Handbuch 2:
Die Kirche führen und verwalten

 

6.2 Führung im Bereich Wohlfahrt auf Gemeindeebene

 6.2.1

Der Bischof

Der Bischof leitet die Wohlfahrtsarbeit in der Gemeinde. Er hat von Gott den Auftrag, die Bedürftigen ausfindig zu machen und für sie zu sorgen (siehe LuB 84:112). Sein Ziel ist es, den Mitgliedern auf eine Weise zu helfen, dass sie sich selbst helfen und eigenständig werden können.

Die Ratgeber des Bischofs, die FHV-Leiterin, der Hohepriestergruppenleiter, der Ältestenkollegiumspräsident und andere Mitglieder des Gemeinderats helfen dem Bischof, diese Aufgaben zu erfüllen.

Der Bischof behandelt die Wohlfahrtsunterstützung, die ein Mitglied erhält, vertraulich. Er schützt sorgfältig Privatsphäre und Würde des Empfängers. Wenn er der Meinung ist, dass andere Führungsbeamte in der Gemeinde einem bedürftigen Mitglied helfen können, kann er Informationen gemäß den Richtlinien unter 6.4 weitergeben.

Näheres zu den Aufgaben des Bischofs im Bereich Wohlfahrt einschließlich der Richtlinien für die Gewährung von Wohlfahrtsunterstützung aus dem Fastopferfonds finden Sie in Handbuch 1, 5.2.

 6.2.2

Der Gemeinderat

In den Sitzungen des Gemeinderats behandelt der Bischof die Grundsätze der Wohlfahrt und unterweist die Ratsmitglieder diesbezüglich in ihren Aufgaben. Die Ratsmitglieder gehen wie folgt auf Belange der geistigen und zeitlichen Wohlfahrt ein:

Sie beraten miteinander darüber, wie man den Mitgliedern der Gemeinde helfen kann, die Grundsätze der Wohlfahrt zu verstehen und zu befolgen.

Sie berichten über Bedürfnisse in der Gemeinde, die die geistige und zeitliche Wohlfahrt betreffen, wobei sie Informationen aus persönlichen Besuchen und aus den Besuchslehr- und Heimlehrberichten nutzen. Wenn die Informationen zu vertraulich sind, um mit dem ganzen Gemeinderat darüber zu sprechen, wenden sich die Führungsbeamten damit persönlich an den Bischof oder geben diese in der Sitzung des Priestertumsführungskomitees weiter (siehe 6.2.3).

Sie planen, wie sie einzelnen Mitgliedern der Gemeinde helfen können, ihre geistigen und zeitlichen Bedürfnisse zu stillen, langfristige eingeschlossen. Sie legen fest, wie sie Mitgliedern mit einer Behinderung oder anderen besonderen Herausforderungen helfen wollen. Sie behandeln diese Gespräche vertraulich (siehe 6.4).

Sie koordinieren ihre Bemühungen, um zu gewährleisten, dass die Mitglieder, die Unterstützung von der Kirche erhalten, Gelegenheit bekommen, zu arbeiten oder zu dienen. Sie erstellen eine Liste mit sinnvollen Arbeitsmöglichkeiten und halten sie auf dem neuesten Stand. Wenn es im jeweiligen Gebiet Wohlfahrtseinrichtungen der Kirche gibt, können diese Einrichtungen denjenigen, die auf kirchliche Unterstützung angewiesen sind, Arbeits- und Schulungsmöglichkeiten bieten.

Sie erstellen und pflegen eine Liste mit Mitgliedern der Gemeinde, deren Fähigkeiten nützlich sein könnten, um auf kurzfristige oder langfristige Bedürfnisse oder durch Katastrophen verursachte Not einzugehen.

Sie erstellen schriftlich einen einfachen Plan, wie die Gemeinde auf Notfälle reagieren soll, und halten ihn auf dem neuesten Stand (siehe Handbuch 1, 5.2.11). Sie stimmen diesen Plan mit vergleichbaren Plänen im Pfahl und mit Notfallplänen der Kommune ab.

 6.2.3

Das Gemeinde-Priestertumsführungskomitee

Je nach Bedarf bespricht das Priestertumsführungskomitee der Gemeinde vertrauliche Wohlfahrtsangelegenheiten. Der Bischof kann die FHV-Leiterin bitten, an dieser Besprechung teilzunehmen.

 6.2.4

Die Hohepriestergruppe, das Ältestenkollegium und die Frauenhilfsvereinigung

Die Wohlfahrt spielt bei der Arbeit der Hohepriestergruppe, des Ältestenkollegiums und der Frauenhilfsvereinigung eine wesentliche Rolle. In den Sitzungen der Leitung der Hohepriestergruppe, der Ältestenkollegiumspräsidentschaft und der FHV-Leitung planen die Führungsbeamten, wie sie die Grundsätze der Eigenständigkeit und des Dienens vermitteln und auf Bedürfnisse im Bereich Wohlfahrt eingehen können. Unter der Leitung des Bischofs helfen diese Führungsbeamten den Mitgliedern, eigenständig zu werden und Lösungen für kurzfristige und langfristige Wohlfahrtsbelange zu finden.

Kurzfristige Bedürfnisse im Bereich Wohlfahrt

Wenn der Bischof kurzfristig Unterstützung gewährt, kann er den Führungsbeamten des Melchisedekischen Priestertums oder der FHV Aufträge geben.

Normalerweise beauftragt der Bischof die FHV-Leiterin damit, die Mitglieder zu besuchen, die vorübergehend Wohlfahrtsunterstützung benötigen. Sie hilft dabei, ihre Bedürfnisse abzuschätzen, und schlägt dem Bischof vor, welche Unterstützung gegeben werden soll. Der Bischof kann sie bitten, für ihn das Formular Bishop’s Order for Commodities [Warenbestellung durch den Bischof] vorzubereiten, das er dann genehmigt und unterschreibt.

Die Aufgabe der FHV-Leiterin bei diesen Besuchen wird unter 9.6.1 umfassender erläutert. Näheres zu den anderen kurzfristigen Aufgaben im Bereich Wohlfahrt, die speziell die FHV-Leiterin und ihre Ratgeberinnen betreffen, finden Sie unter 9.6.2 und 9.6.3.

Langfristige Bedürfnisse im Bereich Wohlfahrt

Viele vorübergehende Probleme werden durch länger andauernde Schwierigkeiten wie schlechte Gesundheit, mangelnde Fertigkeiten, unzureichende Bildung, Ausbildung oder Beschäftigung, schlechte Lebensgewohnheiten und seelische Probleme verursacht. Die Führungsbeamten des Melchisedekischen Priestertums und der FHV haben die besondere Aufgabe, den Mitgliedern zu helfen, diese Probleme anzugehen. Sie haben dabei zum Ziel, langfristige Probleme auf eine Weise anzugehen, die zu einer dauerhaften Änderung führt.

Wenn die Führungsbeamten des Melchisedekischen Priestertums und der FHV langfristige Bedürfnisse erkennen, reagieren sie mitfühlend, um dem Einzelnen und den Familien zu helfen. Sie nutzen die in ihrer Organisation und in der Gemeinde vorhandenen Hilfen. Sie beten um Führung, damit sie wissen, wie sie Unterstützung geben können.

Um sich ein besseres Bild davon machen zu können, wie man helfen kann, besuchen die Führungsbeamten des Melchisedekischen Priestertums und der FHV normalerweise die Mitglieder, die Unterstützung im Bereich Wohlfahrt brauchen. Sie können den Mitgliedern mit dem Formular Analyse der Bedürfnisse und der verfügbaren Mittel oder den darin angesprochenen Grundsätzen helfen, einen Plan aufzustellen, wie sie ihre Bedürfnisse stillen können.

Wenn die Führungsbeamten den Mitgliedern helfen, sich mit langfristigen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, beraten sie sich mit dem Bischof. In einigen Fällen arbeiten die Führungsbeamten des Melchisedekischen Priestertums und der FHV zusammen.

Dem Bischof berichten und ihn immer wieder um Weisung ersuchen

Der Hohepriestergruppenleiter, der Ältestenkollegiumspräsident und die FHV-Leiterin berichten dem Bischof regelmäßig über das, was sie und ihre Organisationen unternehmen, um sich der kurzfristigen und langfristigen Bedürfnisse in der Gemeinde im Bereich Wohlfahrt anzunehmen. In ihrem Bemühen ersuchen sie den Bischof immer wieder um Weisung.

Wenn ein einzelnes Mitglied oder eine Familie vorübergehend ein Problem hat, das er oder sie nicht selbst lösen kann und das auch die Führungsbeamten des Melchisedekischen Priestertums und der FHV nicht lösen können, informieren die Führungsbeamten umgehend den Bischof.

Wenn die Führungsbeamten des Melchisedekischen Priestertums und der FHV von Bedenken hinsichtlich der Würdigkeit oder heiklen Familienangelegenheiten erfahren, verweisen sie die Mitglieder an den Bischof.

Die Heimlehrer und die Besuchslehrerinnen

Unterstützung im Bereich geistige und zeitliche Wohlfahrt beginnt oft mit den Heimlehrern und den Besuchslehrerinnen. In Güte und Freundschaft, die über die monatlichen Besuche hinausgeht, helfen die Heimlehrer und die Besuchslehrerinnen Einzelnen und Familien, die bedürftig sind. Sie berichten den Führungsbeamten des Priestertums oder der FHV von den Bedürfnissen derjenigen, die ihnen anvertraut sind.

Kollegiumsmitglieder, Mitglieder der FHV und andere um Hilfe bitten

Die Führungsbeamten des Melchisedekischen Priestertums und der FHV können Mitglieder, deren Fertigkeiten oder Erfahrungen für die Bedürftigen von Nutzen sein könnten, um Hilfe bitten. Die Mitglieder können vorübergehend helfen – zum Beispiel Essen zubereiten, auf Kinder aufpassen oder Informationen über Stellenangebote weitergeben. Sie können auch Anleitung geben, um bei langfristigen Bedürfnissen im Bereich Wohlfahrt zu helfen, etwa in den Bereichen Gesundheit, Hygiene, Ernährung oder Berufsvorbereitung oder wenn es darum geht, Bildungsmöglichkeiten ausfindig zu machen, ein Kleinunternehmen zu gründen oder die Finanzen der Familie zu verwalten.

Wenn die Führungsbeamten andere um Hilfe gebeten haben, bleiben sie mit dem Bedürftigen oder der bedürftigen Familie in Kontakt, um ihm oder ihr Mut zu machen und bei Bedarf anderweitig zu helfen.

Die Führungsbeamten können dem Bischof assistieren, wenn er ein Mitglied an eine Wohlfahrtseinrichtung der Kirche wie das Vorratshaus des Bischofs, Arbeitsberatungsstellen, Deseret Industries oder den Familiendienst der Kirche verweist. Die Führungsbeamten können den Mitgliedern auch helfen, Unterstützung von kommunaler oder staatlicher Seite zu erhalten.

 6.2.5

Die Gemeinde-Fachberater für Wohlfahrt

Die Gemeinde-Fachberater für Wohlfahrt stehen der Bischofschaft und den Führungsbeamten des Melchisedekischen Priestertums und der FHV bei der Erfüllung ihrer Aufgaben im Bereich Wohlfahrt helfend zur Seite.

Die Bischofschaft kann einen Fachberater für Arbeit berufen, der den Mitgliedern hilft, sich auf eine Erwerbstätigkeit vorzubereiten und eine geeignete Anstellung zu finden. Sie kann auch weitere Fachberater für Wohlfahrt berufen, die den Mitgliedern in Bereichen wie Bildung, Ausbildung, Ernährung, Hygiene, Vorratshaltung in der Familie, Gesundheitsvorsorge, Familienfinanzen oder dem Ständigen Ausbildungsfonds zur Seite stehen.