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Herbst 2017 | Umkehr ist immer etwas Gutes

Umkehr ist immer etwas Gutes

Herbst 2017 Generalkonferenz

In dem Moment, da wir den Pfad der Umkehr betreten, lassen wir die erlösende Macht des Erretters in unser Leben.

Vor vielen Jahren besuchte Präsident Gordon B. Hinckley ein College-Footballspiel. Er war dort, um bekanntzugeben, dass das Stadion nach dem langjährigen, beliebten Trainer der Mannschaft benannt werden sollte, der kurz vor der Pension stand. Das Team wollte das Spiel dem Trainer zu Ehren unbedingt gewinnen. Während der Halbzeitpause bat man Präsident Hinckley, in den Umkleideraum zu kommen und ein paar aufmunternde Worte zu sagen. Inspiriert von seinen Worten ging die Mannschaft wieder aufs Spielfeld und gewann an diesem Tag. Die Saison beendete sie mit einem Rekord an Siegen.

Heute möchte ich zu denen sprechen, die vielleicht befürchten, im Leben nicht auf der Siegerstraße zu sein. Die Wahrheit sieht natürlich so aus: „Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren.“1 Im Sport mag es Saisons ohne Niederlagen geben, im wirklichen Leben nicht. Doch ich bezeuge, dass der Erretter Jesus Christus ein vollkommenes Sühnopfer vollbracht und uns die Umkehr geschenkt hat – unseren Pfad zurück zum vollkommenen Glanz der Hoffnung und zu einem siegreichen Leben.

Umkehr macht glücklich

Zu oft betrachten wir Umkehr als etwas, wobei man sich elend und bedrückt fühlt. Aber Gottes Plan ist der Plan des Glücklichseins, nicht der Plan des Elends! Umkehr ist etwas Erhebendes. Sünde ist das, was uns unglücklich macht.2 Umkehr ist unser Fluchtweg! Elder D. Todd Christofferson hat erklärt: „Ohne Umkehr gibt es im Leben weder echten Fortschritt noch Verbesserung. … Nur durch Umkehr [erhalten wir] Zugang zur erlösenden Gnade Jesu Christi und zur Errettung. Die Umkehr … weist uns den Weg zu Freiheit, Zuversicht und Frieden.“3 Meine Botschaft an alle – vor allem an die Jugendlichen – lautet, dass Umkehr immer etwas Gutes ist.

Bei der Umkehr geht es nicht einfach nur darum, dass man sich anstrengt, besser zu werden. Wahre Umkehr ist mehr als das. Die treibende Kraft dahinter ist der Glaube an den Herrn Jesus Christus und seine Macht zur Sündenvergebung. Elder Dale G. Renlund hat erklärt: „Ohne den Erlöser [wäre Umkehr] lediglich eine erbärmliche Verhaltensanpassung.“4 Wir können selbst versuchen, unser Verhalten zu ändern, aber nur der Erretter kann uns reinwaschen und unsere Last leichter machen, sodass wir den Weg des Gehorsams zuversichtlich und gestärkt gehen können. Durch Umkehr empfängt man mehr Freude, als wenn man einfach nur ein gutes Leben führt. Man empfängt die Freude der Vergebung, die Freude, wieder rein zu sein und Gott näherzukommen. Hat man diese Freude einmal erfahren, gibt man sich mit keinem Ersatz mehr zufrieden.

Wahre Umkehr regt uns an, uns selbst zum Gehorsam zu verpflichten – ein Bund, der mit der Taufe beginnt und jede Woche beim Abendmahl des Herrn erneuert wird. Dabei erhalten wir die Verheißung, dass „sein Geist immer mit [uns] sei“5, mit all der Freude und dem Frieden, die es mit sich bringt, wenn man ihn als ständigen Begleiter hat. Das ist die Frucht der Umkehr, und sie macht Umkehr zu etwas Freudigem!

Umkehr erfordert Beharrlichkeit

Mir gefällt das Gleichnis vom verlorenen Sohn.6 Der entscheidende Moment, als der verlorene Sohn „in sich ging“, hat etwas Ergreifendes. Er saß bei den Schweinen und wünschte, er könnte „seinen Hunger mit den Futterschoten [stillen], die die Schweine fraßen“, und ihm wurde klar, dass er nicht nur das Erbe seines Vaters verschwendet hatte, sondern auch sein eigenes Leben. Voll Glauben, dass sein Vater ihn vielleicht wieder aufnehmen würde – wenn nicht als Sohn, dann zumindest als Tagelöhner –, beschloss er, seine aufsässige Vergangenheit hinter sich zu lassen und nach Hause zu gehen.

Ich habe oft über seinen langen Heimweg nachgedacht. Gab es Momente, in denen er zögerte und sich fragte: „Wie wird mein Vater mich wohl empfangen?“ Vielleicht ist er ja auch ein paar Schritte zu den Schweinen zurückgegangen. Stellen Sie sich vor, wie anders die Geschichte verlaufen wäre, hätte er aufgegeben. Doch Glaube ließ ihn vorwärtsgehen, und Glaube ließ auch seinen Vater nach ihm Ausschau halten und geduldig auf ihn warten, bis es endlich so weit war:

„Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.

Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. …

Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.“

Umkehr ist etwas, wovon niemand ausgeschlossen ist

Brüder und Schwestern, wir sind alle verloren. Wir müssen alle „in uns gehen“ – meist mehr als einmal – und den Weg wählen, der nach Hause zurückführt. Diese Entscheidung treffen wir jeden Tag, unser ganzes Leben lang.

Oft denken wir bei der Umkehr an schwere Sünden, die einer mächtigen Wandlung bedürfen.7 Aber jeder muss umkehren – diejenigen, die auf verbotenen Pfaden wandeln und verlorengehen,8 und auch diejenigen, die „auf den engen und schmalen Pfad gelangt“ sind und nun „vorwärtsstreben“ müssen.9 Umkehr bringt uns nicht nur auf den rechten Pfad, sondern hilft uns auch, auf dem rechten Pfad zu bleiben. Sie ist wichtig für diejenigen, die gerade erst anfangen zu glauben, diejenigen, die immer schon glauben, und diejenigen, die wieder anfangen müssen zu glauben. Elder David A. Bednar hat erklärt: „Den meisten von uns ist klar, dass das Sühnopfer den Sündern zugutekommt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir wissen und verstehen, dass das Sühnopfer auch den Heiligen zugutekommt – den guten Menschen, die gehorsam [und] würdig … sind und die sich bemühen, besser zu werden.“10

Vor kurzem war ich zu Besuch in einer Missionarsschule, als eine Gruppe neuer Missionare eintraf. Ich war tief bewegt, als ich sie beobachtete und das Leuchten in ihren Augen sah. Sie strahlten förmlich, waren fröhlich und begeistert. Da kam mir ein Gedanke: Sie haben Glauben zur Umkehr erfahren. Deshalb sind sie von Freude und Hoffnung erfüllt.

Ich glaube nicht, dass sie alle schwerwiegende Übertretungen begangen hatten, doch sie wissen, wie man umkehrt; sie hatten gelernt, dass Umkehr etwas Gutes ist, und sie waren bereit und wollten diese freudevolle Botschaft unbedingt in die Welt hinaustragen.

Das geschieht, wenn wir die Freude der Umkehr spüren. Denken Sie an das Beispiel von Enos. Auch er ging irgendwann in sich, und als seine Schuld weggefegt war, dachte er sogleich an das Wohlergehen anderer. Enos verbrachte den Rest seines Lebens damit, allen Menschen Umkehr zu verkünden, und hat daran „mehr Freude gehabt als an dem von der Welt“.11 Das bewirkt Umkehr; sie sorgt dafür, dass wir uns unseren Mitmenschen zuwenden, weil wir wissen, dass eigentlich jeder die Freude fühlen soll, die wir fühlen.

Umkehr ist etwas, was einen ein Leben lang beschäftigt

Ein Freund von mir ist in einer Familie aufgewachsen, die weniger aktiv in der Kirche war. Als junger Erwachsener „ging er in sich“ und beschloss, sich auf eine Mission vorzubereiten.

Er wurde ein hervorragender Missionar. Am Tag vor seiner Heimkehr führte der Missionspräsident ein Gespräch mit ihm und bat ihn, Zeugnis zu geben. Er tat es, und nach einer tränenreichen Umarmung sagte der Missionspräsident: „Elder, alles, was Sie gerade bezeugt haben, haben Sie in wenigen Monaten womöglich vergessen oder leugnen es gar, wenn Sie nicht weiterhin das tun, womit Sie sich Ihr Zeugnis überhaupt erst erarbeitet haben.“

Mein Freund sagte mir später, dass er, seit er von seiner Mission zurück sei, täglich bete und in den heiligen Schriften lese. Ständig „durch das gute Wort Gottes genährt“ zu werden, hält ihn „auf dem rechten Weg“.12

Ihr, die ihr euch auf eine Vollzeitmission vorbereitet, und ihr, die ihr bald zurückkommt, passt gut auf! Es ist nicht genug, ein Zeugnis zu erlangen; ihr müsst es erhalten und stärken. Jeder Missionar weiß, dass ein Fahrrad umkippt, wenn man aufhört, in die Pedale zu treten. So wird auch das Zeugnis schwächer, wenn es nicht genährt wird. Derselbe Grundsatz gilt auch für die Umkehr. Sie ist keine einmalige Sache, sondern beschäftigt uns ein Leben lang.

Alle jene, die Vergebung suchen – Jugendliche, junge Alleinstehende, Eltern, Großeltern und, ja, selbst Urgroßeltern: Kommen Sie heim. Jetzt ist es Zeit, den ersten Schritt zu machen. Schieben Sie den Tag der Umkehr nicht auf.13

Und wenn Sie sich dafür entschieden haben, dann bleiben Sie auf dem Pfad. Unser Vater wartet darauf und sehnt sich danach, Sie zu empfangen. Seine Arme sind „den ganzen Tag lang“ zu Ihnen ausgestreckt.14 Der Lohn ist die Anstrengung wert.

Denken Sie an Nephis Worte: „Darum müsst ihr mit Beständigkeit in Christus vorwärtsstreben, erfüllt vom vollkommenen Glanz der Hoffnung und von Liebe zu Gott und zu allen Menschen. Wenn ihr darum vorwärtsstrebt und euch am Wort von Christus weidet und bis ans Ende ausharrt, siehe, so spricht der Vater: Ihr werdet ewiges Leben haben.“15

Manchmal mag die Reise lang erscheinen – schließlich führt sie ja auch zu ewigem Leben. Aber es kann eine freudige Reise sein, wenn wir mit Glauben an Jesus Christus und in der Hoffnung auf sein Sühnopfer vorwärtsstreben. Ich bezeuge: In dem Moment, da wir den Pfad der Umkehr betreten, lassen wir die erlösende Macht des Erretters in unser Leben. Diese Macht gibt uns Halt, erweitert unseren Blick und bestärkt uns in dem Entschluss, vorwärtszugehen, Schritt für Schritt, bis zu dem herrlichen Tag, an dem wir endlich in unser himmlisches Zuhause zurückkehren und unser Vater im Himmel zu uns sagt: „Gut gemacht!“16 Im Namen Jesu Christi. Amen.

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