Hauptnavigation überspringen
Frühjahr 2018 | Offenbarung für die Kirche, Offenbarung für unser Leben

Offenbarung für die Kirche, Offenbarung für unser Leben

Frühjahr 2018 Generalkonferenz

Es wird in künftigen Tagen nicht möglich sein, ohne den führenden, leitenden, tröstenden und steten Einfluss des Heiligen Geistes geistig zu überleben.

Es ist eine besondere Freude, an diesem Sonntag der Generalkonferenz gemeinsam mit Ihnen Ostern zu feiern! Nichts könnte passender sein als im Gedenken an das wichtigste Ereignis, das sich je auf dieser Erde zutrug, dem wichtigsten Wesen zu huldigen, das je auf dieser Erde wandelte. In dieser, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage huldigen wir Jesus Christus, der sein unbegrenztes Sühnopfer im Garten Getsemani begann. Er war bereit, für unser aller Sünden und Schwächen zu leiden, und dieses Leiden ließ ihn „aus jeder Pore bluten“1. Er wurde auf Golgota gekreuzigt2 und ist am dritten Tag auferstanden, das erste auferstandene Wesen unter den Kindern des Vaters im Himmel. Ich liebe ihn und bezeuge, dass er lebt! Er ist es, der seine Kirche führt und leitet.

Ohne das unbegrenzte Sühnopfer unseres Erlösers könnte nicht einer von uns darauf hoffen, jemals zu unserem Vater im Himmel zurückzukehren. Ohne seine Auferstehung wäre der Tod das Ende. Das Sühnopfer unseres Erretters hat das ewige Leben zu einer Möglichkeit und die Unsterblichkeit zu einer Wirklichkeit für alle gemacht.

Dank seiner erhabenen Mission und dem Frieden, den er seinen Nachfolgern schenkt, verspürten meine Frau Wendy und ich Trost, als wir spätabends am 2. Januar 2018 von einem Anruf geweckt wurden und erfuhren, dass Präsident Thomas S. Monson durch den Schleier getreten war.

Präsident Russell M.Nelson und Präsident Thomas S.Monson

Wie sehr wir Präsident Monson vermissen! Wir würdigen sein Leben und sein Vermächtnis. Er war ein geistiger Riese und hinterlässt einen unauslöschlichen Eindruck bei allen, die ihn kannten, und bei der Kirche, die er liebte.

Am Sonntag, dem 14. Januar 2018, wurde die Erste Präsidentschaft im oberen Raum des Salt-Lake-Tempels nach dem einfachen, aber heiligen Muster, das der Herr festgelegt hat, neu gebildet. Bei der gestrigen feierlichen Versammlung haben Mitglieder der Kirche auf der ganzen Welt die Hand gehoben und diese von den Aposteln vorgenommene Handlung bestätigt. Es stimmt mich demütig und dankbar, in dieser Weise getragen und unterstützt zu werden.

Ich bin auch für jene dankbar, die mir vorausgegangen sind und auf deren Schultern ich stehe. Es ist mir eine Ehre, dass ich 34 Jahre dem Kollegium der Zwölf Apostel angehört und 10 der 16 bisherigen Präsidenten der Kirche persönlich gekannt habe. Ich habe von jedem von ihnen viel gelernt.

Auch meinen Vorfahren verdanke ich viel. Alle meine acht Urgroßeltern bekehrten sich in Europa zur Kirche. Jede dieser tapferen Seelen gab alles auf, um nach Zion zu gelangen. In den darauffolgenden Generationen jedoch blieben nicht alle meiner Vorfahren so fest entschlossen. Das hatte zur Folge, dass ich nicht in einem Zuhause aufwuchs, in dem das Evangelium im Mittelpunkt stand.

Präsident Nelsons ElternPräsident Nelson als Kind mit seiner Familie

Ich habe meine Eltern verehrt. Sie haben mir alles bedeutet, und ich habe Wesentliches von ihnen gelernt. Ich kann ihnen für das glückliche Zuhause, das sie mir und meinen Geschwistern bereitet haben, gar nicht genug danken. Und trotzdem merkte ich schon als Junge, dass mir etwas fehlte. Eines Tages nahm ich die Straßenbahn und fuhr zu einem Buchladen der Kirche, um ein Buch über die Kirche zu finden. Es war wunderbar, mehr über das Evangelium zu erfahren.

Nachdem ich das Wort der Weisheit verstanden hatte, wollte ich, dass meine Eltern dieses Gesetz befolgten. Also ging ich eines Tages, ich war noch sehr jung, in den Keller und zerschlug jede einzelne Flasche mit Alkohol auf dem Betonboden. Ich erwartete, dass mein Vater mich bestrafen würde, aber er verlor kein Wort darüber.

Als ich reifer wurde und allmählich verstand, wie herrlich der Plan des himmlischen Vaters ist, sagte ich mir oft: „Ich will keine weiteren Weihnachtsgeschenke. Ich möchte nur an meine Eltern gesiegelt werden.“ Dieses lang ersehnte Ereignis fand erst statt, als meine Eltern schon über 80 waren, doch dann fand es statt. Ich kann gar nicht sagen, welche Freude ich an jenem Tag empfand3, und jeden Tag freue ich mich darüber, dass sie aneinander gesiegelt sind und ich an sie.

Russell und Dantzel Nelson

1945, als ich noch Medizin studierte, heiratete ich Dantzel White im Salt-Lake-Tempel. Wir wurden mit neun wundervollen Töchtern und einem wunderbaren Sohn gesegnet. Heute ist meine stetig wachsende Familie eine der größten Freuden in meinem Leben.

Präsident Nelson und seine Frau mit ihren TöchternPräsident Nelson und sein Sohn

2005 wurde meine liebe Dantzel nach fast 60 Jahren Ehe unerwartet heimgerufen. Eine Zeit lang war ich von meiner Trauer fast wie gelähmt. Aber die Botschaft von Ostern und die Verheißung der Auferstehung gaben mir Halt.

Wendy und Russell Nelson

Dann stellte der Herr mir Wendy Watson zur Seite. Wir wurden am 6. April 2006 im Salt-Lake-Tempel gesiegelt. Und wie ich sie liebe! Sie ist eine außergewöhnliche Frau und mir, meiner Familie und der gesamten Kirche ein Segen.

Jede dieser Segnungen war die Folge davon, dass ich mich um die Eingebungen des Heiligen Geistes bemühte und ihnen folgte. Präsident Lorenzo Snow hat gesagt: „Dies ist das große Vorrecht eines jeden Heiligen der Letzten Tage[,] dass es unser Recht ist, die Kundgebungen des Geistes jeden Tag unseres Lebens zu erhalten.“4

Etwas hat mir der Geist immer wieder zu verstehen gegeben, seit ich meine neue Berufung als Präsident der Kirche innehabe, nämlich wie bereitwillig der Herr seine Absicht und seinen Willen offenbart. Das Vorrecht, Offenbarung zu empfangen, ist eines der größten Geschenke Gottes an seine Kinder.

Durch die Kundgebungen des Heiligen Geistes steht der Herr uns bei all unseren rechtschaffenen Bestrebungen bei. Ich weiß noch, wie ich mich in einem Operationssaal über einen Patienten beugte und mir nicht sicher war, wie ich ein bisher unbekanntes Verfahren durchführen sollte. Dann erlebte ich, dass der Heilige Geist die Vorgehensweise in meinem Verstand schematisch darstellte.5

Als ich um Wendys Hand anhielt, wollte ich meinen Antrag ein wenig aufwerten, indem ich ihr sagte: „Ich weiß etwas über Offenbarung und wie man sie empfängt.“ Es war ihr hoch anzurechnen (und, wie ich inzwischen weiß, typisch für sie), dass sie sich bereits selbst um Offenbarung über unsere Beziehung bemüht und sie auch empfangen hatte. Das gab ihr den Mut zum Jawort.

Als Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel habe ich jeden Tag um Offenbarung gebetet und dem Herrn jedes Mal gedankt, wenn er in Herz und Verstand zu mir gesprochen hat.

Überlegen Sie nur, was das für ein Wunder ist! Welche Berufung wir auch haben mögen, wir können zum Vater im Himmel beten und erhalten Führung und Weisung, werden vor Gefahren und Ablenkung gewarnt und dazu befähigt, etwas zu bewerkstelligen, was wir alleine schlicht nicht schaffen würden. Wenn wir wahrhaftig den Heiligen Geist empfangen und lernen, wie man seine Eingebungen erkennt und versteht, werden wir in allen Belangen geführt, in kleinen wie großen.

Als ich vor kurzem vor der schwierigen Aufgabe stand, zwei Ratgeber auszuwählen, fragte ich mich, wie ich denn von zwölf Männern, die ich sehr schätze und achte, nur zwei auswählen sollte.

Da mir bewusst ist, dass gute Inspiration auf guter Information beruht, traf ich mich gebeterfüllt mit jedem der Apostel zu einem Zwiegespräch.6 Dann zog ich mich alleine in einen Raum im Tempel zurück und suchte den Willen des Herrn zu ergründen. Ich bezeuge, dass der Herr mich angewiesen hat, Präsident Dallin H. Oaks und Präsident Henry B. Eyring als meine Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft zu wählen.

Gleichermaßen bezeuge ich, dass Elder Gerrit W. Gong und Elder Ulisses Soares durch Inspiration vom Herrn berufen wurden, als seine Apostel ordiniert zu werden. Wir heißen sie in dieser einzigartigen Bruderschaft des Dienens willkommen.

Wenn wir als Rat der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf Apostel zusammenkommen, werden unsere Sitzungsräume zu Offenbarungsräumen. Die Anwesenheit des Geistes ist greifbar. Wenn wir mit komplexen Angelegenheiten ringen, entwickelt sich ein spannender Vorgang. Zunächst bringt jeder Apostel seine Gedanken und Standpunkte offen zur Sprache. Selbst wenn wir anfangs unterschiedliche Sichtweisen haben, bleibt unsere gegenseitige Zuneigung davon unberührt. Unsere Einigkeit hilft uns dabei, den Willen des Herrn für seine Kirche zu erkennen.

In unseren Zusammenkünften gibt es keine Mehrheitsentscheidungen. Gebeterfüllt hören wir einander zu und reden miteinander, bis wir einig sind. Und wenn wir dann völlige Übereinstimmung erreicht haben, ist der verbindende Einfluss des Heiligen Geistes so stark spürbar, dass es kribbelt. Wir erleben das, was der Prophet Joseph Smith schon kannte, als er erklärte: „Durch die Einheit der Gefühle erlangen wir Macht von Gott.“7 Kein Mitglied der Ersten Präsidentschaft oder des Kollegiums der Zwölf Apostel würde jemals Entscheidungen für die Kirche des Herrn nach eigenem Gutdünken treffen!

Brüder und Schwestern, wie können wir zu den Männern und Frauen werden, die der Herr braucht – die wie Christus dienen? Wie können wir Antworten auf Fragen finden, die uns verwirren? Wenn uns Joseph Smiths außergewöhnliches Erlebnis im heiligen Hain etwas lehrt, dann, dass der Himmel offen ist und dass Gott zu seinen Kindern spricht.

Der Prophet Joseph Smith hat ein Muster vorgegeben, dem wir folgen können, um unsere Fragen zu klären. Angetrieben von der Verheißung des Jakobus, dass wir Weisheit von Gott erbitten können, wenn sie uns fehlt,8 wandte sich der junge Joseph mit seiner Frage direkt an den Vater im Himmel. Er strebte nach persönlicher Offenbarung, und sein Streben eröffnete die letzte Evangeliumszeit.

In diesem Sinne: Was wird Ihr Streben Ihnen eröffnen? Welche Weisheit fehlt Ihnen? Was möchten Sie unbedingt wissen oder verstehen? Folgen Sie dem Beispiel des Propheten Joseph Smith. Finden Sie einen ruhigen Ort, den Sie regelmäßig aufsuchen können. Demütigen Sie sich vor Gott. Schütten Sie vor dem Vater im Himmel Ihr Herz aus. Wenden Sie sich an ihn, um Antworten und Trost zu finden.

Beten Sie im Namen Jesu Christi über Ihre Sorgen, Ihre Ängste, Ihre Schwächen, ja, auch die Sehnsüchte Ihres Herzens. Und dann hören Sie zu! Notieren Sie die Gedanken, die Ihnen in den Sinn kommen. Schreiben Sie Ihre Gefühle auf und setzen Sie das, was Ihnen eingegeben wird, in die Tat um. Wenn Sie immer wieder so vorgehen, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr, werden Sie „in das Prinzip Offenbarung hineinwachsen“9.

Will Gott wirklich mit Ihnen sprechen? Ja! „Ebenso gut könnte der Mensch seinen schwachen Arm ausstrecken, um den Missouri in seinem vorgezeichneten Lauf anzuhalten[,] wie den Allmächtigen daran hindern, vom Himmel herab Erkenntnis auf das Haupt der Heiligen der Letzten Tage auszugießen.“10

Sie brauchen nicht zu raten, was wahr ist.11 Sie brauchen nicht zu raten, wem Sie sicher vertrauen können. Durch persönliche Offenbarung können Sie selbst ein Zeugnis davon erlangen, dass das Buch Mormon das Wort Gottes ist, dass Joseph Smith ein Prophet ist und dass dies die Kirche des Herrn ist. Ganz gleich, was andere sagen oder tun, niemand kann Ihnen je ein Zeugnis nehmen, mit dem Ihnen in Herz und Sinn das bestätigt wurde, was wahr ist.

Ich bitte Sie dringend, über Ihre jetzige geistige Fähigkeit, persönliche Offenbarung zu empfangen, hinauszuwachsen, denn der Herr hat verheißen: „Wenn du bittest, wirst du Offenbarung um Offenbarung, Erkenntnis um Erkenntnis empfangen, damit du die Geheimnisse und das Friedfertige erkennen mögest – das, was Freude bringt, das, was ewiges Leben bringt.“12

Es gibt noch so viel mehr, was der Vater im Himmel Sie erkennen lassen möchte. Elder Neal A. Maxwell hat gesagt: „Für diejenigen, die Augen haben, die sehen, und Ohren, die hören, ist es offenkundig, dass der Vater und der Sohn die Geheimnisse des Universums preisgeben!“13

Nichts öffnet den Himmel schneller als eine Kombination aus vermehrter Reinheit, treuem Gehorsam, ernsthaftem Streben, täglichem Weiden an den Worten von Christus im Buch Mormon14 und einem regelmäßigen Termin, der für Tempelarbeit und Familienforschung reserviert ist.

Sicherlich kann es auch Zeiten geben, da Sie das Gefühl haben, der Himmel sei verschlossen. Aber ich verheiße Ihnen: Wenn Sie weiterhin gehorsam sind, Ihre Dankbarkeit für jede Segnung, die der Herr Ihnen schenkt, ausdrücken und geduldig den Zeitplan des Herrn anerkennen, werden Ihnen das Wissen und Verständnis, nach denen Sie streben, zuteil. Jede Segnung, die der Herr für Sie bereithält, ja, auch Wunder, werden folgen. Das nämlich bringt persönliche Offenbarung für Sie zuwege.

Ich bin optimistisch, was die Zukunft angeht. Sie hält viele Gelegenheiten für jeden von uns bereit, Fortschritt zu machen, seinen Anteil beizutragen und das Evangelium an die Enden der Erde zu tragen. Aber ich bin auch nicht naiv, was die vor uns liegende Zeit betrifft. Wir leben in einer komplexen, zunehmend streitbaren Welt. Durch ständig verfügbare soziale Medien und Nachrichten rund um die Uhr werden wir unablässig mit Botschaften bombardiert. Wenn wir die geringste Hoffnung haben wollen, diese Unzahl von Stimmen und menschlichen Philosophien, die die Wahrheit bekämpfen, zu prüfen, müssen wir lernen, Offenbarung zu empfangen.

Unser Erretter und Erlöser, Jesus Christus, wird zwischen dem heutigen Tag und seiner Wiederkehr einige seiner mächtigsten Werke vollbringen. Wir werden Wunder sehen, die uns erkennen lassen, dass Gottvater und sein Sohn, Jesus Christus, in Herrlichkeit und Majestät über diese Kirche präsidieren. Aber es wird in künftigen Tagen nicht möglich sein, ohne den führenden, leitenden, tröstenden und steten Einfluss des Heiligen Geistes geistig zu überleben.

Meine lieben Brüder und Schwestern, ich bitte Sie inständig, Ihre geistige Fähigkeit, Offenbarung zu empfangen, auszubauen. Lassen Sie diesen Ostersonntag zu einem prägenden Moment in Ihrem Leben werden. Entscheiden Sie sich, die geistige Arbeit zu leisten, die nötig ist, damit Sie sich der Gabe des Heiligen Geistes erfreuen können und die Stimme des Geistes häufiger und klarer vernehmen.

Gemeinsam mit Moroni ermahne ich Sie an diesem Ostersonntag, „zu Christus zu kommen und jede gute Gabe zu ergreifen“15. Beginnen Sie mit der Gabe des Heiligen Geistes, denn diese Gabe kann und wird Ihr Leben verändern.

Wir sind Jünger Jesu Christi. Die wichtigste Wahrheit, die der Heilige Geist Ihnen jemals bezeugen wird, ist, dass Jesus der Messias ist, der Sohn des lebendigen Gottes. Er lebt! Er ist unser Fürsprecher beim Vater, unser Vorbild und unser Erlöser. Am heutigen Ostersonntag gedenken wir seines Sühnopfers, seiner buchstäblichen Auferstehung und seiner Göttlichkeit.

Dies ist seine Kirche, wiederhergestellt durch den Propheten Joseph Smith. Das bezeuge ich, und ich möchte Ihnen sagen, dass ich einen jeden von Ihnen liebhabe. Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden