Eine Rechtschaffene Frau


M. Russell Ballard
Mehr als je zuvor brauchen wir Frauen, die Glauben, Tugend, Weitblick und Nächstenliebe besitzen, die Stimme des Herrn hören und ihr folgen.

Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Ich bin seit fünfzig Jahren mit meiner Frau verheiratet. Der wichtigste Tag in meinem Leben war der Tag, an dem ich Barbara Bowen kennen lernte. Meine größte Leistung war, dass ich sie überreden konnte, mich zu heiraten. Es war auch ein sehr wichtiger Tag, als wir im Salt Lake-Tempel vor den Traualtar traten. Wir haben zwei Söhne und fünf Töchter. Und weil ich fünf Töchter und inzwischen zweiundzwanzig Enkeltöchter habe, wage ich es, mich als Experten in Sachen Frauen zu bezeichnen.

Als ich über die Zeit nachdachte, die vor uns liegt, wurde mir bewusst, dass meine Worte sowohl für Männer als auch für Frauen von großer Wichtigkeit sind. Deshalb lade ich die Männer ein, gebeterfüllt über das nachzudenken, was ich sagen werde. Ihr Leben wird in hohem Maße von Frauen beeinflusst – Ihrer Frau, Ihren Töchtern und allen Frauen, mit denen Sie beruflich und in der Kirche zusammenarbeiten dürfen.

Lassen Sie mich zu Beginn aus einem Brief vorlesen, der an den Hauptsitz der Kirche geschickt wurde. Eine Frau schrieb:

„Ich habe einen wundervollen Mann und wundervolle Kinder, die ich sehr liebe. Ich liebe den Herrn und seine Kirche mehr, als ich mit Worten sagen kann. Ich weiß, dass die Kirche wahr ist! Ich weiß, dass ich eine positive Einstellung zu mir selbst haben soll. Trotzdem quäle ich mich schon fast mein Leben lang mit einer Identitätskrise. Bisher habe ich noch niemals gewagt, diese Gefühle auszusprechen, sondern habe sie hinter dem breiten, Selbstvertrauen ausstrahlenden Lächeln versteckt, das ich jede Woche in der Kirche aufsetze. Schon seit Jahren frage ich mich, ob ich neben meiner Rolle als Ehefrau und Mutter überhaupt etwas wert bin. Ich befürchte, dass Männer zwar sind, damit sie Freude haben können, aber dass Frauen sind, damit sie übersehen werden können. Ich möchte das Gefühl haben, dass ich – als Frau – dem Herrn wichtig bin.“

Ich möchte gerne auf das Thema eingehen, das der Befürchtung dieser treuen Schwester zugrunde liegt. Bringt der Herr der Frau Achtung entgegen? Ist sie ihm wichtig? Die Antwort lautet Ja – klar und deutlich Ja!

Der Wert Der Frau

Elder James E. Talmage (1862–1933) vom Kollegium der Zwölf Apostel hat gesagt: „Der größte Fürsprecher für die Frau und das Frauentum ist Jesus, der Messias.“ (Jesus the Christ, 3. Auflage, Seite 475.) Daran glaube ich. Als Christus sich zum ersten Mal als Messias zu erkennen gab, tat er das der Samariterin am Jakobsbrunnen gegenüber. Er sprach zu ihr vom lebendigen Wasser und sagte schlicht: „Ich bin es.“ (Johannes 4:26.) Und zu Marta sprach er: „Ich bin die Auferstehung und das Leben…. Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ (Johannes 11:25,26.)

Und dann, als er am Kreuz hing, dachte er während der tiefsten Qual an einen einzigen Menschen – seine Mutter –, als er nämlich Johannes, seinen Lieblingsjünger bat, sich so um sie zu kümmern, als ob sie seine eigene Mutter wäre (siehe Johannes 19:26,27).

Eines können Sie mir glauben: Der Herr bringt einer rechtschaffenen Frau besondere Liebe entgegen – einer Frau, die nicht nur dem Glauben treu ist, sondern von Glauben erfüllt ist, die optimistisch und fröhlich ist, weil sie weiß, wer sie ist und wohin sie geht, einer Frau, die bemüht ist, als Gottesfrau zu leben und zu dienen.

Es gibt Leute, die meinen, der Mann stehe höher in der Gunst des Herrn, weil er ordiniert sei und das Priestertum trage. Wer so etwas glaubt, versteht den großen Plan des Glücklichseins nicht. Gott selbst hat festgelegt, wie Mann und Frau im vorirdischen Dasein und hier auf der Erde beschaffen sein sollten, und es ist einfach nicht seine Art, die Rolle und die Aufgabe eines seiner Kinder herabzuwürdigen.

Präsident Joseph Fielding Smith (1876–1972) hat erklärt: „Der Herr bietet seinen Töchtern jede geistige Gabe und Segnung an, die seine Söhne erlangen können.“ (Generalkonferenz, April 1970.) Wir alle – Mann und Frau gleichermaßen – empfangen die Gabe des Heiligen Geistes und haben das Recht auf individuelle Offenbarung. Wir alle können den Namen des Herrn auf uns nehmen, Söhne und Töchter Christi werden und an den heiligen Handlungen im Tempel teilnehmen, aus denen wir mit Macht bekleidet hervorgehen und durch die wir die Fülle des Evangeliums empfangen und Erhöhung im celestialen Reich erlangen. Diese geistigen Segnungen stehen Männern und Frauen gleichermaßen offen, und zwar gemäß ihrer Glaubenstreue und der Mühen, die sie dafür auf sich nehmen.

Laut der Lehre der Kirche besteht der Grund für die Erschaffung der Erde darin, Gottes Geistkindern die Möglichkeit zu geben, weiterhin Fortschritt hin zu Erhöhung und ewigem Leben zu machen. Gott hat dem Mose erklärt:

„Und ich, Gott, erschuf den Menschen als mein Abbild, als Abbild meines Einziggezeugten erschuf ich ihn; als Mann und Frau erschuf ich sie.

Und ich, Gott, segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch, und füllet die Erde.“ (Mose 2:27,28.)

Die Proklamation der Kirche zur Familie bestätigt, dass Gott dieses Gebot weder widerrufen noch abgeändert hat. Die Erste Präsidentschaft und die Zwölf Apostel „verkünden feierlich, dass die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott verordnet ist und dass im Plan des Schöpfers für die ewige Bestimmung seiner Kinder die Familie im Mittelpunkt steht“ („Die Familie – eine Proklamation an die Welt“, Der Stern, Oktober 1998, Seite 24).

Diese Lehre treibt Frauen manchmal zu der Frage: „Leitet sich der Wert der Frau ausschließlich aus ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter ab?“ Die Antwort darauf ist einfach und nahe liegend: Nein. Es gibt für eine Frau zwar nichts, was weitreichendere Folgen hat und sich stärker auf die Ewigkeit auswirkt, als wenn sie ihre Kinder lehrt, ein rechtschaffenes Leben zu führen, doch der Wert einer Frau leitet sich nicht allein aus ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau ab. Es gibt Frauen, die nicht den Vorzug haben, hier auf der Erde zu heiraten und Kinder großzuziehen. Doch wenn sie würdig sind, werden ihnen diese Segnungen später zuteil. Männer und Frauen, die Kinder aufziehen dürfen, werden natürlich für diese wichtige und ewige Treuhandschaft Rechenschaft ablegen müssen. Auch wenn Sie für die Gesellschaft, die Kirche und das ewige Schicksal der Kinder des Vaters nichts Wichtigeres tun können als das, was Sie in Ihrer Eigenschaft als Mutter und Vater tun, so bestimmen Mutter- und Vaterschaft jedoch nicht allein, ob jemand ein guter Mensch ist und vom Herrn angenommen wird. Jeder rechtschaffene Mann, jede rechtschaffene Frau hat bei der Entwicklung des Gottesreichs eine wichtige Rolle zu spielen.

Die Täuschungsversuche Des Satans

Ich hege große Sympathie für die Frau und weiß, dass sie jeder wichtigen Situation ein ganz anderes Gesicht gibt – vor allem in der Familie und in der Kirche. Ich habe auch schon unerschrocken über die Rolle gesprochen, die die Frau im Ratssystem der Kirche spielen muss (siehe „Im Beraten liegt Stärke“, Der Stern, November 1993, Seite 71ff.) Wir können unsere Mission als Kirche ohne die inspirierten Erkenntnisse und die Hilfe der Frauen nicht erfüllen.

Deshalb mache ich mir auch Sorgen, wenn ich sehe, was mit manchen unserer jungen Frauen geschieht. Der Satan möchte, dass Sie sich im Umgang mit jungen Männern so kleiden, unterhalten und benehmen, dass es widernatürlich wirkt und schädliche Auswirkungen hat. Der Widersacher hat großen Erfolg bei seinem Bemühen, die Einstellung der Menschen zum Geschlecht, zur geschlechtsspezifischen Rolle, zur Familie und zum Wert des Einzelnen zu verzerren. Er ist der Urheber der weit verbreiteten Unsicherheit bezüglich des Wertes, der Rolle, der Leistung und der Einzigartigkeit der Frau. Heute wird in allen Formen der Medien vom Film bis zum Internet die aufreizende, freche, offensive Frau propagiert. Diese verzerrte Sichtweise beeinflusst zunehmend auch das Denken der Frauen in unserer Kirche.

Es ist mein inniger Wunsch, deutlich zu machen, wie wir in den präsidierenden Räten der Kirche zu den Schwestern in dieser Kirche stehen, wie der himmlische Vater zu seinen Töchtern steht und was er von ihnen erwartet. Meine lieben Schwestern, wir glauben an Sie. Wir glauben an Ihre Güte und Ihre Kraft, Ihren Wunsch nach Tugend und Tapferkeit, Ihre Freundlichkeit und Ihren Mut, Ihre Kraft und Ihre Widerstandsfähigkeit. Darauf zählen wir. Wir glauben an Ihre Mission als Gottesfrau. Uns ist bewusst, dass Sie seelisch (und manchmal auch geistig) die Familie und oft auch die Gemeinde zusammenhalten. Wir glauben, dass die Kirche ohne Ihren Glauben und Ihre Glaubenstreue, ohne die Ihnen angeborene Neigung, das Wohlergehen anderer über Ihr eigenes Wohlergehen zu stellen, und ohne Ihre geistige Kraft und Zuverlässigkeit einfach nicht das leisten könnte, was sie leisten muss. Und wir glauben, dass Gottes Plan für Sie vorsieht, dass Sie Königin werden und die höchsten Segnungen empfangen, die eine Frau in Zeit und Ewigkeit empfangen kann. Andererseits aber gibt es den Plan des Satans, der Sie so sehr mit den glitzernden Lügen der Welt über die Frau blenden will, dass Sie völlig von dem abkommen, wozu Sie hierher gekommen sind und was Sie werden sollen. Denken Sie daran: Der Satan möchte, dass wir „so elend seien wie er selbst“ (2 Nephi 2:27). Lassen Sie es niemals zu, dass Sie Ihre kostbare Identität verlieren, indem Sie etwas tun, mit dem Sie die verheißene ewige Zukunft in Gefahr bringen, die der himmlische Vater für Sie vorgesehen hat.

Damit sich die jungen Männer nun nicht allzu sicher fühlen, weil ich mich so sehr auf die Frau konzentriere, sage ich Ihnen: Sie haben bei all dem eine wichtige Rolle zu spielen. Manchmal sind nämlich Sie der Grund dafür, dass sich eine junge Frau von ihrer ewigen Mission hier ablenken lässt. Lassen Sie die Frauen in Ihrem Leben wissen, dass sie Gottesfrauen sein sollen und nicht Frauen der Welt. Der Herr erwartet von Ihnen, dass Sie seine Töchter beschützen und sichern. Wenn Sie einer jungen Frau die Tugend und Reinheit stehlen, werden Sie das einmal sehr bereuen.

Die Frau Ist Wichtig Für Das Werk Des Herrn

Ich bitte und bete ernstlich darum, dass junge Männer und Frauen verstehen mögen: Unsere Schwestern sind schon immer ein wichtiger Bestandteil des Werkes des Herrn gewesen. Von vor der Grundlegung der Welt an haben sich glaubenstreue Frauen unerschrocken für die Sache der Wahrheit und Rechtschaffenheit eingesetzt. In seiner Vision von der Erlösung der Toten hat Präsident Joseph F. Smith (1838–1918) nicht nur Vater Adam und andere Propheten gesehen, sondern auch „unsere Mutter Eva mit vielen ihrer getreuen Töchter, die im Laufe der Zeit gelebt und den wahren, lebendigen Gott angebetet hatten“ (LuB 138:39).

Denken Sie an die unvergleichliche Rolle, die Eva gespielt hat, durch deren Verhalten der große Plan des Vaters in Gang gesetzt wurde. Und wie steht es mit Maria, dem kostbaren und erwählten Gefäß (siehe Alma 7:10), die das Christuskind gebar? Ganz gewiss würde niemand die Leistung dieser erhabenen Frauen in Frage stellen.

Auch in unserer Evangeliumszeit gibt es Heldinnen. Zahllose Frauen aus allen Kontinenten und sozialen Schichten haben beeindruckende Leistungen für die Sache Christi erbracht. Denken Sie doch nur an Lucy Mack Smith, die Mutter der Propheten Joseph und Hyrum Smith, die den Märtyrertod erlitten, und die Großmutter von Präsident Joseph F. Smith. Die Unerschrockenheit und Rechtschaffenheit, die sie unter hohem seelischen und geistigem Druck unter Beweis stellte, verfehlten ihren Einfluss auf ihre Söhne gewiss nicht und hielten diese auf dem Weg, das Schicksal zu erfüllen, zu dem sie vorherordiniert worden waren.

Jetzt mögen Sie vielleicht denken: „Aber was ist mit mir und dem, was ich tue? Ich bin nicht Eva oder Maria und auch nicht Lucy Mack Smith. Ich bin einfach nur ich. Ist irgendetwas an dem, was ich tue, für den Herrn von Bedeutung? Braucht er mich wirklich?“ Denken Sie daran: Auch die Rechtschaffenen, die nicht im Rampenlicht stehen, werden geschätzt bzw. sind, um es mit den Worten eines Propheten aus dem Buch Mormon auszudrücken, „für das Volk nicht weniger nützlich“ (Alma 48:19).

Präsident Spencer W. Kimball (1895–1985) hat diese Frage folgendermaßen beantwortet: „Beide – ein rechtschaffener Mann und eine rechtschaffene Frau – erweisen sich als Segen für alle, mit denen sie in Berührung kommen….

In der Welt, in der wir vorher gelebt haben, wurden den glaubenstreuen Frauen bestimmte Aufgaben übertragen, während die glaubenstreuen Männer zu bestimmten Aufgaben im Priestertum vorherordiniert wurden. Zwar können wir uns jetzt nicht mehr an die Einzelheiten erinnern, aber… wir sind für alles verantwortlich, was vor langer Zeit von uns erwartet wurde.“ (My Beloved Sisters, 1979, Seite 37.)

Jede Schwester in der Kirche, die mit dem Herrn Bündnisse geschlossen hat, ist von Gott beauftragt, bei der Errettung der Menschen zu helfen, die Frauen der Welt zu führen, die Zionsfamilien zu stärken und das Gottesreich aufzubauen. Schwester Eliza R. Snow (1804–1887), die zweite Präsidentin der FHV, hat gesagt: „Jede Schwester in der Kirche muss Rechtschaffenheit verkünden,… denn wir haben größere, höhere Privilegien als alle andere Frauen auf dem Erdboden.“ („Great Indignation Meeting“, Deseret Evening News, 15. Januar 1870, Seite 2.)

Jede Schwester, die für Wahrheit und Rechtschaffenheit einsteht, verringert den Einfluss des Bösen. Jede Schwester, die ihre Familie stärkt und schützt, tut damit das Werk Gottes. Jede Schwester, die als Gottesfrau lebt, gibt anderen ein Beispiel, dem sie nacheifern können, und übt damit rechtschaffenen Einfluss aus, dessen Ernte über Jahrzehnte hinweg eingebracht wird. Jede Schwester, die heilige Bündnisse schließt und einhält, wird damit zum Werkzeug in der Hand Gottes.

Das Beispiel Des Erretteres

Ich finde das folgende Gespräch zwischen Gott dem Vater und seinem ältesten, einziggezeugten Sohn sehr interessant, der ja das beste Beispiel dafür ist, wie man das einhält, was man im Vorherdasein versprochen hat. Als Gott fragte, wer bereit sei, auf die Erde zu gehen, um allen Menschen den Weg zu bereiten, damit sie errettet und gestärkt und gesegnet werden könnten, sagte Jesus Christus schlicht: „Hier bin ich, sende mich.“ (Abraham 3:27.)

So wie der Erretter vorgetreten ist, um die ihm von Gott übertragene Aufgabe zu erfüllen, so obliegt es auch uns, das Gleiche zu tun. Wenn Sie sich fragen, ob dem Herrn überhaupt etwas an Ihnen liegt, dann überlegen Sie einmal, was es wohl bedeuten könnte, wenn Sie sich beispielsweise folgendermaßen verpflichten würden:

„Vater, wenn du eine Frau brauchst, um Kinder in Rechtschaffenheit großzuziehen: Hier bin ich, sende mich.“

„Wenn du eine Frau brauchst, die Vulgäres meidet, sich schicklich kleidet, würdevoll spricht und der Welt zeigt, wie viel Freude es macht, die Gebote zu halten: Hier bin ich, sende mich.“

„Wenn du eine Frau brauchst, die den verlockenden Versuchungen der Welt widerstehen kann, indem sie das Auge ausschließlich auf die Ewigkeit richtet: Hier bin ich, sende mich.“

„Wenn du eine Frau brauchst, die treu und standhaft ist: Hier bin ich, sende mich.“

Zwischen dem heutigen Tag und der Zeit, wo der Herr wiederkehrt, braucht er in jeder Familie, in jeder Gemeinde, in jedem Gemeinwesen, in jedem Land Frauen, die in Rechtschaffenheit vortreten und mit Worten und Taten sagen: „Hier bin ich, sende mich.“

Ich frage Sie: „Gehören Sie zu diesen Frauen? Und Sie Männer, die Sie das Priestertum tragen: Folgen Sie diesem Ruf ebenfalls?“

Ja, ich weiß, dass die meisten von Ihnen den Wunsch danach haben. Aber wie gelingt es Ihnen? Wie sagt man dem Herrn immer wieder in einer Welt voller irreführender Behauptungen über die Frau und die Familie und die Bedeutung, die beides für ihn hat: „Hier bin ich, sende mich?“

Wer wirklich sein gesamtes Potenzial ausschöpfen möchte, wer die Täuschungsversuche des Satans durchschauen und um jeden Preis Umkehr üben will, sofern es notwendig ist, für den habe ich zwei Vorschläge. Erstens: Hören Sie auf diejenigen, die wir als Propheten, Seher und Offenbarer bestätigen, und folgen Sie ihnen. Zweitens: Lernen Sie, die Stimme des Geistes bzw. die Stimme des Herrn zu erkennen, die durch die Macht des Heiligen Geistes zu uns spricht.

Folgen Sie Dem Propheten Und Den Aposteln

Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, auf den Propheten und die Apostel zu hören und ihnen zu folgen. In der heutigen Welt, wo Fernseh- und Radioreporter 24 Stunden am Tag widersprüchliche Meinungen vertreten, wo durch Werbung um alles gebuhlt wird – angefangen bei Ihrem Geld bis hin zu Ihrer Wählerstimme –, da gibt es doch eine einzige klare, unverfälschte, vorurteilslose Stimme, auf die Sie sich immer verlassen können, nämlich die Stimme des lebenden Propheten und der Apostel. Ihnen geht es ausschließlich um „das immerwährende Wohlergehen [Ihrer] Seele“ (2 Nephi 2:30).

Denken Sie darüber nach! Denken Sie darüber nach, wie wertvoll es ist, eine Informationsquelle zu haben, auf die man sich immer verlassen kann, der es immer nur um Ihr ewiges Wohlergehen geht und die Ihnen immer nur inspirierte Wahrheit zukommen lässt. Das ist eine ungeheuer große Gabe und Richtschnur.

Im November 2000 hat Präsident Hinckley auf einer Fireside zu den jungen Leuten in der Kirche gesprochen (siehe „Rat und Gebet eines Propheten für die Jugend“, Liahona, April 2001, Seite 30ff.). Haben Sie, die jungen Erwachsenen, sich mit seinen Worten befasst und überlegt, was Sie vermeiden bzw. anders machen müssen? Ich kenne ein siebzehnjähriges Mädchen, das sich kurz vor der Ansprache des Propheten zum zweiten Mal die Ohren hatte durchstechen lassen.

Als sie von der Fireside nach Hause kam, nahm sie das zweite Paar Ohrringe ab und sagte zu ihren Eltern: „Wenn Präsident Hinckley sagt, dass wir nur ein Paar Ohrringe tragen sollen, dann reicht mir das.“

Es wäre für dieses Mädchen vielleicht nicht für die Ewigkeit von Bedeutung, ob sie nun ein oder zwei Paar Ohrringe trägt. Doch ihre Bereitschaft, dem Propheten zu gehorchen, ist es. Wenn sie ihm schon heute in einer so relativ einfachen Angelegenheit gehorcht, dann wird es ihr sicher leichter fallen, auch dann auf ihn zu hören, wenn es um wichtigere Angelegenheiten geht.

Ich verheiße Ihnen etwas – schlicht, aber wahr: Wenn Sie auf den lebenden Propheten und die Apostel hören und ihren Rat befolgen, werden Sie nicht in die Irre gehen.

Lernen Sie, Die Stimme Des Geistes Zu Hören

Wenn Sie die Fallen des Satans umgehen wollen, wenn Sie Hilfe brauchen, weil Sie nicht recht wissen, welche Entscheidungen Sie treffen sollen, dann lernen Sie, die Stimme des Herrn zu erkennen, die durch den Heiligen Geist ergeht. Und anschließend müssen Sie natürlich auch tun, was diese Stimme Ihnen sagt.

Nephi hat klar und deutlich gesagt: Der Heilige Geist „ist die Gabe Gottes an alle, die ihn eifrig suchen“, denn „wer eifrig sucht, der wird finden“ (1 Nephi 10:17,19). Es ist erstaunlich, aber wahr, liebe Brüder und Schwestern, dass Sie selbst bestimmen, wie nahe Sie dem Herrn sind. Sie bestimmen, wie klar und schnell Ihnen Eingebungen vom Heiligen Geist zuteil werden – durch Ihr Verhalten, Ihre Einstellung und die Entscheidungen, die Sie treffen, durch das, was Sie sich ansehen, was Sie tragen, was Sie sich anhören und was Sie lesen, und auch dadurch, wie konstant und aufrichtig Sie den Geist zu sich einladen.

Denken Sie einmal kurz über das Ausmaß und die Bedeutung dieser Segnung nach! Sie haben eine Gabe bekommen, die Ihnen die Antwort auf alle verwirrenden, schwierigen Fragen und Probleme schenkt, mit denen Sie hier auf der Erde zu kämpfen haben. Sie müssen sie nur anwenden und in Ehren halten.

Ich kann mir nur ungefähr vorstellen, mit welchen Fragen sich ein junges Mädchen derzeit beschäftigt. Soll ich den jungen Mann heiraten, mit dem ich gerade ausgehe, oder lieber nicht? Soll ich meinen Abschluss machen oder nicht? Soll ich auf Mission gehen oder nicht? Welchen Beruf soll ich ergreifen? Warum soll ich überhaupt versuchen, Karriere zu machen, wenn ich mir doch eigentlich nichts sehnlicher wünsche, als Mutter zu werden?

Wie werden Sie im Laufe des Lebens auf Herausforderungen reagieren, vor die Sie unweigerlich gestellt werden? Wissen Sie, wo Sie Frieden und Trost finden, wenn Sie ein Kind zu Grabe tragen müssen – wie es bei zwei meiner Kinder der Fall war –, oder wenn ein Kind vom Pfad des Evangeliums abzuirren droht? Woher wissen Sie, was Sie tun müssen, wenn Sie mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben? Wo suchen Sie Hilfe und Inspiration, wenn Sie in Ihrer Gemeinde bzw. Ihrem Pfahl zu einer Führungsaufgabe berufen werden? Die jungen Männer stehen vor ähnlichen Fragen.

Für uns alle gibt es nur eine einzige Möglichkeit, den Hindernissen und Chancen, die zum Leben gehören, sicher und voller Selbstvertrauen zu begegnen. Erstens: Hören Sie auf den Propheten und die Apostel. Beschäftigen Sie sich mit den Grundsätzen, die wir lehren. Tragen Sie diese Grundsätze dann dem Herrn vor und fragen Sie ihn, wie Sie sie anwenden sollen. Bitten Sie ihn, Ihr Denken zu beeinflussen, Ihr Verhalten zu mäßigen und Ihre Schritte zu lenken. „Berate dich mit dem Herrn in allem, was du tust, und er wird dich zum Guten lenken.“ (Alma 37:37.) Er wird durch die Macht und die Gegenwart des Heiligen Geistes mit Ihnen Verbindung halten.

Beherzigen Sie Geistige Eingebungen

Sie können einiges tun, um Ihre Fähigkeit stark zu fördern, die Eingebungen des Heiligen Geistes und damit die Stimme Gottes zu verstehen.

Erstens: Fasten und beten Sie. Als die Söhne Mosias wieder mit Alma dem Jüngeren zusammentrafen, freuten sie sich über ihr Wiedersehen und erklärten, sie hätten sich „vielem Fasten und Beten hingegeben“ und seien dadurch mit dem Geist der Prophezeiung und der Offenbarung gesegnet worden, „und wenn sie lehrten, so lehrten sie mit der Kraft und Vollmacht Gottes“ (Alma 17:3).

Zweitens: Vertiefen Sie sich in die heiligen Schriften. Die Worte von Christus „werden euch alles sagen, was ihr tun sollt“ (2 Nephi 32:3). Die heiligen Schriften kanalisieren Offenbarung. Liebe junge Erwachsene, Ihre Generation kennt sich in den heiligen Schriften weitaus besser aus als wir in eurem Alter. Sie haben gelernt, wie man in den heiligen Schriften liest und darin studiert. Ich fordere Sie eindringlich auf: Studieren Sie noch intensiver. Ich verheiße Ihnen: Dann wird Ihre Fähigkeit, die Stimme des Herrn zu hören, so wie sie durch den Heiligen Geist ergeht, zunehmen und sich weiter verbessern.

Drittens: Machen Sie sich bereit, Zeit im Haus des Herrn zu verbringen. Wenn die Zeit gekommen ist, wo wir in den Tempel gehen dürfen, sind wir hinterher mit Kraft ausgerüstet (siehe LuB 109:22). Im Tempel wird uns verheißen: Wenn wir „aufwachsen“, was unsere Kenntnis vom Herrn betrifft, so werden wir „eine Fülle des Heiligen Geistes empfangen“ (LuB 109:15). Der Tempel ist die Stätte individueller Offenbarung. Gehen Sie regelmäßig in den Tempel, wenn Sie Ihre Begabung empfangen haben. Wenn Sie Ihre Begabung noch nicht empfangen haben, dann machen Sie sich für den Tempel bereit, denn hinter den Tempeltoren liegt die Macht, die Sie gegen die Wechselfälle des Lebens wappnet.

Viertens: Hören Sie auf das, was Ihr Vater, Ihre Mutter, Ihr Mann bzw. Ihre Frau Ihnen raten. Sie sind klug und erfahren. Sprechen Sie mit ihnen über Ihre Ängste und Sorgen. Bitten Sie Ihren Vater, Ihnen einen Segen zu geben. Wenn er aus irgendeinem Grund nicht würdig oder in der Lage dazu ist, dann gehen Sie zu Ihrem Bischof oder Ihrem Pfahlpräsidenten. Er liebt Sie und betrachtet es als Vorzug, Ihnen einen Segen geben zu dürfen. Und wenn Sie den Patriarchalischen Segen noch nicht empfangen haben, so sollten Sie dies nachholen.

Fünftens: Seien Sie gehorsam und umkehrwillig. Es gibt bestimmte Dinge, die man einfach nicht tun darf, wenn man den Heiligen Geist mit sich haben möchte. Man darf sich keine vulgären Lieder anhören, keine Filme mit sexuellem Inhalt anschauen, keine pornografischen Bilder im Internet (oder sonst wo) betrachten, den Namen des Herrn nicht missbrauchen, keine unanständige Kleidung tragen, das Gesetz der Keuschheit in keinster Weise übertreten und die Ideale wahren Mannes- bzw. Frauentums nicht ignorieren. Sonst darf man nicht erwarten, dass der Heilige Geist mit einem ist. Wer sich des geschilderten Verhaltens schuldig macht, darf sich nicht wundern, wenn er sich einsam, mutlos und unwürdig fühlt. Entscheiden Sie sich nicht dafür, ohne den Geist des Herrn zu leben, der Sie führt, beschützt, berät, warnt und mit Frieden erfüllt. Üben Sie Umkehr, falls dies notwendig sein sollte, damit Sie sich der Gemeinschaft mit dem Geist erfreuen können.

Frauen und Männer, die die Stimme des Herrn hören können und die Eingebungen beherzigen, entwickeln sich zu unschätzbaren Werkzeugen in der Hand des Herrn. Nach einer Pfahlkonferenz habe ich einmal etwas erlebt, was ich niemals vergessen werde. Man hatte mich gebeten, mitzuhelfen, eine junge Frau zu segnen, die an Krebs erkrankt war. Ihre Familie hatte sich zur Kirche bekehrt und durch die Eingebungen des Geistes Frieden gefunden. Ehe wir dieser lieben Schwester einen Segen gaben, sagte sie zu mir: „Elder Ballard, ich habe keine Angst vor dem Sterben, auch wenn ich gerne hier bei meiner Familie bleiben würde. Ich bin aber bereit, den Willen des himmlischen Vaters zu akzeptieren. Bitte segnen Sie mich, damit ich Frieden finde und weiß, dass der Herr mit mir ist.“ Mit was für einem Glauben, was für einer Erkenntnis und was für einem Mut hatte der Geist sie gesegnet! Nur wenige Monate später erhielt ich von ihrer Familie die Nachricht, dass der himmlische Vater sie nach Hause gerufen hatte. Sie starb in Frieden, und die Familie empfand Frieden, weil alle mit dem Geist vertraut waren. Der Geist sagt Ihnen, wie der Herr zu Ihnen steht. Das ist mit die schönste Botschaft, die er überhaupt vermittelt. Und diese Gewissheit schenkt Ihnen mehr Kraft als alles andere.

Zum Schluss möchte ich mich noch einmal Ihnen zuwenden, liebe Schwestern. Ihnen ist ja die tief empfundene Fähigkeit angeboren, die Stimme des guten Hirten zu hören. Sie brauchen sich nie wieder zu fragen, ob Sie in den Augen des Herrn und der Brüder in den präsidierenden Räten der Kirche von Wert sind. Wir lieben Sie. Wir schätzen Sie. Wir achten Sie. Zweifeln Sie niemals daran, dass Ihr Einfluss unabdingbar für den Erhalt der Familie und für das Wachstum und die geistige Lebendigkeit der Kirche ist. Ohne Sie kann die Kirche die Bestimmung nicht erreichen, zu der sie vorherordiniert worden ist. Wir Männer können Kinder einfach nicht so in ihrer Entwicklung fördern wie Sie. Die meisten Männer besitzen nämlich nicht die Sensibilität – weder geistig noch in anderen Bereichen –, die Ihnen aufgrund Ihres ewigen Wesens angeboren ist. Der Einfluss, den Sie auf die Familie, auf die Kinder, auf die jungen Menschen und auf die Männer ausüben, ist einzigartig. Sie sind zur Mutter geboren. Aufgrund dieser ungewöhnlichen Gaben und Talente spielen Sie eine wichtige Rolle dabei, der ganzen Welt das Evangelium zu bringen und zu zeigen, dass es Freude macht, so zu leben, wie die Propheten es uns raten.

Mehr als jemals zuvor brauchen wir Frauen des Glaubens, der Tugend, der Weitsicht und der Nächstenliebe, wie es in der Deklaration der FHV heißt (siehe Mary Ellen Smoot, „Freut euch, Töchter Zion“, Liahona, Januar 2000, Seite 112). Wir brauchen Frauen, die hören können und die Stimme des Herrn beherzigen, Frauen, die unter allen Umständen die Familie verteidigen und schützen. Wir brauchen keine Frauen, die wie Männer sein wollen, die wie Männer klingen, sich wie Männer kleiden, Auto fahren wie manche Männer oder sich wie Männer verhalten. Wir brauchen vielmehr Frauen, die sich freuen, eine Frau zu sein, und die eine geistige Bestätigung ihrer Identität als Frau, ihres Wertes und ihrer ewigen Bestimmung besitzen. Vor allem aber brauchen wir Frauen, die für Wahrheit und Rechtschaffenheit eintreten, das Böse anprangern und einfach sagen: „Herr, hier bin ich, sende mich.“

Ich bezeuge Ihnen, dass Sie kostbar sind und dass diese Kirche die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist. Das Gottesreich wird hinrollen, bis es die ganze Erde erfüllt. Es ist an Ihnen, der ganzen Welt ein Licht und ein Banner zu sein und den Frauen und Männern der Welt zu zeigen, dass die Frau die natürliche Neigung hat, Gutes zu tun und nach dem zu streben, was vom Geist ist.

Ich sage Ihnen ganz einfach: Möge Gott die Frauen in der Kirche segnen.

Nach einer Ansprache anlässlich der Andacht an der Brigham-Young-Universität am 13. März 2001.