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Frühjahr 2017 | Wie wir die Macht Jesu Christi in unser Leben bringen

Wie wir die Macht Jesu Christi in unser Leben bringen

Frühjahr 2017 Generalkonferenz

Das Evangelium Jesu Christi ist von der Macht Christi erfüllt, und allen Töchtern und Söhnen Gottes, die ernsthaft danach streben, ist diese Macht zugänglich.

Meine lieben Brüder und Schwestern, wir leben in einer überaus schwierigen Evangeliumszeit. Ein Wirbel aus Herausforderungen, Kontroversen und komplexen Problemen umgibt uns. Der Erretter selbst hat diese turbulenten Zeiten vorhergesehen. Er hat uns gewarnt, dass der Widersacher in unserer Zeit den Menschen das Herz zum Zorn aufstacheln und sie in die Irre führen werde.1 Unser Vater im Himmel hatte aber niemals die Absicht, uns in dem Labyrinth persönlicher und gesellschaftlicher Probleme allein zu lassen.

Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn sandte,2 um uns zu helfen.3 Und sein Sohn, Jesus Christus, gab sein Leben für uns hin. Das alles, damit wir göttliche Macht in Anspruch nehmen können – Macht, die ausreicht, um mit den Lasten, Hindernissen und Versuchungen unserer Zeit fertigzuwerden.4 Heute möchte ich darüber sprechen, wie wir die Macht unseres Herrn und Meisters Jesus Christus in unser Leben bringen können.

Zunächst einmal müssen wir uns Wissen über ihn aneignen.5 „Es ist unmöglich, dass man in Unwissenheit errettet werden kann.“6 Je mehr wir über das Wirken und die Mission des Erretters wissen,7 je besser wir seine Lehre8 verstehen und das, was er für uns getan hat, desto deutlicher ist uns bewusst, dass er uns die Macht verleihen kann, die wir für unser Leben brauchen.

Anfang des Jahres habe ich die jungen Erwachsenen der Kirche aufgefordert, jede Woche einen Teil ihrer Zeit dem Studium aller Worte und Handlungen Jesu zu widmen, die in den heiligen Schriften der Kirche9 verzeichnet sind. Ich legte ihnen ans Herz, die Schriftstellen, die zu Jesus Christus im Schriftenführer angeführt werden, in den Mittelpunkt ihres persönlichen Studienplans zu stellen.10

Ich sprach diese Aufforderung aus, weil ich sie bereits selbst angenommen hatte. Ich las und unterstrich jeden Vers über Jesus Christus, der im Topical Guide unter dem Haupteintrag und den 57 weiteren Stichwörtern zu diesem Begriff angeführt ist.11 Als ich diese spannende Übung abgeschlossen hatte, fragte mich meine Frau, wie mich das beeinflusst hatte. Ich sagte zu ihr: „Ich bin ein anderer Mensch.“

Ich spürte neue Hingabe an den Erretter, als ich im Buch Mormon erneut las, was er selbst über seine Mission auf der Erde verkündet hatte, nämlich:

„Ich [bin] in die Welt gekommen …, um den Willen meines Vaters zu tun, denn mein Vater hat mich gesandt.

Und mein Vater hat mich gesandt, damit ich auf das Kreuz emporgehoben würde.“12

Wir als Heilige der Letzten Tage bezeichnen seine Mission als das Sühnopfer Jesu Christi, das die Auferstehung für alle Wirklichkeit werden ließ und ewiges Leben einem jeden ermöglicht, der von seinen Sünden umkehrt und die notwendigen Verordnungen und Bündnisse annimmt und sich daran hält.

Die Lehre wird unvollständig wiedergegeben, wenn man vom sühnenden Opfer des Herrn in Kurzformen wie „das Sühnopfer“ oder „die helfende Macht des Sühnopfers“ oder „das Sühnopfer anwenden“ oder „vom Sühnopfer gestärkt werden“ spricht. Bei diesen Formulierungen besteht eine echte Gefahr, dass der Glaube fehlgeleitet wird: Man behandelt das Ereignis so, als wäre es selbst etwas Lebendiges und könnte unabhängig vom Vater im Himmel und seinem Sohn Jesus Christus etwas ausrichten.

Nach dem großen ewigen Plan des Vaters ist es der Erretter, der litt. Es ist der Erretter, der die Bande des Todes zerriss. Es ist der Erretter, der den Preis für unsere Sünden und Übertretungen zahlte und der diese unter der Bedingung auslöscht, dass wir umkehren. Es ist der Erretter, der uns vom physischen und vom geistigen Tod befreit.

Es gibt kein gestaltloses Wesen namens „das Sühnopfer“, das wir anrufen können, wenn wir Beistand, Heilung, Vergebung oder Macht benötigen. Jesus Christus ist der Ausgangspunkt. Heilige Begriffe wie Sühnopfer oder Auferstehung beschreiben, was der Erretter gemäß dem Plan des Vaters vollbracht hat, damit wir in diesem Leben Hoffnung haben und in der künftigen Welt ewiges Leben erlangen können. Das sühnende Opfer des Erretters – das zentrale Ereignis der gesamten Menschheitsgeschichte – verstehen wir am besten und schätzen wir am meisten, wenn wir es ausdrücklich und eindeutig mit ihm in Verbindung bringen.

Der Prophet Joseph Smith betonte die große Bedeutung der Mission des Erretters, als er mit Nachdruck erklärte: „Die wesentlichen Grundsätze unserer Religion sind das Zeugnis der Apostel und Propheten über Jesus Christus, dass er gestorben ist, begraben wurde und am dritten Tag wieder auferstanden und dann in den Himmel aufgefahren ist; und alles andere, was mit unserer Religion zu tun hat, ist nur eine Beigabe dazu.“13

Genau diese Aussage des Propheten regte 15 Propheten, Seher und Offenbarer dazu an, anlässlich des 2000. Jahrestages der Geburt des Herrn ihr Zeugnis zu veröffentlichen und zu unterzeichnen. Dieses historische Zeugnis trägt den Titel „Der lebendige Christus“14. Viele Mitglieder kennen die darin enthaltenen Wahrheiten auswendig. Andere wiederum wissen gerade einmal, dass es existiert. Wenn Sie bestrebt sind, mehr über Jesus Christus zu erfahren, rate ich Ihnen dringend, sich damit zu befassen.

Wenn wir Zeit darin investieren, mehr über den Erretter und sein sühnendes Opfer zu erfahren, werden wir angeregt, noch etwas Entscheidendes zu tun, was uns hilft, seine Macht in Anspruch zu nehmen: Wir entscheiden uns dafür, Glauben an ihn auszuüben und ihm nachzufolgen.

Wahre Jünger Jesu Christi sind bereit, aus der Masse hervorzutreten, ihre Meinung zu äußern und sich von den Menschen in der Welt zu unterscheiden. Sie sind unerschrocken, hingebungsvoll und mutig. Ich habe vor Kurzem bei einem Auftrag in Mexiko von solchen Jüngern gehört, als ich mit Regierungsvertretern und Führern anderer Religionsgemeinschaften zusammenkam. Sie alle dankten mir für den heldenhaften und erfolgreichen Einsatz unserer Mitglieder für den Schutz und Erhalt starker Ehen und Familien in ihrem Land.

Es ist keinesfalls leicht, ein solch machtvoller Jünger zu werden, und es geschieht nicht von allein. Unser Blick muss fest auf den Erretter und sein Evangelium gerichtet sein. Es bedarf enormer mentaler Anstrengung, in jedem Gedanken auf den Erretter zu blicken.15 Doch wenn uns das gelingt, verflüchtigen sich unsere Zweifel und Ängste.16

Neulich habe ich von einem furchtlosen Lorbeermädchen gehört. Ihm wurde angeboten, seine Schule bei einem Wettbewerb für den ganzen Bundesstaat zu vertreten, der am selben Abend stattfand wie eine Pfahl-FHV-Versammlung, für die es seine Mitwirkung bereits zugesagt hatte. Als ihm die Überschneidung auffiel und es der Wettbewerbsleitung erklärte, dass es den Wettbewerb früher verlassen müsse, um an einer wichtigen Versammlung teilzunehmen, sagte man ihm, dass es dann ausgeschlossen werde.

Was machte dieses Lorbeermädchen? Es hielt sein Versprechen, an der FHV-Versammlung mitzuwirken, und wurde, wie angekündigt, vom Wettbewerb ausgeschlossen. Als man es zu seiner Entscheidung befragte, erwiderte es schlicht: „Na, die Kirche ist doch wichtiger, oder?“

Glaube an Jesus Christus treibt uns zu Sachen an, die wir sonst nicht machen würden. Glaube, der zum Handeln motiviert, ermöglicht uns, die Macht des Herrn noch mehr in Anspruch zu nehmen.

Zudem vergrößern wir die Macht des Erretters in unserem Leben, wenn wir heilige Bündnisse eingehen und diese Bündnisse präzise einhalten. Unsere Bündnisse binden uns an den Erretter und verleihen uns göttliche Macht. Als treue Jünger kehren wir um und folgen ihm in die Wasser der Taufe. Wir gehen den von Bündnissen vorgezeichneten Weg, um weitere notwendige heilige Handlungen zu empfangen.17 Glücklicherweise ist in Gottes Plan dafür gesorgt, dass diese Segnungen auch Vorfahren zukommen können, die verstorben sind, ohne dass sie eine Gelegenheit hatten, sie in ihrem irdischen Leben zu empfangen.18

Bündnistreue Männer und Frauen sind bemüht, sich von der Welt unbefleckt zu halten, damit nichts sie daran hindert, die Macht des Erretters in Anspruch zu nehmen. Eine gläubige Ehefrau und Mutter schrieb kürzlich: „Dies sind unruhige, gefährliche Zeiten. Wie gesegnet sind wir doch, dass wir vermehrte Erkenntnis vom Erlösungsplan und inspirierte Führung von lebenden Propheten, Aposteln und Führern haben, damit wir in diesen stürmischen Zeiten sicher vorankommen. Wir schalten jetzt nicht mehr wie früher morgens das Radio an. Stattdessen hören wir jetzt jeden Morgen eine Generalkonferenzansprache auf dem Handy, während wir uns für den Tag fertig machen.“

Noch etwas hilft uns dabei, die Macht des Erretters in unser Leben zu bringen: wenn wir zu ihm voller Glauben emporstreben. Dies bedarf eifriger, konzentrierter Anstrengung.

Frauen, die das Gewand des Erretters am Saum berühren

Erinnern Sie sich an die Begebenheit in der Bibel von der Frau, die seit zwölf Jahren an Beschwerden litt, die sie stark belasteten?19 Sie übte großen Glauben an den Erretter aus, als sie ausrief: „Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.“20

Diese gläubige Frau, die sich nicht beirren ließ, musste sich so weit sie nur konnte strecken, um seine Macht in Anspruch nehmen zu können. Ihr ausgestreckter Arm ist ein Symbol dafür, dass sie sich geistig streckte.

Viele von uns haben schon aus tiefstem Herzen Ähnliches wie diese Frau ausgerufen: „Wenn ich mich geistig weit genug strecken könnte, um die Macht des Erretters in mein Leben zu bringen, wüsste ich, wie ich mit meiner bedrückenden Lage umgehen sollte. Ich wüsste, was zu tun wäre, und hätte die Macht dazu.“

Wenn Sie zur Macht des Herrn in Ihrem Leben genauso intensiv emporstreben wie ein Ertrinkender, der die Hand ausstreckt und nach Luft schnappt, dann ist Ihnen die Macht Jesu Christi sicher. Wenn der Erretter erkennt, dass Sie wirklich zu ihm emporstreben wollen, wenn er spürt, dass es Ihr innigster Herzenswunsch ist, seine Macht in Ihr Leben zu bringen, wird der Heilige Geist Sie führen und Sie werden genau wissen, was Sie tun sollen.21

Wenn Sie sich geistig weiter strecken als je zuvor, fließt Ihnen diese Macht zu.22 Dann wird Ihnen die tiefgreifende Bedeutung der Worte im englischen Original des Kirchenlieds „Der Geist aus den Höhen“ bewusst:

Der Herr erweitert das Verständnis der Heiligen. …

Die Erkenntnis und die Macht Gottes breiten sich aus;

der Schleier, der die Erde bedeckt, reißt allmählich entzwei.23

Das Evangelium Jesu Christi ist von der Macht Christi erfüllt, und allen Töchtern und Söhnen Gottes, die ernsthaft danach streben, ist diese Macht zugänglich. Ich gebe Zeugnis: Wenn wir diese Macht in unser Leben bringen, wird er sich ebenso freuen wie wir.24

Als einer seiner besonderen Zeugen verkünde ich, dass Gott lebt! Jesus ist der Messias! Seine Kirche wurde auf der Erde wiederhergestellt! Präsident Thomas S. Monson ist der heutige Prophet Gottes auf der Erde, den ich mit ganzem Herzen unterstütze. Das bezeuge ich. Ich habe Sie lieb und segne einen jeden von Ihnen. Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.

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    Anmerkungen

    1. Siehe 2 Nephi 28:19-30

    2. Siehe Johannes 3:16

    3. Jesus war der Gesalbte – vom Vater im Himmel dazu gesalbt, ihn in allem, was die Erlösung der Menschheit betrifft, zu vertreten. Jesus wurde dazu gesalbt, unser Erretter und Erlöser zu sein. Vor der Erschaffung der Welt wurde Jesus dazu gesalbt, die Unsterblichkeit für alle Kinder Gottes wahr werden zu lassen und ihnen ewiges Leben zu ermöglichen (siehe Johannes 17:24; 1 Petrus 1:20). Daher trug Jesus zwei einzigartige Titel, nämlich der Messias (Hebräisch) und der Christus (Griechisch), die beide „der Gesalbte“ bedeuten (siehe Schriftenführer, „Gesalbte, der“).

    4. Wir können uns dadurch schützen, dass wir das Wort Gottes kennen und danach leben (siehe Epheser 6:17,18; Lehre und Bündnisse 27:18).

    5. Auf Weisung des Vaters erschuf Jesus die Erde (siehe Johannes 1:2,3) und weitere Welten ohne Zahl (siehe Mose 1:33). Lange vor seiner irdischen Geburt war Jesus der große Jehova, der Gott des Alten Testaments. Es war Jehova, der auf dem Berg Sinai zu Mose sprach. Es war Jehova, der den Bund mit Abraham machte, dass alle Nationen der Erde durch Abrahams Nachkommen gesegnet werden würden. Und es war Jehova, der mit Familien aus dem Haus Israel Bündnisse schloss. Jesus war zudem der verheißene Immanuel, von dem Jesaja prophezeite (siehe Jesaja 7:14).

    6. Lehre und Bündnisse 131:6

    7. Siehe Lehre und Bündnisse 76:40,41

    8. Siehe 2 Nephi 31:2-21

    9. Die Bibel, das Buch Mormon, das Buch Lehre und Bündnisse sowie die Köstliche Perle

    10. Siehe Topical Guide, „Jesus Christ“. Zusätzlich zu dem Text unter dem Haupteintrag gibt es noch 57 weitere Einträge, die sich auf ihn beziehen. In anderen Sprachen möge man bitte den Schriftenführer zur Hand nehmen.

    11. Auf den 18 Seiten im Topical Guide werden über 2200 Schriftstellen angeführt

    12. 3 Nephi 27:13,14

    13. Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 55

    14. Siehe „Der lebendige Christus – das Zeugnis der Apostel“, Artikel-Nr. 36299 150

    15. Siehe Helaman 8:15

    16. Siehe Lehre und Bündnisse 6:36

    17. Jesus Christus lehrte uns, wie wichtig heilige Handlungen wie die Taufe (siehe Johannes 3:5), das Abendmahl (siehe Lehre und Bündnisse 59:9) und das Endowment und die Siegelung im Tempel (siehe Lehre und Bündnisse 124:39-42) sind.

    18. Siehe Lehre und Bündnisse 124:29-32

    19. Siehe Lukas 8:43,44

    20. Markus 5:28

    21. Siehe Lehre und Bündnisse 88:63

    22. Als die gläubige Frau das Gewand des Erretters berührte, antwortete dieser sofort: „Es hat mich jemand berührt; denn ich fühlte, wie eine Kraft [im Griechischen dunamis – Macht] von mir ausströmte.“ (Lukas 8:46; Hervorhebung hinzugefügt.)

    23. „The Spirit of God“, Hymns, Nr. 2

    24. Siehe 3 Nephi 17:20