Eine Zeit der Vorbereitung

von den Siebzigern


Ian S. Ardren
Wir müssen unsere Zeit dem widmen, was am wichtigsten ist.

Im achten Kapitel der Anleitung Verkündet mein Evangelium! geht es darum, seine Zeit weise zu nutzen. In diesem Kapitel macht Elder M. Russell Ballard uns klar, dass wir uns Ziele setzen und die Methoden erlernen müssen, wie man Ziele erreicht (siehe Verkündet mein Evangelium! – Eine Anleitung für den Missionsdienst, Seite 170). Die Methoden zu beherrschen, die dazu nötig sind, heißt auch, dass wir Meister darin werden, unsere Zeit gut einzuteilen.

Ich bin dankbar für Präsident Thomas S. Monsons Beispiel. Bei allem, was er als Prophet Gottes tut, sorgt er – wie der Erlöser es tat – dafür, dass immer noch genügend Zeit bleibt, die Kranken zu besuchen (siehe Lukas 17:12-14), die Mutlosen aufzurichten und der Diener aller zu sein. Ich bin auch dankbar für das Beispiel vieler anderer, die dem Dienst am Nächsten viel Zeit opfern. Ich bezeuge, dass Gott sich darüber freut, wenn wir unsere Zeit darauf verwenden, anderen zu dienen, und dass wir dadurch Gott näherkommen. Der Erlöser hält sein Wort, nämlich: „Wer in der Zeit treu und weise ist, der wird als würdig erachtet, die Wohnungen zu ererben, die mein Vater für ihn bereitet hat.“ (LuB 72:4.)

Zeit kann man nicht kaufen. Zeit ist ein Gut, das man – so sehr man sich auch anstrengt –, nirgendwo und zu keinem Preis kaufen kann. Doch weise genutzt, ist Zeit von unschätzbarem Wert. Uns allen steht jeden Tag die gleiche Anzahl an Minuten und Stunden kostenlos zur Verfügung, und wir lernen bald, wie es in dem bekannten Lied so schön gesagt wird: „Die Zeit vergeht im Fluge und kehrt nicht mehr zurück.“ (Gesangbuch, Nr. 143.) Die Zeit, die wir haben, müssen wir gut nutzen. Präsident Brigham Young hat gesagt: „Wir alle verdanken [Gott] die Fähigkeit, unsere Zeit zu unserem Vorteil zu nutzen … Er wird von uns strenge Rechenschaft darüber verlangen, wie wir [sie] genutzt haben.“ (Lehren der Präsidenten der Kirche: Brigham Young, Seite 286.)

Angesichts der Anforderungen, die an uns gestellt werden, müssen wir lernen, unsere Prioritäten so zu setzen, dass sie unseren Zielen entsprechen, oder wir laufen Gefahr, einfach alles aufzuschieben und uns von einer zeitraubenden Aktivität zur nächsten treiben zu lassen. Der größte aller Lehrer hat uns in Bezug auf Prioritäten gut unterrichtet, als er in der Bergpredigt verkündete: „Darum trachtet nicht nach den Dingen dieser Welt, sondern trachtet zuerst danach, das Reich Gottes aufzubauen und seine Rechtschaffenheit aufzurichten.“ (Joseph-Smith-Übersetzung, Matthäus 6:38; vgl. Matthäus 6:33.) (Siehe auch Dallin H. Oaks, „Konzentration auf das Wesentliche und Prioritäten“, Liahona, Juli 2001, Seite 99ff.)

Alma sprach von Prioritäten, als er sagte: „Dieses Leben [ist] zu einem Zustand der Bewährung geworden; eine Zeit, um sich bereit zu machen, Gott zu begegnen.“ (Alma 12:24.) Es mag etwas Führung vonnöten sein, um die wertvolle Zeit der Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott bestmöglich zu nutzen, aber gewiss würden wir den Herrn und unsere Familie ganz oben auf die Liste setzen. Präsident Dieter F. Uchtdorf hat gesagt: „In der Beziehung zur Familie wird Liebe in Wirklichkeit so buchstabiert: Z-e-i-t.“ („Was am wichtigsten ist“, Liahona, November 2010, Seite 21.) Ich bezeuge: Wenn wir aufrichtig und gebeterfüllt darum bitten, hilft uns unser Vater im Himmel, den Schwerpunkt auf das zu legen, was unsere Zeit am meisten verdient.

Die schlechte Nutzung von Zeit ist eng mit dem Müßiggang verwandt. Wenn wir das Gebot befolgen, Müßiggang zu meiden (siehe LuB 88:124), müssen wir auch darauf achten, dass wir nicht einfach nur beschäftigt, sondern auch produktiv sind. Es ist zum Beispiel großartig, dass wir die Mittel haben, mit anderen unmittelbar auf Tastendruck zu kommunizieren. Wir müssen aber aufpassen, dass wir zur Kommunikation nicht nur noch zwanghaft Tasten drücken. Ich stelle fest, dass so mancher in eine neue, zeitraubende Abhängigkeit geraten ist – eine Abhängigkeit, die ihn zwingt, in sozialen Netzwerken pausenlos Mitteilungen zu lesen und zu schreiben, und dadurch den falschen Eindruck erweckt, er sei beschäftigt und produktiv.

Es hat viel Gutes, dass wir so leicht kommunizieren und auf Informationen zugreifen können. Ich finde es nützlich, Zugang zu Hintergrundberichten, Konferenzansprachen und genealogischen Unterlagen zu haben und E-Mails, Beiträge in Facebook und auf Twitter oder SMS empfangen zu können. Doch so gut dies auch alles ist – wir können nicht zulassen, dass es das ins Abseits drängt, was am wichtigsten ist. Wie traurig wäre es doch, wenn Geräte wie Telefon und Computer, so hoch entwickelt sie auch sein mögen, an die Stelle eines schlichten, aufrichtigen Gebets zu unserem lieben Vater im Himmel träten. Knien wir uns doch genauso schnell hin, wie wir eine SMS schreiben.

Computerspiele und Internetbekanntschaften sind kein dauerhafter Ersatz für echte Freunde, die uns zur Aufmunterung in den Arm nehmen oder für uns beten können und nur unser Bestes im Sinn haben. Ich war immer sehr dankbar, wenn ich gesehen habe, wie Mitglieder eines Kollegiums, einer Klasse oder der FHV mit vereinten Kräften einander unterstützt haben. Mir ist dadurch deutlicher bewusst geworden, was der Apostel Paulus meinte, als er sagte: „Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen.“ (Epheser 2:19.)

Ich weiß, dass wir dann am glücklichsten sind, wenn wir mit dem Herrn im Einklang sind (siehe Alma 37:37) und auf das bauen, was dauerhaften Lohn bringt, anstatt gedankenlos unzählige Stunden damit zuzubringen, den Status zu aktualisieren, Farmville zu spielen oder einen Angry Bird gegen eine Betonwand zu schleudern. Ich fordere jeden von uns eindringlich auf, den Entschluss zu fassen, der Dinge Herr zu werden, die uns kostbare Zeit rauben, anstatt zuzulassen, dass sie unser Herr werden, weil es in ihrer Natur liegt, uns süchtig zu machen.

Damit wir uns an dem Frieden erfreuen können, von dem der Erlöser spricht (siehe Johannes 14:27), müssen wir unsere Zeit dem widmen, was am wichtigsten ist – nämlich dem, was von Gott ist. Wenn wir in aufrichtigem Gebet mit Gott sprechen, jeden Tag die heiligen Schriften lesen und studieren, über das nachdenken, was wir gelesen und dabei empfunden haben, und das Gelernte anwenden und danach leben, dann kommen wir ihm näher. Gott hat uns verheißen, dass er uns „durch seinen Heiligen Geist … Erkenntnis geben [wird]“ (LuB 121:26; siehe auch LuB 109:14,15), wenn wir eifrig in den besten Büchern suchen.

Der Satan will uns mit getarnten Ablenkungen dazu verleiten, unsere Zeit zu vergeuden. Versuchungen werden an uns herantreten. Doch Elder Quentin L. Cook sagte: „Heilige, die die Botschaft des Erretters annehmen, lassen sich nicht von ablenkenden und destruktiven Beschäftigungen vom Weg abbringen.“ („Sind Sie ein Heiliger?“, Liahona, November 2003, Seite 96.) Aus dem Beispiel von Hiram Page, einem der acht Zeugen des Buches Mormon, können wir eine wichtige Lehre ziehen, was Ablenkung betrifft. Er hatte einen Stein, der ihm seiner Meinung nach Offenbarungen für die Kirche mitteilte, die er dann niederschrieb (siehe LuB 28). Als Hiram Page zurechtgewiesen wurde, nahm man ihm, wie es in einem Bericht steht, den Stein ab und zerrieb ihn zu Pulver, damit er ihn nie wieder ablenkte.1 Ich fordere uns auf, die zeitraubenden Ablenkungen in unserem Leben ausfindig zu machen, die im übertragenen Sinn vielleicht zu Staub zerrieben werden müssen. Wir müssen weise urteilen, um die Waagschalen der Zeit richtig auszupendeln, sodass der Herr, die Familie, unsere Arbeit und sinnvolle Freizeitgestaltung darin ihren Platz finden. Wie viele bereits festgestellt haben, sind wir glücklicher, wenn wir unsere Zeit darauf verwenden, nach dem zu streben, was tugendhaft und liebenswert ist, guten Klang hat oder lobenswert ist (siehe 13. Glaubensartikel).

Die Zeit vergeht schnell, mit jedem Ticken der Uhr. Heute – solange die Lebensuhr noch läuft – wäre ein guter Tag dafür, darüber nachzudenken, was wir tun, um uns auf die Begegnung mit Gott vorzubereiten. Ich bezeuge, dass großer Lohn diejenigen erwartet, die sich hier auf der Erde die Zeit nehmen, sich auf die Unsterblichkeit und das ewige Leben vorzubereiten. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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  1.  

    1. Siehe Hauptprotokoll, Pfahl Provo Mitte, 6. April 1856, Band 10 (1855–1860), Historisches Archiv der Kirche, Salt Lake City, Seite 273): „Vater [Emer] Harris sprach davon, dass der Apostel gesagt habe, wir müssten gegen Gewalten und Kräfte an hoher Stelle ankämpfen. Bruder Hiram Page hatte aus der Erde einen schwarzen Stein ausgegraben [und] ihn in seine Tasche gesteckt. Als er nach Hause kam, betrachtete er ihn. Er sah darauf einen Satz wie auf Papier. Sobald er ihn aufgeschrieben hatte, erschien auf dem Stein ein weiterer Satz und noch einer, bis er sechzehn Seiten vollgeschrieben hatte. Bruder Joseph wurde davon in Kenntnis gesetzt. Jemand fragte ihn, ob dies seine Richtigkeit habe. Er sagte, er wisse es nicht, aber er betete darüber und erhielt die Offenbarung, dass der Stein vom Teufel sei. Der Stein wurde zu Pulver zermahlen und die Aufzeichnungen wurden verbrannt. Es war ein Werk der finsteren Macht. Amen.“