William R. Walker
Wenn wir die Geschichten des Glaubens und der Opferbereitschaft kennen, die unsere Vorfahren dazu veranlassten, sich der Kirche des Herrn anzuschließen, werden wir reichlich gesegnet.

Ich befasse mich sehr gern mit der Geschichte der Kirche. Wenn ich sehe, wie hingebungsvoll unsere Vorfahren waren, die das Evangelium annahmen und dem Glauben treu blieben, wird – wie es vielleicht auch bei Ihnen der Fall ist – mein eigener Glaube gestärkt.

Vor einem Monat feierten 12.000 wunderbare Jugendliche aus dem Distrikt des Gilbert-Arizona-Tempels die Fertigstellung ihres neuen Tempels mit einer inspirierenden Darbietung und demonstrierten damit ihre Entschlossenheit, rechtschaffen zu leben. Das Motto ihrer Feier war: „Seid treu – in dem Glauben.“

So wie es diese glaubenstreuen Jugendlichen in Arizona gemacht haben, sollte sich jeder Heilige der Letzten Tage verpflichten, dem Glauben treu zu bleiben.

In dem Lied heißt es: „Treu in dem Glauben, den Eltern uns lehrten“ („Treu in dem Glauben“, Gesangbuch, Nr. 166).

Wir könnten hinzufügen: „Treu in dem Glauben, den unsere Großeltern uns lehrten“.

Ich habe mich gefragt, ob all die begeisterten Jugendlichen aus Arizona über ihre eigene Geschichte Bescheid wussten – ob sie wussten, wie ihre Familie zur Kirche kam. Es wäre hervorragend, wenn jeder Heilige der Letzten Tage die Bekehrungsgeschichte seiner Vorfahren kennen würde.

Ob Sie von Pionieren abstammen oder nicht: Das Vermächtnis des Glaubens und der Opferbereitschaft der Mormonenpioniere ist Ihr Vermächtnis. Es ist das edle Erbe der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Eines der herrlichsten Kapitel in der Geschichte der Kirche trug sich zu, als Wilford Woodruff, ein Apostel des Herrn, das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi 1840 in ganz Großbritannien verkündete – gerade einmal zehn Jahre nach Gründung der Kirche.

Wilford Woodruff und andere Apostel hatten sich auf die Gegend um Liverpool und Preston konzentriert und waren dort sehr erfolgreich. Elder Woodruff, der später Präsident der Kirche wurde, betete ständig zu Gott, um bei dieser äußerst wichtigen Arbeit geführt zu werden. Durch seine Gebete gelangte er zu der Inspiration, er solle anderswohin gehen, um dort das Evangelium zu predigen.

Präsident Monson hat uns gesagt, wenn wir vom Himmel zu etwas inspiriert würden, sollten wir sofort handeln und nicht zögern. Genau das hat Wilford Woodruff gemacht. Nachdem er vom Geist deutlich die Anweisung erhalten hatte, „in den Süden zu gehen“, machte er sich fast sogleich auf und begab sich in einen Teil des Landes, der Herefordshire genannt wird – eine ländliche Gegend im Süden Englands. Dort traf er einen wohlhabenden Farmer namens John Benbow, von dem er „mit frohem Herzen und Dankbarkeit“ aufgenommen wurde (Wilford Woodruff in Matthias F. Cowley, Wilford Woodruff: History of His Life and Labors as Recorded in His Daily Journals, 1909, Seite 117).

Eine Gruppe von über 600 Menschen, die sich United Brethren nannten, hatte „um Licht und Wahrheit“ gebetet (Wilford Woodruff in Lehren der Präsidenten der Kirche: Wilford Woodruff, Seite 97). Der Herr sandte Wilford Woodruff als Antwort auf ihre Gebete.

Elder Woodruffs Predigten trugen sofort Früchte; viele Menschen ließen sich taufen. Brigham Young und Willard Richards gesellten sich ihm in Herefordshire zu, und die drei Apostel hatten erstaunlichen Erfolg.

Innerhalb nur weniger Monate gründeten sie für die 541 Mitglieder, die sich der Kirche angeschlossen hatten, 33 Zweige. Sie setzten ihre bemerkenswerte Arbeit fort, bis sich schließlich fast jedes Mitglied der United Brethren in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage taufen ließ.

Meine Ururgroßmutter Hannah Maria Harris war eine der Ersten, die Wilford Woodruff zuhörten. Sie teilte ihrem Mann, Robert Harris Jr., mit, dass sie das Wort Gottes gehört habe und beabsichtige, sich taufen zu lassen. Robert war gar nicht erfreut, als er hörte, was seine Frau ihm da berichtete. Er sagte ihr, er würde sie zu der nächsten Predigt, die der Mormonenmissionar halten wollte, begleiten und ihm die Meinung sagen.

Als er jedoch fest entschlossen, sich nicht einwickeln zu lassen und den Gastprediger womöglich durch Zwischenrufe aus dem Konzept zu bringen, vorne unter den Anwesenden saß, wurde er sofort vom Geist berührt, so wie es auch bei seiner Frau der Fall gewesen war. Er wusste, dass die Botschaft der Wiederherstellung wahr war, und er und seine Frau ließen sich taufen.

Ihre Geschichte des Glaubens und der Hingabe ähnelt tausend anderen – als sie die Botschaft des Evangeliums hörten, wussten sie, dass sie wahr ist!

Wie sagt der Herr? „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir.“ (Johannes 10:27.)

Nachdem sie die Stimme des Hirten vernommen hatten, beschlossen sie, sich in ihrem Leben nur noch an das Evangelium zu halten und den Weisungen des Propheten des Herrn zu folgen. Sie folgten dem Ruf, sich in Zion zu sammeln, ließen ihr Haus in England zurück, überquerten den Atlantik und schlossen sich den Heiligen in Nauvoo in Illinois an.

Sie nahmen das Evangelium von ganzem Herzen an. Noch damit beschäftigt, in ihrem neuen Land Fuß zu fassen, halfen sie beim Bau des Nauvoo-Tempels mit, indem sie ihre Arbeitskraft zehnteten – jeden zehnten Tag arbeiteten sie am Tempelbau mit.

Als sie vom Tod ihres geliebten Propheten Joseph Smith und seines Bruders Hyrum erfuhren, brach ihnen das Herz. Aber sie machten weiter! Sie blieben dem Glauben treu.

Als die Heiligen verfolgt und aus Nauvoo vertrieben wurden, empfanden Robert und Maria es als großen Segen, dass sie kurz vor der Überquerung des Mississippis und dem Aufbruch nach Westen noch im Tempel ihr Endowment empfangen hatten. Obwohl sie nicht wussten, was ihnen bevorstand, waren sie sich ihres Glaubens und ihres Zeugnisses sicher.

Als sie auf ihrem Weg nach Westen Iowa durchquerten, mussten sie sich mit sechs Kindern durch den Schlamm quälen. An einem Ort am Missouri, der später als Winter Quarters bekannt wurde, bauten sie sich einen einfachen Schuppen.

Diese unverzagten Pioniere warteten auf apostolische Weisung, wie und wann sie weiter in den Westen ziehen sollten. Alle Pläne änderten sich, als Brigham Young, der Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel, die Männer aufrief, sich freiwillig zum Dienst in der Armee der Vereinigten Staaten zu melden, woraus dann das so genannte Mormonenbataillon entstand.

Robert Harris Jr. war einer von über 500 Mormonenpionieren, die dem Aufruf Brigham Youngs folgten. Er ließ sich einschreiben, obwohl dies bedeutete, dass er seine schwangere Frau mit sechs kleinen Kindern zurücklassen musste.

Was veranlasste ihn und die anderen Männer zu so etwas?

Ich möchte die Frage mit den Worten meines Ururgroßvaters beantworten. In einem Brief, den er seiner Frau schickte, als das Bataillon nach Santa Fe unterwegs war, schrieb er: „Mein Glaube ist stärker denn je [und wenn ich an das denke, was Brigham Young uns erzählt hat], glaube ich es ungefähr so, als ob der große Gott es mir gesagt hätte.“

Kurz gesagt wussten er und die anderen Männer, dass sie einem Propheten Gottes zuhörten. Deshalb machten sie es! Sie wussten, sie wurden von einem Propheten Gottes geführt.

In diesem Brief fand Robert aber auch zärtliche Worte für seine Frau und seine Kinder und erzählte ihnen, dass er ständig um den Segen des Herrn für sie alle betete.

Weiter unten findet sich eine beeindruckende Aussage: „Wir dürfen das, was du und ich im Tempel des Herrn gehört und [erlebt] haben, keinesfalls vergessen.“

In Verbindung mit seinem früheren Zeugnis, dass „wir von einem Propheten Gottes geführt werden“, sind diese zwei weihevollen Ermahnungen wie heilige Schrift für mich geworden.

Achtzehn Monate, nachdem er mit dem Bataillon fortgezogen war, wurde Robert Harris mit seiner geliebten Maria unversehrt wiedervereint. Sie blieben dem wiederhergestellten Evangelium ihr ganzes Leben lang treu. Sie hatten 15 Kinder, von denen 13 das Erwachsenenalter erreichten. Meine Großmutter Fannye Walker aus Raymond im kanadischen Alberta war eines ihrer 136 Enkelkinder.

Oma Walker war stolz auf die Tatsache, dass ihr Großvater im Mormonenbataillon gedient hatte, und sie wollte, dass all ihre Enkel es wussten. Jetzt, da ich selbst Großvater bin, verstehe ich, warum ihr das so wichtig war. Sie wollte das Herz der Kinder den Vätern zuwenden. Sie wünschte sich, dass ihre Enkelkinder sich ihres rechtschaffenen Erbes bewusst waren – weil sie wusste, dass es für sie ein Segen sein würde.

Je stärker wir uns unseren rechtschaffenen Vorfahren verbunden fühlen, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir kluge und rechtschaffene Entscheidungen treffen.

Und so ist es. Wenn wir die Geschichten des Glaubens und der Opferbereitschaft kennen, die unsere Vorfahren dazu veranlassten, sich der Kirche des Herrn anzuschließen, werden wir reichlich gesegnet.

Vom ersten Mal an, als Robert und Maria Wilford Woodruff sprechen und von der Wiederherstellung des Evangeliums Zeugnis geben hörten, wussten sie, dass es wahr ist.

Sie wussten auch, dass sie gesegnet werden würden, wenn sie dem Glauben trotz aller Prüfungen und Bedrängnisse, die auf sie zukommen mochten, treu blieben. Es scheint fast so, als hätten sie die Worte unseres heutigen Propheten gehört, der gesagt hat, dass „kein Opfer zu groß … ist, um [die Segnungen des Tempels] empfangen zu können“ (Thomas S. Monson, „Der heilige Tempel – ein Leuchtfeuer für die Welt“, Liahona, Mai 2011, Seite 92).

An der Seite der englischen Zwei-Pfund-Münze sind die Worte „Standing on the Shoulders of Giants“ (auf den Schultern von Riesen stehend) eingraviert. Wenn ich an unsere großartigen Pioniervorfahren denke, habe ich das Gefühl, dass wir alle auf den Schultern von Riesen stehen.

Die Ermahnung stammt zwar aus einem Brief von Robert Harris, aber ich glaube, dass es zahllose Vorfahren gibt, die ihren Kindern und Enkelkindern die gleiche Botschaft schicken würden: Erstens dürfen wir weder die Erlebnisse, die wir im Tempel gehabt haben, noch die Verheißungen und die Segnungen, die wir aufgrund des Tempels erlangen, vergessen. Zweitens müssen wir daran denken, dass wir von einem Propheten Gottes geführt werden.

Ich bezeuge, dass wir tatsächlich von einem Propheten Gottes geführt werden. Der Herr hat seine Kirche in den Letzten Tagen durch den Propheten Joseph Smith wiederhergestellt, und wir dürfen nicht vergessen, dass wir von einer ununterbrochenen Kette von Propheten Gottes geführt worden sind – angefangen bei Joseph Smith über Brigham Young und jeden darauffolgenden Präsidenten der Kirche bis hin zu unserem heutigen Propheten, Thomas S. Monson. Ich kenne ihn, ich schätze ihn und ich habe ihn sehr gern. Ich bezeuge, dass er heute der Prophet des Herrn auf der Erde ist.

Es ist mein Herzenswunsch, dass wir, meine Kinder und Enkelkinder eingeschlossen, das Erbe unserer rechtschaffenen Vorfahren – dieser treuen Mormonenpioniere, die bereit waren, alles auf den Altar zu legen, um es ihrem Gott und ihrem Glauben zu opfern und ihren Gott und ihren Glauben zu verteidigen – in Ehren halten. Ich bete darum, dass jeder von uns dem Glauben treu bleiben möge, den unsere Eltern uns lehrten. Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.