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Frühjahr 2017 | Das ist das ewige Leben

Das ist das ewige Leben

Frühjahr 2017 Generalkonferenz

Gott kennt euch und möchte, dass ihr ihn erkennt.

Ich spreche zu euch, der heranwachsenden Generation – den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, ob alleinstehend oder verheiratet –, zu euch, die ihr die zukünftigen Führer dieser Kirche seid, der Kirche des Herrn. Angesichts der Schlechtigkeit, des Chaos, der Angst und der Verwirrung in der heutigen Welt spreche ich zu euch in aller Deutlichkeit darüber, wie erhaben und segensreich es ist, Gott kennenzulernen.

Jesus Christus hat viele Wahrheiten gelehrt, die Gottes großen Plan des Glücklichseins und euren Platz darin erklären. Ich möchte über zwei davon sprechen, damit ihr eure Identität als Kind Gottes und den Zweck eures Lebens besser begreifen könnt.

Erstens: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“1

Zweitens: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“2

Behaltet diese Wahrheiten, die das Warum erklären, bitte im Sinn, wenn ich nun darlege, wie ihr – und jeder von uns – Gott kennenlernen könnt.

Wir erkennen Gott durch das Gebet

Meine jungen Freunde, wir beginnen, Gott zu erkennen, wenn wir beten.

Am 7. April 1829 nahm der 22-jährige Oliver Cowdery seine Arbeit als Schreiber für den 23-jährigen Joseph Smith auf. Sie waren jung, so wie ihr es seid. Oliver Cowdery bat Gott in Hinblick auf die Wiederherstellung und auf die Arbeit, die er dabei verrichten sollte, um eine Bestätigung. Als Antwort erhielt er diese Offenbarung:

„Siehe, du weißt, dass du mich gefragt hast und ich deinen Verstand erleuchtet habe; …

ja, ich sage es dir, damit du weißt, dass es niemanden gibt außer Gott, der deine Gedanken und die Absichten deines Herzens kennt. …

Wenn du ein weiteres Zeugnis begehrst, dann denke in deinem Sinn an die Nacht, da du im Herzen zu mir geschrien hast …

Habe ich deinem Sinn nicht Frieden … zugesprochen? Welch größeres Zeugnis kannst du haben als von Gott?“3

Wenn ihr voller Glauben betet, spürt ihr Gottes Liebe, wenn sein Geist zu eurer Seele spricht. Ganz gleich, wie einsam oder unsicher ihr euch zuweilen fühlen mögt: Ihr seid in dieser Welt nicht allein. Gott kennt euch persönlich. Wenn ihr betet, lernt ihr ihn kennen.

Wir erkennen Gott durch das Schriftstudium

Wenn ihr in den heiligen Schriften lest, erfahrt ihr nicht nur etwas über den Erretter, sondern ihr könnt ihn tatsächlich kennenlernen.

Im April 1985 sprach Elder Bruce R. McConkie bei der Generalkonferenz – 13 Tage bevor er starb. Zum Abschluss gab er sein Zeugnis:

„Ich bin einer seiner Zeugen, und an einem künftigen Tag werde ich die Nägelmale in seinen Händen und Füßen fühlen und seine Füße mit meinen Tränen benetzen.

Aber dann weiß ich auch nicht gewisser als jetzt, dass er der allmächtige Gottessohn ist, unser Erretter und Erlöser, und dass die Errettung nur durch sein sühnendes Blut möglich ist und auf keine andere Weise.“4

Wir, die wir Elder McConkie damals zugehört haben, erinnern uns noch heute an die Gefühle, die wir dabei gehabt haben. Zu Beginn seiner Ansprache erklärte er, warum sein Zeugnis so machtvoll war. Er sagte:

„Wenn ich von diesen erstaunlichen Geschehnissen spreche, tue ich dies mit eigenen Worten, auch wenn Sie vielleicht meinen, es seien Worte aus der heiligen Schrift …

Es ist wahr, dass sie zuerst von anderen verkündet wurden, aber jetzt sind es meine Worte, denn der Heilige Geist Gottes hat mir Zeugnis gegeben, dass sie wahr sind, und jetzt ist es so, als habe der Herr sie mir zuerst offenbart. Auf diese Weise habe ich seine Stimme gehört und kenne sein Wort.“5

Wenn ihr in den heiligen Schriften forscht und darüber nachsinnt, hört auch ihr die Stimme Gottes, kennt seine Worte und lernt ihn kennen. Gott offenbart euch persönlich seine ewigen Wahrheiten. Diese Lehren und Grundsätze werden zu einem Teil von euch, sie strömen euch aus der Seele.

Zusätzlich zum eigenen Schriftstudium ist auch das Schriftstudium mit der Familie wichtig.

Wir wollten in unserer Familie, dass die Kinder lernen, wie man die Stimme des Geistes erkennt. Wir glauben, dass uns das gelungen ist, weil wir als Familie täglich im Buch Mormon gelesen haben. Unser Zeugnis wurde dadurch gestärkt, dass wir über heilige Wahrheiten gesprochen haben.

Das Schriftstudium wird zu einem Kanal für den Heiligen Geist, durch den er jeden von uns individuell anleiten kann. Wenn ihr jeden Tag in den heiligen Schriften forscht, allein und mit eurer Familie, lernt ihr, die Stimme des Geistes zu erkennen, und ihr lernt Gott kennen.

Wir erkennen Gott, wenn wir seinen Willen tun

Zusätzlich zum Beten und zum Schriftstudium müssen wir auch Gottes Willen tun.

Der Erretter ist unser vollkommenes Vorbild. Er sagte: „Ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“6

Als der auferstandene Erretter den Nephiten erschien, erklärte er: „Siehe, ich bin das Licht und das Leben der Welt; und ich habe aus jenem bitteren Kelch getrunken, den der Vater mir gegeben hat, und habe den Vater verherrlicht, indem ich die Sünden der Welt auf mich genommen habe; und darin habe ich den Willen des Vaters in allem von Anfang an gelitten.“7

Wir alle tun den Willen des Vaters, wenn wir unsere Bündnisse in Ehren halten, die Gebote halten und Gott und unseren Mitmenschen dienen.

Meine Frau Rhonda und ich haben ganz normale Eltern, genau wie die meisten von euch wohl auch. Doch es gibt etwas, was ich an unseren Eltern besonders schätze: Sie haben ihr Leben dem Dienst für Gott gewidmet und uns gelehrt, es ihnen gleichzutun.

Als Rhondas Eltern erst ein paar Jahre verheiratet waren, wurde der 23-jährige Vater auf Vollzeitmission berufen. Er ließ seine junge Ehefrau und ihre gemeinsame zweijährige Tochter zurück. Dann wurde seine Frau berufen, die letzten sieben Monate seiner Mission gemeinsam mit ihm zu arbeiten, woraufhin sie ihre Tochter in der Obhut von Verwandten ließ.

Ein paar Jahre später – sie hatten mittlerweile vier Kinder – zogen sie nach Missoula in Montana, damit Rhondas Vater zur Universität gehen konnte. Sie waren erst ein paar Monate dort, als Präsident Spencer W. Kimball und Elder Mark E. Petersen meinen Schwiegervater als ersten Präsidenten des neu gegründeten Pfahles Missoula beriefen. Er war gerade einmal 34. Er ließ jeglichen Gedanken ans Studium hinter sich und setzte alles daran, den Willen des Herrn zu tun, nicht seinen eigenen.

Meine Eltern haben über 30 Jahre im Tempel gedient – Vater als Siegler, Mutter als Verordnungsarbeiterin. Sie haben auch miteinander fünf Vollzeitmissionen erfüllt: in Riverside in Kalifornien, in Ulan-Bator in der Mongolei, in Nairobi in Kenia, im Nauvoo-Illinois-Tempel und im Monterrey-Tempel in Mexiko. In Mexiko mussten sie sich sehr anstrengen, um die neue Sprache zu lernen, was mit 80 Jahren gar nicht mehr so einfach war. Doch sie wollten den Willen des Herrn erfüllen, anstatt ihre eigenen Wünsche für ihr Leben zu verfolgen.

Für sie und für alle eifrig engagierten Heiligen der Letzten Tage überall auf der Welt wiederhole ich die Worte des Herrn an den Propheten Nephi, den Sohn Helamans: „Gesegnet bist du … um deswillen, was du [unermüdlich] getan hast, [denn du] warst nicht auf dein eigenes Leben bedacht, sondern warst auf meinen Willen bedacht und dass du meine Gebote hältst.“8

Wenn wir uns bemühen, Gottes Willen zu tun, indem wir ihm und unseren Mitmenschen treu dienen, spüren wir seine Zustimmung und lernen ihn wahrhaft kennen.

Wir erkennen Gott, wenn wir wie er werden

Der Erretter lehrt, dass wir Gott am besten erkennen können, wenn wir wie er werden. Er hat gesagt: „Darum: Was für Männer sollt ihr sein? Wahrlich, ich sage euch: So, wie ich bin.“9

Würdigkeit ist unerlässlich, wollen wir wie er werden. Der Herr gebietet: „Heiligt euch; ja, macht euer Herz rein, und säubert eure Hände[,] damit ich euch reinigen kann.“10 Zu Beginn des Weges, der uns dahin führt, wie Christus zu werden, kehren wir um und empfangen seine Vergebung. Und er reinigt unsere Seele.

Um uns auf unserem Weg zum Vater zu helfen, hat der Herr uns diese Verheißung gegeben: „Jede Seele, die von ihren Sünden lässt und zu mir kommt und meinen Namen anruft und meiner Stimme gehorcht und meine Gebote hält, wird mein Angesicht sehen und wissen, dass ich bin.“11

Durch unseren Glauben an das Sühnopfer Jesu reinigt uns der Erretter, er heilt uns und versetzt uns in die Lage, ihn zu erkennen, indem er uns hilft, wie er zu werden. Mormon lehrte: „Betet mit der ganzen Kraft des Herzens zum Vater, … damit ihr Söhne [und Töchter] Gottes werdet; damit wir, wenn er erscheinen wird, ihm gleich sein werden.“12 Wenn wir danach streben, wie Gott zu werden, kann er mehr aus uns machen, als wir es selbst jemals könnten.

Wir erkennen Gott, wenn wir denen folgen, die uns anleiten

Um uns bei unseren Bemühungen zu helfen, hat Gott uns Vorbilder und Mentoren gegeben. Ich möchte euch einige Gedanken über eines meiner Vorbilder, nämlich Elder Neal A. Maxwell, mitteilen. In seinen Bemühungen, wie Gott zu werden, war er ständig bestrebt, seinen Willen dem des Vaters zu unterwerfen.

Vor über 20 Jahren, kurz nachdem bei ihm Krebs diagnostiziert worden war, sprach er mit mir über das, was ihn bewegte. Er sagte: „Ich möchte aktives Teammitglied sein, sowohl auf dieser Seite [des Schleiers] als auch auf der anderen. Ich will nicht an der Seitenlinie sitzen. Ich will mitspielen.“13

In den darauffolgenden Wochen zögerte er, Gott um Heilung zu bitten. Er wollte einfach Gottes Willen tun. Seine Frau Colleen wies ihn darauf hin, dass Jesus im Garten Getsemani zuerst ausrief: „Wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ Erst danach sagte der Erretter: „Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.“14 Sie legte ihrem Mann ans Herz, dem Beispiel des Erretters zu folgen, um Hilfe zu bitten und dann seinen Willen dem Willen Gottes zu unterwerfen, was er auch tat.15

Nachdem er über fast ein Jahr langwierige, kräftezehrende Behandlungen ertragen hatte, war er wieder voll „im Spiel“. Er diente dem Herrn noch sieben weitere Jahre.

In diesen sieben Jahren wurden wir gemeinsam mit mehreren Aufgaben betraut. Ich spürte seine Güte, sein Mitgefühl und seine Liebe. Ich erlebte mit, wie er durch sein anhaltendes Leid und seinen unablässigen Dienst immer mehr geistig geläutert wurde, während er danach strebte, wie der Erretter zu werden.

Das größte Vorbild und der größte Mentor für uns alle ist unser Herr und Heiland Jesus Christus, der gesagt hat: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“16 „Komm und folge mir nach!“17

Meine jungen Brüder und Schwestern, es ist eine lebenslange Aufgabe, Gott zu erkennen. „Das ist das ewige Leben: [dass wir] den einzigen wahren Gott … erkennen und Jesus Christus, den [der Vater gesandt hat].“18

„Sollen wir in einer so großen Sache nicht vorwärtsgehen? … Mut, [meine jungen Freunde], und auf, auf zum Sieg!“19

Gott kennt euch und möchte, dass ihr ihn erkennt. Betet zum Vater, forscht in den heiligen Schriften, bemüht euch, Gottes Willen zu tun, seid bestrebt, wie der Erretter zu werden, und folgt rechtschaffenen Mentoren. Dann lernt ihr Gott und Jesus Christus kennen, und ihr ererbt ewiges Leben. Als ordinierter besonderer Zeuge für Gott und Jesus Christus spreche ich euch diese Aufforderung aus. Gott und Jesus Christus leben. Sie lieben euch. Das bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.

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