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Frühjahr 2017 | Täglich von der Hand des Vaters im Himmel geleitet

Täglich von der Hand des Vaters im Himmel geleitet

Frühjahr 2017 Generalkonferenz

Der Vater im Himmel weiß besser als jeder andere, was Sie und ich brauchen.

Eine der Hilfen, derer sich der Vater im Himmel am liebsten bedient, um seine Kinder zu führen, sind rechtschaffene Großeltern. Die Mutter meines Vaters war solch eine Frau. Eines Tages – ich war zu klein, um mich daran zu erinnern – wies mich mein Vater zurecht. Als meine Großmutter das sah, sagte sie: „Monte, ich glaube, du gehst zu grob mit ihm um.“

Mein Vater antwortete: „Mutter, ich weise meine Kinder zurecht, wie ich will.“

Daraufhin entgegnete meine weise Großmutter sanft: „Ich auch.“

Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Vater die weise Führung seiner Mutter damals hörte.

Wenn wir an Führung denken, haben wir vielleicht ein Kirchenlied im Sinn, das wir alle kennen und mögen: „Ich bin ein Kind von Gott“. Im Refrain heißt es: „Führet, leitet und begleitet, dass den Weg ich find.“1

Bis vor kurzem habe ich den Refrain für göttliche Weisung an die Eltern gehalten. Als ich über diese Worte nachdachte, erkannte ich, dass sie über diese Weisung hinaus noch eine weitaus größere Bedeutung haben. Jeder Einzelne von uns fleht den Vater im Himmel täglich an, uns zu leiten, zu führen und zu begleiten.

Präsident Dieter F. Uchtdorf hat erklärt: „Der Vater im Himmel weiß besser als jeder andere, was seine Kinder brauchen. Es ist sein Werk und seine Herrlichkeit, uns auf Schritt und Tritt zu helfen; er gibt uns erstaunliche zeitliche und geistige Mittel mit auf den Weg, damit wir zu ihm zurückkehren können.“2

Hören Sie sich diese Worte an: Der Vater im Himmel weiß besser als jeder andere, was Sie und ich brauchen. Infolgedessen hat er für jeden von uns ein passendes Versorgungspaket zusammengestellt. Es enthält viele Bestandteile. Es umfasst seinen Sohn und das Sühnopfer, den Heiligen Geist, Gebote, heilige Schriften, das Gebet, Propheten, Apostel, Eltern, Großeltern, örtliche Führungsbeamte der Kirche und vieles mehr – all dies soll uns dabei helfen, eines Tages zu ihm zurückzukehren und bei ihm zu leben.

Ich möchte heute nur über ein paar Bestandteile des Versorgungspakets sprechen, durch die ich erkannt habe, dass ein liebevoller Vater meine Familie und mich führt, leitet und begleitet. Ich bete darum, dass jeder von Ihnen anhand eigener Erlebnisse erkennt, dass der Vater im Himmel Sie führt, leitet und begleitet und dass Sie mit diesem Wissen zuversichtlich vorangehen und sich bewusst sind, dass Sie niemals wirklich allein sind.

Die Gebote des Vaters im Himmel sind wichtige Bestandteile dieses Versorgungspakets. Alma erklärte: „Schlecht zu sein hat noch nie glücklich gemacht.“3 Toleriert man unangemessenes Verhalten ohne liebevoll zurechtzuweisen, ist das falsches Mitgefühl und fördert lediglich die verbreitete Vorstellung, dass Schlechtigkeit vielleicht doch glücklich macht. Samuel der Lamanit widersprach dieser Vorstellung eindeutig: „Ihr habt das Glücklichsein darin gesucht, dass ihr Übles getan habt, und das ist gegen die Natur jener Rechtschaffenheit, die unserem großen und ewigen Haupt innewohnt.“4

Durch seine Propheten erinnert uns der Vater im Himmel ständig daran, dass Rechtschaffenheit glücklich macht. König Benjamin beispielsweise erklärte, dass der himmlische Vater „verlangt …, dass ihr tut, wie er euch geboten hat; und wenn ihr das tut, segnet er euch unverzüglich dafür“5. Aus einem weiteren Kirchenlied stammt eine ähnliche Erinnerung:

Haltʼ die Gebote, haltʼ die Gebote!

Darin liegt Sicherheit; darin liegt Ruh.

Gott wird dich segnen.6

Um meinen 14. Geburtstag herum lernte ich etwas über einige dieser Segnungen. Ich bemerkte, dass sich meine Eltern anders verhielten. Aufgrund meiner Beobachtung fragte ich: „Gehen wir auf Mission?“ Der erschrockene Gesichtsausdruck meiner Mutter bestätigte meinen Verdacht. Später erfuhren meine Geschwister und ich bei einem Familienrat, dass unsere Eltern dazu berufen worden waren, über eine Mission zu präsidieren.

Wir lebten damals auf einer schönen Ranch in Wyoming. Aus meiner Sicht war unser Leben perfekt. Ich kam von der Schule nach Hause, erledigte meine Hausarbeiten und ging dann jagen oder fischen oder auf Erkundungstour mit meinem Hund.

Kurz nachdem ich von der Berufung erfahren hatte, wurde mir klar, dass ich mich von meinem Hund Blue trennen musste. Ich fragte meinen Vater, was ich mit Blue machen sollte. Ich wollte deutlich machen, wie ungerecht Gottes Forderung war. Ich werde diese Antwort nie vergessen. Er sagte: „Ich weiß es nicht. Er kann wahrscheinlich nicht mitkommen. Du fragst wohl besser den Vater im Himmel.“ Das war nicht die Antwort, die ich erwartet hatte.

Ich fing an, im Buch Mormon zu lesen. Aufrichtig versuchte ich im Gebet herauszufinden, ob ich meinen Hund weggeben musste. Meine Antwort kam nicht sofort. Stattdessen wollte mir ein bestimmter Gedanke nicht aus dem Kopf gehen: „Sei keine Last für deine Eltern. Sei keine Last. Ich habe deine Eltern berufen.“

Ich wusste, was der Vater im Himmel forderte. Dieses Wissen linderte nicht den Schmerz, den ich verspürte, weil ich meinen Hund weggeben musste. Doch durch dieses kleine Opfer wurde mein Herz erweicht und ich fand Frieden darin, nach dem Willen des Vaters im Himmel zu trachten.

Ich danke meinem Vater im Himmel für die Segnungen und für das Glück, das ich durch die heiligen Schriften, das Gebet, den Heiligen Geist und durch einen würdigen irdischen Vater gefunden habe, der seine Rolle als wichtigster Evangeliumslehrer seiner Kinder erfüllte. Sie haben mich geführt und geleitet, ja, mich begleitet, um mir dabei zu helfen, den Weg zu finden – besonders, wenn ich etwas Schwieriges zu tun hatte.

Abgesehen davon, dass wir die von mir erwähnten Bestandteile des Versorgungspakets haben, ist jeder von uns auch mit einem Priestertumsführer gesegnet, der uns führt und leitet.

Präsident Boyd K. Packer hat gesagt: „Der Bischof ist inspiriert! Jedem ist es freigestellt, den Rat unserer Führer anzunehmen oder abzulehnen, aber ignorieren Sie nie den Rat Ihres Bischofs, ob er nun von der Kanzel oder persönlich gegeben wird.“7

Diese Männer bemühen sich, den Herrn zu vertreten. Ganz gleich, ob wir alt oder jung sind, wenn der Satan uns glauben machen will, dass alles verloren ist, haben wir einen Bischof, der uns leitet. Bei Gesprächen mit Bischöfen habe ich eine Gemeinsamkeit festgestellt, was Bekenntnisse von Ungehorsam oder das Leid Unschuldiger, denen furchtbares Unrecht angetan wurde, betrifft. Der Bischof will dem Betreffenden sofort zeigen, wie sehr der Vater im Himmel ihn liebt, und ihn auf dem Weg nach Hause begleiten.

Der wahrscheinlich größte Bestandteil des Versorgungspakets des Vaters im Himmel wird mit diesen Worten beschrieben: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab.“8

Um uns alles zu lehren, was wir tun müssen, ist Jesus Christus uns vorangegangen, indem er uns ein vollkommenes Beispiel gegeben hat, dem wir möglichst nacheifern sollen. Er fleht uns mit ausgestreckten Armen an, ihm nachzufolgen.9 Und wenn wir fehlgehen, und das tun wir alle, erinnert uns der Herr: „Denn siehe, ich, Gott, habe das für alle gelitten, damit sie nicht leiden müssen, sofern sie umkehren.“10

Was für eine wunderbare Gabe! Die Umkehr ist keine Strafe, sondern ein Vorzug. Sie ist ein Vorzug, durch den wir geführt und geleitet werden. Kein Wunder, dass es in den heiligen Schriften heißt, dass wir nichts als nur Umkehr predigen sollen.11

Der Vater im Himmel hat viele Möglichkeiten, häufig lässt er sich jedoch von einem Menschen helfen. Täglich gibt er uns die Möglichkeit, jemanden, der Hilfe braucht, zu führen, zu leiten und zu begleiten. Wir müssen dem Beispiel des Erretters folgen. Auch wir müssen das Werk des himmlischen Vaters tun.

Als Präsidentschaft der Jungen Männer wissen wir, dass die Jugendlichen gesegnet sind, wenn sie Eltern und Führungsbeamte haben, von denen die Jugendlichen stellvertretend für den Vater im Himmel geführt, geleitet und begleitet werden. Es gibt drei Grundsätze,12 die uns dabei helfen, Teil des Versorgungspakets des Vaters im Himmel für andere zu werden:

Erstens: Verbringen Sie Zeit mit den Jugendlichen. Präsident Henry B. Eyring hat diesen Punkt betont: „Es gibt da einiges, was wir tun können und was ganz entscheidende Auswirkungen haben kann. Wir können die Lehre mit Worten vermitteln, doch noch wirksamer ist es, wenn wir die Lehre durch unser gelebtes Beispiel vermitteln.“13 Um die Jugendlichen führen zu können, muss man bei ihnen sein. Wenn wir uns Zeit nehmen, ist dies ein Ausdruck von Liebe, der es uns ermöglicht, durch Wort und Tat zu lehren.

Zweitens: Wenn wir unsere Jugendlichen wirklich leiten wollen, müssen wir sie mit dem Himmel verbinden. Es wird immer eine Zeit geben, in der jeder von uns allein dasteht. Nur der Vater im Himmel kann stets da sein, um uns jederzeit und an allen Orten zu führen. Unsere Jugendlichen müssen wissen, wie sie sich um die Führung durch den Vater im Himmel bemühen.

Drittens: Wir müssen die Jugendlichen führen lassen. Wie liebevolle Eltern, die die Hand eines Kleinkinds halten, das laufen lernt, müssen auch wir loslassen, damit die Jugendlichen Fortschritt machen können. Die Jugendlichen führen zu lassen erfordert Geduld und Liebe. Es ist schwieriger und nimmt mehr Zeit in Anspruch, als wenn wir es selbst tun würden. Vielleicht stolpern sie dabei, doch wir begleiten sie.

Brüder und Schwestern, es wird Zeiten in unserem Leben geben, in denen die Segnungen der Führung weit entfernt oder nicht existent zu sein scheinen. Für solch schwierige Zeiten hat Elder D. Todd Christofferson verheißen: „Stellen Sie … Ihre Bündnisse an die erste Stelle, und nehmen Sie es mit dem Gehorsam genau. Dann können Sie voll Glauben – ohne zu zweifeln – um das bitten, was Sie brauchen, und Gott wird Sie erhören. Während Sie sich anstrengen und nach ihm Ausschau halten, wird er Ihnen Halt geben. Zu der Zeit und in der Art und Weise, die er für richtig erachtet, wird er Ihnen die Hand reichen und sagen: ‚Hier bin ich.‘“14

In solch einer Zeit habe ich über ein Jahr lang durch beständiges und aufrichtiges Beten den Rat des Vaters im Himmel gesucht, um die Lösung für eine schwierige Situation zu finden. Vom Verstand her wusste ich, dass der Vater im Himmel alle aufrichtigen Gebete erhört. Dennoch war ich eines Tages derart verzweifelt, dass ich mit nur einer Frage in den Tempel ging: „Vater im Himmel, interessierst du dich wirklich für mich?“

Ich saß fast ganz hinten im Warteraum des Logan-Utah-Tempels, als zu meiner Überraschung der Tempelpräsident, Vaughn J. Featherstone, hereinkam, der ein guter Freund unserer Familie ist. Er stand vor den Versammelten und hieß uns alle willkommen. Als er mich unter den Tempelbesuchern bemerkte, hörte er kurz auf zu sprechen, sah mir in die Augen und sagte dann: „Bruder Brough, es ist schön, Sie heute im Tempel zu sehen.“

Ich werde nie vergessen, wie ich mich in diesem einfachen Moment gefühlt habe. Es war, als hätte der Vater im Himmel durch diese Begrüßung seine Hand ausgestreckt und gesagt: „Hier bin ich.“

Ja, der Vater im Himmel interessiert sich für uns und er hört und erhört die Gebete aller Kinder.15 Als eines seiner Kinder weiß ich, dass ich die Antwort auf meine Gebete zu der vom Herrn bestimmten Zeit bekommen habe. Durch dieses Erlebnis habe ich deutlicher als jemals zuvor verstanden, dass wir Kinder Gottes sind und dass er uns hierher gesandt hat, damit wir jetzt seine Gegenwart spüren und eines Tages wieder zu ihm zurückkehren können.

Ich bezeuge, dass der Vater im Himmel uns führt, leitet und begleitet. Wenn wir seinem Sohn folgen und auf seine Diener, die Apostel und Propheten, hören, werden wir den Weg zum ewigen Leben finden. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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