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Frühjahr 2017 | Wie hilft uns der Heilige Geist?

Wie hilft uns der Heilige Geist?

Frühjahr 2017 Generalkonferenz

Der Heilige Geist warnt, der Heilige Geist tröstet und der Heilige Geist gibt Zeugnis.

An einem Montagabend vor nicht allzu langer Zeit besuchten meine Frau Lesa und ich eine junge Familie in unserer Nachbarschaft. Als wir dort waren, lud uns die Familie ein, zum Familienabend dazubleiben, wobei sie darauf hinwies, dass ihr neunjähriger Sohn die Lektion vorbereitet habe. Natürlich blieben wir!

Nach dem Anfangslied, dem Gebet und der Besprechung von Familienangelegenheiten begann der Neunjährige mit einer klugen Frage, die er aus seiner von Hand geschriebenen Lektion vorlas: „Wie hilft uns der Heilige Geist?“ Diese Frage führte zu einem tiefgehenden Familiengespräch, zu dem jeder seine Gedanken und Erkenntnisse beisteuerte. Ich war beeindruckt davon, wie unser Lehrer sich auf die Lektion vorbereitet hatte, und auch von seiner sehr guten Frage, die mich immer wieder beschäftigte.

Handschriftliche Lektion für den Familienabend

Seitdem habe ich mich öfter gefragt, wie der Heilige Geist uns hilft. Diese Frage ist besonders für PV-Kinder, die acht Jahre alt werden und sich auf die Taufe vorbereiten, sowie für die Kinder relevant, die sich vor kurzem haben taufen lassen und die Gabe des Heiligen Geistes empfangen haben. Ebenso relevant ist sie für die tausenden Neubekehrten.

Ich bitte jeden von uns, insbesondere die PV-Kinder, darüber nachzudenken, wie der Heilige Geist uns hilft. Als ich über diese Frage nachdachte, kam mir sofort ein Erlebnis aus meiner Jugend in den Sinn. Ich habe diese Begebenheit kurz nach meiner Berufung in das Kollegium der Zwölf Apostel Elder Robert D. Hales erzählt, und er hat sie in einem Artikel für die Zeitschriften der Kirche erwähnt, den er über mein Leben geschrieben hat.1 Einige von Ihnen haben diese Geschichte möglicherweise schon gehört, aber viele vielleicht nicht.

Als ich etwa elf Jahre alt war, gingen mein Vater und ich an einem heißen Sommertag in den nahegelegenen Bergen wandern. Während mein Vater auf dem steilen Weg nach oben wanderte, sprang ich am Wegrand von einem großen Felsen zum nächsten. In der Absicht, einen der großen Felsen zu erklimmen, machte ich mich daran, auf seine Spitze zu klettern. Doch zu meiner Überraschung packte mich mein Vater am Gürtel und zog mich schnell herunter. Er sagte: „Klettere nicht auf diesen Felsen. Lass uns einfach auf dem Weg bleiben.“

Als wir Minuten später von einem höheren Punkt des Weges hinunterschauten, staunten wir nicht schlecht, als wir oben auf dem Felsen, auf den ich hatte klettern wollen, eine große Klapperschlange entdeckten, die sich in der Sonne wärmte.

Später auf der Heimfahrt wusste ich genau, dass Vater auf eine Frage von mir wartete: „Woher wusstest du denn, dass da eine Schlange war?“ Also fragte ich ihn, und meine Frage führte zu einem Gespräch über den Heiligen Geist und darüber, wie der Heilige Geist uns helfen kann. Ich habe nie vergessen, was ich an diesem Tag gelernt habe.

Haben Sie erkannt, wie der Heilige Geist mir geholfen hat? Ich bin unendlich dankbar dafür, dass mein Vater auf die leise, sanfte Stimme des Heiligen Geistes gehört hat, da es mir vielleicht das Leben gerettet hat.

Was wir über den Heiligen Geist wissen

Bevor wir uns weiter mit der Frage beschäftigen, wie der Heilige Geist uns hilft, möchte ich ein wenig darauf eingehen, was der Herr über den Heiligen Geist offenbart hat. Es gibt viele ewige Wahrheiten, die wir betrachten könnten, heute aber möchte ich nur auf drei davon eingehen.

Erstens: Der Heilige Geist ist das dritte Mitglied der Gottheit. Wir erfahren diese Wahrheit im ersten Glaubensartikel: „Wir glauben an Gott, den ewigen Vater, und an seinen Sohn, Jesus Christus, und an den Heiligen Geist.“2

Zweitens: Der Heilige Geist ist eine Person aus Geist, so steht es in neuzeitlicher heiliger Schrift: „Der Vater hat einen Körper aus Fleisch und Gebein, so fühlbar wie der eines Menschen, ebenso der Sohn; aber der Heilige Geist hat keinen Körper aus Fleisch und Gebein, sondern ist eine Person aus Geist. Wäre es nicht so, könnte der Heilige Geist nicht in uns wohnen.“3 Dies bedeutet, dass der Heilige Geist im Gegensatz zu Gottvater und Jesus Christus, die einen physischen Körper haben, einen Geistkörper hat. Diese Wahrheit verschafft uns Klarheit über andere Namen für den Heiligen Geist, die uns vertraut sind, wie einfach nur Geist, Geist Gottes, Geist des Herrn, Heiliger Geist der Verheißung oder Tröster.4

Drittens: Die Gabe des Heiligen Geistes wird durch Händeauflegen übertragen. Diese heilige Handlung, die auf die Taufe folgt, befähigt uns, den Heiligen Geist als ständigen Begleiter zu haben.5 Um diese heilige Handlung zu vollziehen, legen würdige Träger des Melchisedekischen Priestertums jemandem die Hände auf,6 nennen ihn beim Namen, erwähnen ihre Priestertumsvollmacht, bestätigen ihn im Namen Jesu Christi als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und sagen diesen wichtigen Satz: „Empfange den Heiligen Geist.“

Wie hilft uns der Heilige Geist?

Nach dieser kurzen Wiederholung dreier wichtiger Wahrheiten über den Heiligen Geist kehren wir zu unserer ersten Frage zurück: „Wie hilft uns der Heilige Geist?“

Der Heilige Geist warnt

Wie ich in der Geschichte aus meiner Kindheit beschrieben habe, kann der Heilige Geist uns helfen, indem er uns im Voraus vor körperlichen oder geistigen Gefahren warnt. Ich habe diese wichtige Aufgabe des Heiligen Geistes, nämlich zu warnen, noch einmal erlebt, als ich der Gebietspräsidentschaft in Japan angehörte.

Während dieser Zeit arbeitete ich eng mit Präsident Reid Tateoka von der Japan-Mission Sendai zusammen. Im Rahmen seiner üblichen Aufgaben in der Mission plante Präsident Tateoka eine Versammlung für Missionare mit Führungsaufgaben im südlichen Teil seiner Mission. Ein paar Tage vor der Versammlung hatte Präsident Tateoka den Eindruck oder ein Gefühl im Herzen, er solle alle Missionare dieser Zone zur Führerschaftsversammlung einladen, nicht nur, wie geplant, die wenigen mit Führungsaufgaben.

Als er seine Absicht ankündigte, wurde er daran erinnert, dass diese spezielle Versammlung nicht für alle Missionare, sondern nur für solche mit Führungsaufgaben gedacht war. Er wich jedoch von den üblichen Gepflogenheiten ab, um der Eingebung zu folgen, die er empfangen hatte, und lud alle Missionare – sie waren in mehreren Küstenstädten tätig, darunter auch Fukushima – zu der Versammlung ein. Am vereinbarten Tag, dem 11. März 2011, kamen die Missionare zu der erweiterten Missionarsversammlung in der im Landesinnern gelegenen Stadt Koriyama zusammen.

Während dieser Versammlung erschütterten ein Erdbeben der Stärke 9,0 und ein Tsunami die Region, in der die Japan-Mission Sendai liegt. Tragischerweise wurden viele Küstenstädte, darunter auch diejenigen, aus denen die Missionare zusammengekommen waren, zerstört, und es gab viele Todesopfer. Und in der Stadt Fukushima kam es danach zu einem nuklearen Zwischenfall.

Das Gemeindehaus, in dem die Missionare an diesem Tag zusammengekommen waren, wurde zwar durch das Erdbeben beschädigt, aber weil Präsident Tateoka die Eingebungen des Heiligen Geistes befolgt hatte, waren er, seine Frau und alle Missionare in Sicherheit versammelt. Sie waren sicher und viele Kilometer von der Zerstörung durch den Tsunami und von der radioaktiven Strahlung entfernt.

Wenn wir auf die Eingebungen des Heiligen Geistes achten, und diese Eindrücke sind meist sehr still und leise, können wir, ohne es jemals zu erfahren, geistig und zeitlich vor Gefahr bewahrt werden.

Brüder und Schwestern, der Heilige Geist hilft uns, indem er uns warnt, wie er meinen Vater und Präsident Tateoka gewarnt hat.

Der Heilige Geist tröstet

Um die Frage, wie der Heilige Geist uns hilft, weiter zu beantworten, befassen wir uns jetzt mit seiner Aufgabe als Tröster. Unerwartete Ereignisse im Leben können Trauer, Schmerz und Enttäuschung mit sich bringen. Inmitten solcher Prüfungen steht uns der Heilige Geist in Erfüllung einer seiner wichtigen Aufgaben bei, nämlich als Tröster oder Beistand – und so wird er tatsächlich auch genannt. Diese friedlichen, beruhigenden Worte Jesu Christi beschreiben diese heilige Aufgabe: „Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.“7

Um dies näher zu veranschaulichen, erzähle ich Ihnen eine wahre Geschichte über eine Familie mit fünf Söhnen, die vor vielen Jahren von Los Angeles in einen kleinen Ort zog. Die zwei ältesten Söhne waren an der Schule sportlich aktiv und hatten Umgang mit Mannschaftskameraden und Trainern, von denen viele treue Mitglieder der Kirche waren. Diese Beziehungen trugen dazu bei, dass Fernando, der Älteste, und sein nächstjüngerer Bruder sich taufen ließen.

Fernando zog später von zu Hause weg, setzte seine Ausbildung fort und spielte am College Football. Seine Frau Bayley, in die er sich an der Highschool verliebt hatte, heiratete er im Tempel. Als Fernando und Bayley ihr Studium abschlossen, freuten sie sich auf die Geburt ihres ersten Kindes, eines Mädchens. Doch als ihre Familien Fernando und Bayley halfen, wieder in die Heimat zurückzuziehen, gerieten Bayley und ihre Schwester bei der Fahrt auf der Autobahn in einen tragischen Unfall mit etlichen Fahrzeugen. Bayley und ihre ungeborene Tochter kamen dabei ums Leben.

Fernando und Bayley

Aber so tief der Kummer von Fernando und auch von Bayleys Eltern und Geschwistern war, so tief waren auch der Friede und der Trost, die sie im Gegensatz dazu fast unmittelbar erfuhren. In seiner Aufgabe als Tröster war der Heilige Geist Fernando in seinem unfassbaren Leid tatsächlich eine Stütze. Der Geist erfüllte Fernando mit dauerhaftem Frieden, sodass er schließlich allen, die an dem tragischen Unfall beteiligt gewesen waren, mit Vergebungsbereitschaft und Liebe begegnen konnte.

Bayleys Eltern riefen deren Bruder an, der zur Zeit des Unfalls auf Mission war. Er beschrieb in einem Brief, was er empfand, als er die schlimme Nachricht über seine geliebte Schwester hörte: „Ich staunte, wie ruhig eure Stimmen trotz all der Aufregung klangen. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. … Ich konnte nur daran denken, dass meine Schwester nicht da sein wird, wenn ich nach Hause komme. … Euer unerschütterliches Zeugnis vom Erretter und seinem Plan hat mich getröstet. Mein Herz wurde von dem gleichen friedlichen Gefühl erfüllt, das mich zu Tränen rührt, wenn ich lerne oder Menschen unterweise. Ich wurde getröstet und an das erinnert, was ich weiß.“8

Der Heilige Geist hilft uns, indem er uns tröstet, wie er Fernando und Bayleys Familie getröstet hat.

Der Heilige Geist gibt Zeugnis

Der Heilige Geist gibt auch Zeugnis vom Vater und vom Sohn und von aller Wahrheit.9 Der Herr sagte zu seinen Jüngern: „Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, … wird er Zeugnis für mich ablegen.“10

Um die wertvolle Aufgabe des Heiligen Geistes als Zeuge zu beschreiben, fahre ich mit der Geschichte von Fernando und Bayley fort. Wie Sie sich vielleicht erinnern, habe ich erzählt, dass Fernando und sein Bruder sich hatten taufen lassen, seine Eltern und seine drei jüngeren Brüder jedoch nicht. Und obwohl die Familie im Laufe der Jahre unzählige Male eingeladen worden war, sich mit den Missionaren zu treffen, lehnte sie jedes Mal ab.

Nach dem schmerzlichen Tod von Bayley und ihrer kleinen Tochter war Fernandos Familie untröstlich. Im Gegensatz zu Fernando und Bayleys Familie fanden sie weder Trost noch Frieden. Sie verstanden nicht, wie ihr eigener Sohn und auch Bayleys Familie ihre schwere Last tragen konnten.

Schließlich kamen sie zu dem Schluss, dass ihr Sohn im Gegensatz zu ihnen das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi hatte und dass dies die Quelle seines Friedens und Trostes sein musste. Als sie dies erkannten, luden sie die Missionare ein, ihnen vom Evangelium zu erzählen. Infolgedessen empfingen sie selbst ein Zeugnis vom großen Plan des Glücklichseins, was ihnen den wohltuenden Frieden und den beruhigenden Trost brachte, nach dem sie sich verzweifelt sehnten.

Taufe von Fernandos Familie

Zwei Monate nach dem Tod von Bayley und der ungeborenen Enkeltochter ließen sich Fernandos Eltern und zwei seiner jüngeren Brüder taufen und konfirmieren und empfingen die Gabe des Heiligen Geistes. Fernandos jüngster Bruder freut sich darauf, sich taufen zu lassen, wenn er acht Jahre alt wird. Jeder von ihnen bezeugt, dass der Geist, der Heilige Geist, Zeugnis gab, dass das Evangelium wahr ist, und den Wunsch in ihnen weckte, sich taufen zu lassen und die Gabe des Heiligen Geistes zu empfangen.

Brüder und Schwestern, der Heilige Geist hilft Ihnen, indem er Ihnen Zeugnis gibt, wie er Fernandos Familie Zeugnis gegeben hat.

Zusammenfassung

Fassen wir jetzt zusammen. Wir haben drei offenbarte Wahrheiten genannt, die uns Erkenntnisse über den Heiligen Geist vermitteln, und zwar: Der Heilige Geist ist das dritte Mitglied der Gottheit, der Heilige Geist ist eine Person aus Geist, und die Gabe des Heiligen Geistes wird durch Händeauflegen übertragen. Wir haben auch drei Antworten auf die Frage, wie der Heilige Geist uns hilft, genannt: Der Heilige Geist warnt, der Heilige Geist tröstet und der Heilige Geist gibt Zeugnis.

Würdig sein, sich die Gabe zu bewahren

Für die körperliche und geistige Sicherheit all derer unter Ihnen, die sich auf die Taufe und die Konfirmierung vorbereiten, und all derer, die sich vor kurzem oder sogar schon vor langer Zeit haben taufen und konfirmieren lassen, ist es unerlässlich, dass sie sich die Gabe des Heiligen Geistes bewahren. Damit beginnen wir, indem wir uns Mühe geben, die Gebote zu halten, alleine und mit der Familie zu beten, die heiligen Schriften zu lesen und zu Angehörigen und anderen lieben Menschen eine Beziehung zu pflegen, die von Liebe und Vergebungsbereitschaft geprägt ist. Wir müssen unser Denken und Handeln und unsere Wortwahl tugendhaft halten. Wir müssen den Vater im Himmel zu Hause, in der Kirche und so oft wie möglich im heiligen Tempel verehren. Bleiben Sie dem Geist nahe, dann bleibt der Geist auch Ihnen nahe.

Zeugnis

Ich schließe jetzt mit einer Aufforderung und mit meinem sicheren Zeugnis. Ich fordere Sie auf, besser im Einklang mit den Worten zu leben, die so oft von unseren PV-Kindern gesungen werden – Worte, die sie sicherlich erkennen: „Horche, horche, der Heilʼge Geist will sprechen. Horche, horche auf den Heilʼgen Geist.“11

Meine lieben Brüder und Schwestern, alt und jung, ich gebe Zeugnis für die herrliche Existenz der göttlichen Wesen, die die Gottheit bilden: Gottvater, Jesus Christus und der Heilige Geist. Ich gebe Zeugnis, dass einer der Vorzüge, die wir als Heilige der Letzten Tage in der Fülle der Zeiten genießen, die Gabe des Heiligen Geistes ist. Ich weiß, dass der Heilige Geist uns jetzt und in Zukunft hilft. Ich lege auch als besonderer Zeuge Zeugnis ab für Jesus Christus und seine Rolle als unser Erretter und Erlöser und für Gott, der unser Vater im Himmel ist. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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