Erlösung

LeGrand R. Curtis Jr.

von den Siebzigern


LeGrand R. Curtis Jr.
Durch Christus kann der Mensch sein Leben ändern und Erlösung finden.

Es gibt verschiedene Namen, mit denen auf den Herrn Jesus Christus Bezug genommen wird. Diese Namen geben einen Einblick in verschiedene Aspekte seiner auf das Sühnopfer ausgerichteten Mission. Nehmen wir einmal den Titel „Erretter“. Wir alle können uns denken, was es heißt, gerettet zu werden, denn jeder von uns ist schon einmal vor irgendetwas gerettet worden. Meine Schwester und ich spielten als Kinder in einem kleinen Boot auf einem Fluss. Wir waren unvernünftig, blieben nicht im sicheren Bereich und trieben bald mit der Strömung flussabwärts ins Ungewisse. Unser Vater hörte uns rufen, rannte schnell zur Rettung herbei und bewahrte uns vor den Gefahren des Flusses. Wenn ich an Rettung denke, kommt mir dieses Erlebnis in den Sinn.

Etwas Ähnliches vermittelt uns auch der Titel „Erlöser“. „Erlösen“ heißt auslösen oder freikaufen. Rechtlich gesehen gilt Eigentum als ausgelöst, wenn alle Hypotheken getilgt und die übrigen Grundpfandrechte aufgehoben wurden. Zur Zeit des Alten Testaments gab das mosaische Gesetz verschiedene Wege für das Rück- oder Loskaufrecht von Sklaven und Eigentum vor (siehe Levitikus 25:31).

In den heiligen Schriften wird der Begriff freikaufen oft für die Befreiung der Kinder Israel aus der Knechtschaft in Ägypten verwendet. Nach dieser Befreiung sagte Mose zu ihnen: „Weil der Herr euch liebt, … hat [er] euch mit starker Hand herausgeführt und euch aus dem Sklavenhaus freigekauft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.“ (Deuteronomium 7:8.)

Wir lesen in den Schriften sehr oft davon, dass Jehova das Volk Israel aus der Knechtschaft befreit oder erlöst. Häufig sollte das Volk an die Güte des Herrn erinnert werden, der die Kinder Israel aus Ägypten befreit hat. Es sollte aber auch erkennen, dass es eine weitere, viel wichtigere Erlösung für Israel geben werde. Lehi verkündete: „Und der Messias kommt, wenn die Zeit erfüllt ist, damit er die Menschenkinder vom Fall erlöse.“ (2 Nephi 2:26.)

Der Psalmist schrieb: „Doch Gott wird mich loskaufen aus dem Reich des Todes.“ (Psalm 49:16.)

Der Herr erklärte durch Jesaja: „Ich fege deine Vergehen hinweg wie eine Wolke und deine Sünden wie Nebel. Kehr um zu mir; denn ich erlöse dich.“ (Jesaja 44:22.)

Die Erlösung, von der in diesen drei Schriftstellen gesprochen wird, ist natürlich das Sühnopfer Jesu Christi. Dies ist die „Erlösung in Fülle“, die unser Gott liebevoll vorbereitet hat (Psalm 130:7). Diese Erlösung tritt nicht wie unter dem Gesetz des Mose oder in heutigen rechtlichen Bestimmungen „um einen vergänglichen Preis, … um Silber oder Gold“ ein (1 Petrus 1:18). „Durch [Christi] Blut haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade.“ (Epheser 1:7.) Präsident John Taylor sagte, aufgrund des Sühnopfers des Erlösers sei die Schuld bezahlt, die Erlösung bewerkstelligt, der Bund erfüllt, die Gerechtigkeit zufriedengestellt, der Wille Gottes geschehen und alle Macht nunmehr dem Sohn Gottes in die Hände gegeben (siehe Lehren der Präsidenten der Kirche: John Taylor, Seite 43).

Dank dieser Erlösung können auch alle Kinder Gottes den körperlichen Tod überwinden. Das bedeutet, dass der zeitliche Tod überwunden ist und alle auferstehen werden. Ein weiterer Aspekt dieser Erlösung durch Christus ist der Sieg über den geistigen Tod. Durch sein Leiden und seinen Tod zahlte Christus den Preis für die Sünden eines jeden Menschen, sofern dieser umkehrt.

Wenn wir umkehren, können wir daher Vergebung für unsere Sünden erlangen, denn der Erlöser hat den Preis dafür gezahlt. Dies ist eine frohe Nachricht für uns alle, denn „alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren“ (Römer 3:23). Wer weit vom rechten Weg abgekommen ist, braucht diese Erlösung dringend, und wenn er vollständig umkehrt, hat er Anspruch darauf. Aber auch diejenigen, die sich sehr um ein gutes Leben bemüht haben, brauchen diese Erlösung dringend, denn niemand kann ohne die Hilfe Christi in die Gegenwart des Vaters gelangen. So ermöglicht diese liebevolle Erlösung, dass das Gesetz von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit für alle erfüllt wird, die umkehren und Christus nachfolgen.

Wie groß, wie herrlich und wie schön
ist der Erlösungsplan,
wo Lieb, Gerechtigkeit und Gnad
uns führen himmelan.
(„Wie groß die Weisheit und die Lieb“, Gesangbuch, Nr. 122.)

Präsident Boyd K. Packer hat gesagt: „Es gibt einen Erlöser, einen Mittler, der willens und imstande ist, die Forderungen der Gerechtigkeit zu erfüllen und den Bußfertigen Barmherzigkeit zu erweisen.“ („The Mediator“, Ensign, Mai 1977, Seite 56.)

In den heiligen Schriften, in der Literatur und im eigenen Leben begegnen uns unzählige Beispiele für Erlösung. Durch Christus kann der Mensch sein Leben ändern und Erlösung finden. Mir gefallen Erlösungsgeschichten sehr.

Einer meiner Freunde hielt sich in seiner Jugend nicht an die Lehren der Kirche. Als jungem Erwachsenen wurde ihm bewusst, was er versäumt hatte, weil er nicht nach dem Evangelium gelebt hatte. Er kehrte um, änderte sich und verschrieb sich einem rechtschaffenen Leben. Eines Tages – seit unserer Jugendfreundschaft waren Jahre vergangen – traf ich ihn im Tempel. Das Licht des Evangeliums strahlte in seinen Augen, und ich spürte, dass er ein treues Mitglied der Kirche war, das sich bemühte, ganz nach dem Evangelium zu leben. Sein Leben ist so eine Erlösungsgeschichte.

Einmal führte ich ein Taufinterview mit einer Frau, die eine sehr schwere Sünde begangen hatte. Ich fragte sie, ob sie verstehe, dass sie diese Sünde nie wieder begehen dürfe. Ihrem Blick und ihrer Stimme merkte man an, wie bewegt sie war, als sie sagte: „Ach, Präsident, ich könnte diese Sünde gar nicht wieder begehen. Deswegen will ich mich ja taufen lassen – ich will von den Folgen dieser schrecklichen Sünde rein gemacht werden.“ Ihr Leben ist so eine Erlösungsgeschichte.

Als ich in den letzten Jahren Pfahlkonferenzen und weitere Versammlungen besuchte, musste ich an Präsident Thomas S. Monsons Aufruf denken, die weniger aktiven Mitglieder zu retten. Bei einer Pfahlkonferenz berichtete ich von einem weniger aktiven Mitglied, das wieder vollständig aktiv wurde, nachdem sein Bischof und weitere Führer es zuhause besucht und ihm mitgeteilt hatten, es werde gebraucht. Man gab ihm eine Berufung. Nicht nur nahm dieser Mann die Berufung an, sondern er änderte auch sein Leben und seine Gewohnheiten und wurde in der Kirche wieder vollständig aktiv.

Einer meiner Freunde war bei der Versammlung zugegen, als ich davon berichtete. Sein Gesichtsausdruck änderte sich schlagartig, als ich die Geschichte erzählte. Einen Tag später schrieb er mir eine E-Mail. Er berichtete, er sei von der Begebenheit sehr bewegt gewesen, weil sein Schwiegervater auf ganz ähnliche Weise wieder in der Kirche aktiv geworden sei. Er erzählte, sein Schwiegervater habe nach einem ähnlichen Besuch des Bischofs und der Berufung, die dieser ausgesprochen hatte, sein Leben und sein Zeugnis überdacht, große Änderungen vorgenommen und die Berufung angenommen. Dieser wieder aktiv gewordene Mann hat 88 Nachkommen, die aktive Mitglieder der Kirche sind.

Ein paar Tage später erzählte ich bei einer Versammlung beide Geschichten. Tags darauf bekam ich eine weitere E-Mail, die mit den Worten begann: „Bei meinem Vater war das genauso!“ Der Pfahlpräsident, der diese E-Mail geschrieben hatte, berichtete, sein Vater habe eine Berufung bekommen, obwohl er nicht aktiv gewesen sei und einiges in seinem Leben ändern musste. Er nahm die Berufung an, kehrte daraufhin um, wurde schließlich Pfahl- und dann Missionspräsident und legte die Grundlage, dass auch seine Nachkommen treue Mitglieder der Kirche sein konnten.

Ein paar Wochen später erzählte ich bei einer weiteren Pfahlkonferenz alle drei Geschichten. Anschließend kam ein Mann zu mir und erklärte mir, das sei nicht die Geschichte seines Vaters, sondern seine eigene. Er erzählte mir, was geschehen war und ihn dazu bewogen hatte, umzukehren und in der Kirche wieder aktiv zu werden. Und so ging es weiter. Immer wenn ich über den Aufruf sprach, die weniger Aktiven zu retten, erfuhr ich von einer Geschichte, wie Mitglieder die Aufforderung angenommen hatten, zurückzukehren und ihr Leben zu ändern. Ich hörte eine Erlösungsgeschichte nach der anderen.

Wir können dem Erlöser zwar nie den Preis zurückzahlen, den er für uns gezahlt hat, aber der Erlösungsplan verlangt, dass wir unser Bestes geben, vollständig umkehren und den Willen Gottes tun. Der Apostel Orson F. Whitney schrieb einst:

Erlöser und Erretter mein,
du heilst mein Herz und machst mich rein;
mit Macht hast Rettung du gebracht,
den bittren Kelch mir süß gemacht!
Endloser Dank füllt meine Seel,
barmherziger Gott Israels.
Ich stehe stets in deiner Schuld,
doch lieb ich dich Herr, dein reines Wort
hat wahre Freude mir gebracht,
schenkt Glück bei Tag und auch bei Nacht,
drum soll mein Leben jederzeit
ein Spiegel deines Willens sein.
(„Savior, Redeemer of My Soul“, Hymns, Nr. 112.)

Ich gebe Zeugnis von der Macht des Sühnopfers Christi. Wenn wir umkehren und zu ihm kommen, können wir alle Segnungen des ewigen Lebens erlangen. Ich bete darum, dass wir dies tun und unsere eigene Erlösungsgeschichte erleben. Im Namen Jesu Christi. Amen.