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Frühjahr 2017 | Zu dem Werk berufen

Zu dem Werk berufen

Frühjahr 2017 Generalkonferenz

Der Auftrag, an einem bestimmten Ort zu arbeiten, ist zwar notwendig und wichtig, aber weniger wichtig als die Berufung zu dem Werk.

Präsident Monson, wir sind begeistert, Ihre Stimme zu hören und von Ihnen Anleitung zu erhalten. Wir haben Sie lieb, unterstützen Sie und beten stets für Sie.

Ich bete um den Beistand des Heiligen Geistes, wenn wir nun gemeinsam einige Grundsätze im Zusammenhang mit dem großen Werk erörtern, das Evangelium jeder Nation, jedem Geschlecht, jeder Sprache und jedem Volk zu predigen.1

Die Berufung zu dienen und der Missionsauftrag

Jedes Jahr warten zehntausende junge Männer und Frauen und viele ältere Ehepaare sehnsüchtig auf einen besonderen Brief aus Salt Lake City. Der Inhalt dieses Briefes wirkt sich nachhaltig auf den Adressaten, aber auch auf seine Familie und eine große Zahl weiterer Menschen aus. Wenn der Brief ankommt, wird der Umschlag langsam und fein säuberlich geöffnet oder auch voller Aufregung hastig aufgerissen. Diesen besonderen Brief zu lesen ist ein Erlebnis, das man nie vergisst.

Der Brief ist vom Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage unterzeichnet, und die ersten beiden Sätze lauten: „Wir berufen Sie hiermit als Missionar (oder Missionarin) der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Sie werden beauftragt, in der Sowieso-Mission XY zu arbeiten.“

Bitte beachten Sie, dass im ersten Satz die Berufung ausgesprochen wird, als Vollzeitmissionar in der wiederhergestellten Kirche des Herrn zu dienen. Der zweite Satz enthält einen Auftrag, in einer bestimmten Mission und an einem bestimmten Ort zu arbeiten. Diesen wichtigen Unterschied, der in diesen beiden Sätzen zum Ausdruck kommt, müssen wir alle verstehen.

In der Kirche sagen wir oft, dass wir in ein Land berufen werden, wie zum Beispiel Argentinien, Polen, Korea oder die Vereinigten Staaten. Doch ein Missionar wird nicht an einen Ort berufen, er wird vielmehr berufen zu dienen. So verkündete es der Herr 1829 durch den Propheten Joseph Smith: „Wenn ihr den Wunsch habt, Gott zu dienen, seid ihr zu dem Werk berufen.“2

Jede Missionsberufung und jeder Missionsauftrag, und auch jede spätere Änderung des Auftrags, ist das Ergebnis einer Offenbarung durch die Diener des Herrn. Die Berufung zu dem Werk kommt von Gott, durch den Präsidenten der Kirche. Der Auftrag, in einer der derzeit mehr als 400 Missionen weltweit tätig zu sein, kommt von Gott durch ein Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel, das mit der Vollmacht des lebenden Propheten des Herrn handelt. Die geistigen Gaben der Prophezeiung und der Offenbarung begleiten jede Missionsberufung und jeden Missionsauftrag.

In Abschnitt 80 im Buch Lehre und Bündnisse ist die Missionsberufung Stephen Burnetts niedergeschrieben, die 1832 vom Propheten Joseph Smith ausgesprochen wurde. Die Berufung von Bruder Burnett kann uns helfen, 1.) den Unterschied zwischen der Berufung zu dem Werk als Missionar und dem Auftrag, an einem bestimmten Ort zu arbeiten, besser zu verstehen, und 2.) unsere persönliche, gottgegebene Verantwortung, das Evangelium zu verkünden, in größerem Umfang anzuerkennen.

In Vers 1 dieses Abschnitts steht die Berufung zu dienen: „Wahrlich, so spricht der Herr zu dir, mein Knecht Stephen Burnett: Geh hin, geh hin in die Welt und predige das Evangelium jedem Geschöpf, das vom Ton deiner Stimme erreicht wird.“3

Interessanterweise wird Bruder Burnett in Vers 2 der ihm zugewiesene Mitarbeiter mitgeteilt: „Und da du dir einen Begleiter wünschst, gebe ich dir meinen Knecht Eden Smith.“4

In Vers 3 ist angegeben, wo diese beiden Missionare arbeiten sollen: „Darum geht hin und predigt mein Evangelium, ob im Norden oder im Süden, im Osten oder im Westen, darauf kommt es nicht an, denn ihr könnt nicht fehlgehen.“5

Ich glaube nicht, dass die Worte „darauf kommt es nicht an“, wie sie vom Herrn in dieser Schriftstelle verwendet werden, bedeuten, dass es ihm gleichgültig ist, wo seine Diener tätig sind. Im Gegenteil: Es ist ihm äußerst wichtig! Aber da das Verkünden des Evangeliums das Werk des Herrn ist, inspiriert, führt und leitet er seine bevollmächtigten Diener. Wenn sich ein Missionar stets bemüht, ein noch würdigeres und nützlicheres Werkzeug in den Händen des Herrn zu werden, und nach besten Kräften treu seine Pflichten erfüllt, kann er mit der Hilfe des Herrn „nicht fehlgehen“ – ganz gleich, wo er dient. Eine der Lehren, die uns der Erretter in dieser Offenbarung mitgeben möchte, ist also vielleicht, dass der Auftrag, an einem bestimmten Ort zu arbeiten, zwar notwendig und wichtig ist, aber weniger wichtig als die Berufung zu dem Werk.

Im nächsten Vers werden wichtige Voraussetzungen genannt, die jeder Missionar erfüllen sollte: „Darum verkündet, was ihr vernommen habt und wirklich glaubt und wovon ihr wisst, dass es wahr ist.“6

Im letzten Vers werden Bruder Burnett und wir alle daran erinnert, von wem die Missionsberufung eigentlich stammt: „Siehe, dies ist der Wille dessen, der euch berufen hat, euer Erlöser, ja, Jesus Christus. Amen.“7

Missverständnisse aufklären

Einige von Ihnen fragen sich vielleicht, warum ich über diesen anscheinend offensichtlichen Unterschied zwischen der Berufung zu dem Werk und dem Missionsauftrag ausgerechnet in der Priestertumsversammlung der Generalkonferenz spreche. Ich gebe Ihnen die Antwort ganz unumwunden: Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass diese Grundsätze von vielen Mitgliedern der Kirche nicht richtig verstanden werden.

Dass ich diese Frage anspreche, liegt aber in erster Linie darin begründet, dass ich im Laufe der Zeit erfahren habe, dass viele Missionare, die aus irgendeinem Grund während ihrer Mission in ein anderes Missionsgebiet versetzt wurden, besorgt oder beunruhigt sind oder gar Schuldgefühle haben. Solche Versetzungen sind manchmal wegen bestimmter Ereignisse oder Umstände erforderlich, wie zum Beispiel Unfälle oder Verletzungen, Verzögerungen oder Schwierigkeiten bei der Visaerteilung, politische Instabilität, die Gründung und personelle Versorgung neuer Missionen oder der weltweit weiter voranschreitende und sich ständig ändernde Bedarf im Werk der Evangeliumsverkündung.8

Wenn ein Missionar in ein anderes Missionsgebiet versetzt wird, ist der Vorgang genau derselbe wie bei dem ursprünglichen Auftrag. Bei all diesen Versetzungen bemühen sich Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel um Inspiration und Führung.

Ich habe vor Kurzem mit einem glaubenstreuen Mann gesprochen, der mir sein ganzes Herz ausschüttete. Ich hatte gerade bei einer Versammlung den Unterschied zwischen der Berufung zu dem Werk und dem Missionsauftrag erklärt. Dieser gute Bruder gab mir die Hand und sagte mit Tränen in den Augen: „Das, was Sie mir heute bewusst gemacht haben, hat mir eine Last von den Schultern genommen, die ich über 30 Jahre mit mir herumgetragen habe. Als junger Missionar war ich eigentlich einem Missionsgebiet in Südamerika zugewiesen. Doch ich konnte kein Visum erhalten und so wurde mein Auftragsgebiet in Vereinigte Staaten geändert. In all den Jahren habe ich mich immer gefragt, warum ich nicht an dem Ort dienen konnte, an den ich berufen worden war. Jetzt weiß ich, dass ich zu dem Werk berufen worden war und nicht an einen Ort. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr mir diese Erkenntnis geholfen hat.“

Ich empfand tiefes Mitgefühl für diesen guten Mann. Ich habe auf der ganzen Welt über diese wichtigen Grundsätze gesprochen und unzählige Mitglieder haben mir im Vertrauen von den gleichen Empfindungen berichtet, wie dieser Mann sie hatte, von dem ich eben gesprochen habe. Daher spreche ich dieses Thema heute an, denn kein einziges Mitglied dieser Kirche sollte in Bezug auf seinen Missionsauftrag wegen Missverständnissen, Unsicherheit, Kummer oder Schuldgefühlen unnötigerweise eine Last tragen.

„Darum geht hin und predigt mein Evangelium, ob im Norden oder im Süden, im Osten oder im Westen, darauf kommt es nicht an, denn ihr könnt nicht fehlgehen.“9 Wenn Sie über diese Schriftstelle nachdenken und Ihr Herz öffnen, so hoffe und bete ich, dass Sie dabei den Heiligen Geist einladen, damit er Ihnen in den Tiefen Ihrer Seele die Erkenntnis, die Heilung und die Erneuerung bringen kann, die Sie vielleicht brauchen.

Ein weiterer Grund, weshalb ich den Eindruck hatte, ich solle über dieses Thema sprechen, sind meine eigenen, langjährigen Erfahrungen damit, Missionare einem Gebiet zuzuweisen. Nichts bestätigt uns Zwölf Aposteln überzeugender, dass es in den Letzten Tagen tatsächlich fortdauernde Offenbarung gibt, als wenn wir uns bei unserer Aufgabe, den Missionaren ihr Missionsgebiet zuzuweisen, darum bemühen, den Willen des Herrn zu erkennen. Ich bezeuge, dass der Erretter jeden Einzelnen von uns mit Namen kennt und auf uns Acht gibt.

Sich auf die Berufung zum Werk vorbereiten

Ich möchte nun kurz über einen grundlegenden, aber oft übersehenen Aspekt der Vorbereitung auf die Berufung zum Werk sprechen.

Es gibt drei Wörter, die miteinander in Beziehung stehen und für die Söhne Gottes ein Muster zur Vorbereitung und für ihren Fortschritt bilden: Priestertum, Tempel und Mission. Manchmal konzentrieren wir uns als Eltern, Freunde und Mitglieder der Kirche so ausgiebig auf die Missionsvorbereitung der jungen Männer, dass wir bis zu einem gewissen Grad womöglich die anderen wichtigen Schritte auf dem von Bündnissen vorgezeichneten Weg vernachlässigen, die vor einer Vollzeitmission erfüllt sein müssen. Die Arbeit als Missionar ist zweifelsohne ein wichtiger Baustein dafür, wie man eine feste Grundlage für lebenslangen geistigen Fortschritt und lebenslanges Dienen schafft, aber nicht der einzige. Auch das Priestertum und die Segnungen des Tempels, die beide der Ankunft im uns zugewiesenen Missionsgebiet vorangehen, sind notwendig, um uns für unser ganzes Leben geistig zu festigen und zu stärken.

Ihr Jungen Männer, wenn ihr eure Pflichten im Aaronischen oder geringeren Priestertum erfüllt und es in Ehren haltet, macht ihr euch bereit, den Eid und Bund des Melchisedekischen oder höheren Priestertums zu empfangen und groß zu machen.10 Eure Würdigkeit ist die wichtigste Voraussetzung dafür, das höhere Priestertum zu empfangen. Vor euch liegt ein Leben voll selbstlosem Dienen im Priestertum. Bereitet euch jetzt darauf vor, indem ihr häufig hilfreiche Dienste leistet. Bitte lernt, gern würdig zu sein und zu bleiben. Seid würdig. Bleibt würdig.

Nachdem ein junger Mann das Melchisedekische Priestertum empfangen und eine Missionsberufung erhalten hat, kann er durch die Bündnisse und Verordnungen des heiligen Tempels mit Macht ausgerüstet11 werden. Man muss in den Tempel gehen und den Geist des Tempels in sich aufnehmen, ehe man ein guter Vollzeitmissionar sein kann. Für euch junge Männer und für alle Mitglieder der Kirche ist Würdigkeit die wichtigste Voraussetzung dafür, die Segnungen des Tempels zu empfangen. Wenn ihr im Einklang mit den Grundsätzen des Evangeliums lebt, könnt ihr eure ganze Jugendzeit über in das Haus des Herrn gehen und an heiligen Handlungen mitwirken. Wenn ihr die heiligen Handlungen des Tempels versteht und euch etwas an ihnen liegt, so wird euch dies euer Leben lang stärken und ein Segen sein. Bitte lernt, gern würdig zu sein und zu bleiben. Seid würdig. Bleibt würdig.

Viele Junge Männer und Junge Damen haben bereits einen gültigen Tempelschein mit eingeschränkter Geltung. Als Träger des Aaronischen Priestertums findet ihr Namen eurer Vorfahren und verrichtet im Tempel Taufen und Konfirmierungen für eure Angehörigen. Der Tempelschein ist ein Zeichen eurer Würdigkeit, und anderen im Tempel zu dienen ist ein wichtiger Teil der Vorbereitung auf das Melchisedekische Priestertum.

Ihr Jungen Männer, jeder von euch ist jetzt schon ein Missionar. Ihr seid jeden Tag von Freunden und Nachbarn umgeben, „denen die Wahrheit nur deshalb vorenthalten ist, weil sie nicht wissen, wo sie zu finden ist“12. Wenn ihr vom Geist dazu inspiriert werdet, könnt ihr Gedanken weitergeben, Einladungen aussprechen oder Nachrichten schicken oder twittern, durch die eure Freunde die Wahrheiten des wiederhergestellten Evangeliums kennenlernen. Ihr müsst und solltet nicht auf die offizielle Berufung warten, um euch voll Eifer der Missionsarbeit zu widmen.

Wenn die Segnungen des Priestertums, des Tempels und der Mission in Christus vereint sind13 und sie in Herz, Sinn und Seele eines jungen Missionars zusammenwirken, wird er für das Werk befähigt.14 Er kann dadurch besser seine Aufgabe erfüllen, den Herrn Jesus Christus mit Vollmacht zu vertreten. Wenn ein junger Mann die Priestertums- und Tempelbündnisse ehrt, die „Macht des Göttlichen“15 durch die Verordnungen des Priestertums16 empfängt, selbstlos dient und Gottes Kindern das immerwährende Evangelium verkündet, befähigt ihn dieses geistig machtvolle Zusammenspiel, „fest und standhaft … im Glauben“17 zu werden, „in [Christus] verwurzelt und auf ihn gegründet“18.

Wir müssen zu Hause und in der Kirche allen drei Bestandteilen im Muster des Herrn zur Vorbereitung und für den Fortschritt glaubenstreuer Söhne Gottes – Priestertum, Tempel und Mission – gleichermaßen Aufmerksamkeit schenken. Alle drei erfordern, dass wir gern würdig sind und würdig bleiben wollen. Seid würdig. Bleibt würdig.

Verheißung und Zeugnis

Meine lieben Brüder, ich verheiße euch, dass die geistige Gabe der Offenbarung eure Berufung zu dem Werk, das Evangelium zu verkünden, und euren Auftrag, in einem bestimmten Missionsgebiet oder mehreren zu arbeiten, begleitet. Wenn ihr euch jetzt durch selbstlosen Dienst im Priestertum und im Tempel eifrig vorbereitet, wird euer Zeugnis gestärkt, dass der Herr wirklich lebt. Euer Herz wird von Liebe zu ihm und seinem Werk erfüllt werden. Wenn ihr lernt, gern würdig zu sein, werdet ihr ein mächtiges Werkzeug in den Händen des Herrn und werdet vielen Menschen dienen und ihnen ein Segen sein.

Ich bezeuge voller Freude, dass der Vater im Himmel und sein geliebter Sohn Jesus Christus leben. In ihrem Dienst zu stehen ist eine der größten Segnungen, die wir je erlangen können. Dies bezeuge ich im heiligen Namen des Herrn Jesus Christus. Amen.

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