Willst du gesund werden?

Elder Timothy J. Dyches

von den Siebzigern


Timothy J. Dyches
Wenn wir umkehren und uns zum Herrn bekehren, werden wir geheilt und unsere Schuld wird weggefegt.

Während eines Festes in Jerusalem verließ der Erretter die Menge, um diejenigen aufzusuchen, die am meisten der Hilfe bedurften. Er fand sie beim Schaftor am Teich Betesda, zu dem fünf Säulenhallen gehörten. Es war bekannt, dass dort die Kranken hinkamen.

Im Johannesevangelium lesen wir, dass in der Nähe des Teiches „viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte [lagen], die auf die Bewegung des Wassers warteten.

Ein Engel des Herrn aber stieg zu bestimmter Zeit in den Teich hinab und brachte das Wasser zum Aufwallen. Wer dann als Erster hineinstieg, wurde gesund, an welcher Krankheit er auch litt.“ (Johannes 5:3,4, einschließlich der Fußnoten.)

Der Besuch des Heilands wird in dem schönen Gemälde von Carl Bloch mit dem Titel Christus heilt Kranke am Teich Betesda dargestellt. Bloch zeigt Jesus, wie er behutsam eine provisorische Überdachung anhebt, unter der ein Kranker (siehe Johannes 5:7) zum Vorschein kommt, der in der Nähe des Teiches liegt und wartet. Der Kranke ist schwach und hilflos, was die Barmherzigkeit und Gnade des Heilands noch stärker hervorhebt, der in aller Stille gekommen ist, um denen zu helfen, die sich selbst nicht helfen können.

Auf dem Gemälde kauert der Kranke im Schatten auf dem Boden. Er ist erschöpft und zermürbt, nachdem er 38 Jahre lang unter seinem Gebrechen gelitten hat.

Mit einer Hand hebt der Erlöser den Rand des Stoffs an, mit der anderen winkt er den Mann zu sich und stellt eine eindringliche Frage: „Willst du gesund werden?“

Der Mann erwidert: „Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein.“ (Johannes 5:6,7.)

Der aussichtslos erscheinenden Lage des Mannes begegnet Jesus mit einer tiefgreifenden und unerwarteten Erwiderung:

„Steh auf, nimm deine Bahre und geh!

Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging.“ (Johannes 5:8,9.)

Von einer weiteren anrührenden Begebenheit berichtet Lukas. Auf dem Weg nach Jerusalem traf der Erretter auf zehn Aussätzige. Wegen ihrer Krankheit „blieben [sie] in der Ferne stehen“ (Lukas 17:12). Sie waren Ausgestoßene – unrein und unerwünscht.

„Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“, riefen sie (Lukas 17:13), fragten also, mit anderen Worten, flehentlich: „Kannst du nicht irgendetwas für uns tun?“

Der große Arzt, voller Mitgefühl, wusste jedoch, dass der Glaube dem Wunder vorausgehen muss, und forderte sie daher auf: „Geht, zeigt euch den Priestern!“ (Lukas 17:14.)

Als sie sich voll Glauben auf den Weg machten, ereignete sich das Wunder. Können Sie sich vorstellen, wie unfassbar ihre Freude gewesen sein muss, als sie Schritt für Schritt miterlebten und mit eigenen Augen sahen, wie ihr Körper gereinigt und geheilt wurde?

„Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme.

Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. …

Und [Jesus] sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“ (Lukas 17:15,16,19.)

Bei meiner früheren Tätigkeit als Arzt und Chirurg war ich vor allem bestrebt, körperliche Gebrechen zu beheben oder zu lindern. Jesus Christus heilt Körper, Seele und Geist, und seine Heilung beginnt mit dem Glauben.

Erinnern Sie sich noch, wie Sie vor Glaube und Freude überflossen? Denken Sie noch an den Moment, als Sie Ihr Zeugnis erlangt haben oder als Gott Ihnen bestätigt hat, dass Sie sein Sohn oder seine Tochter sind und dass er Sie sehr lieb hat – und dass Sie sich geheilt fühlten? Falls solche Momente verloren zu sein scheinen, können sie wiedergefunden werden.

Der Erlöser hat uns mitgeteilt, wie wir heil gemacht, also vollständig geheilt werden:

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11:28-30.)

Der Satz „Komm und folge mir nach“ (Lukas 18:22) ist eine Aufforderung, das alte Leben und die weltlichen Wünsche zurückzulassen und eine neue Schöpfung zu werden, bei der das Alte vergangen und Neues geworden ist (siehe 2 Korinther 5:17), und zwar mit einem neuen, gläubigen Herzen. Und dabei werden wir geheilt.

„Naht euch mir, und ich werde mich euch nahen; sucht mich eifrig, dann werdet ihr mich finden; bittet, und ihr werdet empfangen; klopfet an, und es wird euch aufgetan werden.“ (LuB 88:63.)

Wenn wir uns ihm nahen, erkennen wir, dass das Erdenleben durchaus schwierig sein soll und dass die Tatsache, dass „es in allen Dingen einen Gegensatz gibt“ (2 Nephi 2:11), keine Schwachstelle im Erlösungsplan ist. Gegensätze sind vielmehr ein unentbehrlicher Bestandteil des Erdenlebens. Sie stärken unseren Willen und lassen uns bessere Entscheidungen treffen. Die Wechselfälle des Lebens helfen uns dabei, eine ewige Beziehung zu Gott herzustellen und sein Abbild unserem Gesichtsausdruck aufzuprägen, wenn wir ihm unser Herz hingeben (siehe Alma 5:19).

„Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lukas 22:19) ist die Aufforderung, die der Erretter aussprach, als er das sogenannte Abendmahl einführte. Mit dieser heiligen Handlung mit dem Brot und dem Wasser erneuern wir heilige Bündnisse, die wir mit Gott geschlossen haben, und laden die Macht des Sühnopfers zu uns ein. Wir werden geheilt, indem wir die Gewohnheiten und Lebensweisen aufgeben, die uns hartherzig und halsstarrig machen. Wenn wir „die Waffen [unserer] Auflehnung“ (Alma 23:7) niederlegen, handeln wir wahrhaft für uns selbst (siehe LuB 58:28) und werden nicht länger von den Spitzfindigkeiten des Satans geblendet oder vom misstönenden Lärm der Welt taub.

Wenn wir umkehren und uns zum Herrn bekehren, werden wir geheilt und unsere Schuld wird weggefegt. Wir fragen uns vielleicht wie Enos: „Wie geht das zu?“ Der Herr antwortet darauf: „Wegen deines Glaubens an Christus. … Darum, wohlan, dein Glaube hat dich geheilt.“ (Enos 1:7,8.)

Corrie ten Boom, eine gläubige Christin aus den Niederlanden, fand diese Heilung. Sie war im Zweiten Weltkrieg in ein Konzentrationslager verbracht worden. Ihr widerfuhr großes Leid, doch anders als ihre geliebte Schwester Betsie, die in einem der Lager umkam, überlebte Corrie.

Nach dem Krieg sprach sie oft in der Öffentlichkeit über ihre Erfahrungen und über Heilung und Vergebung. Einmal kam ein früherer SS-Mann, der an ihrer eigenen qualvollen Haft in Ravensbrück beteiligt gewesen war, auf Corrie zu. Er war voller Freude über ihre Botschaft von der Vergebung und Liebe Jesu.

„‚Wie dankbar bin ich Ihnen für Ihre Botschaft, Fräulein‘, sagte er. ‚Mir vorzustellen, dass er, wie Sie sagen, meine Sünden abgewaschen hat!‘

Er streckte seine Hand aus, um meine zu schütteln“, berichtete Corrie. „Aber ich, die ich … so oft gepredigt hatte, dass [man] vergeben [müsse], ließ meine Hand herunterhängen.

Selbst als die bitteren Rachegedanken in mir kochten, erkannte ich, dass das Sünde war. … ‚Herr Jesus‘, betete ich, ‚vergib mir und hilf mir, ihm zu vergeben.‘

Ich versuchte, zu lächeln, bemühte mich krampfhaft, meine Hand zu heben. Ich konnte es nicht. Ich fühlte nichts, nicht den kleinsten Funken Wärme oder Erbarmen. Und so hauchte ich wieder ein stummes Gebet. ‚Jesus, ich kann ihm nicht vergeben. Schenke mir deine Vergebung.‘

Und als ich seine Hand nahm, geschah etwas ganz Unglaubliches. Von meiner Schulter herunter, an meinem Arm entlang und durch meine Hand schien ein Strom von mir auf ihn überzugehen, während in meinem Herzen eine Liebe zu diesem Fremden aufloderte, die mich fast überwältigte.

Und so entdeckte ich, dass die Heilung der Welt weder von unserer Vergebung noch von unserer Güte abhängt, sondern allein von seiner. Wenn er uns sagt, dass wir unsere Feinde lieben sollen, dann schenkt er uns mit dem Gebot die Liebe selbst.“1

Corrie ten Boom erfuhr Heilung.

Präsident Thomas S. Monson hat gesagt: „Ein Lebenslauf kann diejenigen stärken, die voller Sorge, Trauer und Gram sind, nämlich der des Herrn Jesus Christus.“2

Wenn Sie sich unrein, ungeliebt, unglücklich oder unwürdig fühlen, denken Sie daran, dass „alles, was im Leben ungerecht ist, … durch das Sühnopfer Jesu Christi wiedergutgemacht werden [kann]“3. Vertrauen Sie geduldig auf den Zeitplan und die Absichten des Herrn. „Sei ohne Furcht; glaube nur!“ (Markus 5:36.)

Seien Sie gewiss, dass der Erretter nach wie vor unsere Seele und unser Herz heilen will. Er steht vor der Tür und klopft an. Antworten wir doch, indem wir erneut anfangen zu beten, umzukehren, zu vergeben und zu vergessen. Wir wollen Gott lieben und unserem Nächsten dienen und an heiliger Stätte stehen – mit einem Leben, das rein gemacht wurde. Der Kranke am Teich von Betesda, der Aussätzige auf dem Weg nach Jerusalem und Corrie ten Boom wurden heil gemacht. „Willst du gesund werden?“ Steh auf und geh! Die „Gnade [Jesu] genügt“ (2 Korinther 12:9), und Sie werden auf dem Weg nicht allein sein.

Ich habe Gewissheit erlangt, dass Gott lebt. Ich weiß, dass wir alle seine Kinder sind und dass er uns dafür liebt, wer wir sind und wer wir werden können. Ich weiß, dass er seinen Sohn in die Welt gesandt hat, um für die ganze Menschheit das Sühnopfer zu vollbringen, und dass diejenigen, die sein Evangelium annehmen und ihm folgen, vollständig heil gemacht werden – „zu seiner eigenen Zeit … und auf seine eigene Weise und gemäß seinem eigenen Willen“ (LuB 88:68), aufgrund seiner liebevollen, großen Barmherzigkeit. Dieses Zeugnis gebe ich Ihnen im Namen Jesu Christi. Amen.

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  1.  

    1. Corrie ten Boom, Die Zuflucht, SCM Hänssler, 2. Auflage, 2011, Seite 237; Hervorhebung hinzugefügt

  2.  

    2. Thomas S. Monson, „Das Leben bewältigen“, Der Stern, Januar 1994, Seite 66

  3.  

    3. Verkündet mein Evangelium! – eine Anleitung für den Missionsdienst, 2004, Seite 59