Fehlt es aber euch an Weisheit


Marcos A. Aidukaitis
Gott offenbart demjenigen Wahrheit, der danach sucht, wie es in den Schriften dargelegt ist.

Neulich hat mein zehnjähriger Sohn im Internet etwas über das menschliche Gehirn gelesen. Er möchte später einmal Chirurg werden. Man erkennt sicher leicht, dass er viel klüger ist als ich.

Wir sind gern im Internet unterwegs. Zuhause nutzen wir soziale Netzwerke, E-Mail und anderes, um uns mit der Familie und mit Freunden auszutauschen. Meine Kinder erledigen einen großen Teil ihrer Hausaufgaben über das Internet.

Welche Frage wir auch haben mögen – wenn wir mehr erfahren wollen, suchen wir online danach. Innerhalb von Sekunden haben wir eine Fülle von Material. Das ist einfach erstaunlich.

Das Internet bietet vielerlei Gelegenheiten zu lernen. Der Satan jedoch möchte, dass wir uns elend fühlen, und verzerrt daher den eigentlichen Zweck von allem. Er macht sich das Internet zunutze, um Zweifel und Furcht zu verbreiten und Glaube und Hoffnung zu zerstören.

Da im Internet so vieles angeboten wird, müssen wir uns gründlich überlegen, womit wir unsere Energie verbrauchen. Der Satan kann dafür sorgen, dass wir mit einer Flut von Informationen beschäftigt sind und dass wir uns von ihnen ablenken oder auch infizieren lassen – und vieles davon ist der reinste Müll.

Man sollte nicht den Müll durchwühlen.

Hören Sie auf diesen Rat aus den heiligen Schriften: „Jedem Menschen ist der Geist Christi gegeben, damit er Gut von Böse unterscheiden könne; darum zeige ich euch den Weg zu urteilen; denn alles, was einlädt, Gutes zu tun, und dazu bewegt, dass man an Christus glaubt, geht von der Macht und Gabe Christi aus; darum könnt ihr … wissen, dass es von Gott ist.“1

Wir stehen tatsächlich vor dem gleichen Dilemma wie Joseph Smith in seiner Jugend. Zu oft fehlt es uns einfach an Weisheit.

Im Reich Gottes wird die Suche nach Wahrheit geschätzt und gefördert und in keiner Weise unterdrückt oder gefürchtet. Den Mitgliedern der Kirche wird vom Herrn selbst dringend angeraten, nach Wissen zu trachten.2 Er hat gesagt: „Sucht eifrig[;] ja, sucht Worte der Weisheit aus den besten Büchern; trachtet nach Wissen, ja, durch Studium und auch durch Glauben.“3 Doch wie können wir in einer Welt, die mit zunehmender Unverblümtheit alles angreift, was mit Gott zu tun hat, Wahrheit erkennen?

Die heiligen Schriften zeigen es uns:

Erstens können wir Wahrheit erkennen, indem wir auf ihre Früchte achten.

In seiner wunderbaren Bergpredigt hat der Herr gesagt:

„Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. …

An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.“4

Den gleichen Grundsatz hat auch der Prophet Mormon unterstrichen: „An ihren Werken werdet ihr sie erkennen; denn wenn ihre Werke gut sind, dann sind auch sie gut.“5

Wir laden alle ein, die Früchte und die Werke dieser Kirche eingehend zu betrachten.

Wer sich für die Wahrheit interessiert, wird erkennen, welch großen Beitrag die Kirche und ihre Mitglieder in der Gesellschaft leisten, wo sie sich auch befinden. Ihm wird auch auffallen, wie sich das Leben derer verbessert, die die Lehren der Kirche befolgen. Wer diese Früchte begutachtet, wird feststellen, dass die Früchte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage köstlich und begehrenswert sind.

Zweitens können wir Wahrheit finden, indem wir selbst mit dem Wort einen Versuch machen.

Der Prophet Alma hat gesagt:

„Nun wollen wir das Wort mit einem Samenkorn vergleichen. … Wenn ihr nun Raum gebt, dass ein Samenkorn in euer Herz gepflanzt werden kann, siehe, wenn es ein wahres Samenkorn … ist, wenn ihr es nicht durch euren Unglauben ausstoßt, … siehe, so wird es anfangen, in eurer Brust zu schwellen; und … so werdet ihr anfangen, in euch zu sagen: Es muss … so sein, dass dies ein gutes Samenkorn ist …, denn es fängt an, meine Seele zu erweitern; ja, es fängt an, mein Verständnis zu erleuchten; ja, es fängt an, mir köstlich zu sein. …

Und nun …, wird das nicht euren Glauben stärken? Ja, es wird euren Glauben stärken. …

Denn jedes Samenkorn bringt nach seiner gleichen Art hervor.“6

Ist es nicht grandios, wozu ein Prophet des Herrn uns hier ermuntert? Man könnte es mit einem wissenschaftlichen Experiment vergleichen. Wir werden aufgefordert, das Wort zu erproben, wobei uns der Rahmen vorgegeben wird. Und wir erfahren, wie das Ergebnis aussehen wird,wenn wir den Anweisungen folgen.

Den heiligen Schriften entnehmen wir also, dass wir die Wahrheit erkennen können, indem wir ihre Früchte begutachten oder indem wir selbst einen Versuch machen und dem Wort in unserem Herzen Raum geben und es – wie ein Samenkorn – nähren.

Doch gibt es noch einen dritten Weg, wie man Wahrheit erkennen kann, und das ist persönliche Offenbarung.

Im Buch Lehre und Bündnisse, Abschnitt 8, steht, dass Offenbarung Wissen ist: „Kenntnis … von allem, was auch immer [wir] im Glauben [erbitten], mit ehrlichem Herzen und im Vertrauen darauf, dass [wir] empfangen [werden].“7

Der Herr sagt uns auch, wie wir diese Offenbarung empfangen: „Ich werde es dir in deinem Verstand und in deinem Herzen durch den Heiligen Geist sagen, der über dich kommen wird und der in deinem Herzen wohnen wird.“8

Wir erfahren also, dass man Offenbarung erhält, indem man voll Glauben bittet, und zwar ehrlichen Herzens und im Vertrauen darauf, dass man empfangen wird.

Beachten Sie aber, dass der Herr eine deutliche Warnung ausspricht: „Denke daran: Ohne Glauben kannst du nichts tun; darum bitte im Glauben.“9 Glaube erfordert Anstrengung, etwa indem man etwas mit dem Verstand durcharbeitet und dann im Gebet fragt, ob es recht ist.

Der Herr hat gesagt:

„Wenn es recht ist, werde ich machen, dass dein Herz in dir brennt; darum wirst du fühlen, dass es recht ist.

Wenn es aber nicht recht ist, wirst du keine solchen Gefühle haben, sondern du wirst eine Gedankenstarre haben, die dich das vergessen lassen wird, was falsch ist.“10

Glaube ohne Werke ist tot.11 Daher soll man „voll Glauben bitten und nicht zweifeln“12.

Ein Freund von mir, der nicht unserer Kirche angehört, gab mir zu verstehen, er sei kein religiöser Mensch. Er will sich nicht mit den heiligen Schriften befassen oder beten, weil er, wie er meint, die Worte Gottes nicht versteht und auch bezweifelt, dass Gott überhaupt existiert. Eine solche Einstellung erklärt, warum er nicht geistig gesinnt ist, und führt schließlich zum Gegenteil von Offenbarung, wie Alma es erläutert: „Und darum empfängt der, der sein Herz verhärtet, das kleinere Maß des Wortes.“

Alma ergänzt jedoch: „Wer sein Herz nicht verhärtet, dem wird das größere Maß des Wortes gegeben, bis es ihm gegeben ist, die Geheimnisse Gottes zu erkennen, bis er sie völlig kennt.“13

Alma und die Söhne Mosias sind Beispiele für den Grundsatz, dass es keinen Glauben ohne Werke geben kann. Im Buch Mormon lesen wir:

„Sie hatten eifrig in den Schriften geforscht, um das Wort Gottes zu kennen.

Aber das ist nicht alles; sie hatten sich vielem Beten und Fasten hingegeben, darum hatten sie den Geist der Prophezeiung und den Geist der Offenbarung.“14

Ehrlichen Herzens zu bitten ist bei diesem Vorgang gleichermaßen wichtig. Wenn wir ernsthaft nach der Wahrheit suchen, lassen wir nichts unversucht, um sie zu finden. Dazu gehört beispielsweise, dass wir in den heiligen Schriften lesen, in die Kirche gehen und nach besten Kräften Gottes Gebote halten. Es bedeutet aber auch, dass wir willens sind, den Willen Gottes zu erfüllen, wenn wir ihn kennen.

Was Joseph Smith unternommen hat, als er nach Weisheit suchte, ist das perfekte Beispiel dafür, was es heißt, ein ehrliches Herz zu haben. Er sagte, er wollte wissen, welche der Glaubensgemeinschaften wahr sei, „damit [er] wisse, welcher [er sich] anschließen sollte“15. Schon bevor er betete, war er bereit, gemäß der Antwort zu handeln, die er empfangen würde.

Wir müssen voll Glauben und ehrlichen Herzens bitten. Das ist jedoch nicht alles. Wir müssen auch daran glauben, dass wir Offenbarung erhalten werden. Wir müssen dem Herrn vertrauen und auf seine Verheißungen bauen. Denken Sie daran – in der Schrift heißt es: „Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemand einen Vorwurf.“16 Ist das nicht eine herrliche Verheißung?

Ich bitte Sie, nach der Wahrheit zu suchen, indem Sie eine dieser Methoden anwenden, insbesondere aber indem Sie sich um persönliche Offenbarung von Gott bemühen. Gott offenbart demjenigen Wahrheit, der danach sucht, wie es in den Schriften dargelegt ist. Es erfordert zwar mehr Anstrengung als eine simple Suche im Internet, aber es lohnt sich.

Ich gebe Zeugnis, dass dies die wahre Kirche Jesu Christi ist. Ich habe ihre Früchte gesehen – in der Gesellschaft und im Leben vieler Tausender, auch in meiner Familie. Daher weiß ich, dass dies wahr ist. Außerdem unternehme ich seit vielen Jahren den Versuch mit dem Wort und habe seinen Einfluss auf meine Seele verspürt. Daher weiß ich, dass dies wahr ist. Vor allem aber habe ich die Wahrheit durch Offenbarung erfahren, durch die Macht des Heiligen Geistes. Daher weiß ich, dass dies wahr ist. Ich lade Sie alle ein, das Gleiche zu tun. Im Namen Jesu Christi. Amen.