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Frühjahr 2018 | Damit sein Geist mit Ihnen sei

Damit sein Geist mit Ihnen sei

Frühjahr 2018 Generalkonferenz

Ich bete von ganzem Herzen, dass Sie die Stimme des Geistes hören, die Ihnen so freigiebig gesandt wird.

Meine Brüder und Schwestern, ich bin dankbar, dass ich zur Osterzeit am Sabbat des Herrn bei der Generalkonferenz seiner Kirche zu Ihnen sprechen darf. Ich danke dem Vater im Himmel für die Gabe seines geliebten Sohnes, der aus freiem Willen zur Welt kam, um unser Erlöser zu sein. Ich bin dankbar zu wissen, dass er für unsere Sünden gesühnt hat und nach dem Tod auferstanden ist. Es ist mir jeden Tag ein Segen zu wissen, dass ich dank seines Sühnopfers eines Tages auferstehen und für immer in einer liebevollen Familie leben kann.

Ich habe das alles auf die einzige Weise erfahren, auf die man es erfahren kann. Der Heilige Geist hat mir in Verstand und Herz gesagt, dass es wahr ist; nicht nur einmal, sondern oft. Ich habe diesen anhaltenden Trost schon oft gebraucht. Wir alle erleben tragische Ereignisse und benötigen dabei den Zuspruch des Geistes. Ich habe ihn an dem Tag verspürt, als ich mit meinem Vater im Krankenhaus stand. Wir sahen mit an, wie meine Mutter ein paar flache Atemzüge tat – und dann aufhörte zu atmen. Wir beobachteten, wie auf ihrem Gesicht ein Lächeln erschien, als der Schmerz sie verließ. Nach kurzer Stille ergriff mein Vater zuerst das Wort: „Jetzt ist ein kleines Mädchen heimgekehrt.“

Er sprach sanft. Er schien Frieden zu empfinden. Er äußerte etwas, von dem er wusste, dass es wahr ist. Er begann damit, ruhig Mutters persönliche Gegenstände einzupacken. Er ging hinaus in den Gang, um dem Pflegepersonal und den Ärzten zu danken, die sich seit Tagen um sie gekümmert hatten.

Mein Vater wurde in diesem Moment vom Heiligen Geist begleitet, damit er spüren, wissen und tun konnte, was er an diesem Tag getan hat. Wie viele andere hatte auch er die Verheißung empfangen: „damit sein Geist mit ihnen sei“ (LuB 20:79).

Meine Hoffnung heute ist, Ihren Wunsch und Ihre Fähigkeit, den Heiligen Geist zu empfangen, zu verstärken. Vergessen Sie nicht, dass er das dritte Mitglied der Gottheit ist. Der Vater und der Sohn sind auferstandene Wesen. Der Heilige Geist ist eine Person aus Geist (siehe LuB 130:22). Sie entscheiden, ob Sie ihn bereitwillig in Herz und Verstand empfangen wollen.

Die Bedingungen, wie wir diese überirdische Segnung erhalten können, werden klar in den Worten ausgedrückt, die jede Woche gesprochen werden, uns aber vielleicht nicht immer in Herz und Kopf dringen. Damit der Geist uns gesandt wird, müssen wir immer an den Erretter denken und seine Gebote halten (siehe LuB 20:77).

Zu Ostern denken wir an das Opfer des Erretters und dass er als auferstandenes Wesen aus dem Grab hervorkam. Viele von uns haben Bilder dieser Ereignisse im Kopf. Ich stand einmal mit meiner Frau vor einem Grab in Jerusalem. Viele glauben, es sei das Grab, aus dem der gekreuzigte Erretter als auferstandener und lebendiger Gott hervorgekommen ist.

Der Fremdenführer winkte uns an jenem Tag respektvoll heran und sagte zu uns: „Kommen Sie, schauen Sie das leere Grab an.“

Wir bückten uns, um hineinzugehen. Wir sahen eine Steinbank an einer Wand. Mir kam jedoch ein anderes Bild in den Sinn, das so real war, wie das, was wir an diesem Tag sahen. Es war das Bild von Maria, die von den Aposteln am Grab zurückgelassen wurde. Folgendes ließ mich der Heilige Geist in meinen Verstand so klar sehen und sogar hören, als wäre ich dort gewesen:

„Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.

Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.

Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.

Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.

Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.

Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“ (Johannes 20:11-17.)

Ich habe darum gebetet, dass mir gewährt wird, etwas von dem zu verspüren, was Maria am Grab und zwei andere Jünger auf dem Weg nach Emmaus verspürten, als sie mit dem auferstandenen Erretter, den sie für einen Fremden in Jerusalem hielten, gingen.

„Aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.

Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.

Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.

Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?“ (Lukas 24:29-32.)

Einige dieser Worte wurden in einer Abendmahlsversammlung wiederholt, die ich vor über 70 Jahren besucht habe. Damals fand die Abendmahlsversammlung immer am Abend statt. Draußen war es dunkel. Die Versammelten sangen diese vertrauten Worte. Ich hatte sie schon oft gehört. Doch in Erinnerung geblieben ist mir, was ich an einem bestimmten Abend empfand. Es bringt mich dem Erretter näher. Wenn ich die Worte vortrage, können wir vielleicht alle so empfinden:

Herr, bleib bei mir, der Abend naht.

der Tag hat sich geneigt;

schon fallen Abendschatten tief,

der Lärm des Tages schweigt.

Als meines Herzens liebsten Gast

dich in mein Heim ich lad.

Herr, bleib bei mir, der Abend naht.

Als du mich heut geführt,

entbrannt mein Herz mir in der Brust,

hab deine Hand verspürt.

Dein ernstes Wort mir fülltʼ die Seel,

hielt mich auf deinem Pfad.

O Heiland, bleib die Nacht bei mir,

o sieh, der Abend naht!

O Heiland, bleib die Nacht bei mir,

o sieh, der Abend naht!1

Kostbarer als die Erinnerung an ein Ereignis ist die Erinnerung daran, wie uns der Heilige Geist das Herz berührt und uns fortwährend Wahrheit bestätigt. Kostbarer als etwas mit eigenen Augen zu sehen oder sich an Worte zu erinnern, die gesprochen oder gelesen wurden, ist es, an die Gefühle zu denken, welche die leise Stimme des Geistes begleiteten. Selten habe ich es genau wie die Reisenden auf dem Weg nach Emmaus gespürt – als sanftes, doch unverkennbares Brennen im Herzen. Häufiger ist es ein Gefühl von Licht und ruhiger Gewissheit.

Wir haben die unvergleichliche Verheißung, dass der Heilige Geist unser Begleiter sein kann, und wir haben eine genaue Anleitung, wie wir diese Gabe beanspruchen können. Diese Worte werden von dem bevollmächtigten Diener des Herrn gesprochen, wenn er uns die Hände auflegt: „Empfange den Heiligen Geist.“ In diesem Moment hat man die Gewissheit, dass er gesandt werden wird. Doch es liegt an uns, ob wir bewusst das Herz öffnen, damit wir unser Leben lang das Wirken des Geistes empfangen können.

Die Erfahrungen des Propheten Joseph Smith können uns als Richtschnur dienen. Er begann sein Wirken mit dem Entschluss – und setzte es ebenso fort –, dass seine eigene Klugheit nicht ausreichte, um zu wissen, welchem Weg er folgen sollte. Er entschloss sich, vor Gott demütig zu sein.

Danach beschloss er, Gott zu fragen. Er betete in dem Glauben, dass Gott antworten werde. Die Antwort kam, als er ein junger Knabe war. Diese Botschaften kamen, als er wissen musste, wie Gott seine Kirche aufgerichtet haben wollte. Der Heilige Geist tröstete und führte ihn sein ganzes Leben lang.

Er folgte Inspiration, wenn es schwer war. Zum Beispiel erhielt er die Weisung, die Zwölf Apostel nach England zu schicken, als er sie am meisten brauchte. Er schickte sie los.

Er nahm Zurechtweisung und Trost vom Geist an, als er im Gefängnis war und die Heiligen furchtbar unterdrückt wurden. Und er gehorchte, als er sich nach Carthage aufmachte, obwohl er wusste, dass ihm der Tod drohte.

Der Prophet Joseph Smith hat uns ein Beispiel gegeben, wie wir beständig geistige Führung und Trost durch den Heiligen Geist empfangen können.

Zuerst entschied er sich, vor Gott demütig zu sein.

Als Zweites, voll Glauben an den Herrn Jesus Christus zu beten.

Als Drittes, konsequent gehorsam zu sein. Gehorsam kann erfordern, dass man rasch handelt. Er kann erfordern, dass man sich vorbereitet. Er kann auch erfordern, dass man geduldig auf weitere Inspiration wartet.

Als Viertes, zu beten, um die Bedürfnisse und das Herz anderer zu erkennen und zu wissen, wie man ihnen im Namen des Herrn helfen kann. Joseph hat für die bedrängten Heiligen gebetet, als er im Gefängnis war. Ich hatte schon oft Gelegenheit, die Propheten Gottes dabei zu beobachten, wenn sie beten, um Inspiration bitten, Weisung erhalten und danach handeln.

Ich habe gesehen, wie oft es in ihren Gebeten um die Menschen geht, die sie lieben und denen sie dienen. Ihre Sorge um andere öffnet offenbar ihr Herz für Inspiration. Und so kann es auch bei Ihnen sein.

Inspiration hilft uns, uns im Namen des Herrn um andere zu kümmern. Sie haben das ebenso wie ich erfahren. Mein Bischof hat einmal zu mir gesagt (und das zu einer Zeit, als meine Frau selbst großer Belastung ausgesetzt war): „Jedes Mal, wenn ich höre, dass jemand aus der Gemeinde Hilfe benötigt, und ich hingehe, um zu helfen, stelle ich fest, dass Ihre Frau schon vor mir da war. Wie macht sie das?“

Sie ist wie alle anderen, die sich im Reich des Herrn in vorbildlicher Weise anderer annehmen. Offenbar haben sie zweierlei gemeinsam. Sie leben so, dass der Heilige Geist fast ständig ihr Begleiter ist. Und sie leben so, dass sie die Gabe der Nächstenliebe, also der reinen Christusliebe, empfangen haben. Diese Gaben sind in ihnen gewachsen, weil sie sie aus Liebe zum Herrn im Dienst am Nächsten angewandt haben.

Wie Gebet, Inspiration und die Liebe zum Herrn bei unserem Dienst zusammenwirken, kommt für mich treffend in diesen Worten zum Ausdruck:

„Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bitten werdet, werde ich es tun.

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.

Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll,

den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.

Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch.

Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet.

An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ (Johannes 14:14-21.)

Ich gebe Ihnen mein Zeugnis, dass sich der Vater jetzt in diesem Augenblick Ihrer bewusst ist und Ihre Gefühle kennt. Er kennt auch die geistigen und zeitlichen Bedürfnisse all Ihrer Mitmenschen. Ich gebe Zeugnis, dass der Vater und der Sohn allen den Heiligen Geist senden, die diese Gabe besitzen, um diesen Segen bitten und sich bemühen, dafür würdig zu sein. Weder der Vater noch der Sohn noch der Heilige Geist drängen sich in unser Leben. Wir können uns frei entscheiden. Der Herr hat allen gesagt:

„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir.

Wer siegt, der darf mit mir auf meinem Thron sitzen, so wie auch ich gesiegt habe und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.

Wer Ohren hat, der höre, was der Geist … sagt.“ (Offenbarung 3:20-22.)

Ich bete von ganzem Herzen, dass Sie die Stimme des Geistes hören, die Ihnen so freigiebig gesandt wird. Ich bete, dass Sie stets Ihr Herz öffnen, um ihn zu empfangen. Wenn Sie mit wirklichem Vorsatz und Glauben an Jesus Christus um Inspiration bitten, empfangen Sie diese auf die Weise des Herrn und zu der von ihm bestimmten Zeit. Gott hat dies dem jungen Joseph Smith ermöglicht. Er ermöglicht es heute unserem lebenden Propheten, Präsident Russell M. Nelson. Entlang Ihres Weges setzt er andere seiner Kinder, damit Sie ihnen in seinem Namen beistehen. Ich weiß dies nicht dank dessen, was ich mit meinen Augen gesehen habe, sondern mit noch größerer Gewissheit dank dessen, was der Geist mir im Herzen zugeflüstert hat.

Ich habe die Liebe des Vaters und seines geliebten Sohnes für alle Kinder Gottes auf der Erde und für seine Kinder in der Geisterwelt gespürt. Ich habe den Trost und die Führung des Heiligen Geistes gespürt. Ich bete darum, dass Sie die Freude haben mögen, den Geist stets als Ihren Begleiter zu haben. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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    Anmerkung

    1. „Herr, bleib bei mir“, Gesangbuch, Nr. 104