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Frühjahr 2017 | „Meinen Frieden hinterlasse ich euch“

„Meinen Frieden hinterlasse ich euch“

Frühjahr 2017 Generalkonferenz

Der Herr verhieß seinen Jüngern Frieden, kurz bevor er sie verließ. Die gleiche Verheißung hat er auch uns gemacht.

Meine lieben Schwestern, der Geist Gottes ist heute Abend bei uns. Die inspirierten Botschaften von den beeindruckenden Führerinnen der Schwestern und die Musik haben unseren Glauben gefestigt und unseren Wunsch wachsen lassen, die heiligen Bündnisse, die wir mit unserem liebevollen Vater im Himmel geschlossen haben, zu halten. Unsere Liebe zum Herrn Jesus Christus hat zugenommen und wir empfinden Dankbarkeit für sein Sühnopfer, das ein wunderbares Geschenk ist.

Meine heutige Botschaft ist eine einfache. Wir alle haben heute Abend Frieden empfunden. Wir alle möchten oftmals in uns selbst, in unserer Familie und bei unseren Mitmenschen einen solchen Frieden spüren. Der Herr verhieß seinen Jüngern Frieden, kurz bevor er sie verließ. Die gleiche Verheißung hat er auch uns gemacht. Er hat jedoch auch gesagt, dass er auf seine Weise Frieden verleiht und nicht auf die Weise der Welt. Er hat beschrieben, wie er Frieden sendet:

„Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ (Johannes 14:26,27.)

Die Söhne Mosias brauchten die Gabe dieses Friedens, als sie auf ihre Mission zu den Lamaniten aufbrachen. Ihnen war nicht nur ein bisschen bange, als sie spürten, welch große Aufgabe vor ihnen lag, und so beteten sie um Zuversicht. Und „der Herr besuchte sie mit seinem Geist und sprach zu ihnen: Seid getrost. Und sie waren getrost.“ (Alma 17:10; siehe auch Alma 26:27.)

Manchmal sehnen Sie sich vielleicht nach Frieden, wenn Sie etwas Ungewisses erwartet oder sich Schwierigkeiten abzuzeichnen scheinen. Die Söhne Mosias haben die Lektion gelernt, die Moroni vom Herrn erteilt bekam. Sie ist uns allen eine Richtschnur: „Wenn Menschen zu mir kommen, so zeige ich ihnen ihre Schwäche. Ich gebe den Menschen Schwäche, damit sie demütig seien; und meine Gnade ist ausreichend für alle …, die sich vor mir demütigen; denn wenn sie sich vor mir demütigen und Glauben an mich haben, dann werde ich Schwaches für sie stark werden lassen.“ (Ether 12:27.)

Moroni berichtet, dass er „getröstet“ war, als er „diese Worte hörte“ (Ether 12:29). Sie können uns allen ein Trost sein. Wer seine Schwächen nicht erkennt, macht keinen Fortschritt. Es ist ein Segen, wenn man sich seiner Schwäche bewusst ist, denn es hilft einem, demütig zu bleiben und sich immer wieder dem Erretter zuzuwenden. Der Geist tröstet uns nicht nur, sondern er ist auch das Mittel, durch das das Sühnopfer im Kern unseres Wesens eine Wandlung bewirkt. Dann wird Schwaches stark.

Zuweilen greift der Satan Ihren Glauben an; das widerfährt allen Jüngern Jesu Christi. Sie schützen sich gegen diese Angriffe, wenn Sie sich den Heiligen Geist als Begleiter bewahren. Der Geist wird Ihrer Seele Frieden zusprechen. Er wird Sie anspornen, voller Glauben vorwärtszugehen. Und er wird Ihnen die Zeiten ins Gedächtnis rufen, als Sie das Licht und die Liebe Jesu Christi verspürt haben.

Die Erinnerung ist vielleicht eine der kostbarsten Gaben, die der Geist Ihnen geben kann. Er wird Sie an alles erinnern, was der Herr Ihnen gesagt hat (siehe Johannes 14:26). Er erinnert Sie vielleicht an ein Gebet, das erhört wurde, eine an Ihnen vollzogene heilige Handlung des Priestertums, eine Bestätigung Ihres Zeugnisses oder einen Augenblick, in dem Sie die leitende Hand Gottes in Ihrem Leben erkannt haben. Vielleicht wird der Geist Sie, wenn Sie irgendwann einmal Kraft brauchen, an die Eindrücke erinnern, die Sie bei dieser Versammlung haben. Ich bete darum, dass dies so sein möge.

Mich erinnert der Geist oft an eine Abendmahlsversammlung, die vor vielen Jahren abends in einem Metallschuppen in Innsbruck abgehalten wurde. Der Schuppen befand sich unterhalb von Bahngleisen. Es waren nur etwa ein Dutzend Leute anwesend. Sie saßen auf Holzstühlen. Die meisten waren Frauen; einige waren jung, einige älter. Ich bemerkte, wie sie vor Dankbarkeit weinten, als das Abendmahl in dieser kleinen Runde ausgeteilt wurde. Ich spürte, dass der Erretter diese Heiligen liebte, und auch sie spürten es. Doch das Wunder, an das ich mich am deutlichsten erinnere, war das Licht, das diesen Metallschuppen zu füllen schien und von Frieden begleitet war. Es war spät am Abend und es gab keine Fenster, und doch war der Raum so hell erleuchtet, als würde die Mittagssonne scheinen.

Das Licht des Heiligen Geistes leuchtete hell an diesem Abend und war reichlich vorhanden. Und die Fenster, die es einließen, waren die demütigen Herzen dieser Heiligen, die vor den Herrn getreten waren, um Vergebung für ihre Sünden zu erlangen und sich zu verpflichten, immer an ihn zu denken. Damals war es nicht schwer, an ihn zu denken, und meine Erinnerung an dieses heilige Erlebnis machte es mir in den Jahren, die darauf folgten, leichter, an ihn und an sein Sühnopfer zu denken. Die Verheißung im Abendmahlsgebet, dass der Geist mit uns sein wird, wurde an diesem Tag erfüllt und brachte daher ein Gefühl von Licht und Frieden mit sich.

Wie Sie bin ich dankbar dafür, dass der Herr mir auf vielerlei Weise den Beistand und Tröster gesandt hat, wenn ich Frieden brauchte. Unserem Vater im Himmel geht es jedoch nicht nur darum, uns beizustehen und zu trösten, sondern noch viel mehr um den Fortschritt, der uns emporführt. „Beistand“ und „Tröster“ ist nur eine Art und Weise, wie der Heilige Geist in den heiligen Schriften beschrieben wird. Hier ist eine weitere: „Und nun, wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Setze dein Vertrauen in jenen Geist, der dazu führt, Gutes zu tun.“ (LuB 11:12.) Meist gehört zu dem Guten, wohin er Sie führt, dass Sie jemandem helfen, Beistand und Trost von Gott zu empfangen.

In seiner Weisheit hat der Herr Sie in seiner Kirche in Organisationen und Klassen zusammengeführt. Damit möchte er Ihre Fähigkeit, Gutes zu tun, noch erhöhen. Innerhalb dieser Organisationen haben Sie bestimmte Aufgaben, um anderen in seinem Namen zu dienen. Wenn du zum Beispiel eine Junge Dame bist, wirst du vielleicht von deinem Bischof oder deiner JD-Leiterin gebeten, dich um ein Lorbeermädchen zu kümmern, das, wie wir manchmal sagen, „weniger aktiv“ geworden ist. Du kennst es womöglich besser als der Bischof oder die JD-Leiterin. Du weißt vielleicht, dass es zu Hause oder in der Schule Sorgen hat oder dass vielleicht beides zutrifft. Deine Führungsbeamten mögen gar nicht wissen, warum sie den Eindruck hatten, dass sie dich bitten sollten, dich um das Mädchen zu kümmern, doch der Herr weiß es. Er führt sein Werk mittels Inspiration durch seinen Geist.

Damit deine Bemühungen erfolgreich sind, ist das Wunder zweier Herzenswandlungen erforderlich – bei dir und bei dem Mädchen, das du zu retten gesandt wurdest. Und dazu brauchst du den Heiligen Geist als Begleiter. Der Geist kann dich das weniger aktive Lorbeermädchen so sehen lassen, wie der Herr es sieht. Der Herr kennt das Herz des Mädchens, und er weiß, dass ein Herz sich wandeln kann. Er kann euch beide mit seinem Geist besuchen, um in euch Demut, Vergebungsbereitschaft und Liebe zu wecken.

Der Geist kann die Worte, die Taten und die Geduld hervorbringen, die du brauchst, um ein Lamm zur Rückkehr in die Herde einzuladen. Und er kann der Herde in der Klasse der Lorbeermädchen das Herz anrühren, damit sie dem verlorenen Schaf Liebe entgegenbringt und es willkommen heißt. Dann spürt das Mädchen bei seiner Rückkehr, dass es heimgekehrt ist.

Ihre Fähigkeit, als Gruppe von Töchtern Gottes Gutes zu tun, hängt in hohem Maße davon ab, inwieweit unter Ihnen Einigkeit und Liebe herrschen. Dies ist eine weitere Friedensgabe, die durch den Heiligen Geist gewährt wird.

Alma verstand dies. Deshalb flehte er sein Volk an, „sie sollten keinen Streit untereinander haben, sondern sie sollten eines Sinnes vorwärtsblicken, einen Glauben und eine Taufe haben und ihre Herzen in Einigkeit und gegenseitiger Liebe verbunden haben“ (Mosia 18:21).

Einigkeit ist unabdingbar, damit der Geist in unserer Klasse und in unserer Familie zugegen sein kann. Doch wie ich wissen Sie aus Erfahrung, dass es schwer sein kann, solche Liebe und Einigkeit zu bewahren. Wir brauchen den Heiligen Geist als Begleiter, damit er uns die Augen öffnet und unsere Gefühle mäßigt.

Ich weiß noch, wie einst ein sieben- oder achtjähriger Sohn von uns so heftig auf seinem Bett herumhüpfte, dass ich fürchtete, es würde entzweigehen. Ich spürte Missmut in mir aufkommen und machte mich rasch daran, mein Haus in Ordnung zu bringen. Ich packte meinen Sohn an seinen kleinen Schultern und hob ihn hoch, bis wir auf Augenhöhe waren.

Da ließ mir der Geist Worte in den Sinn kommen. Die Stimme kam mir leise vor, aber sie drang mir tief ins Herz: „Du hältst einen feinen Menschen in den Händen.“ Ich setzte den Jungen sachte wieder auf dem Bett ab und entschuldigte mich.

Jetzt ist aus ihm der feine Mann geworden, den der Heilige Geist mich vor 40 Jahren erkennen ließ. Ich bin auf ewig dankbar, dass der Herr mich vor meiner Lieblosigkeit bewahrt hat, indem er den Heiligen Geist sandte und mich ein Kind Gottes so sehen ließ, wie er es sah.

Die Einigkeit, die wir in unserer Familie und in der Kirche anstreben, entsteht, wenn wir den Heiligen Geist beeinflussen lassen, was wir sehen, wenn wir einander anschauen – und sogar, wenn wir aneinander denken. Der Geist schaut durch die Augen der reinen Christusliebe. Hören Sie sich an, mit welchen Worten Mormon die Nächstenliebe beschreibt. Denken Sie an Zeiten zurück, da Sie so empfunden haben:

„Nächstenliebe ist langmütig und ist gütig und neidet nicht und ist nicht aufgeblasen, sucht nicht das Ihre, lässt sich nicht leicht zum Zorn reizen, denkt nichts Böses und freut sich nicht am Übeltun, sondern freut sich an der Wahrheit, erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles.

Darum, meine geliebten Brüder [und ich ergänze: Schwestern], wenn ihr nicht Nächstenliebe habt, seid ihr nichts, denn die Nächstenliebe hört niemals auf. Darum haltet an der Nächstenliebe fest, die von allem das Größte ist, denn alles muss aufhören –

aber die Nächstenliebe ist die reine Christusliebe, und sie dauert für immer fort; und bei wem am letzten Tag gefunden wird, dass er sie besitzt, mit dem wird es wohl sein.

Darum, meine geliebten Brüder [und Schwestern], betet mit der ganzen Kraft des Herzens zum Vater, dass ihr von dieser Liebe erfüllt werdet, die er all denen zuteilwerden lässt, die wahre Nachfolger seines Sohnes Jesus Christus sind; damit ihr Söhne [und Töchter] Gottes werdet; damit wir, wenn er erscheinen wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist; damit wir diese Hoffnung haben; damit wir rein gemacht werden, so wie er rein ist.“ (Moroni 7:45-48.)

Das ist das Ziel, das der Vater im Himmel für Sie, seine kostbaren Töchter, im Sinn hat. Ihnen mag es wie ein weit entferntes Ziel erscheinen, aber aus seiner Sicht sind Sie gar nicht so weit davon entfernt. Er besucht Sie daher mit seinem Geist, um Ihnen beizustehen und Sie zu trösten, Ihnen Mut zu machen und Sie zu inspirieren, weiter voranzustreben.

Ich bezeuge Ihnen und bin mir völlig sicher, dass der Vater Sie kennt, dass er Sie namentlich kennt und weiß, was Sie brauchen, dass er Sie liebt und Ihre Gebete vernimmt. Sein geliebter Sohn lädt Sie ein, zu ihm zu kommen. Und sie senden Ihnen den Heiligen Geist, damit er Ihnen bei Ihren Bemühungen zur Seite steht, anderen in ihrem Namen zu dienen.

Dank des Sühnopfers Jesu Christi wird es eine heiligende und reinigende Wirkung auf Ihren Geist haben, wenn der Heilige Geist immer bei Ihnen ist. Sie werden dann den Frieden spüren, den seinen Jüngern zu hinterlassen der Erretter verheißen hat. Dieser Frieden wird begleitet von strahlender Hoffnung und einem Gefühl von Licht und von der Liebe des Vaters und seines geliebten Sohnes, der sein Reich auf der Erde durch Offenbarung an seinen lebenden Propheten führt. Dies bezeuge ich im Namen des Herrn Jesus Christus. Amen.