Handbuch 2:
Die Kirche führen und verwalten

 

19.1 Entscheiden, wer berufen wird

 19.1.1

Allgemeine Richtlinien

Zum Dienst in der Kirche muss man von Gott berufen werden (siehe 5. Glaubensartikel). Die Führungsbeamten bemühen sich bei der Entscheidung, wer zu einem Amt berufen werden soll, um Führung durch den Geist. Sie überdenken, ob das betreffende Mitglied die für das Amt erforderliche Würdigkeit besitzt. Sie berücksichtigen auch die individuellen Umstände und die familiäre Situation. Jede Berufung soll sowohl den Menschen, denen gedient werden soll, zugutekommen als auch dem betreffenden Mitglied und seiner Familie.

Auch wenn man Opfer bringen muss, um eine Berufung in der Kirche zu erfüllen, soll ein Mitglied dadurch nicht daran gehindert werden, seinen Aufgaben in der Familie und im Beruf nachzukommen (siehe 17.2.1). Wenn jemand, der verheiratet ist, eine Berufung erhalten soll, die einen erheblichen Zeitaufwand erfordert, wägen die Führungsbeamten ab, wie sich die Berufung auf Ehe und Familie auswirkt.

Jedes Mitglied soll abgesehen von der Aufgabe als Heimlehrer oder Besuchslehrerin möglichst nur eine Berufung haben.

Die Führungsbeamten behandeln alles, was mit vorgesehenen Berufungen und Entlassungen zusammenhängt, vertraulich. Nur wer davon wissen muss, beispielsweise der zuständige Leiter einer Hilfsorganisation, wird informiert, ehe jemand zur Bestätigung vorgelegt wird. Wenn jemand für eine Berufung in Betracht gezogen wird, soll er erst davon erfahren, wenn die Berufung ausgesprochen wird.

Soll eine Berufung vom Pfahlpräsidenten oder auf dessen Weisung hin ausgesprochen werden, wird durch Rücksprache mit dem Bischof festgestellt, ob das betreffende Mitglied würdig ist, wie dessen familiäre und berufliche Situation aussieht und welche Berufung es derzeit erfüllt. Die Pfahlpräsidentschaft bittet dann den Hoherat, der Entscheidung für die Berufung zuzustimmen, wenn dies laut Berufungstabelle erforderlich ist.

Wenn ein Junger Mann oder eine Junge Dame zu einem Amt in der Kirche berufen werden soll, holt ein Mitglied der Bischofschaft die Genehmigung der Erziehungsberechtigten ein, ehe die Berufung ausgesprochen wird.

Die Führungsbeamten dürfen eine Berufung erst aussprechen, nachdem 1.) der Mitgliedsschein des Betreffenden in der Gemeinde vorliegt und vom Bischof sorgfältig durchgesehen worden ist oder 2.) der Bischof sich mit dem vorhergehenden Bischof des Mitglieds in Verbindung gesetzt und sich vergewissert hat, dass es der Berufung würdig ist und sein Mitgliedsschein weder einen Vermerk noch eine Anmerkung zu einer noch nicht abgeschlossenen Disziplinarmaßnahme aufweist.

Ein Neubekehrter soll so bald wie möglich eine geeignete Berufung oder eine andere Aufgabe erhalten, in der er dienen kann. Einige neue Mitglieder mögen gleich nach ihrer Taufe und Konfirmierung für eine Berufung bereit sein. Andere benötigen vielleicht erst eine einfache Aufgabe, die ihnen dabei hilft, sich auf eine Berufung vorzubereiten. Ein Mitglied der Bischofschaft führt mit einem Neubekehrten ein Interview, bevor dieser dazu berufen wird, Kinder oder Jugendliche zu unterrichten.

Auch jemand, der nicht der Kirche angehört, kann zu bestimmten Aufgaben berufen werden, beispielsweise Organist, Musikbeauftragter oder Assistent des Scoutführers. Nichtmitglieder dürfen jedoch nicht zu einem Lehr- oder Verwaltungsamt oder als PV-Musikbeauftragte berufen werden. Die Erlaubnis, einem Nichtmitglied bestimmte Aufgaben zu übertragen, gilt nicht für Mitglieder, die ausgeschlossen wurden. Diese dürfen keinerlei Ämter bekleiden.

 19.1.2

Vorschlag und Genehmigung

Aus der Berufungstabelle geht hervor, wer für die jeweilige Berufung Vorschläge unterbreitet und wem sie zur Genehmigung vorgelegt werden. In manchen Fällen ist es Aufgabe der Führungsbeamten des Priestertums oder einer Hilfsorganisation, der Pfahlpräsidentschaft oder der Bischofschaft Vorschläge zu unterbreiten. Dabei sollen sie gebeterfüllt vorgehen und sich bewusst sein, dass der Herr sie bei der Entscheidung, wen sie vorschlagen sollen, führen kann. Sie dürfen allerdings nicht vergessen, dass es letztlich bei der Pfahlpräsidentschaft beziehungsweise der Bischofschaft liegt, Inspiration zu empfangen, wer berufen werden soll.

Der Pfahlpräsident oder der Bischof wägt jeden Vorschlag sorgfältig ab und hält sich vor Augen, dass darüber gebetet und nachgedacht worden ist. Bei Bedarf kann er um einen weiteren Vorschlag bitten.

 19.1.3

Berufungen im Pfahl

Bei den meisten Ämtern im Pfahl ist der Pfahlpräsident für die Berufung eines Mitglieds zuständig, wie aus der Berufungstabelle hervorgeht.

 19.1.4

Berufungen in der Gemeinde

Die Pfahlpräsidentschaft schlägt vor, welche Brüder als Bischof berufen oder entlassen werden sollen (siehe 19.6). Der Pfahlpräsident ist außerdem für die Berufung der Ratgeber in der Bischofschaft, des Gemeindesekretärs, der Gemeindezweitsekretäre und des Gemeindeführungssekretärs verantwortlich. Der Bischof ist für sonstige Berufungen in der Gemeinde verantwortlich, wie aus der Berufungstabelle hervorgeht.

 19.1.5

Berufungen im Ältestenkollegium und in der Hohepriestergruppe

Der Pfahlpräsident ist für die Berufung des Ältestenkollegiumspräsidenten und seiner Ratgeber sowie des Hohepriestergruppenleiters und seiner Assistenten verantwortlich, wie aus der Berufungstabelle hervorgeht.

Der Ältestenkollegiumspräsident und der Hohepriestergruppenleiter sind für die Berufung des Kollegiums- beziehungsweise des Gruppensekretärs und der Lehrer verantwortlich. Ehe ein Bruder zu einem dieser Ämter berufen werden kann, muss der Bischof seine Genehmigung erteilen.