zum ersten Mal las, war ich Seminarschüler. Das hier ist mein altes Buch Mormon aus dieser Zeit. Ich kann Ihnen nicht sagen, wann genau oder wo es geschah, doch irgendwann beim Lesen bemerkte ich plötzlich so ein Gefühl. Jedes Mal, wenn ich das Buch öffnete, spürte ich Wärme und den Heiligen Geist. Das Gefühl wurde stärker, als ich weiter darin las. Dieses Gefühl begleitet mich bis heute. Jedes Mal, wenn ich das Buch Mormon öffne, ist es, als würde ein Schalter umgelegt: Der Heilige Geist strömt in mein Herz und in meine Seele.

Wieder andere erhalten ein Zeugnis vom Buch Mormon viel langsamer und erst nach vielem Studieren und Beten. Ein Freund von mir las das Buch Mormon und wollte wissen, ob es wahr ist. Er nahm die Aufforderung Moronis an, Gott mit aufrichtigem Herzen, wirklichem Vorsatz und Glauben an Christus zu fragen, ob das Buch Mormon wahr ist.6 Doch er empfing die verheißene Antwort nicht sofort. Eines Tages jedoch, als er tief in Gedanken versunken eine Straße entlangfuhr, bezeugte ihm der Geist die Wahrheit des Buches Mormon. Er war so glücklich und überwältigt, dass er das Autofenster herunterkurbelte und niemandem persönlich, aber doch der ganzen Welt zuschrie: „Es ist wahr!“

Ob wir beim ersten Öffnen des Buches Mormon ein Zeugnis erhalten oder erst mit der Zeit – das Buch Mormon hat unser Leben lang Einfluss auf uns, wenn wir weiterhin darin lesen und die darin enthaltenen Lehren befolgen. Präsident Ezra Taft Benson hat gesagt: „In diesem Buch steckt eine Macht, die sich auf Ihr Leben überträgt, sobald Sie beginnen, sich ernsthaft damit zu befassen. Sie haben mehr Kraft, Versuchungen zu widerstehen. Sie lassen sich nicht mehr so einfach täuschen. Sie finden die Kraft, auf dem engen und schmalen Pfad zu bleiben.“7

Ich ermuntere jeden, der diese Botschaft hört, auch die Träger des Aaronischen Priestertums, die heute Abend unter uns sind, die Macht des Buches Mormon für sich zu entdecken. Auch Präsident Thomas S. Monson legt uns ans Herz: „Lesen Sie das Buch Mormon. Denken Sie über seine Lehren nach. Fragen Sie den Vater im Himmel, ob es wahr ist.“8 Während Sie das tun, werden Sie den Geist Gottes in Ihrem Leben spüren. Dieser Geist wird Teil Ihres Zeugnisses sein, dass das Buch Mormon wahr ist, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes war und dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage heute die wahre Kirche Gottes auf Erden ist. Dieses Zeugnis wird Sie befähigen, Versuchungen zu widerstehen.9 Es wird Sie auf „den großen Ruf an den Fleiß[,] in den Weingärten des Herrn zu arbeiten“10, vorbereiten. Es wird ein sicherer Anker sein, wenn Ihr Glaube durch Anschuldigungen oder verleumderische Aussagen auf dem Prüfstein steht. Es wird eine felsenfeste Grundlage sein, wenn man Ihnen herausfordernde Fragen stellt, auf die Sie keine Antwort wissen, zumindest nicht sofort. Sie werden in der Lage sein, Wahrheit von Unwahrheit zu unterscheiden. Sie werden die Zusicherung des Heiligen Geistes spüren, der Ihr Zeugnis immer wieder bekräftigt, wenn Sie weiterhin, Ihr ganzes Leben lang, das Buch Mormon lesen.

Ich ermuntere außerdem alle Eltern, die diese Botschaft sehen oder hören, dem Buch Mormon zu Hause eine hohe Priorität einzuräumen. Als unsere Kinder größer wurden, haben wir immer beim Frühstück im Buch Mormon gelesen. Das hier ist unser altes Lesezeichen. Auf der Vorderseite steht ein Zitat von Präsident Benson. Er verheißt uns, dass Gott Segen über uns ausgießen wird, wenn wir das Buch Mormon lesen.11 Auf der Rückseite steht diese Verheißung von Präsident Marion G. Romney, ehemals Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft: „Ich bin mir sicher: Wenn in unseren Familien die Eltern gebeterfüllt und regelmäßig im Buch Mormon lesen, und zwar allein und zusammen mit ihren Kindern, durchdringt der Geist dieses Buches das Zuhause und alle, die darin leben. … Die Zwietracht wird fliehen. Die Eltern werden ihre Kinder mit mehr Liebe und Weisheit unterweisen. Die Kinder werden lieber auf den Rat ihrer Eltern hören. Die Familie wird rechtschaffener. Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe – die reine Christusliebe – werden in der Familie und in unserem Leben reichlich vorhanden sein und Frieden, Freude und Glück mit sich bringen.“12

Heute, viele Jahre nachdem unsere Kinder ausgezogen sind und eigene Familien gegründet haben, erkennen wir deutlich, wie sich die von Präsident Romney gegebene Verheißung erfüllt. Unsere Familie ist weit davon entfernt, vollkommen zu sein, aber ich kann Zeugnis geben für die Macht des Buches Mormon und für die Segnungen, die wir als gesamte Familie schon empfangen haben und weiterhin empfangen, wenn wir darin lesen.

Die größte Macht, die dem Buch Mormon innewohnt, besteht darin, dass es uns Jesus Christus näherbringt. Es ist ein eindrucksvoller Zeuge für den Herrn und seine Mission als Erlöser.13 Durch das Buch Mormon begreifen wir die Erhabenheit und Macht des Sühnopfers Christi.14 Es legt die Lehren Jesu klar dar.15 Und dank der herrlichen Kapitel, in denen das Erscheinen des auferstandenen Christus bei den Nephiten beschrieben wird, erkennen und erfahren wir, wie er jene Menschen liebte, sie segnete und unterwies. Wir erlangen die Erkenntnis, dass er dasselbe für uns tut, wenn wir zu ihm kommen, indem wir sein Evangelium leben.16

Brüder, ich gebe für die Macht des Buches Mormon Zeugnis. Ganz gleich, ob ich es auf Englisch, Italienisch oder Französisch, gedruckt oder in elektronischer Form lese, ich verspüre stets denselben wunderbaren Geist, der aus den Kapiteln und Versen in mein Leben strömt. Ich bezeuge, dass das Buch Mormon uns zu Christus hinziehen kann. Ich bete, dass ein jeder die Macht voll ausschöpfen möge, die dieser wunderbaren heiligen Schrift innewohnt. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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