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Frühjahr 2017 | Die Welt überwinden

Die Welt überwinden

Frühjahr 2017 Generalkonferenz

Man überwindet die Welt nicht in einem einzelnen entscheidenden Augenblick, sondern mit einem Leben voller Augenblicke, die die Ewigkeit bestimmen.

Vor vielen Jahren erzählte Präsident David O. McKay von einem schönen Erlebnis, das er auf einem Schiff auf dem Weg nach Samoa hatte. Nachdem er eingeschlafen war, hatte er „eine unendlich erhabene Vision“. Er beschrieb diese wie folgt: „In der Ferne sah ich eine wunderschöne weiße Stadt. … Bäume mit köstlichen Früchten … und herrlich blühende Blumen in Hülle und Fülle [waren überall] zu sehen. … Dann sah ich eine große Schar von Menschen auf die Stadt zugehen. Jeder trug ein weißes, fließendes Gewand … Augenblicklich geriet ihr Anführer in mein Blickfeld; zwar sah ich nur sein Profil und seine Gestalt, aber ich erkannte ihn sofort als meinen Erretter! … Das Leuchten in seinem Antlitz [war] herrlich anzuschauen. Er strahlte einen … göttlichen Frieden aus!“

Präsident McKay fuhr fort: „Die Stadt … war die seine. Es war die ewige Stadt, und die Menschen, die ihm folgten, sollten dort in Frieden und ewigem Glück leben.“

Präsident McKay fragte sich, wer die ganzen Leute wohl waren.

Er erklärte, was daraufhin geschah:

„Als könne der Erretter meine Gedanken lesen, antwortete er, indem er auf [Worte in einem] Halbkreis wies, der gerade da über [den Leuten] erschien und auf dem in goldenen Lettern geschrieben stand:

,Das sind diejenigen, die die Welt überwunden haben –

die wahrhaftig von neuem geboren sind!‘“1

Diese Worte habe ich über all die Jahre nicht vergessen: „Das sind diejenigen, die die Welt überwunden haben.“

Die Segnungen, die der Herr denjenigen verheißen hat, die die Welt überwinden, sind atemberaubend. Sie werden „mit weißen Gewändern bekleidet werden“ und ihr Name wird im „Buch des Lebens“ verzeichnet sein. Der Herr wird sich „vor [dem] Vater und vor seinen Engeln zu [ihnen] bekennen“2. Jeder von ihnen wird „an der ersten Auferstehung teilhaben“3, ewiges Leben empfangen4 und für immer in der Gegenwart Gottes bleiben.5

Ist es möglich, die Welt zu überwinden und diese Segnungen zu empfangen? Ja!

Die Liebe zum Erretter

Wer die Welt überwindet, entwickelt eine allumfassende Liebe zu unserem Herrn und Erretter, Jesus Christus.

Seine Geburt als Sohn Gottes, sein vollkommenes Leben, sein unbegrenztes Sühnopfer in Getsemani und auf Golgota haben die Auferstehung eines jeden von uns sichergestellt. Er allein kann uns, wenn wir aufrichtig umkehren, von unseren Sünden reinigen und ermöglicht es uns damit, in die Gegenwart Gottes zurückzukehren. „Wir wollen [ihn] lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“6

Jesus sagte: „Habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“7

Später fügte er hinzu: „Ich will, dass ihr die Welt überwindet.“8

Man überwindet die Welt nicht in einem einzelnen entscheidenden Augenblick, sondern mit einem Leben voller Augenblicke, die die Ewigkeit bestimmen.

Das kann beginnen, wenn ein Kind beten lernt und andächtig singt: „Ich möchte so sein wie Jesus.“9 Es setzt sich fort, wenn man sich mit dem Leben des Erretters im Neuen Testament beschäftigt und über die im Buch Mormon beschriebene Macht des Sühnopfers Jesu nachdenkt.

Wenn wir beten, umkehren, dem Erretter nachfolgen und seine Gnade empfangen, verstehen wir besser, warum wir hier sind und wer wir werden sollen.

Alma beschreibt dies so: „Bei ihnen [wird] eine mächtige Wandlung im Herzen bewirkt, und sie demütig[en] sich und setz[en] ihr Vertrauen in den wahren und lebendigen Gott [und sind] bis ans Ende treu.“10

Wer die Welt überwindet weiß, dass er dem Vater im Himmel dereinst Rechenschaft ablegen muss. Sich aufrichtig zu ändern und von seinen Sünden umzukehren, beschränkt einen dann nicht mehr, sondern ist befreiend, da „Sünden … rot wie Scharlach … weiß werden wie Schnee“11.

Die Rechenschaftspflicht gegenüber Gott

Wer von der Welt ist, hat Schwierigkeiten mit der Rechenschaftspflicht gegenüber Gott – wie ein Kind, das während der Abwesenheit der Eltern eine Party feiert, das Tohuwabohu genießt und sich weigert, an die Folgen zu denken, wenn die Eltern 24 Stunden später zurückkommen. 

Die Welt ist mehr daran interessiert, dem natürlichen Menschen nachzugeben, als ihn zu bezwingen.

Man überwindet die Welt nicht mit einer weltweiten Invasion, sondern in einer sehr persönlichen Schlacht, sozusagen im Nahkampf gegen seine inneren Feinde.

Die Welt zu überwinden bedeutet, dass man das größte Gebot wertschätzt: „Du [sollst] den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.“12

Der christliche Schriftsteller C. S. Lewis beschrieb dies so: „Christus sagt: ‚Gib mir alles. Ich will nicht nur einen bestimmten Teil deiner Zeit, deines Geldes und deiner Arbeit. Ich will dich.‘“13

Die Welt zu überwinden bedeutet, die Versprechen, die wir Gott gegeben haben, zu halten – unseren Taufbund und unsere Tempelbündnisse und unseren Treueeid unserem ewigen Ehepartner gegenüber. Wenn wir die Welt überwinden wollen, führt uns das jede Woche demütig zum Abendmahlstisch, wo wir um Vergebung bitten und versprechen, „immer an ihn zu denken und seine Gebote … zu halten, damit sein Geist immer mit [uns] sei“14.

Unsere Wertschätzung des Sabbats hört nicht auf, wenn sich die Türen des Gemeindehauses hinter uns schließen. Vielmehr öffnet sie die Türen zu einem schönen Tag, an dem wir von den Aufgaben des Alltags ausruhen, uns mit den heiligen Schriften befassen, beten und uns unserer Familie und anderen zuwenden, die unsere Aufmerksamkeit brauchen. Konzentrieren wir uns doch weiterhin auf den Erretter und auf seinen heiligen Tag, statt erleichtert aufzuatmen, wenn die Versammlungen in der Kirche vorbei sind, und hektisch nach Hause zu eilen, in der Hoffnung, noch rechtzeitig das Fußballspiel im Fernsehen sehen zu können.

Die Welt wird unaufhörlich von einer Flut verlockender, verführerischer Stimmen angetrieben.15

Die Welt zu überwinden bedeutet, der einen Stimme zu vertrauen, die warnt, tröstet, erleuchtet und Frieden bringt, wie die Welt ihn nicht gibt.16

Selbstlosigkeit

Die Welt zu überwinden bedeutet, dass wir uns anderen zuwenden und an das zweite Gebot17 denken: „Der Größte von euch soll euer Diener sein.“18 Das Glück unseres Ehepartners ist wichtiger als unser eigenes Vergnügen. Unseren Kindern zu helfen, Gott zu lieben und seine Gebote zu halten, ist von höchster Priorität. Wir geben bereitwillig von unseren materiellen Segnungen ab, indem wir den Zehnten und das Fastopfer zahlen und den Bedürftigen von unserer Habe geben. Und wenn unsere geistigen Antennen himmelwärts gerichtet sind, führt uns der Herr zu den Menschen, denen wir helfen können.

Der Welt geht es nur um sich selbst. Stolz verkündet sie: „Schau, wie toll ich bin, verglichen mit meinem Nachbarn! Schau dir an, was mir alles gehört! Sieh nur, wie wichtig ich bin!“

Die Welt ist schnell verärgert, verliert leicht das Interesse, wird fordernd und liebt den Jubel der Menge. Die Welt zu überwinden führt hingegen zu Demut, Einfühlungsvermögen, Mitgefühl und Geduld mit denjenigen, die anders sind als man selbst.

Sicherheit durch Propheten

Die Welt zu überwinden bedeutet immer, dass wir einige Glaubensansichten haben, die von der Welt verspottet werden. Der Erretter hat gesagt:

„Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat.

Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben.“19

Präsident Russell M. Nelson hat heute Vormittag gesagt: „Wahre Jünger Jesu Christi sind bereit, aus der Masse hervorzutreten, ihre Meinung zu äußern und sich von den Menschen in der Welt zu unterscheiden.“20

Eine Jüngerin Christi ist nicht beunruhigt, wenn ein Post über ihren Glauben nicht 1.000 Mal mit „Gefällt mir“ bewertet wird oder noch nicht einmal ein paar freundliche Emojis erhält.

Die Welt zu überwinden bedeutet, dass wir uns weniger Gedanken um unsere Internetkontakte machen, sondern mehr an unserer Verbindung zu Gott interessiert sind.

Der Herr sorgt für unsere Sicherheit, wenn wir der Führung durch seine lebenden Propheten und Apostel Beachtung schenken.

Präsident Monson spricht

Präsident Thomas S. Monson hat gesagt: „Die Welt kann ein schwieriger … Ort sein. [Wenn wir zum Tempel gehen], werden wir besser imstande sein, jede Prüfung zu ertragen und jede Versuchung zu überwinden. … Wir werden erneuert und gestärkt.“21

Mit zunehmenden Versuchungen, Ablenkungen und verzerrten Darstellungen versucht die Welt, den Gläubigen dazu zu bringen, dass er die machtvollen geistigen Erlebnisse, die er in der Vergangenheit hatte, schließlich als törichte Täuschungen abtut.

Die Welt zu überwinden bedeutet, dass wir uns, auch wenn wir entmutigt sind, an die Zeiten erinnern, als wir die Liebe und das Licht des Erretters gespürt haben. Elder Neal A. Maxwell hat ein solches Erlebnis so erklärt: „Ich war gesegnet worden, und ich wusste, dass Gott wusste, dass ich gesegnet worden war.“22 Auch wenn wir uns vorübergehend vergessen fühlen mögen, vergessen wir nicht.

Die Welt zu überwinden bedeutet nicht, dass wir ein Leben in Abgeschiedenheit führen, geschützt vor der Ungerechtigkeit und den Schwierigkeiten des irdischen Daseins. Vielmehr wird uns die erweiterte Sichtweise des Glaubens eröffnet, die uns zum Erretter und zu seinen Verheißungen hinzieht.

Wir erreichen in diesem Leben zwar keine Vollkommenheit, aber wenn wir die Welt überwinden, hält das unsere Hoffnung am Leben, dass wir eines Tages vor unserem Erlöser stehen und „sein Antlitz mit Wohlgefallen sehen“23 und seine Stimme vernehmen werden, die sagt: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das … für euch bestimmt ist.“24

Elder Bruce D. Porter – ein großes Vorbild

Letztes Jahr am 28. Dezember vollendete unser lieber Freund, der als Generalautorität geschätzte Elder Bruce D. Porter, sein Erdenleben. Er war 64 Jahre alt.

Ich lernte Bruce kennen, als wir an der Brigham-Young-Universität studierten. Er war einer der Besten und Klügsten. Nachdem Bruce an der Harvard-Universität einen Doktortitel mit Schwerpunkt Russische Politik und Geschichte erworben hatte, trugen ihm sein Denken und Schreiben derart viel Aufmerksamkeit ein, dass er durchaus zu Fall hätte kommen können. Doch der Reichtum und die Anerkennung der Welt trübten nie seinen Blick.25 Seine Treue gehörte seinem Erretter Jesus Christus, seiner ewigen Partnerin Susan und seinen Kindern und Enkelkindern.

Elder Porter als junger Vater mit seiner Familie

Bruce war mit einem Nierenfehler geboren worden. Er hatte sich einer Operation unterzogen, aber mit der Zeit wurden seine Nieren immer schwächer.

Kurz nachdem Bruce 1995 als Generalautorität berufen worden war, dienten wir gemeinsam mit unseren Familien in Frankfurt am Main, wo sich seine Arbeit auf Russland und Osteuropa konzentrierte.

Für Elder Porter änderte sich 1997 das Leben dramatisch, als seine Nieren allmählich versagten und sich sein Gesundheitszustand stetig verschlechterte. Familie Porter kehrte nach Salt Lake City zurück.

In seinen 22 Jahren als Siebziger war Bruce häufig im Krankenhaus und wurde zehn Mal operiert. Zweimal sagten die Ärzte seiner Frau, dass Bruce die Nacht nicht überleben würde, aber er überlebte.

Über zwölf Jahre während seiner Zeit als Generalautorität musste Bruce zur Dialyse. Einen Großteil dieser Zeit nahm die jeweils vierstündige Dialyse fünf Abende pro Woche in Anspruch, sodass er tagsüber in seiner Berufung tätig sein und am Wochenende an Konferenzen teilnehmen konnte. Als sich sein Gesundheitszustand nach mehreren Priestertumssegen nicht verbesserte, konnte Bruce sich das nicht erklären, aber er wusste, in wen er sein Vertrauen gesetzt hatte.26

2010 erhielt Bruce von seinem Sohn David eine Niere. Diesmal stieß sein Körper das Transplantat nicht ab. Es war ein Wunder, das seinen Gesundheitszustand deutlich verbesserte und es ihm und seiner Frau schließlich ermöglichte, in ihr geliebtes Russland zurückzukehren. Dort war er in der Gebietspräsidentschaft tätig, und seine Frau stand ihm treu zur Seite.

Elder Porter und seine Frau in Russland

Nachdem er in einem Krankenhaus in Salt Lake City gegen anhaltende Infektionen angekämpft hatte, bat er die Ärzte am 26. Dezember des vergangenen Jahres, aus dem Zimmer zu gehen. Bruce teilte seiner Frau mit, „er wisse durch den Geist, dass die Ärzte nichts tun konnten, was sein Leben retten würde. Er wusste, … dass der Vater im Himmel ihn nach Hause holen werde. Er war von Frieden erfüllt.“27

Am 28. Dezember kehrte Bruce zu seiner Familie nach Hause zurück. Ein paar Stunden später kehrte er, umgeben von geliebten Menschen, in seine himmlische Heimat zurück.

Porträtfoto von Elder Bruce D.Porter

Jahre zuvor schrieb Bruce Porter diese Worte an seine Kinder:

„Mein Zeugnis von der Existenz und Liebe Jesu Christi ist nach wie vor der Kompass meines Lebens. [Es ist] ein reines, brennendes Zeugnis durch den Geist, dass Christus lebt, dass er in jeder Notlage mein Erlöser und Freund ist.“28

„Unsere Herausforderung … besteht darin, [den Erretter] zu erkennen und durch Glauben an ihn die Prüfungen und Versuchungen dieser Welt zu überwinden.“29

„Seien wir doch gläubig und treu, und vertrauen wir auf ihn.“30

Bruce Douglas Porter hat die Welt überwunden.

Mögen wir alle uns noch ein bisschen mehr bemühen, die Welt zu überwinden, ernsthafte Vergehen nicht entschuldigen, jedoch bei kleineren Fehlern und Unzulänglichkeiten geduldig sein, unsere Schritte eifrig beschleunigen und anderen großzügig helfen. Wenn Sie noch vollständiger auf den Erretter vertrauen, verheiße ich Ihnen: Sie werden mit mehr Frieden in diesem Leben gesegnet und mit größerer Gewissheit, was Ihre ewige Bestimmung ist. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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