Hat es sich gelohnt?

Elder David F. Evans

von den Siebzigern


Elder David F. Evans
Es ist unser Werk, denen, die uns am Herzen liegen und die wir lieben, auf ganz natürliche und normale Weise vom Evangelium zu erzählen. Das bringt uns auch große Freude.

In dieser Konferenz und in anderen Versammlungen in letzter Zeit1 haben sich viele von uns gefragt: Wie kann ich mithelfen, die Kirche des Herrn aufzurichten und dort, wo ich lebe, zu echtem Wachstum beizutragen?

Bei diesem wie bei jedem anderen Vorhaben ist das allerwichtigste Werk stets zu Hause in der Familie zu verrichten.2 In der Familie wird die Kirche aufgerichtet; dort entsteht echtes Wachstum.3 Wir müssen unsere Kinder in den Grundsätzen und Lehren des Evangeliums unterweisen. Wir müssen ihnen helfen, Glauben an Jesus Christus zu entwickeln, und sie darauf vorbereiten, sich taufen zu lassen, sobald sie acht Jahre alt sind.4 Wir müssen selbst dem Glauben treu sein, damit unsere Kinder an unserem Beispiel sehen, wie sehr wir den Herrn und seine Kirche lieben. Dadurch können sie Freude daran finden, die Gebote zu halten, sie sind glücklich in der Familie und dankbar, wenn sie anderen dienen können. In der Familie sollten wir uns an das Muster halten, das Nephi uns vorgegeben hat, als er sagte:

„Wir arbeiten eifrig …, um unsere Kinder … zu bewegen, dass sie an Christus glauben und sich mit Gott versöhnen lassen …

Wir reden von Christus, wir freuen uns über Christus, wir predigen von Christus, wir prophezeien von Christus, und wir schreiben gemäß unseren Prophezeiungen, damit unsere Kinder wissen mögen, von welcher Quelle sie Vergebung ihrer Sünden erhoffen können.“5

Wir arbeiten eifrig daran, unseren Kindern diese Segnungen zu ermöglichen, indem wir mit ihnen in die Kirche gehen, den Familienabend abhalten und gemeinsam in den heiligen Schriften lesen. Wir beten täglich als Familie, nehmen Berufungen an, besuchen die Kranken und Einsamen und unternehmen vieles mehr, womit wir unseren Kindern zeigen, dass wir sie lieben und dass wir unseren Vater im Himmel, seinen Sohn und deren Kirche lieben.

Wir reden und prophezeien von Christus, wenn wir eine Lektion beim Familienabend gestalten oder uns mit einem Kind hinsetzen und ihm sagen, wie lieb wir es haben, und vom wiederhergestellten Evangelium Zeugnis geben.

Wir können über Christus schreiben, indem wir denen, die in der Ferne sind, Briefe schreiben. Für Missionare, Söhne oder Töchter beim Militär und alle unsere Lieben sind die Briefe, die wir ihnen schreiben, ein Segen. Mit Briefen von daheim sind nicht nur kurze E-Mails gemeint. Ein echter Brief ist etwas Greifbares, was man zur Hand nehmen, worüber man nachdenken und woran man sich erfreuen kann.

Wir helfen unseren Kindern, sich auf das Sühnopfer des Heilands zu verlassen und Vergebung von unserem liebevollen Vater im Himmel zu erfahren, wenn wir selbst bei der Erziehung Liebe und Vergebungsbereitschaft an den Tag legen. Unsere Liebe und Vergebungsbereitschaft bringen uns unsere Kinder nicht nur näher, sondern sie stärken auch ihren Glauben an die Erkenntnis, dass ihr Vater im Himmel sie liebt und dass er ihnen vergibt, wenn sie sich bemühen, umzukehren und besser zu werden und besser zu sein. Sie vertrauen auf diese Wahrheit, weil sie das ja auch mit ihren irdischen Eltern erlebt haben.

Nephi hat erklärt, dass wir zusätzlich zu dem Werk, das wir in der eigenen Familie verrichten, auch „eifrig [arbeiten, um] unsere Brüder zu bewegen, dass sie an Christus glauben und sich mit Gott versöhnen lassen“6. Als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hat jeder von uns den Vorzug und die Pflicht, anderen vom Evangelium zu erzählen. So mancher, der das Evangelium dringend braucht, ist noch kein Mitglied der Kirche. Andere wiederum waren früher einmal dabei, müssen aber erneut die Freude verspüren, die sie einst empfanden, als sie das Evangelium annahmen. Der Herr liebt beide den, der das Evangelium noch gar nicht kannte, und auch den, der sich ihm wieder zuwendet.7 Er macht da keinen Unterschied und wir auch nicht. Es ist alles das gleiche Werk. Seelen in welchem Zustand sie sich auch befinden mögen sind für unseren Vater im Himmel, seinen Sohn und auch für uns von großem Wert.8 Das Werk unseres Vaters im Himmel und seines Sohnes besteht darin, „die Unsterblichkeit und das ewige Leben [aller seiner Kinder] zustande zu bringen“9, und zwar ungeachtet ihrer derzeitigen Lebensumstände. Wir genießen den Vorzug, bei diesem großen Werk mithelfen zu dürfen.

Präsident Thomas S. Monson hat erklärt, wie wir dabei mithelfen können. Er hat gesagt: „Unsere Erlebnisse mit der Missionsarbeit müssen aktuell sein. Es reicht nicht, wenn wir uns zurücklehnen und an vergangene Erlebnisse zurückdenken. Um Erfüllung zu finden, muss man es sich zur Gewohnheit machen, seinen Mitmenschen kontinuierlich und auf ganz natürliche und normale Weise vom Evangelium zu erzählen.“10

Es ist unser Werk, denen, die uns am Herzen liegen und die wir lieben, auf ganz natürliche und normale Weise vom Evangelium zu erzählen. Das bringt uns auch große Freude. Ich möchte Ihnen von zwei Begebenheiten dieser Art erzählen.

Dave Orchard wuchs in Salt Lake City auf. Die meisten seiner Freunde gehörten der Kirche an. Sie hatten starken Einfluss auf ihn. Außerdem wurde er von den Führern der Kirche in seinem Viertel immer wieder zu Aktivitäten eingeladen. Auch seine Freunde luden ihn ein. Obwohl er sich damals nicht der Kirche anschloss, war seine Jugend geprägt vom Einfluss guter Freunde in der Kirche und den Aktivitäten, die von ihr veranstaltet wurden. Er zog dann von daheim aus, um zu studieren, und die meisten seiner Freunde gingen auf Mission. Er vermisste ihre Gesellschaft.

Einer von Daves Schulfreunden war aber noch daheim. Dieser Freund traf sich jede Woche mit seinem Bischof, um sein Leben in Ordnung zu bringen, damit auch er auf Mission gehen konnte. Er und Dave zogen zusammen, und so war es ganz natürlich und normal, dass sie sich darüber unterhielten, warum er zu der Zeit noch nicht auf Mission war und sich so oft mit dem Bischof traf. Dieser Freund erklärte, wie dankbar er dem Bischof war, wie sehr er ihn respektierte und wie froh er war, umkehren und dienen zu dürfen. Dann fragte er Dave, ob er zum nächsten Gespräch mitkommen wolle. Was für eine Einladung! Aber wenn man ihre Freundschaft und die Umstände betrachtet, war es sowohl natürlich als auch normal.

Dave sagte zu und traf sich bald selbst mit dem Bischof. Dies führte dazu, dass Dave beschloss, sich mit den Missionaren zu treffen. Er empfing das Zeugnis, dass das Evangelium wahr ist, und es wurde ein Taufdatum festgesetzt. Dave wurde von seinem Bischof getauft, und ein Jahr später heirateten Dave Orchard und Katherine Evans im Tempel. Sie haben fünf liebe Kinder. Katherine ist meine kleine Schwester. Ich werde diesem guten Freund auf ewig dankbar sein, weil er Dave mit der Hilfe eines guten Bischofs zur Kirche gebracht hat.

Als Dave über seine Bekehrung sprach und Zeugnis von diesen Ereignissen gab, stellte er die Frage: „Und? Hat es sich gelohnt? War die Taufe eines einzelnen Jungen es wert, dass sich Freunde, Jugendführer und der Bischof all die Jahre um ihn bemühten?“ Er deutete auf Katherine und seine fünf Kinder und sagte: „Nun, zumindest für meine Frau und unsere fünf Kinder hat es sich gelohnt.“

Wenn wir anderen vom Evangelium erzählen, geht es nie nur um „einen einzelnen Jungen“. Wenn sich jemand bekehrt oder zum Herrn zurückkehrt, wird immer eine ganze Familie gerettet. Die Kinder von Dave und Katherine sind mit dem Evangelium groß geworden und haben es angenommen. Eine Tochter und zwei Söhne sind auf Mission gegangen und ein weiterer hat gerade seine Berufung in die Alpenländische Mission München erhalten. Die beiden ältesten haben im Tempel geheiratet, und das jüngste Kind besucht jetzt die weiterführende Schule und ist ebenfalls in jeder Hinsicht treu. Hat es sich gelohnt? O ja, das hat es!

Schwester Eileen Waite nahm an genau jener Pfahlkonferenz teil, bei der Dave Orchard von seiner Bekehrung erzählte. Während der Konferenz kreisten ihre Gedanken die ganze Zeit um ihre eigene Familie. Insbesondere dachte sie an ihre Schwester Michelle, die schon lange nicht mehr in die Kirche kam. Michelle war geschieden und zog ihre vier Kinder alleine groß. Eileen fühlte sich gedrängt, ihr ein mit ihrem Zeugnis versehenes Exemplar des Buches Unser Weg, glücklich zu sein von Elder M. Russell Ballard zu schicken. Sie folgte der Eingebung. In der Woche danach erzählte ihr eine Bekannte, dass auch sie das Gefühl gehabt habe, sie solle Kontakt zu Michelle aufnehmen. Auch diese Bekannte hatte Michelle eine kurze Mitteilung geschrieben, in der sie Zeugnis gab und ihre Verbundenheit zum Ausdruck brachte. Ist es nicht auffallend, wie der Geist oft auf mehrere Menschen einwirkt, um einem Einzelnen zu helfen, der in Not ist?

Die Zeit verging. Michelle rief Eileen an und bedankte sich für das Buch. Sie sagte, sie erkenne langsam, dass, geistig gesehen, etwas in ihrem Leben fehle. Eileen erklärte ihr, sie wisse, dass der Frieden, den sie sucht, im Evangelium zu finden sei. Sie sagte ihr, dass sie sie lieb habe und wolle, dass sie glücklich sei. Michelle fing an, ihr Leben zu ändern. Bald lernte sie einen lieben Mann kennen, der aktives Mitglied der Kirche war. Sie heirateten und ließen sich ein Jahr später im Ogden-Utah-Tempel siegeln. Vor kurzem ließ sich ihr 24-jähriger Sohn taufen.

Ich möchte die übrigen Angehörigen von Michelle sowie alle Menschen, die noch nicht wissen, dass diese Kirche wahr ist, einladen, dies gebeterfüllt zu prüfen. Erlauben Sie Ihren Angehörigen, Ihren Freunden und den Missionaren, Ihnen zu helfen. Sobald Sie erkennen, dass es wahr ist und das ist es  , schließen Sie sich uns an, indem Sie den gleichen Schritt gehen.

Wie diese Geschichte ausgeht, wissen wir noch nicht, aber dieser wunderbaren Frau und ihrer Familie ist viel Gutes geschehen, weil Menschen, die sie gern hatten, einer Eingebung gefolgt sind und auf ganz natürliche und normale Weise Zeugnis gegeben und sie eingeladen haben, zurückzukommen.

Ich habe viel über diese beiden Begebenheiten nachgedacht. Ein junger Mann, der sich bemühte, sein Leben in Ordnung zu bringen, half einem anderen jungen Mann, der nach der Wahrheit suchte. Eine Frau ließ ihre Schwester, die seit 20 Jahren nicht mehr in die Kirche ging, an ihrem Zeugnis und ihrem Glauben teilhaben. Wenn wir beten und den Vater im Himmel fragen, wem wir helfen können, und ihm versprechen, den Eingebungen zu folgen, durch die er uns wissen lässt, wie wir mithelfen können, dann erhört er unsere Gebete, und wir werden ein Werkzeug in seinen Händen und verrichten sein Werk. Voraussetzung dafür ist, dass wir aus Liebe heraus den Eingebungen des Geistes folgen.11

Als Sie gerade gehört haben, wie man denjenigen, die einem am Herzen liegen, auf natürliche und normale Weise vom Evangelium erzählen kann, haben wahrscheinlich viele unter Ihnen etwas Ähnliches erlebt wie damals Eileen Waite. Ihnen ist jemand in den Sinn gekommen, um den Sie sich bemühen und den Sie entweder einladen sollten, zurückzukehren, oder dem Sie nahebringen sollten, was Sie für das Evangelium Jesu Christi empfinden. Ich lade Sie ein, dieser Eingebung unverzüglich zu folgen! Sprechen Sie mit Ihrem Bekannten oder Angehörigen. Tun Sie es auf natürliche, normale Weise. Lassen Sie ihn wissen, dass Sie ihn gern haben und dass Sie den Herrn lieben. Die Missionare können Ihnen helfen. Mein Rat gleicht dem, den Präsident Monson so oft von ebendiesem Rednerpult aus gegeben hat: „Schieben Sie es niemals auf, einer Eingebung zu folgen!“12 Wenn Sie der Eingebung folgen und sich dabei von Liebe leiten lassen, werden Sie sehen, wie der Vater im Himmel Ihre Handlungsbereitschaft dazu nutzt, in Ihrem Leben und im Leben dessen, um den Sie sich Gedanken machen, ein Wunder herbeizuführen.13

Meine lieben Brüder und Schwestern, wir können die Kirche des Herrn aufrichten und echtes Wachstum erleben, wenn wir daran arbeiten, unserer Familie und denen, die uns viel bedeuten, die Segnungen des Evangeliums zu bringen. Dies ist das Werk unseres Vaters im Himmel und seines Sohnes. Ich weiß, dass sie leben und unsere Gebete erhören. Wenn wir diesen Eingebungen folgen und darauf vertrauen, dass der Vater und der Sohn ein Wunder herbeiführen können, werden Wunder geschehen und Menschen ihr Leben ändern. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigen

  1.  

    1. Siehe Weltweite Führerschaftsschulung vom 11. Februar 2012, LDS.org

  2.  

    2. Siehe Lehren der Präsidenten der Kirche: Harold B. Lee, Seite 134

  3.  

    3. Siehe Boyd K. Packer, „Die Macht des Priestertums in der Familie“, Weltweite Führerschaftsschulung vom 11. Februar 2012, LDS.org

  4.  

    4. Siehe Lehre und Bündnisses 68:25–28

  5.  

    5.  2 Nephi 25:23,26

  6.  

    6.  2 Nephi 25:23,26

  7.  

    7. Siehe Lukas 15:4–7

  8.  

    8. Siehe Lehre und Bündnisse 18:10

  9.  

    9.  Mose 1:39

  10.  

    10. „Status Report on Missionary Work: A Conversation with Elder Thomas S. Monson, Chairman of the Missionary Committee of the Council of the Twelve“, Ensign, Oktober 1977, Seite 14

  11.  

    11. Siehe Thomas S. Monson, „Voll Eifer“, Liahona, November 2004, Seite 56 59; „Zur Rettung“, Liahona, Juli 2001, Seite 57 60; „Die Tür heißt Liebe“, Der Stern, Oktober 1996, Seite 2 7

  12.  

    12. Siehe Ann M. Dibb, „My Father Is a Prophet“, Andacht an der Brigham-Young-Universität Idaho am 19. Februar 2008, byui.edu/devotionalsandspeeches; vgl. auch Thomas S. Monson, „An dem uns bestimmten Platz stehen“, Liahona, Mai 2003, Seite 54 57; „Schweig, sei still!“, Liahona, November 2002, Seite 53 56; „Macht im Priestertum“, Liahona, Januar 2000, Seite 58 61; „Der Geist macht lebendig“, Der Stern, Juli 1985, Seite 61ff.

  13.  

    13. Neben Präsident Thomas S. Monson haben auch andere Propheten diesen Grundsatz unsterstrichen. Beispielsweise hat Präsident Spencer W. Kimball darüber gesprochen, wie wichtig es ist, auf die Eindrücke, die einem durch den Geist gegeben werden, hin zu handeln. Er sagte: „Gott sieht uns, und er wacht über uns. Was wir brauchen, gibt er uns aber normalerweise durch andere Menschen. Es ist also sehr wichtig, dass wir einander im Reich Gottes dienen.“ (Lehren der Präsidenten der Kirche: Spencer W. Kimball, Seite 96.)