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Herbst 2017 | Die Wahrheit von allem

Die Wahrheit von allem

Herbst 2017 Generalkonferenz

Jeder von uns hat eine persönliche Verantwortung, alles zu tun, was nötig ist, um ein festes Zeugnis zu erlangen und zu bewahren.

Wir sind heute Abend mit der Hoffnung und dem Vertrauen darauf hergekommen, dass wir, wenn wir nachher gehen, auf die eine oder andere Weise durch den Heiligen Geist, der Wahrheit lehrt, gestärkt und gesegnet worden sind.1 Ich möchte über unsere persönliche Suche nach Wahrheit sprechen.

Als junger Mann hatte ich viele Fragen über die Kirche. Einige davon waren aufrichtig, andere wiederum nicht und spiegelten die Zweifel anderer wider.

Ich sprach häufig mit meiner Mutter über meine Fragen. Ganz bestimmt konnte sie spüren, dass viele meiner Fragen aufrichtig waren und von Herzen kamen. Sie war sicher ein bisschen von den Fragen enttäuscht, die weniger aufrichtig, sondern eher auf Streit ausgelegt waren. Aber sie setzte mich niemals dafür herab, dass ich Fragen hatte. Sie hörte zu und versuchte, sie zu beantworten. Wenn sie wusste, dass sie alles gesagt hatte, was ihr eingefallen war, und ich immer noch Fragen hatte, sagte sie etwas wie: „David, das ist eine gute Frage. Wenn du jetzt nun forschst, liest und betest, um eine Antwort zu bekommen, warum machst du nicht einfach das, wovon du weißt, dass es richtig ist, und lässt das, wovon du weißt, dass es nicht richtig ist?“ Dies wurde das Muster für meine Suche nach Wahrheit. Indem ich lernte, betete und die Gebote hielt, fand ich heraus, dass es eine Antwort auf jede meiner wichtigen Fragen gibt. Ich erkannte auch, dass für manche Fragen fortwährender Glaube, Geduld und Offenbarung erforderlich sind.2

Meine Mutter legte mir selbst die Verantwortung auf, Glauben zu entwickeln und nach Antworten zu suchen. Sie wusste, dass ich bei meiner Suche nach Wahrheit die wichtigen Antworten auf die Weise erhalten würde, die der Vater im Himmel vorgegeben hat. Sie wusste, dass ich die Wahrheit selbst finden musste. Sie wusste, dass ich aufrichtig fragen und bereit sein musste, gemäß dem zu handeln, was ich bereits als wahr erkannt hatte. Sie wusste, dass ich lernen und beten und mehr Geduld entwickeln musste, während ich mich um Antworten vom Herrn bemühte. Die Bereitschaft, geduldig zu sein, gehört zu unserer Suche nach Wahrheit; sie gehört zu dem Muster, wie der Herr Wahrheit offenbart.3

Mit der Zeit verstand ich, dass meine Mutter mich das Muster des himmlischen Vaters lehrte, wie man nach Wahrheit sucht. Mein Glaube wuchs, Antworten stellten sich ein und ich nahm eine Missionsberufung an.

Schon früh zu Beginn meiner Mission wurde mir klar, dass ich wissen musste, ob die Kirche wahr ist und ob Joseph Smith ein Prophet Gottes gewesen war. Mir ging es so, wie Präsident Thomas S. Monson es bei der letzten Generalkonferenz ganz deutlich gemacht hat: „Wenn Sie von alledem kein festes Zeugnis haben, dann tun Sie alles, was nötig ist, um eines zu erlangen. In diesen schwierigen Zeiten brauchen Sie unbedingt ein eigenes Zeugnis, denn das Zeugnis anderer bringt Sie nur bis an einen bestimmten Punkt.“4 Ich wusste, was nötig war. Ich musste das Buch Mormon mit aufrichtigem Herzen und mit wirklichem Vorsatz lesen und dann Gott fragen, ob es wahr ist.

Achten Sie auf diese bemerkenswerte Verheißung unseres Vaters im Himmel, die er uns durch den Propheten Moroni macht: „Und ich möchte euch ermahnen: Wenn ihr dieses hier empfangt, so fragt Gott, den Ewigen Vater, im Namen Christi, ob es wahr ist; und wenn ihr mit aufrichtigem Herzen, mit wirklichem Vorsatz fragt und Glauben an Christus habt, wird er euch durch die Macht des Heiligen Geistes kundtun, dass es wahr ist.“5

Um das zu empfangen, was im Buch Mormon zu finden ist, musste ich es lesen. Ich fing ganz vorne im Buch an und las jeden Tag darin. Manch einer erhält sein Zeugnis sehr schnell. Bei anderen braucht es mehr Zeit und mehr Gebete und erfordert vielleicht auch, dass man das Buch mehrmals durchliest. Ich musste das ganze Buch lesen, bevor ich das verheißene Zeugnis erhielt. Doch Gott hat mir durch die Macht des Heiligen Geistes kundgetan, dass es wahr ist.

In meinem Missionstagebuch hielt ich fest, wie sehr ich mich freute, die Wahrheit zu kennen. Ich drückte in persönlichen Worten aus, dass ich mich verpflichtete und mir aufrichtig vornahm, gemäß der Wahrheit zu handeln, die ich empfangen hatte. Ich schrieb: „Ich habe meinem Vater im Himmel und mir selbst versprochen, mein Allerbestes zu geben und bis an mein Lebensende hundertprozentigen Einsatz zu zeigen. Worum man mich auch bittet – ich werde es tun. Jetzt aber habe ich erstmal meine restliche Mission vor mir, und ich mache sie zu einer großartigen Mission, für die ich mich nicht schlecht fühlen muss – aber das tue ich nicht für mich, sondern für den Herrn. Ich liebe den Herrn und ich liebe die Missionsarbeit. Ich bete darum, dass dieses Gefühl mich nie mehr verlässt.“

Ich erkannte, dass man unablässig genährt werden und sich beständig bemühen muss, umzukehren und die Gebote zu halten, damit einem dieses Gefühl nie verlässt. Präsident Monson hat erklärt: „Ein Zeugnis [muss] kraftvoll und lebendig gehalten werden, und zwar durch beständigen Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes und durch tägliches Gebet und Schriftstudium.“6

Im Laufe der Jahre habe ich Missionare und junge Menschen in aller Welt gefragt, was bei ihrem Bestreben, die Wahrheit zu suchen und ein Zeugnis zu erlangen, denn am Anfang stand. Fast ausnahmslos lautete die Antwort, am Anfang ihrer Anstrengungen, ein persönliches Zeugnis zu erlangen, habe die persönliche Entscheidung gestanden, das Buch Mormon von ganz vorne durchzulesen und Gott zu fragen, ob es wahr ist. Dadurch entschieden sie sich, selbst zu handeln, anstatt durch die Zweifel anderer nur auf sich einwirken zu lassen.7

Um die Wahrheit zu erkennen, müssen wir das Evangelium leben8 und mit dem Wort einen Versuch machen9. Wir werden gemahnt, dem Geist des Herrn keinen Widerstand zu leisten.10 Umkehr, gepaart mit der Entschlossenheit, die Gebote zu halten, ist ein wichtiger Teil unserer Suche nach Wahrheit.11 Ja, wir müssen möglicherweise bereit sein, alle unsere Sünden aufzugeben, um die Wahrheit zu erkennen.12

Uns wird geboten: „Trachtet nach Wissen, ja, durch Studium und auch durch Glauben“ und: „Sucht Worte der Weisheit aus den besten Büchern.“13 Bei unserer Suche nach Wahrheit sollen wir uns vor allem mit „den besten Büchern“ und den besten Quellen befassen. Zu den allerbesten zählen die heiligen Schriften und die Worte der lebenden Propheten.

Präsident Monson hat einen jeden von uns aufgefordert, „alles [zu tun], was nötig ist“, um ein festes Zeugnis zu erlangen und zu bewahren.14 Was ist nötig, um Ihr Zeugnis zu vertiefen und zu stärken? Jeder von uns hat eine persönliche Verantwortung, alles zu tun, was nötig ist, um ein festes Zeugnis zu erlangen und zu bewahren.

Geduldig unsere Bündnisse zu halten und dabei alles zu tun, was nötig ist, um vom Herrn Antworten zu erhalten, gehört zu dem Muster Gottes, wie man Wahrheit erkennt. Besonders in schwierigen Zeiten ist es vielleicht erforderlich, dass wir uns „frohgemut und mit Geduld in allem dem Willen des Herrn [unterwerfen]“15. Bündnisse geduldig zu halten macht uns demütiger, es vertieft unser Verlangen, die Wahrheit zu erkennen, und ermöglicht es dem Heiligen Geist, uns „auf den Pfaden der Weisheit zu führen, damit [wir] gesegnet [seien], es [uns] wohl ergehe und [wir] bewahrt [bleiben]“16.

Meine Frau Mary und ich haben jemanden sehr gern, der schon fast sein Leben lang mit bestimmten Aspekten der Kirche ringt. Diese Frau liebt das Evangelium und sie liebt die Kirche, doch trotzdem hat sie immer noch Fragen. Sie ist im Tempel gesiegelt, sie ist aktiv in der Kirche, sie erfüllt ihre Berufungen und sie ist eine wunderbare Mutter und Ehefrau. Über die Jahre hat sie sich bemüht, all das zu tun, wovon sie wusste, dass es richtig ist, und alles zu lassen, wovon sie wusste, dass es falsch ist. Sie hielt ihre Bündnisse und suchte weiter. Zuweilen war sie dankbar, sich am Glauben anderer festhalten zu können.

Vor kurzem bat ihr Bischof sie und ihren Mann zu einem Gespräch. Er trug ihnen eine Aufgabe im Tempel an, wo sie für diejenigen, die noch heilige Handlungen des Tempels benötigen, als Stellvertreter fungieren sollten. Diese Berufung überraschte sie, doch sie nahmen sie an und begannen ihren Dienst im Haus des Herrn. Ihr Sohn im Teenageralter hatte kurz zuvor ein wenig Familienforschung betrieben und den Namen eines Vorfahren gefunden, für den die heiligen Handlungen des Tempels noch nicht erledigt worden waren. Schließlich verrichteten sie stellvertretend für den Vorfahren und seine Familie die heiligen Handlungen. Als sie am Altar knieten und die Siegelung vollzogen wurde, hatte diese wunderbare, geduldige Frau, die so lange auf der Suche gewesen war, ein sehr persönliches geistiges Erlebnis. Sie erkannte dadurch, dass der Tempel und die darin vollzogenen heiligen Handlungen wahr und echt sind. Sie rief ihre Mutter an und berichtete ihr von ihrem Erlebnis. Sie sagte, sie habe zwar immer noch Fragen, aber sie wisse, dass der Tempel wahr ist, dass die Tempelverordnungen wahr sind und dass die Kirche wahr ist. Ihre Mutter musste vor Dankbarkeit weinen – dankbar für einen liebevollen, geduldigen Vater im Himmel und für eine Tochter, die geduldig weitersucht.

Bündnisse geduldig zu halten bringt die Segnungen des Himmels in unser Leben.17

Ich finde großen Trost in der Verheißung des Herrn, dass wir „durch die Macht des Heiligen Geistes … von allem wissen [können], ob es wahr ist“18. Wir können die Wahrheit erkennen, ohne alles zu wissen. Wir können wissen, dass das Buch Mormon wahr ist. Wir können sogar, wie Präsident Russell M. Nelson heute Nachmittag dargelegt hat, „tief im Innersten unseres Herzens empfinden [siehe Alma 13:27], dass das Buch Mormon ohne Zweifel das Wort Gottes ist“. Und wir können das „so tief empfinden, dass wir nie auch nur einen Tag ohne dieses Buch leben wollen“19.

Wir können wissen, dass Gott unser Vater ist, der uns liebt, und dass sein Sohn Jesus Christus unser Erretter und Erlöser ist. Wir können wissen, dass die Mitgliedschaft in seiner Kirche in Ehren gehalten werden muss und dass wir und unsere Familie besser geschützt sind, wenn wir jede Woche vom Abendmahl nehmen. Wir können wissen, dass die Familie dank der heiligen Handlungen des Tempels wirklich für immer vereint sein kann. Wir können wissen, dass das Sühnopfer Jesu Christi und die Segnungen der Umkehr und der Vergebung wahr und echt sind. Wir können wissen, dass unser lieber Prophet, Präsident Thomas S. Monson, der Prophet des Herrn ist und dass seine Ratgeber und die Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel allesamt Apostel, Propheten, Seher und Offenbarer sind.

Ich weiß, dass all dies wahr ist, und gebe mein Zeugnis im Namen Jesu Christi. Amen.

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